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SWR3 Gedanken
Es ist tiefe Nacht auf der Insel Sumatra in Indonesien. Im Dunkel klettern zwei Männer einen hohen Baum hinauf. Einen besonderen Baum. Oben, in seiner Krone, leben wilde Bienen, die einen wunderbaren Honig produzieren. Jetzt, in der Nacht ruhen sie und die Männer können den Honig fast gefahrlos ernten. Aber eben nur fast. Damit die Bienen nicht aufgeschreckt werden und sie stechen, singen die beiden Männer ein berührendes Lied. Sie singen den Bienen ein Schlaflied.
Markus Wolter vom Hilfswerk Misereor hat die schöne Geschichte erzählt. Er lebt und arbeitet gerade in Indonesien und hat die Bienen-Männer begleitet. Für die beiden indonesischen Imker sind aber nicht nur die Bienen Mitgeschöpfe und Partner. Für sie ist der ganze Wald ein spiritueller Ort. Wo die Bäume nicht nur von Bienen, sondern auch von schützenden Geistern bewohnt werden. Geister, die auch Teil von ihnen sind, sagen sie. Mehr noch, ein Teil von uns allen.
Es ist leicht, das als primitiven Aberglauben zu belächeln. Aber vielleicht leben die Bienen-Männer in Indonesien etwas, das uns hier abhandengekommen ist. Ein ganz tiefes Verständnis für Gottes Schöpfung. Die ist für sie nicht irgendwas draußen vor der Tür. Sondern Teil von ihnen selbst. Sie wissen, dass sie nur mit ihr leben können, nicht gegen sie. Wie bei einer großen Familie, in der ich auch nicht jeden toll finden muss. Trotzdem gehören alle dazu. Und ich denke mir: Vielleicht haben die Männer, die den Bienen ein Schlaflied singen, ja viel mehr davon verstanden als ich.
https://blog.misereor.de/2025/11/10/ein-schlaflied-fuer-die-bienen/
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43518SWR3 Worte
Der Schweizer Pilot Pascal Stadelmann arbeitet für die Airline Swiss. In seiner Freizeit fliegt er seit acht Jahren ehrenamtlich über das Mittelmeer. Mit der Hilfsorganisation “Humanitarian Pilots Initiative” sucht er nach geflüchteten Menschen auf überfüllten Booten, um ihr Leben zu retten. Warum macht er das? Stadelmann sagt:
“Ich hab die Welt privilegiert angetroffen und wenn ich mal von der Welt gehe, will ich mir sagen können: ich hab was zurückgegeben, und sie ist jetzt vielleicht ein kleines Stück besser geworden. [...] Und am Schluss sind wir alles Menschen - die Nächstenliebe, Brüderlichkeit, Schwesterlichkeit, ich find das mega wichtig, dass wir zusammenhalten! Wie wir aussehen, von wo wir kommen ist egal.”
Quelle: https://www.kirche-im-swr.de/beitraege/?id=43147, Ausruck vom 8.12. 2025 um 11:46 Uhr.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43501Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Jeder Mensch
hat einen Himmel über seiner Wunde
und einen kleinen gesetzwidrigen Frühlingszettel
in seiner Tasche.
Diesen Vers hat Jannis Ritsos gedichtet. Jannis Ritsos ist ein griechischer Schriftsteller, der alle dunklen Zeiten seines Landes im letzten Jahrhundert erlebt hat. Er musste Krieg, Gewalt und Diktatur kennenlernen und wurde wegen seiner politischen Haltung mehrfach in die Verbannung geschickt. Die Poesie war für ihn unglaublich wichtig. Sie war sein Halt. Sie eröffnete ihm eine andere, größere Wirklichkeit. Sie half ihm, Gewalt und Unrecht nicht das letzte Wort zu lassen. Sondern etwas Schöneres und Besseres dagegen zu stellen:
Jeder Mensch
hat einen Himmel über seiner Wunde
und einen kleinen gesetzwidrigen Frühlingszettel
in seiner Tasche.
Dieses kurze Gedicht rührt mich an. Ja, da sind Wunden, große und kleine. Kein Mensch ist ohne Wunde. Und manche Wunde hast nur du. Aber sieh doch: Über jedem Leid und auch über deinem Leid und Kummer ist ein Himmel. Eine Weite und eine Hoffnung.
