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SWR3 Gedanken

05SEP2026
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Immer wieder kommt das vor: In einem Gespräch bittet mich jemand, für ein Familienmitglied zu beten. Gott um Hilfe zu bitten. Zu meinem Beruf als Pfarrer gehört das dazu. Und natürlich mache ich das dann auch.

Und für die Person, die mich darum bittet, für die bete ich oft gleich mit. Denn dieser Mensch ist vielleicht selbst nicht krank. Aber die Krankheit der Mutter, des Partners oder des Kindes belastet ihn ja mit. Und sicher auch die übrige Familie. Manchmal ist es ein pflegender Angehöriger, der mich bittet, zu beten – aber eben für jemand erkranktes aus der Familie. Denn denen mit den aktuellen Problemen, geht es ja „eigentlich“ viel schlechter. Dagegen sieht die eigene Sorge oder Kraftlosigkeit viel kleiner aus. Und wird dann heruntergespielt.

Aber ich finde, das kann man nicht gegeneinander ausspielen. Wem es nicht gut geht, geht es nicht gut. Auch wenn es jemandem in der Familie vielleicht schlechter geht.

Über die Bitte um Gebet für andere ergeben sich deswegen oft Gespräche. Darüber, wie es den Angehörigen selbst geht. Was sie umtreibt und beschäftigt. Welche Sorgen sie sich machen. Wie ihre Kraft am Ende ist. Deswegen bete ich dann oft nicht nur für die Familienmitglieder, um die ich zu Beginn gebeten wurde. Sondern für die ganze Familie. Denn geht es einem Familienmitglied nicht gut, leidet oft die ganze Familie mit.

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SWR Kultur Wort zum Tag

04SEP2026
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Im Sommer habe ich in meinem Urlaub in Schweden einen Nachmittag lang im Wald Heidelbeeren gepflückt. Ich war allein, und es war sehr still, dabei rauschte der Wind in den Bäumen. Fröhlich-verspielt klang das und hat große Leichtigkeit und Ruhe verbreitet.

Alle Farben sind da um mich herum. Alle Farben des Regenbogens, ganz unspektakulär, fast unscheinbar. Und ganz selbstverständlich.

„Erinnert euch an den Regenbogen

 An diesem Nachmittag im Heidelbeerwald habe ich zwischen all den Farben darüber nachgedacht, worin dieser Unterschied besteht, von dem Dorothee Sölle spricht: Denn „es macht einen Unterschied, ob in unserem Leben ein Regenbogen vorkommt“. Es macht einen Unterschied gerade in diesem Sommer – weil er mich daran erinnert, dass eine Katastrophe nicht das Ende ist. Und es hat ja Katastrophen gegeben im Sommer: Waldbrände und die Sturzflut in Nepal … In der Bibel macht Gott den Regenbogen zum Zeichen für den Neuanfang des Lebens nach der Sintflut. Der Regenbogen erinnert uns: zerstörerische Kräfte sind beherrschbar. Es gibt eine Verbindung zwischen Himmel und Erde, die das Leben erhalten will. Die Elemente der Erde, das commitment der Menschen und die Lebenskraft Gottes sind ein starker Bund gegen alles Lebensfeindliche.

In die Dürre und Dunkelheit von Herbst und Winter nehme ich vom sommerlichen Heidelbeerpflücken mit: Die Erinnerung an den Regenbogen mit seinen sieben Farben des Lichts, ein süßes Glas Marmelade und eine erstaunliche Kraft im Herzen.

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

04SEP2026
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Im Matthäus-Evangelium steht der Satz: „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch!" (7,12). Sie wollen anrufen und sich beklagen? Sie sind verärgert – und sehen auch Gründe hierfür? Unser Alltag ist ja oft voller Misslichkeiten. Und schon nimmt man das Telefon oder schreibt eine Mail, um sich heftig zu beschweren.

Ich möchte einfach zu bedenken geben, ob es nicht auch anders gehen könnte: Greifen Sie zu Stift oder Tastatur nicht nur, um Ärger loszuwerden, sondern um sich zu bedanken. Melden Sie sich, um Lob, Wertschätzung und Anerkennung auszudrücken oder schlicht nochmals „Danke“ zu sagen. Ganz gleich, ob es ein Amt ist, mit dem Sie es zu tun hatten, ein Hotel, das Ihnen Unterkunft bot, eine Firma, die Sie beliefert hat, Handwerker, die Ihnen geholfen haben, eine Arztpraxis, ein Büro, ein Geschäft – verlassen Sie den Ort nicht ohne ein freundliches Wort, ein ehrlich gemeintes Kompliment, einen besonderen Gruß.

