Manuskripte

SWR3 Worte

Wenn der Sauerteig den Teig nicht aufgehen lässt, ist er kein richtiges Ferment. Wenn ein Parfum die Nase der Näherkommenden nicht mit Wohlgeruch erfüllt, ist es dann noch ein Parfum? Sag ja nicht, es sei unmöglich, einen guten Einfluss auf Andere auszuüben; denn wenn du wirklich ein Christ bist, ist es unmöglich, dass dein Tun ohne Folgen bleibt: das gehört wesentlich zu einem Christen…

Zu sagen, ein Christ könne seinem Nächsten nicht nützlich sein, wäre ebenso widersprüchlich wie die Behauptung, die Sonne habe nicht die Fähigkeit, Licht und Wärme zu erzeugen...

Der heilige Johannes Chrysostomos, vor mehr als anderthalb tausend Jahren Bischof von Konstantinopel und Kirchenlehrer – er meint, dass Christinnen und Christen nicht anders können als nützlich sein für die Mitmenschen. Schön, so viel optimistische Hoffnung!

(in: Homilien zur Apostelgeschichte, Nr. 20 )

 

 

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Ich bejahe mit Überzeugung ein Leben nach dem Tod, allerdings nicht in primitiver Weise verstanden, sondern als Eingang meiner ganzen endlichen Person in die Unendlichkeit Gottes. Als Übergang in eine andere Wirklichkeit jenseits der Dimension von Raum und Zeit, welche die reine Vernunft weder bejahen noch verneinen kann. Es ist eine Sache eines vernünftigen Vertrauens... Ich vertraue mit guten Gründen auf die Botschaft der Bibel und glaube an ein Aufgefangenwerden durch einen gnädigen Gott. ...

Es geht jedenfalls um einen Zustand ewigen Friedens und ewiger Glückseligkeit.

Der Theologe Hans Küng  - im Interview mit dem Spiegel über das kommende Ende seines Lebens.

 (in: Der Spiegel 50/2013 – S. 122))

https://www.kirche-im-swr.de/?m=16722

Die Schauspielerin Veronica Ferres nennt sich einen "gläubigen" Menschen:

Ich lese von Zeit zu Zeit in der Bibel und spreche zu Gott... Ich gehe auch gelegentlich in die Kirche. Ich genieße es dann, wenn so eine Gemeinde rockt und zusammen singt und man die Lebensfreude spürt.

(Es gibt durchaus Momente, in denen ich Gott spüren kann. Etwa) ... in extremen Momenten, ganz gleich, ob es schöne oder schwierige Extreme sind. Diese schönen Momente sind das atemlose Staunen über Gottes Schöpfung und Naturerlebnisse. In schwierigen Situationen ist es das Wissen, dass man nicht alleine ist.

(Ja, ich bin mal aus der Kirche ausgetreten.) Austritt aus jugendlicher Rebellion. Ich wollte meinen Weg und meinen Glauben selber finden. Und ... ich (habe) mich erst mal befreien müssen. Durch den sehr plötzlichen und frühen Tod meiner Mutter habe ich dann zu meiner Glaubensform gefunden … 

(in: Neue Osnabrücker Zeitung 19.10.2013)

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(Diese) Weihnachtsgeschichte... soll ... die (große) Freude (verkünden), dass wir uns heute Nacht noch zusammensetzen mit Brüdern, die wissen, was es heißt, ... in einem Stall geboren zu sein, für die das Wort Krippe einen genauen Sinn hat, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit...  Sie suchen keine Gnade, sie erwarten mehr als Glaube, Liebe und Hoffnung, sie suchen Menschen: uns. Und das ist meine letzte Geschichte:

Als die drei Könige... wieder aus dem Stall traten,
hielt Kaspar erschrocken inne.

Der Stern, sagte er.
Was ist mit ihm?, fragte Melchior.
Er ist weitergezogen!, sagte Kaspar.
Hast du jemals einen Stern stillstehen sehen?, fragte Balthasar.

