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11FEB2026
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Die Närrischen Tage stehen an.

Sie sind ja zum einen dafür da, um vor der Fastenzeit nochmal ausgelassen zu feiern. Und zum anderen, um die herrschenden Verhältnisse für wenige Tage umzukehren. Rathäuser werden gestürmt. Nicht mehr der Bürgermeister regiert, sondern die Narren. Es ist eine Revolution. 

Morgen zum Beispiel haben es Krawattenträger besonders schwer.

An Weiberfasching oder, wie man bei mir daheim sagt, Weiberfasnet, da führen die Frauen das Regiment und dürfen den Männern die Krawatten abschneiden. Eigentlich traurig, dass es so einen Tag immer noch gibt. Nicht wegen den Krawatten, aber wegen der mangelnden Gleichberechtigung.

Für mich hat Weiberfasnet nämlich auch damit zu tun.

Es gab schon im Mittelalter während Karneval und Fasching einen Tag an dem die Frauen das taten, was sie sonst nicht durften. Dabei ging es um Dinge, wie zum Beispiel Kartenspielen. Auf die Spitze haben es im Jahr 1824 die Wäscherinnen im Bonner Stadtteil Beuel getrieben. Sie haben dort kurzerhand einen Verein gegründet und am Donnerstag vor Karneval die Arbeit niedergelegt. Um sich eine Teilnahme am Karneval zu erstreiten, denn der war bis dahin den Männern vorbehalten. Die abgeschnittenen Krawatten sind, über hundert Jahre später, ein schwaches Relikt dieser damaligen Revolution.

Deshalb ist es traurig, dass es diesen Tag immer noch gibt. Denn, wenn diese närrischen Tage nicht nur dafür da sind, um zu feiern, sondern immer noch, um gesellschaftliche Hierarchien zu kritisieren und auf den Kopf zu stellen, dann braucht es die Weiberfasnet weiterhin. Denn: in so vielen Berufen verdienen Frauen bis heute für die gleiche Arbeit weniger? Und wie viel Arbeit in Krankenhäuser, Kindergärten und Pflegeeinrichtungen wird hauptsächlich von Frauen geleistet?

Von meiner eigenen Kirche gar nicht zu sprechen ...

Ich hätte da mal einen Vorschlag: Wie wäre es, wenn morgen, nur für einen Tag, Frauen all das in der katholischen Kirche täten, was sonst Männern vorbehalten ist? Etwa, dass sie Messe feiern und Beichte hören. Weil, es doch Fasnet ist. Die Umkehrung der gesellschaftlichen Verhältnisse.

Wahrscheinlich würde das nicht alles auf einmal ändern, aber vielleicht würde es helfen, dass Frauen in der katholischen Kirche irgendwann auch da vorne am Altar stehen. Und zwar nicht nur für einen Tag. Sondern dass es so normal ist, wie Kartenspielen.

In diesem Sinne ihnen allen eine glückselige Weiberfasnet.

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10FEB2026
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Ich stehe an der Kasse eines Museums. Vor mir liegen knallpinke Postkarten

mit einem goldenen Bilderahmen. Über dem Bilderrahmen steht in giftgrüner Schrift: „Wo siehst Du Gemeinschaft?“ und dort, wo in dem Bilderrahmen eigentlich ein Bild sein sollte, ist ein Loch ausgestanzt. Man kann durschauen. Ich stehe ein wenig ratlos vor den Karten.

 „Die dürfen sie gerne mitnehmen“, sagt die Dame hinter der Kasse. Ich bin mir nicht sicher, was ich damit soll, aber ich lächle, bedanke mich und nehme eine Karte. Erst auf den zweiten Blick sehe ich, dass da noch mehr Karten derselben Art liegen, nur mit anderen Fragen: Auf einer steht: „Wo siehst Du Schönheit?“ und auf einer dritten: „Wo siehst Du Hoffnung?“

Die Dame lächelt mich noch einmal an: „Nehmen sie von jeder eine mit. Dürfen sie behalten.“ Gesagt getan.