„Ein Mensch fühlt plötzlich sich verwandelt, sobald man menschlich ihn behandelt." Sie können die Wahrheit dieser Verszeile von Eugen Roth noch heute experimentell überprüfen.

"Ich rufe nur an, um mich bei Ihnen zu bedanken!" Nach solchen Worten denkt Ihr Gegenüber am Telefon jetzt vielleicht: Hab ich mich gerade verhört? Oder ist heute der Weltfreundlichkeitstag? Ich weiß nicht, ob es den gibt. Falls nicht, könnte man ihn erfinden und gleich für weitere 300 Tage patentieren lassen.

„Hier rufen die Leute in der Regel nur an, um sich zu beschweren", sagt mir die Mitarbeiterin eines Dienstleisters. Dass jemand einfach nur ein kurzes Dankeschön loswerden möchte, bloß so, ohne Berechnung und Hintergedanken, das kommt eher nicht vor. Schade eigentlich.

Denn ein freundliches Wort für einen andern fällt wie ein Lichtstrahl auf uns selbst zurück und erhellt unseren eigenen Alltag. Probieren Sie es aus!

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

04SEP2026
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Erst vor kurzem hab ich mich selbst ertappt. Da will eine Frau auf die Autobahn auffahren, auf der ich auf der rechten Spur unterwegs bin. Ausweichen nach links geht nicht, da ist Verkehr. Also bremse ich leicht ab, damit sie vor mir einfädeln kann. Aber sie scheint unschlüssig, wird erst schneller, dann wieder langsamer. Traut sich offenbar nicht. Und ich? Ich fahre nicht mal 100, bin emotional aber schon auf 180. Gestikuliere und schimpfe laut vor mich hin. Kurz drauf hab ich mich gefragt: Was sollte das denn? Klar, sowas kann schnell kritisch werden. Aber muss ich deshalb sofort ausflippen? Wären wir uns nämlich direkt begegnet, von Mensch zu Mensch. Ich hätte niemals so reagiert.

Irgendwie passt das leider zur Statistik. Die sagt nämlich, dass Aggressionen auf der Straße stark zugenommen haben. Da wird längst nicht mehr nur geschimpft. Es wird beleidigt, bedroht, genötigt und manchmal sogar zugeschlagen. Die Zündschnur im Auto oder auf dem Fahrrad scheint besonders kurz. Ursachen dafür gibt’s einige. Immer mehr Zeitdruck und Stress. Mehr Autos, dichterer Verkehr und so weiter. Vor allem aber die Fixierung auf die anderen. Da sehe ich halt nur, was andere alles falsch machen. Alles Idioten, außer mir.

Da passt dann wohl die biblische Weisheit, dass man halt gern den Splitter im Auge des anderen sieht. Den dicken Balken im eigenen aber nicht wahrhaben will. Manchmal hilft es, einen Schritt zurückzutreten. Mich mal ehrlich zu fragen, wie oft ich selbst eigentlich aggressiv oder nicht aufmerksam genug fahre. Mich also auch wie ein Idiot verhalte. Und das kann schnell gefährlich werden – für mich und für andere.

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SWR3 Worte

04SEP2026
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Der Autor Michael Nast hat genug von Dummheit – und für ihn hat die oft auch nichts mit Intelligenz zu tun. Er sagt dazu:

„Ich habe beschlossen, keine Dummheit mehr zu ertragen. (…) Gerade in unserer Gegenwart zeigt sich, dass Dummheit erstaunlich wenig mit Intelligenz zu tun hat. Man kann klug, gebildet, sogar brillant sein und trotzdem Dinge für richtig halten, von denen man weiß, dass sie Schaden verursachen. Die gefährlichste Dummheit ist nämlich die, die sich für klug hält. (…) Irgendwann geht es dann nicht mehr um den wahren Kern einer Sache, sondern nur noch darum, recht zu behalten. Wir irren uns alle, das ist nicht das Problem. Das Problem beginnt dort, wo man nicht mehr erkennen will, dass man sich geirrt haben könnte. (…) Die klügsten Menschen sind nicht diejenigen, die auf alles sofort eine zurechtgelegte Antwort haben. Sondern diejenigen, die ihre eigene Antwort noch einmal infrage stellen können. (…)“