Manchmal ist dir der Himmel vielleicht zu weit weg. Oder es ist diesig und neblig und du siehst die Hand vor Augen nicht. Dann schau doch einmal in deiner Tasche nach. Da steckt ein Frühlingszettel. Vielleicht holst du den Zettel gar nicht heraus, sondern tastest nur danach und fühlst ihn nur in deiner Hand. Denn es kann sein, dass dein Zettel den Gewaltherrschern nicht gefällt. Dann erklären sie einfach, deine Hoffnung ist gegen das Gesetz. Solche Tyrannen gibt es in unserer Welt und nicht erst seit gestern weiß Gott oft genug. Sollen sie doch ruhig wüten – denn dein Zettel gibt dir die Hoffnung, dass es eines Tages wieder blüht und wächst. Er gibt dir die Zuversicht, dass allen Menschen Gerechtigkeit geschehen wird.
Auch wenn es vielleicht etwas verrückt klingt: Ich habe mir das kurze Gedicht von Jannis Ritsos abgeschrieben. Auf einen Zettel. Und in meine Jackentasche gesteckt.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43494SWR4 Abendgedanken
Beruflich habe ich viel mit Familien zu tun. Familien, die mitten im Leben stehen und dabei spüren, wie sich die Stimmung in unserer Gesellschaft verändert. Oft fehlt das Geld an allen Ecken und Enden, manchmal fehlt aber einfach nur die Kraft weiterzumachen. Alle sind irgendwie erschöpft.
Wir sitzen im Familienferiendorf manchmal mit den Kindern um ein Lagerfeuer herum, auch jetzt im Winter. Das ist immer eine nette Stimmung, in der es leichter fällt zu erzählen. Wir trinken heißen Apfelsaft und ich höre zufällig ein Gespräch zwischen zwei Jungen, die sich gerade erst am Lagerfeuer kennen gelernt haben. Der eine erzählt von seiner Schule, wie ihn seine Lehrer nerven und wie er von seinen Mitschülern nur geärgert und gehänselt wird. Zuhause hört ihm keiner zu, da hat sowieso nie einer Zeit, sagt er. Der andere Junge erzählt von seiner Familie - mit seinen vier Geschwistern. Sie sitzen jeden Abend zusammen, sie essen gemeinsam und jeder erzählt von seinem Tag. Einfach nur so. Und dann hatten sie sich irgendwann gemeinsam vorgenommen, endlich Urlaub zu machen. Deswegen sind sie jetzt hier.
Nach einer Weile stehen die beiden Jungs auf und gehen. Ich bleibe mit meinen Gedanken zurück: Jeder von uns wird in eine Familie hinein geboren. Bestenfalls in eine, in der wir liebevoll und behütet aufwachsen - manchmal aber eben nicht. Wir können uns das nicht aussuchen.
Ich sitze noch eine Weile am Feuer und denke über das Gespräch nach. Der eine sehnt sich nach Zugehörigkeit, der andere hat genau das in seiner Familie. Und dann denke ich: Vielleicht beginnt Demokratie genau hier: In der Familie, am Küchentisch. Wo Menschen einander zuhören und auch mal eine andere Meinung stehen lassen können. Wo niemand erst laut schreien muss, um gehört zu werden. So eine Demokratie ohne Schreihälse gehört zur Familie genauso, wie zu einer gesunden Gesellschaft. Damit wir gut miteinander umgehen und füreinander da sein können. Ja, so wie die beiden Jungen am Lagerfeuer.
Vielleicht ist das die große Herausforderung unserer Zeit: dass wir Demokratie nicht nur als politisches System verstehen, sondern vor allem als Haltung.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43483SWR Kultur Wort zum Tag
Eine Geschichte über einen Fisch hat mich demütig werden lassen. Seitdem gelingt es mir ab und zu, die Welt mit anderen Augen zu sehen.