Ich betrete das Museum[1] und vor mir steht auf einem Sockel eine hölzerne Skulptur mit drei Personen. Und plötzlich kapiere ich, wofür die Karten gut sind. Sie sind zum Durchschauen. So, wie man früher durch den Sucher beim Fotoapparat durchgeschaut hat. Ich halte die Karte hoch und sehe eingerahmt nur noch die drei Gesichter der Skulptur. Im Hinterkopf die Frage der ersten Karte: „Wo siehst Du Gemeinschaft?“ Und dann denke ich: „Was für eine schöne Idee.“ Die Karten sollen mir helfen, mich im Museum zu fokussieren. Um mich bei jedem Bild und jeder Figur zu fragen: Wo sehe ich Gemeinschaft oder Schönheit oder Hoffnung? Auf meinem Weg durchs Museum nehme ich sie immer wieder zur Hand, schaue durch und denke über die Fragen nach.

Die Karten kommen erst einmal nur wie eine nette Spielerei daher. Ich finde aber, es ist mehr. Sie helfen mir, meinen Blick zu schärfen und mich darauf zu konzentrieren, was wirklich wichtig ist.

Ich habe die Karten mit nachhause genommen. Und ab und zu kommen sie nun zum Einsatz, wenn ich abends bete. Wenn wieder sehr viel los war am Tag, ich gefühlt mit tausend Leuten gesprochen habe und mir der Kopf schwirrt. Dann schließe ich vor dem Zubettgehen die Augen und schaue mit den Fragen auf den Postkarten auf meinen Tag. Wo habe ich heute Gemeinschaft erlebt? Was hat mir Hoffnung gegeben? Und was war einfach nur schön? Ich gebe zu, es ist nicht immer einfach. Aber ich finde immer etwas, um anschließend „Danke“ zu sagen.

 

[1] Das neu gestaltete Diözesanmuseum in Rottenburg am Neckar: https://dioezesanmuseum-rottenburg.de/

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09FEB2026
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Ohne Musik könnte ich nicht leben. Sie begleitet mich schon mein Leben lang.

Meine Nachbarin hat früher immer lachend erzählt, dass sie gewusst hat, wann bei mir die Schule aus war. Weil ich dann auf dem Fahrrad laut singend das Dorf hinunter gefahren bin.

Später habe ich im Kirchenchor gesungen und dann auch einige Zeit in einer Rockband. Gemeinsam Musik zu machen ist etwas so Wunderbares. Wer in einem Chor singt oder in einer Musikapelle spielt, weiß wovon ich rede.

Auch einen Gottesdienst kann ich mir ohne Musik kaum vorstellen. Weihnachten, ohne das gemeinsame „Oh, du fröhliche“. Was für eine traurige Veranstaltung wäre das denn bitte?

Musik kann Menschen verbinden. Nicht nur gemeinsam singen, auch zusammen Musikhören. So wie hier im Radio. Und, nicht zu vergessen, Musik hat eine sehr heilsame Seite.

In der Bibel wird erzählt, dass König Saul schwermütig war und David dann für ihn auf der Harfe gespielt hat. Und, dass es ihm dann besser ging!

Das erlebe ich auch. Wie Musik meine Stimmung verändert. Mich irgendwie tiefer und anders berührt als das Worte alleine könnten.

Genau das beobachte ich grad auch bei meinem Vater. Er hat sein Leben lang in einer Musikkapelle gespielt und auch immer gerne Blasmusik gehört.

Jetzt ist er Mitte achtzig und dement. Wenn er mit mir vor dem Fernseher sitzt, weiß ich nicht immer, was er davon noch mitbekommt. Aber wenn dort dann Blasmusik läuft, verändert er sich. Ich merke sofort, wie er aufmerksam wird, sein Knie mitwippt und auch seine Finger bewegen sich schnell. Als wolle er mitspielen. Er ist für einen Moment hellwach und fängt an zu strahlen.

