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SWR3 Worte

21MAI2026
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Annette Böhmer-Seeliger begleitet sterbende Menschen. Das hat ihre Sicht auf das eigene Leben verändert. Sie sagt:

Man bekommt eine größere Demut vor dem Leben und vor der Zeit, in der es einem gutgeht, in der man nicht krank ist. Also die Zeit, die man (ohne großes) Leid erleben darf. Wir haben regelmäßig mit Menschen zu tun, denen eine […] zeitliche Grenze gesetzt wird. Ich lebe intensiver, treffe klarere Entscheidungen, weil ich immer wieder daran erinnert werde, dass das Leben […] nicht ewig geht […]. Mein Leben macht (das) intensiver und reicher.

 

Quelle

Sterbende begleiten, Interview mit Annette Böhmer-Seeliger geführt von Lothar Bauerochse, in: Publik Forum EXTRA. Die Wüste. Lehrmeisterin des Lebens, Publik Forum Verlagsgesellschaft, April 2026, S.13.

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SWR3 Gedanken

Der Papa von Ole steht neben mir am Sandkasten und meint genervt: „Oh man, die machen aber auch wirklich alles kaputt!“

Obwohl unsere Kinder erst zwei Jahre alt sind, haben sie ein erstaunliches Talent. Ihr Spezialgebiet: Dinge zerstören, die man gerade erst liebevoll aufgebaut hat: Sandburgen, Legohäuser, Türme aus Holzklötzen. Kaum steht das Ding einigermaßen – zack - macht einer der beiden kurzen Prozess.

Während ich so mit Oles Papa auf dem Spielplatz rumstehe und unsere Kinder munter Burg für Burg aufbauen und abreißen, kommt mir der Gedanke: Eigentlich ist das bei uns Großen gar nicht so anders.

Wir bauen uns auch ständig irgendwas auf: Beziehungen, Karriere, Fitness. Und tun dabei gern so, als würde das alles halten. Tut es aber nicht. Manchmal reicht ein Streit oder eine Nachricht. Eine Kündigung. Eine Knieverletzung. Und plötzlich fällt etwas zusammen, von dem ich dachte, es hält ewig. Vieles kann ich eben nicht festhalten oder kontrollieren.

Momente gehen vorbei. Kinder sind irgendwann nicht mehr klein. Und ein normaler Nachmittag auf dem Spielplatz, ist eben nicht selbstverständlich. Weil alles endlich ist, hat alles so einen unendlichen Wert.

Und während die nächste Sandburg einstürzt, sag ich zu Oles Papa: „Auch das Leben ist kaputtbar. Bevor also wieder irgendwo der nächste Abrissbagger anrollt, lass es uns genießen!“

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

21MAI2026
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„Wann wird es endlich wieder so wie es nie war“ - so heißt eines der wunderbaren Bücher von Joachim Meyerhoff. „Wann wird es endlich wieder so wie es nie war?“ Dieser Satz beschreibt treffsicher, wie sehr die Erinnerung die Vergangenheit oft schönfärbt. Manchmal verdrängt sie sogar schlimme Erfahrungen aus dem Gedächtnis.

Das habe ich auch gemerkt, als ich mit meiner Schwiegermutter am Küchentisch sitze; sie blättert in der Zeitung. Sie ist 95 Jahre alt und noch immer am Weltgeschehen interessiert. Jetzt schüttelt sie den Kopf über all die Bilder von Krieg und Zerstörung und sagt:

„Ach, die Welt wird immer schlechter!“
„Weißt du, was mich wundert?“ frage ich sie. „Wie jemand aus deiner Generation das sagen kann: Die Welt wird immer schlechter.“
Sie sieht überrascht auf. „Warum?“ fragt sie.
„Weil du und deine Generation ja nun wirklich in der schlimmsten aller Welten großgeworden seid.“

Sie sieht mich verständnislos an.
„Ja, weiß du denn nicht mehr? Als du ein Kind warst, kam Hitler and die Macht. Und als du ein junges Mädchen warst, sind hier in diesem Land Millionen von Menschen systematisch ermordet worden. Menschen, die nichts getan haben, außer, dass sie sich gerade so gut als Sündenböcke geeignet haben.
Und du hast diesen unsäglichen Krieg miterlebt, den Hunger, die Zerstörung, die Vertriebenen, die Millionen von Toten...“ 
„Ja, das stimmt“, sagt sie und wirkt plötzlich sehr nachdenklich. „Daran habe ich überhaupt nicht mehr gedacht.“

