Filter
zurücksetzen

Filter

Datum

SWR1

     

SWR2 / SWR Kultur

    

SWR3

  

SWR4

      

Autor*in

 

Archiv

SWR Kultur Wort zum Tag

15DEZ2025
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Wer noch einen Brief ans Weihnachtspostamt in Himmelstadt schreiben möchte, sollte es heute tun. Denn alle Briefe, die bis übermorgen eingehen, werden noch beantwortet. Es unterschreibt das Christkind, aber natürlich stecken jede Menge Ehrenamtliche hinter der Aktion. Rosemarie Schotte ist eine von ihnen – und das schon seit über 30 Jahren.

 

Sie und ihr Team beantworten jährlich um die 80.000 Briefe – meist von Kindern geschrieben. Sie sind alle ans Christkind adressiert. Rosemarie Schotte sagt: „Meistens sind es mehr oder weniger lange Wunschzettel, die hier landen. Besondere Briefe beantworten wir sogar individuell. Und auf alle Antwortbriefe kommen Sondermarken und ein extra Weihnachtsstempel.“

 

Dabei ist die Sache mit dem Christkind, das Geschenke bringt, eigentlich ein Missverständnis: Früher hat das Christkind nämlich die Geschenke bekommen und nicht gebracht. Aber dann haben sich im Laufe der Zeit zwei Dinge miteinander vermischt: zum einen die Krippenfigur des Jesuskindes, das ursprünglich beschenkt wurde. Und zum anderen die sogenannten „Christkinder“. Das waren Kinder, die bei den Weihnachtsspielen zur Krippe gezogen sind und dem Jesuskind Geschenke gebracht haben. Zwei Mal „Christkind“ – und auf einmal war nicht mehr so ganz klar, wer hier wem was schenkt.

 

Die Tradition der Christkinder, die dem Jesuskind etwas bringen, wird heute wieder in einigen Familienchristmetten praktiziert: Da dürfen die Kinder im Gottesdienst nach vorne kommen und das Christkind in der Krippe anschauen. Und viele von ihnen bringen dann noch ein Spendenkässchen aus Pappe mit und legen es ins Stroh. Den ganzen Advent über haben die Kinder Kleingeld in diesem Kässchen gesammelt. Mit dem Geld werden dieses Jahr Kinder und Familien in der Amazonasregion unterstützt.

 

Die Geschenke fürs Christkind kommen also anderen Menschen zugute. Das passt sehr gut zu Jesus. Sein oberstes Prinzip heißt Liebe. Jesus hat immer die Liebe zu den Menschen in den Vordergrund gestellt – und natürlich auch die Liebe zu Gott, seinem Vater.

 

Und trotzdem: Die Kinder, die ans Christkind in Himmelstadt schreiben, erhoffen sich wohl eher ein handfestes Geschenk.  Na ja, sie müssen ja nicht wissen, dass die Geschenke eigentlich von den Eltern kommen. Und egal wie lange die Wunschzettel der Kinder sind - das wichtigste Geschenk ist und bleibt doch die Liebe – und die gibt’s vom Christkind für alle Kinder gratis dazu.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43479
weiterlesen...

Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

15DEZ2025
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Vor drei Wochen in der S-Bahn. Mir schräg gegenüber sitzt eine Jugendliche, vielleicht 16 oder 17 Jahre alt. Auf ihrem Handy läuft in voller Lautstärke ein Video. Eine christliche Predigt offenbar. Es geht um Gott und Jesus – in sehr eindringlichem Tonfall. Irgendwann steht sie auf und geht weiter.

Als ich später mein Fahrrad nehme und aussteige, finde ich im Helm am Lenker einen Zettel, den mir meine Mitfahrerin dort hinterlassen haben muss. Darauf wird mir kurz und knapp die Welt erklärt: Eigentlich hat Gott mal alles gut geschaffen. Aber die menschliche Sünde hat alles verdorben. Deshalb bin ich jetzt von Gott getrennt und auf dem Weg in die Hölle. Die gute Nachricht: Jesus ist in die Welt gekommen. Und wenn ich mich persönlich zu ihm bekenne, hat mein Leben wieder Zukunft.