Ich glaube, Musik hilft uns im Augenblick zu sein. Für einen Moment nicht der Vergangenheit nachzuhängen oder mit Sorge auf die Zukunft zu schauen, sondern einfach zuzuhören. Genau jetzt. Vielleicht liegt das daran, dass die Musik selbst so flüchtig ist. Sie nur von Note zu Note existiert.

Während ich so rede, merke ich, dass ich in den letzten Monaten eindeutig zu wenig Musik gemacht habe. Das muss ich ändern. Gleich nachher rufe ich einen Freund an, ob wir uns endlich mal wieder zum Musikmachen treffen. Einfach so, weil es so wunderbar und heilsam ist.

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06FEB2026
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Ich weiß das noch genau: Ich konnte als Kind abends nicht einschlafen, wenn die Tür zu meinem Zimmer nicht einen spaltbreit offenstand. Durch diesen Spalt ist immer etwas Licht aus dem Flur in mein Zimmer gefallen. Wenn die Tür fest geschlossen war, dann war es stockdunkel im Zimmer, und das hat mir Angst gemacht. Manchmal bin ich dann nachts aufgewacht, die Tür war zu und ich habe mich nicht orientieren können. Ich habe nicht gewusst, wo ich bin, wo die Wand ist und wo die Tür und habe mich ganz und gar verloren gefühlt.

Heute bin ich erwachsen. Aber ich brauche das immer noch: Eine Schlafzimmertür, die einen spaltbreit offensteht. Oder einen Rollladen, der nicht ganz runtergelassen ist, damit etwas Licht von der Straßenlaterne ins Schlafzimmer fällt. Ich glaube, dass es anderen Menschen genauso geht wie mir. Totale Dunkelheit macht Angst. Wir brauchen wenigstens einen Spaltbreit Licht. Vielleicht hat Jesus deshalb von sich selbst einmal gesagt, dass er das „Licht der Welt“ sei. Es gibt so viele Dunkelheiten in unserer Welt. Nicht nur dunkle Schlafzimmer. Auch dunkle Lebenszeiten. Zeiten der Krankheit gehören dazu. Oder Zeiten, in denen ein Mensch stirbt, den ich liebe. Ich habe auch solche Zeiten erlebt, in denen ich mir große Sorgen um unsere Kinder gemacht habe. Das waren auch dunkle Zeiten. Und dann macht mir manchmal die politische Situation Angst. So viele reden wieder davon, dass ein Krieg möglich wäre, von dem auch wir Deutschen betroffen sein könnten. Was kommt da auf uns zu und auf unsere Kinder? Dunkelheit kann ich also nicht nur bei verschlossener Schlafzimmertür erleben. Die Dunkelheit greift manchmal auch mitten am Tag nach meinen Gedanken und Gefühlen. Sie überschattet mein Herz und meine Seele. – Jesus sagt: „Ich bin das Licht der Welt“. Das erlebe ich tatsächlich immer wieder. Wenn ich bete oder Worte in der Bibel lese, dann bekomme ich oft neue Hoffnung oder neue Kraft. Dann verschwinden wenigstens für einige Zeit die dunklen Gedanken und die finsteren Gefühle. Dann atme ich für einen Moment auf, erlebe Frieden im Herz und kann fest daran glauben, dass ich in Gottes Hand geborgen bin. Er kennt doch alle Dunkelheiten. Auch die finsteren Momente meines Lebens. Darum ist für mich der Glaube an Gott so etwas wie eine Tür, die einen spaltbreit offensteht. Licht von Gott fällt hinein und meine Angst vergeht.