Die Geschichte geht so: Ein junger Fisch macht sich auf eine Entdeckungstour durch seinen See. Alles hat er bereits genauestens erkundet: den sandigen Grund, die Steinhalde und das Feld mit Seegras. Vor seinem Papa prahlt er, dass er den See jetzt bestimmt genauso gut kenne wie er. Da sagt der Papa: „Eines hast du bestimmt noch nicht entdeckt.“ „Was denn?“, fragt der junge Fisch. Da wedelt der Papa-Fisch mit seiner Flosse und sagt: „Das hier um uns rum, das Wasser. Es ist immer da und so normal für uns, dass wir es gar nicht mehr registrieren. Aber ohne das Wasser könnten wir gar nicht leben.“
Genauso ist es mit uns Menschen. Vieles erkunden wir und finden es aufregend oder wichtig: fremde Städte, exotische Urlaubsorte, ausgefallene Hobbies oder feine Weine. Aber die Luft, ohne die wir gar nicht leben könnten, die schätzen wir erst, wenn sie uns mal wegbleibt oder gar ausgeht. Es gibt noch andere wie selbstverständliche Dinge, die ich erst wahrnehme, wenn sie mir fehlen: Dass Strom aus der Steckdose kommt oder Geld aus dem Bankautomaten. Dass Pflanzen bestäubt werden, dass Vögel singen oder dass meine Katze mir um die Füße streicht. Dass ich sauberes Wasser aus dem Hahn trinken kann, oder dass sich ab und zu ein Freund bei mir meldet. Dass ich mich in der Nacht erholen kann oder dass eine Wunde heilt.
Aber wehe, wenn eines dieser selbstverständlichen Dinge auf einmal nicht mehr ist. Wenn der Strom ausfällt, wenn Lebensmittelpreise oder Mieten durch die Decke gehen, wenn der eigene Arbeitsplatz auf der Kippe steht, wenn mich starke Schmerzen nicht mehr schlafen lassen, wenn jemand aus der Familie schwer krank wird oder gar stirbt. Erst wenn Teile meines gewohnten Systems zusammenbrechen, dann wird mir schmerzlich bewusst, wie gut es mir gegangen ist, als alles noch wie selbstverständlich war.
Deshalb hat mir die Geschichte mit dem Fisch und dem Wasser gut getan und mich daran erinnert: Ich sollte die vielen schönen Dinge um mich herum wieder wahrnehmen und dankbar für sie sein. Und dann natürlich: sie lieben und schützen mit aller Kraft.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43480Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Besinnlich. So soll die Adventszeit sein, höre ich oft. Oder das Weihnachtsfest. „Einen besinnlichen Advent!“, tönt es durch die Supermarktlautsprecher. – „Besinnliche Weihnachten!“, wünscht mir die Grußkarte.
„Besinnlich“. Ganz offen – ich finde das Wort schrecklich. Weil ich den Eindruck habe: Meistens ist damit nur eine behagliche Atmosphäre gemeint. Ein gemütliches Wohnzimmer mit Kaminfeuer für die Seele sozusagen, hübsch-harmonisch arrangiert. Das ist was Schönes, keine Frage. Aber es verändert nichts in mir. Höchstens spüre ich noch Druck, alles auch möglichst besinnlich herzurichten. Bloße Besinnlichkeit bleibt harmlos und an der Oberfläche.
Worauf ich Lust habe in der Advents- und Weihnachtszeit: Mal in die Tiefe zu gehen. Zu fragen, was mir wichtig ist, was mich wirklich ins Schwingen bringt, mich im Leben motiviert. In meinem Tempo, so, wie es gerade passt für mich. Das hat dann mit mir persönlich zu tun, nicht nur mit einer äußeren Stimmung.
Aber wenn ich mich darauf einlasse, dann ist das auch ein Wagnis. Was dann in mir passiert, kann ich nicht komplett kontrollieren. Und schon gar nicht kann ich es irgendwie steuern und herstellen. Auch meine persönlichen Verletzungen haben dann Platz, auch das, was mir weh tut. Ich muss nichts zur Seite schieben, damit es auch schön besinnlich bleibt. Und wenn wirklich etwas tief in mir angerührt wird, kommt etwas in Bewegung, kann sich verändern.