Der Dichter Adolf  Muschg weiß: Der Stern zieht weiter – sicher auch vor den Sternsingern her, die unterwegs sind auf der Suche nach Menschen.   

(in: Walter Jens, Es begibt sich aber zu der Zeit. Texte zur Weihnachtsgeschichte, Radius, Stuttgart, 1988, S. )

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=16720

Rundheraus: das alte Jahr war keine ausgesprochene Postkartenschönheit, beileibe nicht. Und das neue? ...

Wir wollen es nicht abwarten! Wir wollen nicht auf gut Glück ... warten, nicht auf den Zufall und den Himmel harren, nicht auf die Weisheit der Regierungen, die Intelligenz der Parteivorstände und die Unfehlbarkeit aller übrigen Büros. Wenn Millionen Menschen ... miteinander leben wollen, kommt es ... auf jeden und jede an...

Wenn Unrecht geschieht, wenn Not herrscht, wenn Dummheit waltet, ... wenn Hilfe verweigert wird – stets ist jeder Einzelne zur Abhilfe mit aufgerufen... Jeder ist mitverantwortlich für das, was geschieht, und für das, was unterbleibt. Und jeder ... muss ... spüren, wann die Mitverantwortung ... wartet..., dass er handele, helfe, spreche, sich weigere oder empöre, je nachdem.

Erich Kästner Mitte des letzten Jahrhunderts – Vorsätze für ein neues Jahr, die auch heute aktuell klingen...

(in: Erich Kästner, Die vier archimedischen Punkte, aus: Die kleine Freiheit, Zürich 1952 – S. 134/135)

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Wenn ein Christ die Hoffnung vergisst oder, schlimmer noch, sie verliert, dann hat sein Leben keinen Sinn. Dann ist es so, als ob sein Leben vor einer Mauer stünde: Ende.

Aber der Herr tröstet uns und schafft uns neu – er schenkt neue Hoffnung. Er tut das mit einer besonderen Nähe zu jedem Einzelnen, wie das (Evangelium be-)schreibt: „Wie ein Hirt führt er seine Herde zur Weide…; die Lämmer trägt er auf dem Arm, die Mutterschafe führt er behutsam.“ Dieses Bild, wie er die Lämmchen auf der Brust trägt und die Mütter behutsam führt: Das ist die Zärtlichkeit. Der Herr tröstet uns mit Zärtlichkeit.

Wenn Papst Franziskus von Zärtlichkeit spricht, von „tenerezza“ – man glaubt ihm, dass er weiß, wovon er redet... 

(in: Predigt am 11. Dezember 2013 – zitiert nach http://de.radiovaticana.va/ - Internetauftritt von Radio Vatikan)

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Der Hirte ... soll “nach seiner Herde riechen“. Wie sich Papst Franziskus so sehr wünscht ...

Ich denke ... an die Ordensschwestern meines Teams, die sich tag und nacht rausklingeln lassen, ... die bis in die entlegensten Winkel unserer Pfarrei fahren, in die nur schwer zugänglichen Dörfer, um offene Wunden an den Füssen der Alten zu versorgen, Kinder von Parasiten zu befreien, um Kranke, die im Schmutz liegen, umzubetten und zu trösten...

Nach einem solchen Einsatz ... kommen Priester und Schwestern ... mit dem Geruch ihrer Herde zurück, ... verschwitzt und verdreckt, aber glücklich... Bezeichnenderweise wurde Gott selbst Mensch in einer Hütte, in einem Stall, und nahm den Geruch von Ochs und Esel an!

Roberto Hof, Pfarrer aus München, arbeitet in Bolivien und schreibt in seinem Weihnachtsbrief über Hirten und den Geruch der Herde 

(in: Privater Rundbrief von Roberto Hof, Innerkirchliche Kommunikation, honorarfrei)

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