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05FEB2026
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„Mir ist langweilig. Laaangweilig!“ hat meine kleine Enkeltochter letztens gestöhnt. Und dabei hatten wir uns doch den ganzen Tag über ein Programm für sie ausgedacht. Einen Ausflug, gemeinsames Kochen, ein Brettspiel. Aber jetzt gab es einmal für ein paar Minuten kein Programm und gleich war es meiner Enkeltochter langweilig. Ich kann mich nicht erinnern, ob mir als Kind auch öfter langweilig war. Aber ich habe den Verdacht, dass Langeweile ein relativ modernes Phänomen ist. Früher hatten die Menschen den ganzen Tag über zu tun. Vom Aufstehen bis zum Zu-Bett-Gehen gab es so viele Dinge, die erledigt werden mussten. Und wenn es dann mal nichts zu tun gab, dann waren sie oft froh über diese Pause und nannten es „Muße“. Muße war etwas Gutes, weil etwas Seltenes. Muße, das Wort stammt aus dem Althochdeutschen und bedeutet so viel wie „Ruhe“ oder „arbeitsfreie Zeit.“ Muße heißt also: Ich kann mich mal einen Moment hinsetzen, darf durchatmen und zur Ruhe kommen.

Heute ist die Muße aus der Mode gekommen. Dafür gibt es jetzt die Langeweile. Und die Langeweile ist nichts Gutes wie es früher die Muße war. Die meisten Menschen versuchen Langeweile zu vermeiden. Dafür gibt es ja auch viele Möglichkeiten. Fernsehen, Filme streamen oder sich stundenlang mit dem Handy beschäftigen – das alles hilft, dass erst gar keine Langeweile aufkommt.

Bei Psychologen habe ich gelesen, dass Langeweile aber etwas sehr Wichtiges ist. Oder eben Muße. Einfach mal nichts tun. Das Gehirn braucht solche Zeiten, sagen sie, damit es sich von den vielen Eindrücken erholen kann, die ununterbrochen auf es einstürmen. Ohne Ruhepausen kann ich das gar nicht mehr alles verarbeiten. Nichtstun fördert auch die Kreativität. Ich bekomme nur neue Gedanken und Ideen, wenn ich nicht ständig beschäftigt und abgelenkt bin. Solche Zeiten der Langeweile oder Muße helfen mir schließlich auch, mich selbst wieder besser wahrzunehmen. Ich brauche das Nichtstun, um mit mir, meinen Gefühlen und Bedürfnissen in Kontakt zu kommen. Und schließlich hilft das Nichtstun, die Muße, auch um mit Gott in Kontakt zu kommen. Psychologen sagen: Muße oder Langeweile ist eine Tür zur inneren Welt. Wenn ich durch sie hindurchgehe, begegne ich mir selbst und Gott. Darum brauche ich immer wieder Zeiten der Muße oder dass mir einfach auch mal langweilig ist.

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04FEB2026
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„Von guten Mächten wunderbar geborgen“ – so beginnt ein bekanntes Kirchenlied. Und ganz oft wird dieses Lied um den Jahreswechsel herum in Gottesdiensten gesungen. Es wird auch auf Postkarten abgedruckt und verschenkt. Den Text zu diesem Lied hat Pfarrer Dietrich Bonhoeffer geschrieben. Heute am 4.Februar wäre sein Geburtstag. Im April 1943 jedoch wurde Dietrich Bonhoeffer von der Gestapo in Berlin verhaftet, weil man herausgefunden hatte, dass er in die Vorbereitungen für das Attentat auf Adolf Hitler verwickelt war. Dietrich Bonhoeffer wusste nicht, ob er jemals wieder aus der Haft freikommen würde. Ende des Jahres 1944 hat er auch damit gerechnet, dass man ihn hinrichten könnte. Und er hat Recht behalten. Im April 1945 wurde Dietrich Bonhoeffer erhängt. An seinem letzten Weihnachten 1944 hat er im Gefängnis ein Gedicht für seine Familie und ganz besonders für seine Verlobte Maria geschrieben. Es war sein Weihnachtsgeschenk an sie und es beginnt mit diesen Worten: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag.“ – Das Gedicht hat sieben Strophen und in der sechsten Strophe heißt es: „Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet, so lass uns hören jenen vollen Klang der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet, all deiner Kinder hohen Lobgesang“.

