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Mein Neffe und meine Nichte haben zum ersten Mal beim mir übernachtet. Die beiden sind fünf und acht Jahre alt. Es war ein toller Abend mit leckeren Dino-Nuggets zum Abendessen und einem gemütlichen Film samt Chips und Gummibärchen. Irgendwann war es Zeit ins Bett zu gehen. Im Vorhinein habe ich mich schon gefragt, wie das wohl klappt. Ob die beiden in einer fremden Umgebung gut einschlafen können, oder ob das Heimweh doch zu groß ist.
Gut schlafen zu können ist ein richtiger Segen. Wer dauerhaft schlecht schläft, weiß was ich meine. Ich jedenfalls fühle mich schon nach einer einzigen unruhigen Nacht am nächsten Morgen wie gerädert.
Es gibt eine christliche Heiligenlegende, in der rettet der Schlaf sogar Leben. Sie klingt erstmal ziemlich abstrus. Das ist typisch für Legenden, sie haben ja oft etwas Sonderbares an sich. Die Geschichte spielt im römischen Reich. Kaiser Decius herrscht über das Gebiet und ordnet an, dass die ganze Bevölkerung den römischen Göttern Opfer bringen soll. Eine Gruppe von sieben jungen Christen weigert sich dagegen. Sie wollen keinen fremden Göttern dienen. Deshalb lässt Decius die Sieben verfolgen. Auf der Flucht verstecken sich die jungen Männer in einer Höhle und bitten Gott um Hilfe. Gott lässt die Jungen tief einschlafen und wacht über sie. Bald finden die Soldaten das Versteck. Aus Ärger lässt der Kaiser die Höhle zumauern, denn die Gruppe soll bei lebendigem Leib begraben werden. Es vergehen ganze zweihundert Jahre, bis die Höhle ganz zufällig geöffnet wird. Und jetzt kommt das Abstruse: in diesem Moment wachen die jungen Christen auf. Sie sind nicht gestorben, sondern haben nur tief und fest geschlafen. Mittlerweile ist das Christentum in Rom zur Staatsreligion geworden. Der göttliche Schlaf hat den jungen Männern das Leben gerettet.
Ich kann und muss nicht wirklich glauben, dass sich die Legende wirklich so abgespielt hat. Trotzdem macht sie mir etwas deutlich: Gut schlafen zu können, ist wie ein Geschenk Gottes. Beim Schlafen kann sich mein Körper erholen, mein Kopf kann zur Ruhe kommen und ich kann auch mal aus der Realität fliehen, wenn ich etwas Schönes träume. Und wenn jemand nach langem Grübeln und endlosem Nachdenken am Abend endlich einschlafen kann, dann hat das etwas Erlösendes.
Bei der Übernachtungsparty mit meiner Nichte und meinem Neffen ist übrigens alles glatt gelaufen. Noch bei der Gute-Nacht-Geschichte sind den beiden die schweren Augen zugefallen. Und ich will mir vorstellen, dass – wie auch bei den jungen Christen in der Höhle – in dieser Nacht Gott ganz besonders gut auf sie aufgepasst hat.
Ich wünsche Ihnen, wenn es soweit ist, einen erholsamen und gesegneten Schlaf.
Mein Neffe und meine Nichte haben zum ersten Mal beim mir übernachtet. Die beiden sind fünf und acht Jahre alt. Es war ein toller Abend mit leckeren Dino-Nuggets zum Abendessen und einem gemütlichen Film samt Chips und Gummibärchen. Irgendwann war es Zeit ins Bett zu gehen. Im Vorhinein habe ich mich schon gefragt, wie das wohl klappt. Ob die beiden in einer fremden Umgebung gut einschlafen können, oder ob das Heimweh doch zu groß ist.
Gut schlafen zu können ist ein richtiger Segen. Wer dauerhaft schlecht schläft, weiß was ich meine. Ich jedenfalls fühle mich schon nach einer einzigen unruhigen Nacht am nächsten Morgen wie gerädert.