Spontan habe ich mich da zurückversetzt gefühlt in meine eigenen Teenager-Tage. Denn da war ich tatsächlich ganz ähnlich unterwegs. „Ich bin verloren und muss wieder mit Gott ins Reine kommen“ – mit solchen wenigen markigen Glaubenssätzen war in meinen Augen alles eindeutig geklärt. Ich dachte auch, das steht genau so in der Bibel.

Erst im Lauf der nächsten Jahre und Jahrzehnte hat sich mein Glaube geweitet. Ich habe ihn hinterfragt, bin mit anderen ins Gespräch gegangen. Ich habe gemerkt, dass die Bibel doch noch etwas dicker ist, viel tiefer eintaucht ins Leben. Mir ist immer klarer und wichtiger geworden, dass Gottes Liebe schon immer alles umfasst, ich gar nicht aus ihr herausfallen kann. Und dass mich das frei macht, meinen Glauben so zu leben, wie es mir entspricht, ohne Angst oder Druck. Erst so kann ich auch wirklich Verantwortung übernehmen für das Dunkle in der Welt oder meine Schuld.

Daran habe ich zurückgedacht beim Blick auf diesen Zettel aus meinem Fahrradhelm. Der hat mich mit seiner Botschaft schon auch peinlich berührt. Ich frage mich, warum solche Sätze eigentlich immer noch weitergegeben werden. Ja auch von Menschen, die längst keine 16 mehr sind, sondern 36 oder 60. Es gibt genügend Christen, die sich nicht weiterentwickeln, in engen lieblosen Vorstellungen von Gott steckenbleiben. Und damit andere Menschen klein halten, vielleicht auch anfälliger machen für billige Versprechungen. Das finde ich bitter und traurig.

Der Jugendlichen aus der S-Bahn neulich jedenfalls wünsche ich gute, gesunde Begegnungen im Lauf ihres Lebens. Mit anderen Menschen, und mit Gott.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43473
weiterlesen...

SWR Kultur Zum jüdischen Feiertag

15DEZ2025
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Wir beginnen unsere Sendung zum Chanukkafest mit Kantor Dudu Fischer. Er singt mit seinem Chor ein Psalmlied aus dem Psalm 113:  Mekimi Meafar dal.  Die Übersetzung lautet:  Der aus dem Staube emporhebt den Geringen, aus dem Abfall erhöht den Armen, um ihn sitzen zu lassen bei den Edlen seines Volkes. Der, die Unfruchtbare des Hauses wohnen lässt als eine fröhliche Mutter von Söhnen. Lobet den Herrn.

Musik.  CD. “Dudu Fisher sings The Malavsky Songs“; Interpret: Dudu Fischer; Komponist: M. Malawsky

 

Wenn in den dunklen Winterwochen jüdische Familien überall auf der Welt die kleinen Flammen der Chanukkija entzünden, leuchtet weit mehr als nur Kerzenlicht. Chanukka, das achttägige Lichterfest, erinnert an den Sieg des Lichts über die Dunkelheit, des Glaubens über die Unterdrückung – und an die unerschütterliche Kraft kultureller Identität. Jedes Licht der Chanukkija erzählt eine Geschichte, ein Stück Erinnerung, ein Stück Zuversicht. In unseren Häusern stehen heute moderne Leuchter, aus Silber oder Messing, manchmal auch bunt aus Glas. Aber ihr Licht ist dasselbe wie damals im Tempel zu Jerusalem, zur Zeit der Makkabäer.