Diese Strophe ist weniger bekannt als die erste. Aber sie sagt viel über Dietrich Bonhoeffer aus. Er war überzeugt, dass diese Welt, in der wir leben, mit all ihrem Leid, ihren Kriegen, ihrer Ungerechtigkeit und ihrem Schmerz nicht das Einzige ist. Unsere Welt ist umgeben von Gottes unsichtbarer Welt. Und in dieser unsichtbaren Welt wird jetzt schon Gott gelobt. Ich finde, das ist eine schöne und tröstliche Vorstellung. Diese Welt ist nicht alles. Sie ist eingehüllt in Gottes Liebe und geborgen in seinem Segen. Vielleicht kann man manchmal das Leben auf dieser Welt nur aushalten, wenn man wie Bonhoeffer davon überzeugt ist, dass alles, was geschieht, unsichtbar von Gottes Welt umgeben ist. Gott ist da, auch wenn ich ihn nicht sehen und manchmal auch nicht spüren kann. Er führt und leitet und bringt alles zu einem guten Ende. Bonhoeffer hat das geglaubt und es hat ihm in seinen dunklen Stunden im Gefängnis Kraft und Hoffnung gegeben. Und nicht nur ihm. Auch mich trägt dieser Glaube.

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03FEB2026
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Manchmal stehe ich vor meinem Bücherregal und staune: Da stehen so viele Bücher auf mehreren Metern Regalbrettern. Ich habe sie nicht alle gelesen; manche auch nur teilweise. Aber ich habe viel aus ihnen gelernt über die Welt, mein Leben, über Gott und den Glauben. Ich bin dankbar für meine Bücher – und ich bin einem Mann ganz besonders dankbar: Johannes Gutenberg. Ohne ihn hätte ich die Bücher gar nicht. Denn er hat um das Jahr 1450 den modernen Buchdruck erfunden. Der 3. Februar heute gilt als sein Todestag und damit sein Gedenktag. Ich vermute mal, dass Johannes Gutenberg, als er 1468 gestorben ist, nicht geahnt hat, wie sehr seine Erfindung die Welt verändern wird. Bis dahin wurden Bücher einzeln Wort für Wort abgeschrieben, meist von Mönchen. Und für ein Buch brauchten sie Monate oder sogar Jahre. So ein Buch konnten sich höchstens die ganz Reichen, Könige oder Fürsten leisten. Aber Gutenbergs Erfindung hat es möglich gemacht, dass sich auch ganz normale Menschen ein Buch kaufen und bezahlen konnten. Die Menschen fingen an lesen zu lernen, um die Bücher zu verstehen. Bildung wurde wichtig, und Schulen sind entstanden. Ja, der Buchdruck von Johannes Gutenberg hat die Welt verändert und gilt als eine der größten Erfindungen der Geschichte.

Vielleicht haben Sie unter ihren Büchern im Regal auch eine Bibel stehen. Eines der ersten Bücher, die Gutenberg druckte, war nämlich eine Bibel. Er war davon überzeugt, dass die Bibel das wichtigste Buch von allen ist. Weil sie Menschen und ihr Leben verändert. Die Bibel erzählt davon, dass Gott mich geschaffen hat, mich liebt und mich durch mein Leben begleiten will. Die Bibel sagt mir, wer ich bin: Gottes geliebtes Kind. In der Bibel finde ich Worte, die mir Mut machen, wenn ich verzagt bin oder mich trösten, wenn ich am Boden liege. Die Bibel ist voller Geschichten, wie Gott im Leben von Menschen gehandelt hat und darum auch in meinem Leben handelt. Ich finde: die Bibel ist ein wundervolles Buch. Manchmal, wenn ich in ihr lese, meine ich Gottes leise Stimme zu hören, die zu mir spricht. Auch dafür bin ich heute Johannes Gutenberg dankbar: Seit dem Buchdruck kann jeder Mensch die Bibel lesen.