Es gibt eine christliche Heiligenlegende, in der rettet der Schlaf sogar Leben. Sie klingt erstmal ziemlich abstrus. Das ist typisch für Legenden, sie haben ja oft etwas Sonderbares an sich. Die Geschichte spielt im römischen Reich. Kaiser Decius herrscht über das Gebiet und ordnet an, dass die ganze Bevölkerung den römischen Göttern Opfer bringen soll. Eine Gruppe von sieben jungen Christen weigert sich dagegen. Sie wollen keinen fremden Göttern dienen. Deshalb lässt Decius die Sieben verfolgen. Auf der Flucht verstecken sich die jungen Männer in einer Höhle und bitten Gott um Hilfe. Gott lässt die Jungen tief einschlafen und wacht über sie. Bald finden die Soldaten das Versteck. Aus Ärger lässt der Kaiser die Höhle zumauern, denn die Gruppe soll bei lebendigem Leib begraben werden. Es vergehen ganze zweihundert Jahre, bis die Höhle ganz zufällig geöffnet wird. Und jetzt kommt das Abstruse: in diesem Moment wachen die jungen Christen auf. Sie sind nicht gestorben, sondern haben nur tief und fest geschlafen. Mittlerweile ist das Christentum in Rom zur Staatsreligion geworden. Der göttliche Schlaf hat den jungen Männern das Leben gerettet.
Ich kann und muss nicht wirklich glauben, dass sich die Legende wirklich so abgespielt hat. Trotzdem macht sie mir etwas deutlich: Gut schlafen zu können, ist wie ein Geschenk Gottes. Beim Schlafen kann sich mein Körper erholen, mein Kopf kann zur Ruhe kommen und ich kann auch mal aus der Realität fliehen, wenn ich etwas Schönes träume. Und wenn jemand nach langem Grübeln und endlosem Nachdenken am Abend endlich einschlafen kann, dann hat das etwas Erlösendes.
Bei der Übernachtungsparty mit meiner Nichte und meinem Neffen ist übrigens alles glatt gelaufen. Noch bei der Gute-Nacht-Geschichte sind den beiden die schweren Augen zugefallen. Und ich will mir vorstellen, dass – wie auch bei den jungen Christen in der Höhle – in dieser Nacht Gott ganz besonders gut auf sie aufgepasst hat.
Ich wünsche Ihnen, wenn es soweit ist, einen erholsamen und gesegneten Schlaf.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44021„Wenn möglich, bitte wenden“, das klingt wie die Ansage von meinem Handy, wenn mir Google-Maps mitteilt, dass ich mich mal wieder verfahren habe. Aber tatsächlich ist es dieses Jahr mein persönliches Motto für die Fastenzeit.
Die Idee dazu habe ich aus der Bibel, dort lese ich: „Kehr um und glaub an das Evangelium“. Umkehr ist das große Thema der christlichen Kirchen in der Zeit bis Ostern. Für mich klingt das Wort ein bisschen altbacken. Und vor allem nach einer ziemlich großen Aufgabe, die ich nicht einfach locker nebenher umsetzen kann.
Was im Deutschen mit „Umkehr“ übersetzt wird, steht im Originaltext der Bibel anders. Da ist eigentlich von „Umdenken“ die Rede und damit kann ich schon viel mehr anfangen. Dieses Jahr in der Fastenzeit heißt „umdenken“ für mich, dass ich aus meinen Routinen ausbrechen möchte. Ich denke also meinen Alltag um. Denn ich will in der Fastenzeit nicht einfach nur im Automatikmodus leben: Aufstehen, zur Arbeit gehen, zu Abend essen und wieder ab ins Bett. Ich will versuchen Bei einem kleinen Teil meines Tages neue Routen einzuschlagen.