Der Ursprung des Festes liegt über 2.000 Jahre zurück:  Im 2. Jahrhundert v. d. Z. besiegten die Makkabäer, eine jüdische Widerstandsgruppe, das seleukidische Heer des Königs Antiochus IV. Epiphanes. Dieser hatte den Tempel in Jerusalem entweiht und das Ausüben der jüdischen Religion verboten. Nach dem militärischen Sieg der Makkabäer wurde der Tempel gereinigt und neu geweiht – „Chanukka“ bedeutet wörtlich „Einweihung“. Der Legende nach fand man beim Wiederaufbau nur ein einziges Krüglein reinen Öls, versiegelt mit dem Siegel des Hohepriesters. Genug, um den siebenarmigen Tempel- Leuchter, die Menora, für einen Tag zu entzünden. Doch das Öl brannte acht Tage lang – Zeit genug, um neues, reines Öl herzustellen. Dieses „Ölwunder“ steht bis heute im Mittelpunkt unseres Festes.

War es ein physikalisches Wunder? Vielleicht. Oder vielleicht ein anderes: Dass Menschen in einer Zeit der Verzweiflung überhaupt den Mut fanden, dieses eine kleine Krüglein Öl anzuzünden – das war das eigentliche Wunder.

Der Frankfurter Rabbi Samson Raphael Hirsch, der im 19. Jahrhundert lebte, schrieb einst, das Licht der Chanukkia sei „kein Licht der Macht, sondern der Treue“. Es erinnert uns daran, dass jüdisches Leben nie selbstverständlich war – und doch immer fortbesteht.

Der neunarmige Chanukka-Leuchter heißt auf Hebräisch Chanukkija.  Acht Lichter stehen für die acht Festtage, das neunte – der Schamasch („Diener“) – dient zum Entzünden der anderen Kerzen. An jedem Abend kommt eine weitere Kerze hinzu, bis alle Lichter strahlen. Wir stellen unsere Chanukkia nicht in den hinteren Winkel des Zimmers, sondern an das Fenster, zur Straße hin und tragen damit unser Licht in die Welt hinaus. Das war schon im alten Diasporaland Babylon so, und es ist so überall, wo Juden leben – trotz allem.

Es folgt nun ein chassidisches Lied aus der Liturgie:  Schejibane bet Hamikdasch. Auf Deutsch:  Es sei zum Wohlgefallen vor Dir, O Herr, dass wieder erbaut werde das Heiligtum bald in unseren Tagen.  Und gib uns unseren Anteil an Deiner Tora.... Es singt die Effie-Netzer - Gruppe.

Musik.  CD. Acum. 103.  Chass. & Sabbat Songs; Interpret: Effie-Netzer-Gruppe; Komponist: Traditionell; 19 – 26307

Traditionell werden Segenssprüche gesprochen und Lieder gesungen.  Die Küche duftet nach Öl- nach Latkes, den goldbraunen Kartoffelpuffern, und nach Sufganiot, den süßen Krapfen. Diese Speisen erinnern uns an das Ölwunder im Tempel. Auch das ist Chanukka: das gemeinsame Essen, das Lachen der Kinder, die Wärme der Familie.

Auch der Dreidel, ein kleiner Kreisel mit hebräischen Buchstaben, die den Satz ergeben – Nes gadol haja scham, „Ein großes Wunder geschah dort“, gehört zu Chanukka. Das Kreiselspiel, einst ein Mittel, heimlich Tora zu lernen, ist heute ein fröhlicher Bestandteil des Familienfestes.

Chanukka ist nicht nur Erinnerung an ein Wunder, sondern eine Aufgabe: das eigene Licht zu finden und weiterzugeben. In einer Welt, die manchmal kalt und zynisch scheint, sind acht kleine Flammen ein leises, aber beharrliches Bekenntnis zum Glauben, zur Hoffnung und zur Menschlichkeit.

In der Diaspora ist Chanukka zu einem sichtbaren Zeichen jüdischen Lebens geworden. Das Entzünden der Lichter ist dabei nicht nur religiöses Ritual, sondern auch ein Akt des Stolzes und der Zugehörigkeit.