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02FEB2026
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Mein Weihnachtsbaum ist längst abgeräumt - wie wohl die meisten. Aber früher haben die Weihnachtsbäume bis heute im Wohnzimmer gestanden. Denn erst heute, am 2.Februar, endet die Weihnachtszeit. Warum? Weil heute Maria Lichtmess ist. Heute sind genau 40 Tage vergangen seit Weihnachten. Im alten Israel gab es die Regel, dass eine Frau nach der Geburt ihres Kindes 40 Tage lang zuhause bleiben musste. So lange galt sie als „unrein“. Erst nach diesen 40 Tagen durfte sie wieder das Haus verlassen. Für Maria endete diese Zeit nach der Geburt von Jesus heute, am 2. Februar. Und wissen Sie, wohin Maria als erstes gegangen ist, als sie wieder vor die Tür durfte? Nein, keine Babykleidung kaufen oder ihre Freundinnen besuchen, sondern direkt in den Tempel in Jerusalem. Sie hat ihr neugeborenes Kind an den Ort gebracht, von dem sie geglaubt hat, dass dort Gott wohnt. Maria war überzeugt: Wichtiger als alles andere im Leben ist für ihr Kind, dass es unter Gottes Segen lebt und in allem Glück und allem Leid auf Gott vertraut.

Genau das ist mir für meine Kinder auch wichtig. Darum haben meine Frau und ich auch alle unsere Kinder taufen lassen. Die Taufe ist für mich ein Zeichen dafür, dass meine Kinder zu Gott gehören. Und bei jeder Taufe habe ich mir gewünscht, dass meine Kinder einmal an Gott glauben und ihm vertrauen in allen Herausforderungen ihres Lebens.

Wenn ich heute meine Kinder anschaue, dann hat sich das ganz unterschiedlich entwickelt. Meine Kinder sind heute alle erwachsen. Manche bereits verheiratet mit wieder eigenen Kindern. Einige meiner Kinder haben den Glauben an Gott für sich selbst entdeckt. Andere sind weiterhin zögerlich und fragend. Und ja, es gibt auch Ablehnung gegen den Glauben an Gott. Ich musste lernen, dass ich meinen Kindern den Glauben nicht verordnen kann. Jeder Mensch muss seinen Glauben selbst finden. Ich habe ihnen nur meinen Glauben vorleben und über meinen Glauben sprechen können, wenn sie mich danach gefragt haben.

Aber eines kann ich: Ich bete fast täglich für meine Kinder. Ich bringe sie sozusagen im Gebet zu Gott – so wie Maria ihr Kind Jesus in den Tempel gebracht hat. Ich höre nicht auf, Gott zu bitten, dass er sie segnet und ihnen die Kraft für ihr Leben gibt. Und ich bete darum, dass alle meine Kinder einmal entdecken, wie gut und hilfreich der Glaube an Gott ist.

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30JAN2026
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Eine Freundin ist leider schwer erkrankt. Sie bittet darum, dass wir Freundinnen für sie beten. Diese Bitte rührt mich sehr, also erfülle ich ihren Wunsch sehr gerne. Zumal sie zu anderen Zeiten auch schon für mich gebetet hat. In meinem Freundes- oder Bekanntenkreis ist inzwischen die Bitte „Betet für mich“ ganz normal geworden. Meine beste Freundin und ich halten das ohnehin schon lange so. Eigentlich gibts ohnehin jeden Tag genug Gelegenheiten, für andere zu beten. Da brauche ich nur die Zeitung zu lesen. Darin finden sich genug Anlässe.

Seit jeher beten Menschen füreinander oder bitten andere um das Gebet. Dafür gibt es in vielen Religionen Zeichen und Rituale. Mit diesen Gebeten unterstützen Menschen sich gegenseitig. Das Gebet hilft ja auch mir, wenn ich für die Freundin bete. Ich denke an sie in ihrer Not, und lege sie Gott besonders ans Herz. Damit kann ich ein bisschen was tun, wenn ich sonst schon in keiner Weise helfen kann. Und wir sind über das Gebet eine Weile miteinander verbunden, auch das ist wichtig. Irgendwann habe ich auch gelernt: es kann genügen, an die Menschen zu denken, um die ich mir Sorgen mache. Das reicht als Gebet aus. Gott hilft auf seine Weise.