Ganz konkret kann das so aussehen: ich koche ein Rezept, dass ich schon ewig mal ausprobieren wollte. Oder lese ein Gedicht, obwohl ich sonst lieber Krimis mag, oder ich besuche einen Sportkurs in meinem Fitnessstudio, den ich vorher noch nie gemacht habe. Vielleicht gelingt es mir auch umzudenken, wenn ich mit anderen Menschen zu tun habe. Dass ich im Gespräch nicht gleich meine vorgefertigte Meinung rauslasse, sondern erst mal richtig hinhöre, was mein Gegenüber mir eigentlich sagen will.
Anstelle meiner gewohnten Alltagsroutine, möchte ich ganz bewusst Neues ausprobieren. Wenn möglich! Es geht nicht darum mein gesamtes Leben umzukrempeln und das zwanghaft jeden Tag zu schaffen. Aber ich möchte es versuchen. Zumindest eine Sache will ich anders gestalten, eben bewusster. Im besten Fall läuft sie dann nicht nur nebenher, sondern ich bin mit voller Aufmerksamkeit dabei.
Umdenken meint also eigentlich im Moment präsent sein; zu merken, was gerade wichtig ist. Und gedanklich nicht schon bei den nächsten zehn Aufgaben hängen – wie ich es sonst von meinem Alltag im Autopiloten kenne.
Und vermutlich gelingt mir das nicht jeden Tag. Aber wenn ich dann bemerke, dass ich zu schnell wieder in alte Muster verfalle, dann kann ich mich nochmal an mein Motto für die Fastenzeit erinnern. „Wenn möglich, bitte wenden“. Wie auch bei meinem Navi, erinnert es mich daran, die Richtung zu wechseln, ohne Druck und Vorwürfe. Ich kann es einfach versuchen, einen anderen Weg nehmen, neu anfangen und umdenken.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44020Einfach wunderbar, wenn auf einmal etwas so ist wie man sich das schon lange gewünscht hat.
Ich habe das jetzt auch erlebt, denn der Kellner in meinem Lieblingscafé kennt seit kurzem meine Bestellung auswendig. Wenn ich komme, fragt er nur noch „Wie immer?“, oder er bringt mir meinen Cappuccino einfach so. Wie gut mir das tut, zu wissen, dass ich nicht nur eine Kundin unter vielen bin. Sondern, dass jemand mich als Person wahrnimmt und sich gemerkt hat was ich mag. Das ist so aufmerksam!
Gesehen werden verbindet. Nicht nur in meinem Lieblingscafé. Überall gibt es Menschen, die mir häufig über den Weg laufen. Sei es morgens beim Warten auf die Straßenbahn oder beim Trainieren in der Boulderhalle. Nicht immer entstehen Gespräche, aber man nimmt sich gegenseitig wahr und manchmal reicht schon ein kleines Lächeln oder ein kurzes Zunicken um zu sagen. „Ich sehe dich“.
Verbindung kann also dann entstehen, wenn man nicht über andere hinwegschaut. Einer, der das ziemlich gut hinbekommen hat, war Jesus von Nazareth. So jedenfalls schildert es die Bibel. Für mich macht das eine Erzählung besonders deutlich:
Jesus ist gerade mit seinen Freundinnen und Freunden unterwegs. Um ihn herum drängeln sich viele Leute. Alle wollen ihn sehen. In der Menge ist auch Zachäus. Er ist ein Außenseiter. Keiner kann ihn so richtig leiden, weil er als Zollbeamter viel zu hohe Steuern verlangt und sich das Geld auch noch in die eigene Tasche steckt. Weil Zachäus wegen der vielen Leute nichts von Jesus sehen kann, klettert er kurzerhand auf einen nahegelegenen Baum. Von dort hat er die ganze Lage im Blick und bekommt endlich Jesus zu Gesicht.