„Und würdest du jetzt immer noch sagen: Die Welt wird immer schlechter?“
Sie überlegt einen Augenblick.
„Ja, wenn man sie mit der guten Zeit vergleicht, die nach dem Krieg kam.“

War in der guten Zeit danach alles gut? Ganz sicher nicht. Aber ich verstehe, was sie meint: Tief in mir spüre ich auch diese Hoffnung, dass es endlich wieder gut wird. Und ich will die Hoffnung nicht aufgeben, dass es einmal so gut wird, wie es noch nie war.

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

21MAI2026
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Ein Prepper, habe ich jetzt gelernt, ist ein Mensch, der darauf achtet, für alle möglichen Notfälle gut gerüstet zu sein. Prepper bereiten sich aktiv auf Krisen, Naturkatastrophen oder den Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung vor. Sie legen Lebensmittelvorräte an, bauen Schutzräume, und manche stellen für sich sogar eine eigene Wasserversorgung und Energieerzeugung sicher, um notfalls autark überleben zu können. Prepper. Das englische Wort klingt auch schon so zupackend. To prepare heißt sich vorbereiten; be prepared ist der englische Pfadfinderruf: Allzeit bereit!

Ich überlege, wie gut ich selbst auf mögliche Katastrophen vorbereitet bin und stelle fest, dass ich eher nicht zur Vorratshaltung oder anderen Vorsichtsmaßnahmen neige. Nur während der Coronazeit habe ich mich auch von der allgemeinen Verunsicherung anstecken lassen und Sprudel und Toilettenpapier gehortet.

Aber schon die Energiekrisen der 70er Jahre und das aufkommende Problembewusstsein für Umweltverschmutzung in den frühen 80er Jahren haben Prepper hervorgebracht. Und heute sorgen die zahlreichen Erschütterungen einer lange als stabil geglaubten Weltordnung dafür, dass Menschen sich vermehrt Gedanken machen, wie sie drohende Katastrophen überleben könnten.  

Erfunden hat das Preppen aber eine biblische Gestalt aus dem Alten Testament mit Namen Josef. Der war ein gefragter Traumdeuter und stand beim Pharao von Ägypten in Dienst. Beunruhigend, was er über sieben fette und sieben magere Kühe zu sagen hat, die durch die Träume des Pharaos spuken. Sie stünden, so Josef, für sieben fette Jahre mit reichen Ernten und Korn und Brot im Überfluss, gefolgt von sieben mageren Jahren, in denen es praktisch nichts zu ernten und zu beißen geben würde. Der Pharao gerät in Panik; Josef hat die Lösung. Es schlägt die Stunde des ersten Preppers. Josef lässt große Vorratsscheunen bauen und zweigt so viel vom Überfluss der guten Jahre ab, dass man die schlechten damit gut überstehen kann. Ein weiser Mann, ein kluger Plan! Vor allem, denke ich, weil er die gute Vorsorge gesellschaftlich denkt und nicht auf den eigenen Bauchnabel beschränkt. So sollte es auch heute funktionieren.

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SWR4 Abendgedanken

21MAI2026
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Was passt besser auf einer Beerdigung: klassische Musik oder das Badnerlied?

Wenn ich als Seelsorger bei Angehörigen bin und wir zusammen die Beerdigung vorbereiten, geht es natürlich auch um die Musik. Aber erstmal erzählen mir die Angehörigen vom Leben der verstorbenen Mutter, des Bruders oder der besten Freundin. Was waren die wichtigsten Meilensteine, was waren Hobbys und Eigenheiten? Irgendwann später geht es dann darum, wie die Feier gestaltet werden kann.

Oft wird Musik vorgeschlagen, die der Verstorbene gern gehört hat oder die viel von dem ausdrückt, was ihm oder ihr wichtig war. So auch beim Badnerlied: Als ich zum Trauergespräch gekommen bin, hab ich im Garten gleich eine riesige Badner-Flagge hängen sehen. Da war jemand aus ganzem Herzen mit seiner Heimat verbunden. Und deshalb hat das Badner-Lied dann auch so gut in die Trauerfeier gepasst.

