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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
„All‘ Morgen ist ganz frisch und neu. Des Herren große Gnad du Treu, sie hat kein End‘ den langen Tag, drauf jeder sich verlassen mag.“ Das sind Zeilen eines alten Kirchenliedes. Jetzt im Frühling, da fallen mir die alten Zeiten immer wieder mal ein: unterwegs mit meinem Hund quer über die Felder. Zum Glück manchmal auch, wenn es kein guter Morgen ist, und irgendwas anstrengendes und stressiges hat an meiner Seele nagt. Trotzdem fällt mir manchmal ein: „All Morgen ist ganz frisch und neu.“ Wenn ich, draußen, mit dem Hund, bergauf etwas aus der Puste komme und die frische Luft in den Lungen spüre. Oder weil der Himmel immer heller wird und der Tag allmählich zu leuchten anfängt. Ein neuer, frischer Morgen. Zeit – mir von Gott geschenkt, und die unberührt vor mir liegt wie mein Weg durch die Felder auf meinem Spaziergang.
Ich bin tatsächlich eher der schwermütige Typ. Auch vor ein paar Tagen hat mir das wieder zu schaffen gemacht - und da hat der Gedanke gutgetan: Des Herren große Gnad‘ und Treu, sie hat kein End‘ den langen Tag. Das hat mich ein Stück aufgerichtet. Den Kopf gehoben. Kopf hoch, und den Blick frei nach vorn richten. Und dann Schritt für Schritt.
Ich weiß nie genau, wie lange diese Ermutigung dann anhalten wird. Und wenn ich wieder eher schwermütig werde, dann erinnere ich mich kaum, wie sich das eigentlich angefühlt hat. Aber sehr wohl daran, dass sie da gewesen ist – und deshalb auch wiederkommen kann! Ganz besonders morgens, wenn es langsam hell wird und ein neuer Tag zu strahlen anfängt. Ein neuer, frischer Morgen. Zeit, die Gott mir schenkt und die noch ganz unberührt vor mir liegt. Und Gott ist treu, ist dabei, jedesmal, wenn ein neuer Tag anbricht. Und den ganzen langen Tag hat seine Gnade kein Ende. Seine Begleitung, seine Zugewandtheit zu mir und allem, was vielleicht gerade an der Seele nagt.
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Dr. Nana-Yaw Bimpong-Buta ist Kardiologe, Autor eines Spiegelbestsellers über Herzgesundheit und in den sozialen Medien folgen ihm allein auf Instagram 120.000 Menschen. Dort heißt er “herzens_doc”. Der 45-Jährige will Menschen über das Herz aufklären, sie motivieren, dass sie etwas für ihr Herz tun. Ganz wichtig: sich bewegen, gesund ernähren, Stress reduzieren. Als Seelsorger stimme ich ihm zu, dass in unserer Gesellschaft aber noch ein weiteres Risiko dazukommt: Einsamkeit. Der Mediziner sagt: “Einsamkeit ist ein Risikofaktor wie Rauchen, wie Cholesterin und Bluthochdruck.” Der Herzensdoc ist sich sicher: Herzgesundheit und seelische Gesundheit hängen zusammen. Verbindung und Beziehung mit anderen Menschen tun jedem Herzen gut. Und als Christ fühlt er sich auch verbunden mit Gott. Gott ist für ihn ein Gesprächspartner, der weiß was ihn bewegt, noch bevor er eine Silbe ausgesprochen hat. Er sagt: “Es gibt bestimmte Sachen, die kannst du mit keinem anderen besprechen, weil dich keiner so verstehen wird wie Gott dich versteht.” Mir geht es da ähnlich: Im Gebet kann ich Gott sagen, was mir- wie man umgangssprachlich sagt - das Herz schwer macht. Und das gibt dann auch wieder Elan, um gegen Einsamkeit im eigenen Umfeld etwas zu tun: die pflegebedürftige Nachbarin besuchen. Den Kumpel anrufen, der krank zu Hause sitzt. Oder eine aufmunternde Nachricht an eine Freundin abschicken, die gerade in eine neue Stadt gezogen ist und da noch niemand kennt. All das ist erwiesenermaßen gut fürs Herz. Und ich glaube dann lebt man auch ganz viel von der Botschaft Jesu, der gesagt hat: “Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben von ganzem Herzen, [...] und deinen Nächsten wie dich selbst.”(Lk 10,27)
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Der britische Informatiker William Tunstall-Pedoe hat vor einigen Jahren in Cambridge ein Computerprogramm mit sage und schreibe 300 Millionen Daten gefüttert. Offensichtlich war ihm gerade langweilig. Und so wollte er wissen, welcher Tag der langweiligste Tag im gesamten 20. Jahrhundert gewesen ist. Das Ergebnis: Es war ein 11. April, und zwar im Jahr 1954. An diesem Tag hat sich, so scheint es, nicht wirklich etwas Berichtenswertes oder für die Menschheit Relevantes zugetragen. Zumindest, wenn man große Maßstäbe anlegt wie eben insgesamt 300 Millionen weltgeschichtliche Ereignisse, Geburten oder Todesfälle von berühmten Persönlichkeiten, eine spektakuläre Erfindung oder Uraufführung oder sportliche Höchstleistungen und so weiter. All die Daten, mit denen William Tunstall-Pedoe das Computerprogramm gefüttert hat.