Und auch Jesus wird auf den Mann aufmerksam, der da in den Ästen hockt. Er sieht ihn an und ruft etwas Merkwürdiges zu ihm hoch: „Zachäus ich möchte heute bei dir zu Hause Abendessen“. Zachäus freut sich riesig. Jesus hat ihn tatsächlich gesehen und möchte auch noch Zeit mit ihm verbringen.
Das Treffen mit Jesus hat viel in Zachäus bewirkt. Er hat danach sein ganzes Leben umgekrempelt. Und begonnen hat alles mit einem Blick. Jesus hat Zachäus wahrgenommen. Der eine, der von so vielen Menschen bewundert und gefeiert wird, hat sich dem Außenseiter zugewendet.
Die Geschichte von Jesus und Zachäus macht deutlich, dass es viel bewegen kann, wenn ich andere Menschen wahrnehme. Ich bin überzeugt, das sich etwas verändert, wenn Menschen gesehen werden. Bei mir und dem Kellner in meinem Lieblingscafé ist das auf jeden Fall so. Seit ich dort mit der Frage „Wie immer?“ begrüßt werde.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44019Ich falle jedes Jahr wieder darauf rein. Sobald März ist, denke ich: „Tschüss Winter und Hallo Frühling. Endlich ist Schluss mit nass und grau. Ab jetzt gibt’s nur noch Sonnenschein.“ Und dann holt mich die Realität doch ganz schnell wieder ein. Denn oft ist es im März immer noch ziemlich kalt und die Sonne lässt sich auch nur ab und zu blicken. Immerhin sind die Tage wieder länger, aber so richtige Frühlingsstimmung will bei mir einfach noch nicht aufkommen. Ich werde wirklich ungeduldig was das Thema Frühling angeht. Ich kann weder das Wetter beeinflussen, noch dafür sorgen, dass die Blumen und Pflanzen schneller wachsen. Es kommt mir so vor als würde sich der Winter ewig ziehen.
Und trotzdem lerne ich etwas vom Monat März. Denn was im März passiert, ist erstmal ganz unscheinbar. Wenn ich einen Blick auf die Natur werfe, dann sehe ich immer noch vielerorts kahle Bäume und matschige Wiesen. Aber unter der Erde da ist mächtig was los. Samen sprießen und Wurzeln wachsen, um alles für die Frühjahrspracht vorzubereiten. Es bewegt sich also doch vieles, nur kann ich es nicht direkt sehen.
Ich kann mir an der Natur ein Beispiel nehmen und mich unter der Oberfläche, also innerlich, auf den Frühling vorbereiten. Dabei überlege ich mir, worauf ich mich im Frühling besonders freue, zum Beispiel, endlich wieder bei Sonnenschein und in leichter Jacke, draußen zu spazieren. Darauf zum erst Mal wieder in die Eisdiele zu gehen oder meinen Balkon mit Geranien und Glockenblumen zu bepflanzen. Und bei manchen Dingen braucht es ja auch eine tatsächliche Vorbereitung, bei den Blumen zum Beispiel. Wenn ich schöne Blumen auf dem Balkon haben will, muss ich mir ja erst mal überlegen, ob noch genügend Erde da ist und wo ich eigentlich meine Übertöpfe verstaut habe.
Und ich kann das Ganze auch auf einer persönlichen Ebene angehen und mich fragen, was ich tun kann, um in der kommenden Zeit innerlich zu wachsen. Vielleicht krame ich nochmal meine Vorsätze von Neujahr raus oder ich reflektiere eine heikle Situation und überlege, was da eigentlich passiert ist und ob das das nächste Mal vielleicht anders laufen könnte. Das alles kann dazu beitragen, dass auch in mir Neues und Gutes aufgehen kann.