Michael Nast, auf dem Instagramkanal michaelnast, Beitrag vom 16.08.2026, https://www.instagram.com/p/DcG9a5WiGgE/?igsh=MTU5NXFqaW44dWI2cw%3D%3D
(zuletzt abgerufen am 20.08.2026)

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SWR3 Gedanken

04SEP2026
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Nächste Woche erfahre ich, welche Klassen ich im kommenden Schuljahr unterrichten werde. Wie immer werde ich auch wieder jede Menge selbst lernen. Immer wieder neu auch das Allerwichtigste, wie ich finde: „Lass dich nicht von dem ablenken, was du sehen kannst. Versuche, den Menschen hinter dem Sichtbaren zu sehen.“

Es ist schon ein paar Jahre her, da ist mir das zum ersten Mal aufgegangen: Da war das Kind, das ständig andere abgelenkt hat. Ich konnte sagen, was ich wollte. Dieses Kind hat weiter gequasselt. Irgendwann habe ich erfahren: Diesem Kind fällt Stillsein viel schwerer als anderen. Es lebt mit ADHS – das ist eine Störung der Impulskontrolle und der Konzentration.

Ein anderes Kind hat sich im Unterricht nie gemeldet. Habe ich es einfach so aufgerufen, hatte es tolle Antworten parat. Mich hatte das irritiert. Warum meldet sich das Kind nicht, wenn es so großartige Gedanken beitragen könnte? Inzwischen weiß ich, dass dieses Kind Angst hat, im Mittelpunkt zu stehen. Von anderen bewertet zu werden. Eine soziale Phobie.

So habe ich in dieser Schulklasse für das ganze Leben gelernt: „Lass dich nicht von dem ablenken, was du sehen kannst. Versuche, den Menschen hinter dem Sichtbaren zu sehen.“ Das ist mir nicht einfach so eingefallen. Ich habe mich dabei von etwas inspirieren lassen, das in der Bibel über Gott steht:

„Der Mensch sieht, was vor Augen ist. Gott aber sieht das Herz an“ (1. Samuel 16,7b).

Natürlich lenkt mich das Offensichtliche trotzdem immer noch ab. Noch heute ärgert es mich oft, wenn in einer Schulklasse jemand ständig quasselt. Auch wenn ich um eine ADHS-Diagnose weiß. Aber ich mach mir das immer wieder bewusst. Und bin mir sicher: Allein der Versuch, dahinter zu schauen, ist schon viel wert. Darum:

„Lass dich nicht von dem ablenken, was du sehen kannst. Versuche, den Menschen hinter dem Sichtbaren zu sehen.“

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SWR4 Abendgedanken

04SEP2026
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In meinem Leben habe ich schon viele Prüfungen abgelegt: Abitur, Führerschein, Examen. Aber vielleicht steht mir die größte Prüfung noch bevor. In einem Buch habe ich gelesen: „Das Altwerden habe ich mir leichter vorgestellt. Heute glaube ich, dass es das schwerste Examen ist, das Gott uns zumutet.“ Ich finde: Da steckt viel Wahrheit drin.

Altwerden ist nicht leicht. Ich merke das an mir selbst. Mit Anfang Sechzig lassen meine Kräfte langsam nach. Ich werde schneller müde. Meine Augen brauchen eine Brille. Das alles macht mir bewusst, dass meine Zeit begrenzt ist. Ich weiß: Der größere Teil meines Lebens liegt schon hinter mir. Träume, die ich einmal hatte, werden sich vielleicht nicht mehr erfüllen. Möglichkeiten schwinden. Altwerden bedeutet auch, die eigenen Grenzen zu akzeptieren.

Kein Wunder, dass manche Menschen mit aller Kraft dagegen ankämpfen. Sie möchten jünger aussehen, als sie sind. Sie färben ihre Haare, lassen Falten behandeln oder reden nur noch von den vergangenen Zeiten. Ich kann das verstehen. Wer wird schon gerne an die eigene Vergänglichkeit erinnert?