Ein anderes Mal hab ich den Vater eines sechzehnjährigen Mädchens beerdigt. Sie hat für ihren Papa ein Lied ausgesucht, das war laut und wild. Sie hat es in den Tagen nach seinem Tod oft gehört, und das hat ihr in dieser ersten Zeit geholfen. Bei der Trauerfeier haben wir erklärt, warum genau dieses Lied jetzt passt. Denn im ersten Moment war die Musik für viele ungewohnt. Aber als dann alle wussten, was die Tochter mit dem Lied verbindet, da war die Stimmung in der Feier noch viel persönlicher.

Es gab bisher noch keinen Liedvorschlag, bei dem ich gesagt hätte, das geht gar nicht. Nur wenn jemand sagt: „Das war unser Lied. Das lief, als wir uns kennengelernt haben.“ Oder „Zu dieser Musik haben wir bei unserer Hochzeit getanzt.“ Dann erkläre ich, dass zu den schönen Erinnerungen, die man mit diesem Lied verbindet, dann auch die auch schmerzhaften dazukommen können. Ich hab das selbst erlebt.

Bei der Trauerfeier meines Schwiegervaters haben wir mein Lieblings-Osterlied gesungen. Ich mag es immer noch gern, aber jedes Mal, wenn ich es jetzt singe oder höre, denke ich auch an den Tag der Beerdigung und wie traurig wir alle waren.

Musik kann so viel. Deshalb lohnt es sich, dass man sich ganz bewusst entscheidet. Denn Musik kann unsere Seele berühren. Sie kann eine Hoffnungsbotschaft transportieren und trösten. Und sie kann auf ganz innige Weise an Verstorbene erinnern. Wie schön, wenn man sich dann gut verabschieden kann. Und das kann ich mit klassischer Musik erleben, mit ganz moderner Musik oder mit dem Badnerlied.

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SWR Kultur Wort zum Tag

21MAI2026
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Im Winter bin ich mit einem Freund durch Patagonien geradelt. Durch dieses wunderschöne und weite Land am südlichen Ende Südamerikas. Eines Abends, nach einem langen, staubigen Tag auf dem Rad, sind wir auf einem kleinen Bauernhof weitab jeglicher Siedlung untergekommen. Der Besitzer hatte von seinem Stall ein Stück abgetrennt und so einen Raum geschaffen, den er an Radfahrer, Motorradfahrer oder Wanderer vermietete. Am Abend saßen wir hinter dem Stall, tranken etwas und genossen die Abendsonne. Es war das reinste Paradies. Da gab es Schafe, Kühe, Hunde, Pferde, Truthähne, Hühner, zwei Esel, Katzen und vier oder fünf Hunde. Die verschiedenen Tierarten lebten nicht voneinander getrennt, sondern liefen frei und bunt durchmischt auf dem Hof und der Weide herum, ohne, dass sie sich gegenseitig störten. Es war ein paradiesischer Ort mit einer harmonischen, friedlichen Stimmung. So muss es im Garten Eden gewesen sein - Zu schön, um wahr zu sein, dachte ich, wie ich da müde saß und einen Hund im Nacken kraulte. Die Hunde lagen allesamt faul in der Sonne und rührten sich kaum. Ihr habt einen guten Job als Wachhund, dachte ich mir: Hier gibt es nichts zu bewachen.

In der Nacht konnte ich aber kaum schlafen. Denn in der Nacht herrschte Krieg. Kein Wunder, dass die Hunde tagsüber träge und erschöpft waren, denn die ganze Nacht über hatten sie zu kämpfen. Unablässig bellten sie, rannten über den Hof, kläfften, knurrten. Denn in der Nacht war das Idyll in Gefahr. Da drangen die wilden Tiere herein und hatten es auf die wehrlosen Tiere abgesehen. Die heile Welt des Tages war in der Nacht ein Schlachtfeld.