Den Frühling kann ich nicht herbeizaubern, aber ich kann mich auf ihn vorbereiten und wenn er dann da ist koste ich ihn aus, so wie es gerade möglich ist. Ob nur einen Moment mit der Nase an der frischen Luft oder einen ganzen Nachmittag an der Sonne.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44018Kleine bunte Vögelchen aus Keramik schmücken meine Serviettenringe. Und sie sehen aus wie die echten. Es sind Vögel aus Guatemala: Ein Tukan, ein Pelikan und andere, deren Namen ich nicht kenne. Wenn ich diese Serviettenringe zum Essen mit Gästen auf den Tisch lege, erzähle ich gerne, wo ich sie herhabe. Sie sind durch den Weltgebetstag zu mir gekommen.
Der Weltgebetstag wird schon seit vielen Jahren immer am 1. Freitag im März, also auch heute, begangen. Christen auf der ganzen Welt feiern an diesem Abend einen Gottesdienst, bei dem jedes Mal ein anderes Land im Mittelpunkt steht. Es geht um die besonderen Themen der Menschen dieses Landes, verbunden mit einem Text aus der Bibel. Um mehr über das jeweilige Land zu erfahren, habe ich mich immer bemüht, Kontakt zu Leuten herzustellen, die das Land kennen. Im Jahr 1993 kam der Weltgebetstag aus Guatemala. Und ich habe damals eine Frau getroffen, die Handarbeiten aus Guatemala nach Deutschland gebracht hat und sie hier verkauft hat. Sie hat mit dem Erlös Menschen in dem südamerikanischen Land unterstützt.
Sie hat mir erzählt von den Frauen, die diese kleinen Kunstwerke gefertigt haben mit großer Sorgfalt und Liebe.
Diese Serviettenringe sind für mich mehr als eine hübsche Tischdekoration. Sie erinnern mich daran, dass wir alle miteinander verbunden sind – auch wenn uns Kontinente trennen.
Im Bibeltext des Weltgebetstags damals ging es um Gottes Fürsorge für die Vögel des Himmels. „Seht die Vögel“, heißt es dort. Ein Satz von Jesus aus der Bergpredigt. Er sagt: Die Vögel säen nicht und ernten nicht – und doch sorgt Gott für sie. (Matth 6,26) Dieser Satz hat für mich durch die Begegnung mit Guatemala eine neue Tiefe bekommen. Denn Gott sorgt nicht nur für die Vögel, sondern auch für die Menschen, die die Keramikfiguren formen, bemalen und verkaufen, um ihr Leben zu sichern.
Heute und an jedem 1. Freitag im März ist das die Einladung dieses Abends zum Weltgebetstag: einmal bewusst hinzuschauen. Auf die Dinge, die uns umgeben und verbinden. Auf die Menschen, die hinter ihnen stehen. Und auf die Geschichten, die Gott darin für uns bereithält. Und wenn ich Gäste habe und meine Keramikvögel den Tisch und die Servietten schmücken, kommen wir manchmal darüber ins Gespräch.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43973Morgen ist Weltgebetstag. In vielen Christengemeinden rund um die Welt feiern Menschen einen Gottesdienst zu einem gemeinsamen Thema. Den Weltgebetstag gibt es schon seit fast hundert Jahren, immer am 1. Freitag im März. Ursprünglich war das eine Initiative von Frauen, weshalb dabei bis heute vor allem die Lebenssituation von Frauen zu Wort kommt. Die Idee dabei ist auch, dass das Gebet von vielen Menschen an diesem Tag rund um die Erde läuft und praktisch nicht verstummt.
Wenn Anfang März der Weltgebetstag gefeiert wird, entsteht ein unsichtbares Netz über Kontinente hinweg. Frauen in kleinen Dörfern und großen Städten, in altehrwürdigen Kirchenräumen und modernen Gemeindehäusern, in Ländern voller Frieden und in Regionen voller Angst – sie alle verbinden sich im Gebet.
Was mich daran so berührt: Diese Frauen beten füreinander. Für Menschen in ihrer Nachbarschaft oder ganz weit weg in einem fernen Land. Für Frieden, der überall gebraucht wird.
Und während sie beten, tragen sie.
Sie tragen Verantwortung in ihren Familien.