Die Bibel sieht das anders als William Tunstall Pedoe. Sie konzentriert sich nicht auf Berühmtheiten. Jede und jeder einzelne bekommt hier immer wieder gesagt: Gott sieht dich. Und Gott findet es ganz und gar nicht langweilig, dich zu begleiten. Wenn du dich dann einmal langweilen solltest – dann langweilt sich Gott halt mit, so geht Liebe. Ob dir dann mit Gott zusammen immer noch langweilig ist, das könnt ihr ja anschließend miteinander herausfinden.
Was Krieg, Verbrechen und Katastrophen angeht, darf es ruhig mehr langweilige Tage geben. Das ist mir schon seit langem nicht langweilig genug. Ansonsten aber ist das mit der Langeweile so eine Sache:
Eines der wenigem vom Computerprogramm errechneten wenigstens halbwegs erwähnenswerten Ereignissen am 11. April 1954 ist die Geburt der türkischen Wissenschaftlers Abdullah Attalar von der Universität Ankara. Als der tatsächlich gefragt wird, wie es ist, am langweiligsten Tag des ganzen Jahrhunderts auf die Welt gekommen zu sein, da ruft er seine Mutter an. Die muss lachen. Denn für Attalars Mutter war es überhaupt kein langweiliger Tag. Sondern ein weltbewegender: Sie hat ihr erstes Kind auf die Welt gebracht.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44200SWR3 Worte
Ich hab mich noch nie so sehr nach Frieden auf der Welt gesehnt, wie jetzt gerade. Dahin gibt es nur einen Weg. Den beschreibt der Theologe Dietrich Bonhoeffer, der von den Nazis im KZ umgebracht worden ist.
„Nur aus dem Frieden zwischen zweien und dreien kann der große Friede einmal erwachsen, auf den wir hoffen.“
Aus: andere Zeiten. Magazin zum Kirchenjahr, 01/26, Verlag Andere Zeiten e.V., Hamburg 2026, S. 4.
SWR Kultur Wort zum Tag
Es gibt verschiedene Arten von Gazellen. Sie alle leben in Wüsten und Savannen. Es sind schöne, elegante Herdentiere. Gazellen sind ganz fantastische Läufer, je nach Gattung können sie 50 bis 80 Kilometer in der Stunde rennen. Ihre natürlichen Feinde sind Raubkatzen, wie z. B. die Löwen.
Die liegen meist in Gruppen unter irgendeinem Baum im Schatten und schauen den Gazellen zu, wie sie grasen. Solange sie nicht hungrig sind, sind die Löwen keine Gefahr. Das wissen die Gazellen. Allerdings weiß jede Gazelle auch, dass sie die nächste potenzielle Mahlzeit der Löwen sein kann. Damit ein Löwe gar nicht auf diese Idee kommt, haben Gazellen das sogenannte Prellspringen entwickelt. Das bedeutet, sie springen hoch in die Luft und demonstrieren so ihre Fitness. Die Gazelle, die besonders hochspringt. beweist, dass sie besonders schnell rennen kann und sagt so, dass es sich nicht lohnt, sie zu jagen. Es würde viel zu lange dauern und wäre unheimlich anstrengend. Da Löwen klug sind und darauf bedacht das Leben möglichst energiesparend zu verbringen, funktioniert das System. Die Gazellen, die am höchsten springen können, werden am wenigsten gejagt.