In der Bibel wird das übrigens ähnlich erzählt. Da beginnt Advent damit, dass Maria, Josef und ihr ungeborenes Kind aufbrechen müssen. Und als Jesus geboren wird, verändert das ihr Leben von Grund auf. Auch die Hirten oder die Weisen aus dem Morgenland kommen nicht an die Krippe, weil sie die besinnliche Stimmung dort so mögen. Sie spüren: Hier beginnt etwas radikal Neues. Und ich werde Teil davon, mein Leben stellt sich völlig auf den Kopf.
Das ist viel mehr als besinnlich. Aber es hat mit dem Wort zu tun, von dem die Besinnlichkeit herkommt: Sich besinnen. Ich besinne mich auf das, was mir in der Tiefe wichtig ist. Wenn das gemeint ist, dann darf es meinetwegen auch besinnlich sein.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43474SWR3 Gedanken
Eine ältere Frau sitzt an einer Bushaltestelle. Es ist tief in der Nacht, die Temperatur knapp über Null. Die Frau zittert vor Kälte. Ein junger Mann, der noch unterwegs ist, kommt zufällig vorbei. Er bemerkt, dass hier etwas nicht stimmt. Er verständigt die Polizei, geht weiter. Doch bevor die Beamten da sind, kommt der junge Mann nochmal zurück. Das Bild der frierenden Frau hat ihm keine Ruhe gelassen. Er spricht sie an, gibt ihr sogar etwas Geld. Als die Beamten schließlich eintreffen, bringen sie die stark unterkühlte Obdachlose sofort ins nächste Krankenhaus. Der junge Mann hat ihr wahrscheinlich das Leben gerettet.
Eine kurze Meldung nur im News-Portal. Aber sie hat mich sofort an eine andere Geschichte erinnert. Die vom barmherzigen Samariter. Eine der bekanntesten in der Bibel. Da kommt ein Mann auch zufällig an einem Wildfremden vorbei, der Hilfe braucht. Er kümmert sich, legt privates Geld für ihn aus, bittet auch andere darum zu helfen. Und rettet ihm so das Leben.
Die Geschichte in der Bibel hat viele Facetten. Eine aber ist entscheidend: Der Nächste ist immer der Mensch, der gerade Hilfe braucht. Egal wie er aussieht, wie er spricht oder welche Nationalität er hat. Klingt selbstverständlich, ist es oft aber nicht.
Ob der junge Mann die Samaritergeschichte gekannt hat? Keine Ahnung. Es wäre auch nicht wichtig. Er hat gehandelt. Als Mitmensch. Und darauf kommt es an.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43517SWR3 Worte
Was gibt im Leben Kraft und Zuversicht? Für den Schauspieler Henning Baum ist es sein christlicher Glaube. Er sagt:
“Das ist das Fundament, auf dem ich stehe. Das gibt mir Kraft. Die Trostlosigkeit, die einen im Leben befallen kann, verwandelt sich, wenn man glaubt, in Hoffnung und Zuversicht. Ich weiß ganz sicher: Wenn mir im Leben Dinge gelungen sind, dann nicht aus eigenem Vermögen, sondern durch göttlichen Beistand. Das war eine Gnade [...]. Wenn ich morgens aufwache, sammle ich mich und danke für die gute Nacht, die ich hatte. Dann bitte ich, dass ich gestärkt in die Welt hinausgehen kann [...] Die Starken, heißt es in der Bibel, sollen sich nicht ihrer Stärke brüsten, sondern den Schwachen beistehen.”
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien-und-film/serien/henning-baum-ueber-die-rueckkehr-der-serie-der-letzte-bulle-110757331.html , Ausdruck vom 6.12.2025 um 12:09 Uhr.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43500Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Taylor Swift ist Milliardärin und eine auf der ganzen Welt erfolgreiche Sängerin. In diesem Jahr hat sie der Liebe zu ihrem Verlobten Travis Kelce einen Song gewidmet: The fate of Ophelia, auf deutsch: Das Schicksal der Ophelia. Mit diesem Lied spielt Taylor Swift auf das Mädchen Ophelia im Drama Hamlet an. Diese Ophelia ist hin- und hergerissen zwischen verschiedenen Menschen und Einflüssen und wird aufgerieben von den Intrigen ihrer Umgebung. Am Ende des Theaterstücks ist Ophelia tot.