Sie tragen Lasten; sie tragen Träume.
Und sie tragen Hoffnung – oft für andere, bevor sie an sich selbst denken.
Im Lukasevangelium heißt es: „Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes.“ Maria spricht diese Worte, eine junge Frau, die selbst nicht wusste, wie ihr Leben weitergehen würde. Und doch lobt sie Gott mit ihrem Gebet. Sie vertraut. Sie trägt.
Vielleicht ist das das Geheimnis dieser betenden Frauen weltweit: Sie wissen, dass sie nicht allein tragen müssen. Dass Gott mitträgt. Dass ihre Worte nicht im Raum verhallen, sondern Teil eines großen, atmenden Gebets werden, das die Welt umspannt.
Gewiss gibt es auch in Ihrer Nähe einen Weltgebetstagsgottesdienst. An vielen Orten sind Frauen und Männer dazu eingeladen, dieses besondere Gebet mitzufeiern, sich davon inspirieren zu lassen und sich einzubinden in dieses weltweite Netz.
So wird aus vielen leisen Stimmen ein großer Klang.
Ein Klang, der trägt – rund um die Welt.
Ich halte mich als Pfarrerin in Seelsorgegesprächen an die Schweigepflicht. Ich verrate, wie manche sagen: „kein Sterbenswörtchen“ und spreche nicht mit anderen über das, was man mir anvertraut hat. Dieses Wort „Sterbenswörtchen“ bedeutet ursprünglich etwas ganz Besonderes. Es ist ganz wörtlich das letzte Wort eines Sterbenden. Ein letzter Gedanke, eine letzte Botschaft.
„Ich habe alles gesagt.“
Diesen Satz hat eine sterbende Frau zu mir gesagt, kurz bevor sie am Abend desselben Tages gestorben ist.
Es war kein dramatischer Moment. Kein großes Pathos.
Nur ein leiser, klarer Satz – für mich war es ein Satz voller Trost und voller Frieden.
Viele Menschen tragen am Ende ihres Lebens noch etwas mit sich herum: Ungesagtes, Ungeklärtes, Unvergebenes. Manchmal ist es ein Dank, der nie ausgesprochen wurde. Manchmal ein Bedauern. Eine Schuld, die nicht vergeben wurde, ein Streit, der nie beendet wurde. Manchmal ein „Ich liebe dich“, das sich nie den Weg nach draußen getraut hat.
Diese Frau hat einiges aufgeschrieben, was ihr wichtig gewesen ist. Und hat mit anderen, auch mit mir, einiges besprochen. Und am Ende unseres Gesprächs fällt dieser Satz: „Ich habe alles gesagt.“ Das war ihr ganz persönliches „Sterbenswörtchen“.
In diesem Moment habe ich gespürt: Sie ist bereit.
Nicht, weil sie keine Angst mehr hatte vor dem Sterben.
Nicht, weil alles perfekt war.
Sondern, weil sie alles ausgesprochen hatte, was ihr wichtig war.
Ihr ganz persönliches „Sterbenswörtchen“ hat mich daran erinnert, wie wertvoll und heilsam Worte sein können.
Und ich überlege mir: Wie gut ist es, wenn wir nicht erst am Ende unseres Lebens solche „Sterbenswörtchen“ sagen; wenn wir im Leben sagen, was gesagt werden soll und was uns auf dem Herzen liegt.
Wenn wir Dank nicht aufschieben.
Wenn wir Versöhnung nicht vertagen.
Wenn wir Liebe nicht für selbstverständlich halten.
„Ich habe alles gesagt.“
Das Sterbenswörtchen dieser Frau hat mich ermutigt: Rechtzeitig zu sagen, was ich noch sagen will. Es ist kostbar und voller Segen für die, die gehen. Und für die, die bleiben.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43971Vor kurzem habe ich eine offizielle Ehrung bekommen. Mich hat das einigermaßen verlegen gemacht. Ich bin für ehrenamtliche Arbeit geehrt worden, also für etwas, das ich aus Überzeugung tue, aus Freude oder aus Verantwortung. Für etwas, das ich nicht getan habe, um geehrt oder gesehen zu werden, sondern weil es mir am Herzen liegt. Und plötzlich stand ich da, habe eine Urkunde bekommen, eine Ehrennadel und lobende Worte und Applaus.