Andere Tiere haben ähnliche Systeme gefunden ihren Feinden zu zeigen, dass sie keine gute Beute sind. Manche können besonders laut brüllen, andere riechen besonders streng.
Auch wir Menschen haben da unsere Mittel und Wege. Allerdings haben wir keine natürlichen Feinde mehr, deshalb müssen wir immer wieder andere Menschengruppen zu Feinden erklären. Und am Ende bedroht dann die eine Gruppe die andere und jede versucht der anderen klarzumachen, dass es sich nicht lohnt sie anzugreifen. Weil wir von hohem Springen oder Stinken oder Brüllen nicht sonderlich beeindruckt sind, versuchen wir uns jeweils mit irgendwelchen Waffen zu beeindrucken und davon abzuhalten uns gegenseitig anzugreifen.
Was daraus werden kann, haben wir in der Geschichte schon oft gesehen und sehen wir auch in unseren Tagen. Am Ende sterben jede Menge Menschen, meistens die, die nichts mit der Sache zu tun haben.
Ich will das Bild mit den Gazellen nicht überstrapazieren, aber es wäre doch gut, wenn wir Menschen uns ein bisschen etwas von ihnen abschauen könnten. Ich finde es schön, ja sogar etwas witzig, mir vorzustellen, wie zwei Feldherren sich auf dem Felde der Ehre gegenüberstehen und jeder versucht so hoch zu hüpfen, wie er kann. Wer höher springt hat gewonnen.
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Ostern liegt jetzt fast eine Woche zurück. Aber einen Gedanken daraus nehme ich mit: Immer wenn ich mich gesehen fühle, mich und alles, was mich ausmacht, dann ist Ostern präsent: Wie in der Erzählung der Bibel, in der Maria von Magdala frühmorgens auf den Friedhof kommt.
Maria ist an diesem Morgen am Tiefpunkt. Jesus, der Mann, bei dem sie sich geborgen gefühlt hatte, der sie gesehen hatte - und was sie als Mensch ausmacht - der war gestorben. Ja, er war ermordet worden, völlig sinnlos. Geblieben ist ihr nichts - außer ihrer Trauer.
Aber sogar die wird ihr jetzt, an diesem Morgen auf dem Friedhof genommen. Denn sie findet das Felsengrab geöffnet und leer. Nicht einmal ein Grab, an dem sie sich ihrem Freund und Herren noch ein wenig verbunden fühlen kann, ist ihr geblieben. Ihr bleibt nicht einmal ein Ort für ihre Tränen.
Da begegnet ihr ein Mann - aber er kann ihr nicht helfen. Seine Worte erreichen sie nicht. Ein weiterer Mann spricht sie an - anscheinend der Gärtner des Friedhofs. In der biblischen Erzählung ist dieser Mann Jesus selbst. Aber - Maria erkennt ihn nicht. Sie will von dem vermeintlichen Gärtner nur wissen, wo sie den Leichnam ihres Freundes finden kann. Und obwohl genau der vor ihr steht, ist von Ostern nichts zu spüren. Ob Jesus nun begraben oder schon auferstanden ist - für Maria ist er gestorben.
Doch dann kommt der Moment, an dem es Ostern wird. Ganz ohne Spektakel, Blitz, Donner oder Special Effects. Es ist der Moment, an dem Jesus seine Jüngerin mit ihrem Namen anspricht: Maria.
Maria hört ihren Namen. Spürt, dass da einer ist, der sie meint, der sie kennt: sie, Maria, mit allem, was sie ausmacht. Mit einem Mal ist sie nicht mehr allein. Denn Jesus kennt sie und sie weiß: Bei Gott habe ich einen Platz.