In unserer Gesellschaft gilt Jugend oft als Ideal. In der Bibel dagegen ist hohes Alter keineswegs das Ende der Geschichte. Im Gegenteil. Für einige biblische Gestalten fängt im hohen Alter noch etwas Besonderes an. Abraham hat schon etliche Jahrzehnte auf dem Buckel, als Gott ihn auf einen neuen Weg schickt. Mose war auch schon deutlich über die Lebensmitte hinaus, als Gott ihn beauftragt hat, sein Volk aus der Sklaverei Ägyptens in die Freiheit zu führen. Diese Geschichten machen mir Mut. Sie zeigen: Für Gott ist ein Mensch in keinem Alter überflüssig. Natürlich setzt das Alter Grenzen. Aber Gottes Möglichkeiten enden nicht dort, wo meine Möglichkeiten enden. Viele ältere Menschen entdecken gerade im Alter neue Formen des Glaubens, der Gelassenheit und der Weisheit. Sie werden zu Ermutigern für andere. Sie schenken Zeit, Erfahrung und Lebenserkenntnis. Sie finden neue Berufungen.

Deshalb möchte ich das Altwerden nicht nur als Verlust betrachten. Es ist auch eine Lebensphase, in der Gott mir nahe sein will. Eine Zeit, in der er mich weiterhin gebraucht und begleitet. 

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SWR Kultur Wort zum Tag

03SEP2026
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Ich mag es, in neuen Städten unterwegs zu sein und mir das Leben in ihnen vorzustellen. Viele Eindrücke und Anregungen nehme ich da mit.

Erholung aber finde ich in der Natur. Mindestens eine Woche will ich im Urlaub draußen sein und Wind, Sonne und Wasser direkt auf der Haut spüren, und die Erde unter meinen Füßen. So mit der Natur verbunden geht es mir gut.

In diesem Sommer war ich in Schweden, in einem roten Holzhaus auf Felsen am See zwischen Birken und Heidelbeeren. Jeden Morgen und jeden Abend war ich im Wasser. Oft war der See genauso warm wie die Luft, und weich und anschmiegsam. Die Minuten im See haben mir am Morgen Energie gebracht und am Abend Ruhe. Es ist nicht viel passiert in diesen Tagen. Das war wunderbar. Sehr einfach. Sehr elementar. Im wahrsten Sinn des Wortes: Nah an den Elementen, an dreien von ihnen: Erde, Luft und Wasser.

Eine ideale kleine Welt. So anders als an vielen anderen Orten in Europa in diesem Sommer. Ich konnte einfach leben. Ich habe einfach gelebt. Spürbar verbunden mit der Natur, die an diesem Fleck der Welt im Gleichgewicht schien.

„Merkwürdig, dass wir in Zeiten leben, in denen ‚naturverbunden‘ als Charaktereigenschaft gilt, nicht als Existenzbedingung“, sagt der Schriftsteller John von Düffel. Als Student war er oft einsam. Das Wandern hat ihn gerettet. Er beschreibt es so: „Die Isolation hört in dem Moment auf, in dem ich mich ins Verhältnis setze, und sei es zu einem Stein am Wegrand, einem Baum auf einem Hügel, einer Landschaft, einem Tier. Ich werde nicht vergessen, dass es die Relation ist, die rettet“.

Das ist auch die Überzeugung der kirchlichen Initiative „Schöpfungszeit“ vom 1. September bis 4. Oktober. Mit vielen Kolleginnen und Kollegen schreibe ich seit vier Jahren die „Impulse für die Schöpfungszeit“: ein kurzer Gedanke, ein praktischer Hinweis für jeden Tag. Wer sich bei der evangelischen Erwachsenenbildung in Freiburg per E-Mail anmeldet, findet ihn frühmorgens im Postfach, mit einem Link zum Anhören. Mir helfen die „Impulse für die Schöpfungszeit“, meine Naturverbundenheit theologisch zu reflektieren und praktisch zu leben. Auch nach dem Urlaub.

Denn mein Alltag in der Stadt ist weit entfernt vom schwedischen Haus am See. Was aber auch zuhause geht: ich mache morgens erstmal weit das Fenster auf und schaue in den Himmel. Ich gehe barfuß nach draußen.

Vor den Nachrichten im Radio und vor den Neuigkeiten auf meinem Smartphone sagen mir die Nase in der Luft und die Füße auf der Erde, wie es um meine Welt heute bestellt ist. Naturverbunden beginne ich den Tag.

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Di. 01.09.2026 - So. 04.10.2026 - Tägliche Anregungen zur Selbstbesinnung

Jeden Morgen in der „Schöpfungszeit“ erhalten Sie eine Mail mit Anregungen zur geistlichen Besinnung und Meditation.