Ich habe diesen Moment genossen -– und gleichzeitig hat mich die Ehrung verlegen gemacht. Denn Ehrenamt lebt ja gerade davon, dass es nicht um mich, um die eigene Person geht. Und doch tut es gut, wenn jemand sagt: „Danke. Wir sehen, was du tust.“
Im Matthäusevangelium sagt Jesus:
„Ihr seid das Licht der Welt. Man stellt eine Lampe nicht unter den Scheffel.“ (Matth 5,15f)
Das heißt nicht: „Stell dich ins Rampenlicht.“
Es heißt: „Lass dein Tun leuchten – damit andere Mut bekommen, selbst Licht zu sein.“
Ehrenamt ist genau das: ein Licht, das man in die Welt trägt.
Oft klein. Manchmal unauffällig.
Aber ohne diese vielen kleinen Lichter wäre unsere Gesellschaft dunkel.
Deshalb denke ich mir: Wenn ich eine Ehrung für ehrenamtliches Tun bekomme, dann ist das nicht nur ein Dank an mich.
Es ist ein Dank an alle, die sich einbringen.
An die, die im Hintergrund oder mit mir wirken.
An die, die vielleicht niemand sieht, aber jeder spürt.
An die, die ihre Zeit verschenken, ihre Kraft, ihr Herz.
Ich verstehe die Ehrung für mich als Stellvertretung.
Als Zeichen dafür, wie wertvoll Ehrenamt ist.
Als Ermutigung für andere, sich ebenfalls einzubringen.
Als Erinnerung daran, dass jede und jeder etwas beitragen kann und Teil ist eines großes Ganzen.
Albert Schweizer hat das ehrenamtliche Engagement – er nennt es „Nebenamt“ – einmal beschrieben als etwas, was zum Menschsein gehört, so sehr, dass er sagt:
„… lass Dir ein Nebenamt, in dem Du Dich als Mensch an Menschen ausgibst, nicht entgehen. Es ist Dir eines bestimmt, ...“.
Engagement macht einen Unterschied – und es darf gesehen werden. So gesehen, ist Anerkennung kein Podest, auf das jemand gestellt wird, sondern vielleicht eher so etwas wie ein Wegweiser.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43998„Kannst du mitkommen, wenn ich mir das Pflegeheim für meinen Mann anschaue?“ Aus der Art, wie meine Freundin mich das fragt, kann ich schon hören, wie schwer ihr dieser Gang fällt. Ihr Mann ist demenzkrank, und sie pflegt ihn seit Jahren. Nun ist sie selbst am Ende mit ihrer Kraft. Und sie denkt darüber nach, einen Pflegeplatz für ihren Mann zu suchen. Ein Gedanke, der, wie ich finde, in ihrem Fall schon lange fällig ist. Aber sie schiebt das schon eine Zeitlang vor sich her, und das Herz ist ihr schwer.
Bei einer solchen Entscheidung gibt es kein richtig oder falsch – nur Liebe, die spürt: Ich kann es nicht mehr allein.
Jesus sagt: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“
Dieser Satz gilt besonders denen, die sich aufopfern, bis sie selbst kaum noch Kraft haben. Gott sieht die Erschöpfung. Er sieht die Tränen, die man heimlich wegwischt. Er sieht die Angst, den Partner „abzugeben“. Und er sieht auch die Sehnsucht nach Entlastung.
Vielleicht darf meine Freundin jetzt einen neuen Gedanken zulassen:
Dass ein Heim nicht das Ende der Liebe ist, sondern eine neue Form davon.