Den eigenen Namen hören, eine Heimat haben, die nichts zerstören kann. Dann ist es Ostern, meine ich. Denn in dem Moment, an dem Gott selbst meinen Namen ausspricht weiß ich: Ich bin niemals allein.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44227SWR3 Gedanken
Die Hände bilden keine Raute, sondern sind zum Gebet gefaltet. Angela Merkel zu Besuch im Kloster Maria Laach. Merkels Blazer leuchtet hellgelb neben den schwarzen Kutten der Mönche. Die ehemalige Bundeskanzlerin sitzt im Chorraum inmitten der Benediktiner in der wunderschönen romanischen Abtei in der Vulkaneifel. Sie feiern die Vesper - das Abendgebet der Kirche. Und Merkel ist gekommen, um zu predigen - als Pfarrerstochter kennt sie sich damit aus.
Ich habe Glück gehabt und einen Platz bekommen und lausche nun, welchen Impuls Angela Merkel setzt. Sie erzählt, was ihr der Glaube an Gott bedeutet. Merkel meint: “Christ sein ist eine Lebensaufgabe. [...]”
Klingt anspruchsvoll, aber nichts anderes habe ich erwartet von einer Frau, die zugleich Pfarrerstochter und promovierte Physikerin ist. Mir gefällt was Merkel sagt: “Christ sein ist keine Bank zum Ausruhen, sondern eine [...] Aufforderung die eigenen Gaben zum Wohle anderer einzusetzen”, so Merkel. Und weiter: “Die gute Nachricht dabei ist: Dass wir auf Gottes Güte hoffen können, dass wir nicht perfekt sein müssen, dass wir Fehler machen dürfen -und dennoch von ihm als Menschen angenommen sind”. Für Merkel besteht die Freiheit des Menschen aber nicht darin, den Glauben als sanftes Ruhekissen zu verstehen, sondern Verantwortung zu übernehmen. Einer Frau, die sich in vielen Krisen unzählige Nächte um die Ohren geschlagen hat und dafür auf manches Ruhekissen verzichtet hat, nehm ich das ab. Und es spornt mich an neu darüber nachzudenken, wo meine Verantwortung liegen kann - als Christ und als Bürger.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44210Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Es gibt für mich keinen hartnäckigeren Menschen als Abraham. Dem erzählt Gott in der Bibel, was er mit Sodom und Gomorrha vorhat: nämlich vernichten. Diese beiden Städte sind in der Bibel legendär für ihre Verbrechen – also kein Verlust, wenn sie von der Landkarte verschwinden.
Abraham sieht das anders. Kein Ort ist nur schlecht. Überall tun Menschen Gutes. Überall gibt es Gerechte. Also beginnt Abrahm mit Gott zu feilschen. Wenn es um Menschenleben geht, kennt Abraham keine Scheu. Auch nicht vor Gott und dessen Plänen. Abraham argumentiert und bittet, und er packt Gott bei seiner Ehre:
Gott, Du bist der Richter aller Welt. Du bist gerecht. Du kannst doch unmöglich die Guten mit den Bösen in einen Topf werfen. Im Gegenteil: Sollte nicht die Stadt wegen der Guten bestehen bleiben? Es könnten doch, sagen wir mal, fünfzig Gerechte dort leben.
Gott verspricht ihm: In dem Fall wird die ganze Stadt verschont.
Ein schöner Erfolg für Abraham. Aber er ist noch nicht zufrieden. Für Abraham war das erst der Einstieg in die Verhandlungen mit Gott. Denn es könnte ja sein, dass es fünf weniger sind, also fünfundvierzig. Diese fünf können doch unmöglich den Unterschied machen.
Das muss Gott natürlich einsehen. Und nachdem das Gespräch zwischen Gott und Abraham einmal diese Wendung genommen hat, sind für Gott dann auch konsequenterweise nur vierzig okay. Gilt das auch für dreißig? Ja, das gilt auch für dreißig. – Der traut sich was, der Abraham! Und Abraham bleibt hartnäckig: Was ist mit zwanzig? Ob Gott das Gespräch noch geheuer ist? Aber was soll er jetzt noch sagen, also: Dreißig waren in Ordnung, also sind es auch zwanzig.
Allmählich kommen wir den einstelligen Zahlen gefährlich nahe: Und wenn es nur zehn wären? Auch zehn Gerechte werden von Gott akzeptiert, bevor er das Gespräch beendet; wer weiß, was Abraham sonst zu guter Letzt noch ausgehandelt hätte.