Gerade heute, in einer Zeit wachsender Unsicherheiten und Spannungen, gewinnt Chanukka neue Aktualität. Die Flamme in der Chanukkija erinnert daran, dass Hoffnung und Glaube selbst in der tiefsten Dunkelheit Bestand haben können. Chanukka ist somit weit mehr als ein Erinnerungsfest – es ist ein Bekenntnis zum Leben, zur Freiheit und zur Würde des Menschen.

Wenn die letzte Kerze brennt, und die Flammen still im Fenster flackern, dann wird man still. Man sieht, wie das Wachs zergeht, wie das Licht kleiner wird – und weiß doch: Nächstes Jahr wird es wieder brennen. Denn das ist das Geheimnis von Chanukka: Nicht das große Wunder der Vergangenheit trägt uns, sondern das kleine Wunder der Treue – das wir nie aufhören, Licht zu entzünden. Chanukka sameach! – Möge das Licht des Festes unsere Herzen wärmen und die Dunkelheit der Welt erhellen.

Zum Schluss erklingt ein Gebet aus der Liturgie: Ledor Wador. Es singt Kantor Schmuel Barzilai mit seinem Wiener Kinderchor. Die Übersetzung lautet:  Von Geschlecht zu Geschlecht wollen wir Deine Größe verkünden und in alle Ewigkeit Deinen Namen heiligen.  Die Lobpreisung soll nicht aus unserem Munde weichen. Für immer und ewig.

Musik.  CD. 13170; „Kantor Shmuel Barzilai-The Vienna Jewish Boys”; Interpret: Kantor Shmuel Barzilai-The Vienna Jewish Boys; Komponist: Sol Zim; 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43470
weiterlesen...

SWR1 3vor8

14DEZ2025
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Woran merke ich, dass etwas ganz und gar Neues beginnt? Ein neuer Lebensabschnitt. Eine neue Zeit. Selten geschieht sowas abrupt und schlagartig. Viel öfter wird uns die Veränderung erst im Rückblick klar. Oft als ein diffuses Gefühl, das sich dann aber immer mehr auch in äußeren Zeichen manifestiert. Dass sich körperlich etwas verändert, merke ich vielleicht daran, dass ich Treppen nur noch mühsam hochkomme, die ich vor ein paar Jahren noch locker genommen habe. Dass sich Lebensgewohnheiten ändern, Menschen anders konsumieren. Daran, dass vertraute Läden oder Lieblingslokale, die mich jahrelang begleitet haben, aus dem Stadtbild verschwinden.

„Woran merke ich, dass etwas Neues beginnt?“ Die Frage stellt auch ein Text, der heute in den katholischen Kirchen gelesen wird. Der Täufer Johannes, der Jesus einst getauft hatte, sitzt nun im Gefängnis und schickt seine Anhänger zu Jesus. Sie fragen ihn: Bist du der, der kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten? Jesus antwortet ihnen aber nicht mit Ja oder Nein. Er fordert sie stattdessen auf, Augen und Ohren aufzumachen. Wahrzunehmen, was sie sehen und hören. Blinde sehen wieder und Lahme gehen; Aussätzige werden rein und Taube hören. Macht euch selbst euren Reim darauf, will er ihnen sagen. Dann werdet ihr merken, dass etwas Neues angebrochen ist. Gottes neue Welt.

Die meisten von uns bemerken Veränderungen tatsächlich erst im Nachhinein. Und manche wollen sie vielleicht auch gar nicht wahrhaben. Tun alles dafür, dass es so bleibt, wie es ist. Aber immer wieder in der Geschichte hat es hellsichtige Leute gegeben, die Veränderungen früh gespürt haben. Die ihren Mitmenschen gesagt haben: Macht eure Augen und Ohren auf. Schaut hin. Ihr müsst etwas tun, weil die Zeiten sich ändern. Die Bibel hat solche hellsichtigen Menschen Propheten genannt. Leute wie Jesaja und Jeremia, Ezechiel und Amos. Und auch der Täufer Johannes. Er hat geahnt, was mit Jesus und seiner Botschaft Neues beginnen könnte. Hat seine Landsleute aufgefordert, sich darauf einzulassen.