Dass sie weiterhin an seiner Seite bleibt – nur nicht mehr allein verantwortlich.
Dass professionelle Pflege nicht bedeutet, weniger da zu sein, sondern besser da sein zu können.
Manchmal ist Loslassen kein Aufgeben.
Manchmal ist Loslassen ein Halten – nur anders.
Ein Halten mit mehr Händen. Mit mehr Kraft. Mit mehr Frieden.
Bevor ich mit meiner Freundin das Pflegeheim aufsuche, bete ich für sie und für alle, denen es ähnlich geht:
Gott, begleite alle, die schwere Entscheidungen treffen müssen.
Schenke ihnen Mut, ihre Grenzen zu erkennen.
Schenke ihnen Vertrauen, dass Liebe viele Wege kennt.
Und schenke ihnen Frieden, wenn sie loslassen müssen, um weiter halten zu können. Amen
Wir haben seit einem Jahr einen gemauerten Grundofen in unserem Wohnzimmer. Ich finde es total gemütlich, wenn jetzt in der kalten Jahreszeit abends das Feuer brennt, wenn wir dem Feuer durch die Glastür zuschauen können und sich die wohlige Wärme im ganzen Raum ausbreitet.
Besonders stolz bin ich darauf, dass wir diesen Ofen selbst gemauert haben. Angeleitet wurden wir von einem sehr freundlichen Ofenbauer aus Norddeutschland, auf den ich über YouTube aufmerksam geworden bin. Nach einigen E-Mails und Telefongesprächen hat er uns einen Bauplan geschickt und eine Materialliste und dann konnte es los gehen. Die einzigen Fertigteile, die wir zukaufen mussten, waren die Tür und das Abgasrohr. Alles andere besteht aus Stein und Mörtel. Natürlich war das Projekt im Vorfeld mit unserem Kaminfeger abgesprochen und als der Ofen fertig war, hat er ihn abgenommen und die Betriebserlaubnis erteilt. Nun ist es schon die zweite Heizperiode, dass der Ofen in Betrieb ist und er hat sich in unserem Wohnzimmer zu einem richtigen Familienmittelpunkt entwickelt. Wärme zieht uns Menschen fast magisch an. Sie vermittelt das Gefühl, geborgen und sicher zu sein.
Ein Dach über dem Kopf und vier Wände drum herum, in denen es warm ist, so ein Raum tut unserer Sehnsucht gut. Ich muss an die vielen Menschen in der Ukraine denken, denen das gerade brutal genommen wird und ich freue mich für die, die zu uns gekommen sind und hier sicher und hoffentlich geborgen leben können.
In der Bibel wird Gott einmal mit dem Bild eines rauchenden Ofens beschrieben. Dieses Bild sagt mir: Gott will für mich wie ein Ort sein, an dem ich mich wohl und geborgen fühlen kann. Seit wir unseren Ofen haben, kann ich mich in dieses Bild viel besser hineindenken. Die Sehnsucht, es warm zu haben, geborgen und sicher zu sein, die geht über mein reines Wohnbedürfnis hinaus. Ich wünsche mir, dass ich gehalten bin, dass meine Familie gehalten ist und sicher, angesichts all der Unsicherheiten des Lebens. Ich wünsche mir, dass nicht die Kälte, sondern menschliche Wärme unser Miteinander bestimmt. Von Gott fühle ich mich eingeladen, diese Wärme auszustrahlen.
Das Bild vom rauchenden Ofen weitet meinen Blick aus den eigenen vier Wänden heraus. Ich sehe all die anderen Menschen, die sich wie ich wünschen, einen Ort zu haben, an dem es warm ist, an dem man sich sicher und geborgen fühlen kann. So einen Ort hat jeder Mensch verdient, ganz gleich, wo er einmal geboren worden ist und wo er jetzt lebt.
Ihnen wünsche ich jetzt einen wohligen Abend und ein gutes Wochenende.
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