Ich finde Abraham einfach unglaublich. Auch Gott, der mit sich reden lässt, ist nicht schlecht. Aber Abraham: der tritt ein für Gerechtigkeit, statt Vernichtung und Untergang das Wort zu reden. Die Botschaft ist klar: Trau dich was, setz dich ein für Gerechtigkeit, und bleib dran!
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44199SWR4 Abendgedanken
Ich war kein einziges Mal an ihrem Grab, bis heute nicht. Meine Freundin Susi ist vor über 20 Jahren gestorben. Es war für mich das erste Mal, dass ich erlebt habe, wie ein Mensch, den ich gut kannte, von heute auf morgen aus meinem Leben verschwunden ist. Einfach weg war. Wir hatten viele Jahre eine ziemlich intensive Zeit miteinander, nicht nur Susi und ich, sondern unsere ganze Gruppe: Wir haben Jugendarbeit gemacht in unserer Kirchengemeinde und haben jeden Sommer ein großes Zeltlager auf die Beine gestellt. Wir waren zusammen unterwegs auf Festen und oft mit dabei, wenn Susi gesungen hat. Mit ihrer Band und ihrem Chor. Sie hatte eine grandiose Stimme! Ich habe sie heute noch im Ohr.
Als ich geheiratet habe, hat Susi mir einen Wunsch erfüllt: In der Kirche hat sie eines meiner Lieblingslieder gesungen, „Where peaceful waters flow“, einen Song von Chris de Burgh. Der erzählt von der Suche nach jenem Ort, an dem das eigene Herz Frieden findet. Keine zwei Jahre später ist Susi gestorben.
Es ist noch gar nicht so lange her, da hab ich mich gefragt: Hab ich eigentlich jemals getrauert nach Susis Tod? Weil ich eben nie am Grab war, weil ich ihren Todestag schon bald nicht mehr wusste. Weil ich mit meinem Leben einfach weitergemacht habe. Unsere Gruppe hatte sich damals nach und nach zerstreut, bei den meisten stand für die nächsten Jahre dann das Familienleben im Mittelpunkt.
Nachdem meine Kinder auf der Welt waren, hab ich dasselbe getan, wie wahrscheinlich sehr viele Mütter vor und nach mir: Ich habe versucht, die Kinder in den Schlaf zu singen. Und bei jedem Kind war es ein anderes Lied. Warum es jeweils genau dieses bestimmte Lied war, kann ich nicht mehr sagen. Dem zweiten Kind, meiner Tochter, habe ich jedenfalls den Song zum Einschlafen gesungen, den Susi damals bei der Hochzeit gesungen hat. Ich kann ihn noch immer auswendig.
Heute bin ich mir sicher, es war nicht nur die wunderbare Melodie und der schöne Text von der Liebe und vom Frieden im Herzen. Ich glaube, dieser Song hat mich jedes Mal, unbewusst, an Susi erinnert. Und daher denke ich: Ja, ich habe getrauert, aber so ganz anders, als ich mir trauern immer vorgestellt hatte. Deshalb bin ich so lange nicht draufgekommen. Aber so, wie es war, ist es für mich gut gewesen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44190SWR3 Worte
Dieses Hoch auf die Geschwister ist mir auf Social Media über den Weg gelaufen. Und damit viele Grüße an alle Geschwister – in jeglicher Konstellation.
„Geschwister zu haben ist irgendwie seltsam, weil man als Kind ständig Zeit zusammen verbringt, vielleicht sogar ein Zimmer teilt, oft genervt ist oder sich streitet, und nicht wirklich darüber nachdenkt, wie viel Zeit man mit ihnen verbringt.
Und dann gibt es einen Punkt im Erwachsenenalter, an dem man plötzlich aufwacht, sie ansieht und realisiert, wie dankbar man für seine Geschwister sein kann. Man erkennt plötzlich, dass man nie wirklich allein war und auch niemals wirklich allein sein wird, solange man sie hat.“
Aus: https://www.instagram.com/reel/C-W1VbIoPzB/?igsh=ZGE1ZXd2NG9qZHZq
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