Doch anders als Ophelia lebt Taylor Swift! Das verdankt sie, wie sie singt, ihrem Schatz. Denn ansonsten wäre sie in Melancholie versunken. Sie wäre nur mit sich selbst beschäftigt gewesen. Aber er hat ihren Himmel erleuchtet und ihr Herz gerettet.
Es ist ein Lied über die Liebe und was ein Mensch für den anderen sein kann. Es ist ein Lied über die Liebe, das beschreibt, worauf es auch für eine der reichsten und erfolgreichsten Frauen der Welt ankommt und was wirklich zählt. Und es zeigt, dass ein Weg nicht zwingend im Elend endet, sondern dass ein Leben zum Glück führen kann: Du magst dich wie Ophelia fühlen, aber dein Schicksal ist nicht festgelegt. Du sollst leben. Das ist, sage ich als Christ, Gottes Wunsch und Wille für dich.
Am Anfang ihres Musikvideos liegt Taylor Swift da wie Ophelia auf einem Gemälde im Museum Wiesbaden. Das hat dem Museum einen gewaltigen Besucheransturm beschert. Man kann sich jetzt vor dem Gemälde Ophelias genau so wie diese und wie Taylor Swift hinlegen und fotografieren lassen.
Das Entscheidende kommt danach: Anders als Ophelia steht man wieder auf. Im Musikvideo verlässt Taylor Swift die Pose aus dem Gemälde. Und genau so machen es ja auch alle, die sich kurz hingelegt haben. Hinlegen und wieder aufstehen - wie immer du heißen magst, Taylor Swift oder ganz anders: Du sollst leben.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43493SWR4 Abendgedanken
Ich möchte von einem Ort erzählen, der mir seit Jahren ans Herz gewachsen ist. Es ist ein kleiner, stiller Weiher im Allgäu. Besonders gerne wandere ich im Winter dort hin, vor allem in der Adventszeit.
Und jedes Mal, wenn ich dort ankomme, spüre ich tiefen Frieden in mir. Der kleine Weiher liegt zwischen Wiesen und Hügeln, man kann ihn leicht übersehen.
Wenn ich am Ufer stehe merke ich, wie schnell ich hier den Alltag vergessen kann - und wie gut mir diese stillen Momente tun. Und dann ordnen sich manche Fragen, Sorgen und Hoffnungen neu.
Manchmal begegne ich dort einer alten Ente. Sie lebt allein am Weiher, zieht langsam und gelassen ihre Kreise und es wirkt, als wäre dieser kleine See ihre ganze große Welt. Ich sehe ihr zu, wie sie über das Wasser gleitet, ruhig und unaufgeregt. Sie weiß nicht, was der nächste Tag bringen wird. Doch mir scheint, sie hat eine Art Urvertrauen, das nichts von der Unruhe kennt, die uns Menschen manchmal den Atem nimmt. Selbst jetzt im Winter, wenn das Eis sich über den Weiher legt, bleibt sie da – als wüsste sie: Auch das geht vorbei.
Diese Ente ist zu einer kleinen Freundin geworden. Sie erinnert mich daran, dass Frieden nicht zuerst mit äußeren Umständen zu tun hat, sondern Frieden entsteht und wächst in mir selbst, in meinem Inneren. Und dass Gelassenheit nichts mit Gleichgültigkeit zu tun hat, sondern mit Vertrauen. Mit der Zuversicht, dass uns das Leben trägt – auch dann, wenn wir nicht wissen, wie.
In dieser Adventszeit, in der so vieles auf mich einströmt, denke ich an die friedvolle Stimmung am Weiher und wie die Ente still übers Wasser gleitet: gegenwärtig und ohne Hast. Ich freue mich in diesen vorweihnachtlichen Tagen zwischen Glühwein-Gedrängel und Weihnachtsfeier über Augenblicke, in denen es auch in mir still werden kann. In denen ich spüre, dass die Welt größer ist als das, was mich sorgt.
Und ich bin mir sicher: in jedem von uns liegt so ein kleiner Weiher; ein Ort, an dem der innere Frieden möglich wird. So jedenfalls würde ich die Seele beschreiben.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=43482Zeige Beiträge 1 bis 10 von 42036 »