Kostenfreie Anmeldung
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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

03SEP2026
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Bald ziehen die Schwalben wieder in Richtung Süden. „Schwalbe“ aber bleibt. So nennt sich ein Obdachloser in Stuttgart. Er lebt seit bald 30 Jahren auf der Straße, sammelt Flaschen und kommt mit etwa zehn Euro am Tag gut über die Runden. „Nein, ich bin gar nicht arm“, erzählt er mir, denn „Gott versorgt mich das ganze Jahr.“

Kurz vor Weihnachten kam „Schwalbe“, der seltsame Vogel, auf die Idee, 200 Euro Flaschenpfand als „Geburtstagsgeschenk für Jesus“, wie er sagt, in einen Umschlag zu stecken und einer Ordensschwester in den Briefkasten zu werfen. Man solle mit diesem Betrag obdachlosen Frauen das Weihnachtsfest verschönern.

Bald pfiffen es die Stuttgarter Spatzen von allen Dächern. Wo gab‘s denn schon sowas: Ein obdachloser Habenichts spendet für Hilfsbedürftige! Und dann geschah, womit „Schwalbe“ gar nicht rechnen konnte: Sein „Geburtstagsgeschenk für Jesus“ hatte eine gewaltige Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Im Handumdrehen hob die Caritas die Treuhand-Stiftung „Schwalbennest“ aus der Taufe. Stand heute sind bereits mehr als 100.000 Euro aufgelaufen. Dank „Schwalbe“ kann nun der „Sozialdienst katholischer Frauen“ Müttern in Not und obdachlosen Frauen konkret unter die Arme greifen.1)

Mir kommt bei dieser Geschichte der Junge aus dem Evangelium in den Sinn. Er teilt bei der Bergpredigt Jesu sein Vesper, fünf Brötchen und zwei Fische. Und Jesus brach die Brote, sprach das Dankgebet, und siehe da:Tausende wurden satt (Markusevangelium 6,41). In einem Kirchenlied besingen wir gerne dieses Wunder: „Wenn jeder gibt, was er hat, dann werden alle satt.“ „Schwalbe“ gab, was er hatte: 200 Euro Flaschenpfand. Und auch da geschah dieses Wunder: Teilen steckt an. „Schwalbe“ glaubt, da sei Gott höchstpersönlich am Werk. Den spüre er nachts um sich rum, erzählt er, wenn er irgendwo Platte macht. „Gott sieht man nicht, aber ich spüre ihn wie den Wind, den man ja auch nicht sieht.“  

Hey „Schwalbe“: Danke – Du hast ein großartiges Zeichen gesetzt! Bleib bei uns, flieg nicht weg und komm gut über den Winter!

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

03SEP2026
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Der Papst liebt Baseball, die vielleicht amerikanischste aller Ballsportarten. Geoutet hat sich Leo XIV. letztes Jahr als Fan des Teams der Chicago White Sox. Und hat damit auch bewiesen, dass er durchaus leidensfähig ist. Denn das Team stand lange im Tabellenkeller der US-Baseball-League. Das hat sich jetzt geändert. Die Chicago White Sox haben sich in dieser Saison weit nach oben vorgearbeitet. Und manche sind nun fest davon überzeugt, dass das auch am Papst liegt. Denn viele Fans haben innständig gehofft, dass er für den Erfolg seines Lieblingsteams beten wird. Ich stelle mir da allerdings zwei Fragen: Ist es nun irgendwie besser oder wirkungsvoller, wenn der Papst betet, als wenn es ein ganz „normaler“ Fan tun würde? Und: Bringt das überhaupt was, für Erfolge beim Sport zu beten?

Ich glaube ja, dass Gott ein demokratischer Gott ist, für den jede Stimme gleich viel zählt. Die des Papstes nicht mehr als jede andere. Und dann ist Gott auch nicht so eine Art Kaffeeautomat. Wo ich oben das Geld, also das Gebet reinwerfe und unten dann der Café Crema, sprich der Sieg auf dem Platz rauskommt. Trotzdem bin ich sicher: ein Gebet kann immer was bewirken. Ganz gleich, wer es spricht. Einfach dadurch, dass ein Mensch, der betet, Gott in seiner Nähe weiß. Etwa, wenn ich mich sorge um einen geliebten Menschen. Oder eben wenn ich vor eine Prüfung oder einem Wettkampf stehe. Dann zu wissen: Was auch immer geschieht und wie es am Ende ausgeht. Ich bin nicht allein. Da ist jemand bei mir.

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