Am Morgen lagen die Hunde erschöpft da oder trotteten zu uns, um sich ihre Streicheleinheiten abzuholen. Die bekamen sie. Wie ich einen von Ihnen, der den Kopf auf meinen Schoß gelegt und über dem linken Auge einen Kratzer hatte, streichelte, wurde ich traurig. Denn ich habe mich an den Wohnwagen erinnert, den ich als Jugendlicher mit meinen Freunden auf ein Grundstück gestellt hatte. An dem wir uns trafen, ungestört und frei waren, an dem wir unsere Idylle hatten. Dieser für mich heile Ort meiner Jugend wurde irgendwann geräumt, weil er offensichtlich nicht so ganz in die damalige Kleinstadtwelt passte. Und ich habe mich gefragt, ob so eine friedliche Idylle letztendlich nicht immer nur eine Illusion ist. Ob immer jemand kommt, der sie bedroht, wahrscheinlich weil er sie nicht aushält oder neidisch ist. Oder ob es irgendwann mal ein Paradies geben kann, dass man sich nicht hart erkämpfen muss oder aus dem man nicht vertrieben wird.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44168
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SWR3 Worte

20MAI2026
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Der Naturliebhaber André Holzinger rettet Bäche. Dabei hat er von der Natur einiges gelernt. Er erzählt:

 

Wir Menschen sind doch nur von der Natur entfremdete Zauberlehrlinge und die Natur selbst ist der Meister. Wenn man sich bewusst macht, wie perfekt in einer weitgehend sich selbst überlassenen Natur ein Rädchen in das andere greift, dann bringt das den Schöpfer zurück in unser Leben. Denn eine solche Perfektion entsteht nicht aus dem Nichts oder aus einem […] Urknall. Da steckt die Planung eines Meisterhirns dahinter.

 

Quelle

Annette Lübbers: Das Leben am Bach, in: Publik Forum EXTRA Leben. Die treuen Freunde alter Menschen, Publik Forum Verlagsgesellschaft, Februar 2026, S.13.

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SWR3 Gedanken

Nicht schon wieder. Da will ich gerade ein Video machen und mein Handy meldet: kein Speicherplatz mehr verfügbar. Ich klicke auf Speicher verwalten und hab zum Glück noch etwas Platz in der Cloud.

Von meinem persönlichen „Speicherplatz im Leben“ kenn ich so was auch. Immer, wenn mein Kopf zu voll ist. An manchen Tagen reicht ein Blick in den Terminkalender, in die Nachrichten oder in unsere Küche – und mein Gehirn meldet sich, wie mein Smartphone: Speicher voll. Es ist zu viel.

In solchen Momenten bin ich froh, dass ich im Leben auch so was wie eine „Cloud“ habe. Die ist natürlich anders als die digitale. Die Cloud für’s Leben heißt bei mir Gott. Bei ihr kann ich abladen, was mich beschäftigt und belastet. Dinge, die mir im Kopf herumgehen: ungelöste Konflikte, Selbstzweifel oder einfach dieser alltägliche Stress, der sich ansammelt.

Bei Gott muss ich zum Glück nicht alles sortiert und fertig geordnet abgeben. Es reicht, es einfach nur abzulegen. Und in einer ruhigen Minute kann ich manches anschauen, sortieren, vielleicht neu einordnen – wenn ich mit Gott rede.

Und dann gibt ja auch die schönen Bilder und Videos im Leben, die meinen „Speicher“ füllen: gute Erlebnisse und Erinnerungen, die ich auf keinen Fall verlieren will. Auch die leg ich in meiner Gott-Cloud ab.

Und das Beste: Die Gott-Cloud braucht kein Abo und kennt kein Speicherlimit. Da ist und bleibt immer unendlich Platz für das Leben.

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

20MAI2026
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In der Mitte der Woche will ich ein paar Gedanken zur Mitte mit Ihnen teilen. Es sind viele, denn wenn man erst mal anfängt, drüber nachzudenken, kommt man schnell vom Hölzchen aufs Stöckchen; und so gibt es heute Morgen mal ein buntes Sammelsurium an Gedankensplittern. Ich hoffe, es ist auch für Sie einer dabei. Mittwochmorgen also. Mitte der Woche. Zwei Arbeitstage schon hinter sich gebracht, zwei noch voraus. Wenn’s gut läuft, ist heute alles im Gleichgewicht.  Und wenn nicht: Irgendwann wird es zwölf Uhr Mittag sein. Dann ist der Tag seiner Höhe nah und wird seine Last bald hinter sich gebracht haben. Schon bald haben wir die Mitte des Jahres erreicht. Noch gut ein Monat bis zur Sommersonnenwende. Dann werden die Tage wieder kürzer. Dabei fängt der Sommer erst an. Mitte des Lebens. Irgendwann zwischen dem 40. Und 50. Lebensjahr; oft verbunden mit Krisenzeiten, irgendetwas kippt, gerät ins Ungleichgewicht. Lange ging alles bergauf, einem unsichtbaren Gipfel entgegen. Fragen tauchen auf: Habe ich erreicht, was ich erreichen wollte?  Geht es ab jetzt nur noch bergab? Bin ich zufrieden, mit dem, was geworden ist? Und was kommt noch?