Das wusste schon der Apostel Paulus. In einem seiner Briefe schreibt er: „Der Geist Gottes hilft uns in all unseren Schwächen. Wissen wir doch nicht einmal, wie wir beten sollen, damit Gott uns erhören kann. Deshalb hilft uns der Geist Gottes und bringt in wortlosem Flehen vor Gott, was wir selbst nicht in Worte fassen können. Aber Gott, der uns bis ins Innerste kennt, weiß natürlich auch, was der Geist ihm sagen will.“ (Röm 8,26 Übersetzung Kammermayer)

Das ist doch beruhigend. Gott weiß schon, was los ist. Ich muss es nicht im Einzelnen aufzählen. Ohnehin ist jedes Fürbitt-Gebet ja eine ganz offene Bitte. Und keine Bestellung. Ich weiß von vielen Menschen, dass ihnen schon hilft, wenn sie ihre Bitte ausgesprochen haben. Damit hat sich die eigene Sorge ein klein wenig verwandelt. Wenn die Bibel vom „Geist Gottes“ spricht, meint sie genau das - die Kraft, die in mir und um mich ist. Es ist die Kraft Gottes, die mich lenkt und leitet. Die Lebensgeister, von denen ich glauben und hoffen darf, dass sie von Gott sind. Meine Freundin, die um Fürbitte gebeten hat: sie wird möglicherweise nicht mehr gesund werden. Aber es stärkt sie, wenn wir für sie beten. Das gibt ihr Kraft und hilft, die schwere Zeit ein wenig besser zu bewältigen. So erfährt sie Gottes Hilfe!

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29JAN2026
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Alle Plätze waren besetzt, im Vorraum, vor dem Arztzimmer, im Spenderaum.  Neben denen, die öfter zur Blutspende gehen, kamen immer wieder Erstspender, die sich noch nicht auskennen - ein bisschen unsicher, wie das alles dann funktioniert. Die jüngsten Aufrufe zum Blutspenden sind offensichtlich angekommen. Denn die Blutbanken haben gerade Not: es ist Winter, viele sind Grippe-krank, dazu Feiertage, Urlaube - die Vorräte sind knapp geworden. Dann braucht es Aufrufe zum Blutspenden.

Blutspenden ist eigentlich ganz einfach. Genug trinken, hingehen, Fragebogen zur Gesundheit ausfüllen. Dann wird Blutdruck und Eisenwert gemessen, ein Arzt guckt sich das kurz an. Wenn von dort die Zustimmung kommt, darf man spenden. Das ist alles! Die Helferinnen sind ziemlich geübt, alles geht sehr routiniert, auch der kleine Pieks mit der Nadel. Nach ein paar Minuten ist der Beutel gefüllt und wird einem anderen Menschen helfen. Fertig! Bei manchen Spendeorten gibts sogar eine kleine Aufwands-Entschädigung.

Spenden bedeutet, etwas hergeben, damit eine andere Person es nutzen kann. Und es gibt viele Weisen zu spenden, so lange wir leben: Das können Sachen sein, oder Zeit, Geld oder was auch immer. Jede und jeder kann geben, was möglich ist. Ich gebe etwas von dem, was ich habe, und teile es mit anderen.

Was die Blutspende dann doch ein bisschen besonders macht: ich gebe mit vollem Bewusstsein und Willen etwas von meinem Körper her. Von meinem Blut, ohne das ich nicht leben könnte. Der halbe Liter fehlt dem Körper erst mal. Davon merke ich zwar so gut wie gar nichts. Mein Körper, dieses Wunderwerk, wird es schnell wieder ersetzen. Aber es ist dennoch sehr persönlich.

Wer etwas spendet, sollte es mit Freude tun. Ob jemand Zeit spendet oder Geld, Kuchen oder Aufmerksamkeit, Sachen aller Art oder eben auch Blut: Jede Spende zählt und hilft anderen Menschen.

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