„Sie war der Mittelpunkt unserer Familie“ lese ich in vielen Todesanzeigen von verstorbenen Müttern; ja, meist sind es die Mütter, die eine Familie zusammenhalten gegen alle möglichen Fliehkräfte. Als Mitte des Universums galt lange die Erde. Noch heute sprechen wir davon, dass die Sonne auf- und untergeht. Dabei sind wir es, die sich drehen auf einem blauen Planeten durchs All. Zeitgleich mit diesen neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen entdecken die Reformatoren im 16. Jahrhundert, Christus ist die Mitte der Heiligen Schrift und das Zentrum des christlichen Glaubens. Und wenn Du an Gott zweifelst oder gar verzweifelst, sagt Martin Luther, dann wende Dich dieser Mitte zu. Von Christus aus ordnet sich alles. Und schließlich finde ich in einem Lied die Bitte: „und mach die Mitte gut“. Diesen Mittwoch. Die Mitte des heutigen Tages. Die Mitte und die vielen Mittelpunkte des Lebens. Egal, welcher Gedanke Ihnen hängenbleibt. Ich schließe mich an: Gott, mach die Mitte gut.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

20MAI2026
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Zu einem guten Frühstück gehört für mich ein Brot mit Honig. Wenn sich in meinem Mund die cremige Süße des Honigs mit dem Brot vermischt, dann kann der Tag kommen.

Und ich weiß natürlich, wem ich meinen morgendlichen Honig zu verdanken habe. Und wie wichtig die Bienen sind, nicht nur für meinen Honig. Sie bestäuben fast alle unserer Pflanzen, dass die jedes Jahr wieder wachsen. Damit sorgen sie natürlich auch dafür, dass es weiterhin so viele Pflanzenarten gibt. Die Biene ist wirklich ein Superinsekt. Und doch habe ich Bienenstöcke bisher eher gemieden, weil Bienen mir in großer Zahl unheimlich sind. Neulich hat mich aber ein Imker eingeladen, ihn zu seinen Bienenstöcken zu begleiten. Gegen meine Angst hat er mir einen Imkerschleier gegeben. Und dann hat er mich in die Stöcke reinschauen lassen und, was soll ich sagen, ich bin begeistert. Aus der Ferne hat es immer so ausgesehen, als ob die Bienen kreuz und quer und ohne Plan durch die Gegend fliegen. Doch je näher wir zu den Stöcken kommen, desto deutlicher sehe ich, dass sie anscheinend ganz genau wissen, wohin sie fliegen. Der Blick hinein in den Stock hat mir eine eigene Bienenwelt eröffnet. Dort gibt es Bruträume und Honigräume. In den Bruträumen wachsen neue Bienen heran und in den Honigräumen tragen die Bienen den Honig in die selbst gebauten Waben. Tausende Bienen arbeiten nebeneinander. Es summt und vibriert und der Stock verströmt einen wunderbaren Duft. Bis heute ist es noch nicht umfassend erforscht, woher die Biene genau weiß, welcher Stock ihrer ist und welche Aufgaben sie zu erfüllen hat. Ich sehe dieses geordnete Gewimmel und stimme ein in ein altes Gebet aus der Bibel: „Wie zahlreich sind deine Werke, Gott. In Weisheit hast du sie alle geordnet. Die Erde ist voll von deiner Güte.“ (Psalm 104, 24)

Genau das darf ich hier an den Bienenstöcken erleben. Mittlerweile traue ich mich auch ohne Schleier mit dem Imker an die Bienenstöcke heran.

Heute ist Weltbienentag.  Wenn ich gleich mein Honigbrot zum Frühstück esse, bin ich besonders dankbar für das Wunder der Bienen. Wir brauchen sie, um zu leben.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44420
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