Propheten gibt es noch immer. Menschen, die Dinge klarer gesehen und gewarnt haben. Vor dem Angriffskrieg etwa, mit dem Russland die Ukraine überzieht. Oder vor den dramatischen Folgen, die ein massiver Klimawandel für die Menschheit hat. Den meisten von ihnen ist es letztlich ergangen wie den Propheten, von denen die Bibel berichtet. Man nimmt sie vielleicht wahr, aber nicht sonderlich ernst. Und doch: Es lohnt sich, auf sie zu hören.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43523
weiterlesen...

SWR3 Gedanken

14DEZ2025
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

„Was nix kostet, taugt auch nix.“ Soll so viel heißen wie: Was billig ist, hat meistens irgendeinen Haken. Allerdings kann ich den Satz auch anders lesen: Arbeit, die nicht ordentlich bezahlt wird, ist scheinbar auch nicht viel wert. Ganz gleich, ob jemand Straßen kehrt, Kinder unterrichtet oder einen Betrieb leitet. Einen Menschen ordentlich zu bezahlen, heißt eben immer auch: Du und deine Arbeit sind uns das wert. Doch Geld ist nicht alles. Es braucht mehr. Anerkennung, Respekt, Lob. Das Gefühl, gesehen zu werden, etwas zu gelten.

Gut möglich, dass es genau daran öfter mal mangelt. Nicht nur in Firmen und Behörden. Auch in Vereinen und Kirchen. Da also, wo viele Menschen sich freiwillig engagieren. In ihrer Freizeit, ehrenamtlich. Ohne einen Cent dafür zu bekommen. Und das Motto „nicht gemeckert ist genug gelobt“ scheint es leider auch immer noch zu geben. Aber es frustriert und demotiviert Menschen. Im Job ebenso wie in der Freizeit.

Aufs Wort kommt es an. Auf das gute, freundliche Wort, das den Einzelnen sieht und wertschätzt. Kritik schließt das ja gar nicht aus. Im Gegenteil. Und ein echtes Interesse, das den anderen wertschätzt, kostet nicht mal was. Im Gegenteil: Es ist unbezahlbar.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43516
weiterlesen...

SWR4 Sonntags-/Feiertagsgedanken

14DEZ2025
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Die Zeiten ändern sich… Ja, das ist eine Binsenweisheit. Aber sie ist drum nicht weniger wahr. Mich beschäftigt das. Gerade auch wegen der jungen Menschen, mit denen ich arbeite. Ich war vor 25 Jahren Jugendlich; und es war toll, dass ich als Teenager ziemlich unbeschwert die verrücktesten Pläne machen konnte. Und ich bin immer davon ausgegangen: ich hab mal ne gute Zukunft. Für mich war das ganz selbstverständlich - ein Gefühl, dass Teenager und junge Erwachsene heute nicht mehr unbedingt haben. Und ich glaube, viele Ältere auch nicht.

Viele Themen wiegen schwer: Die Demokratie, wie wir sie seit 80 Jahren kennen, der Frieden in Europa, das Klima in der Welt, der Eindruck, dass ganz wenige Menschen richtig viel Geld haben und ganz viele ganz wenig. Die Aussicht auf eine gute Zukunft ist brüchig geworden. Besonders die Leute um die zwanzig tun mir manchmal leid, wenn ich sehe, wie viele Sorgen sie wälzen.

Deshalb habe ich zu Beginn gesagt: Die Zeiten ändern sich. Andererseits haben sie das schon immer. Und auch früher schon hat es Zeiten gegeben, die der von heute ähnlich sind.

Heute, am dritten Advent, wird eines Menschen gedacht, der ebenfalls noch recht jung gewesen ist, als seine Welt in einen Umbruch geraten ist:  Johannes der Täufer Dieser Johannes hat auch Sorgen gewälzt. Auch er hat gelitten unter der soldatischen Präsenz Roms, er hat gelitten an einer fragwürdigen Monarchie; dass die Reichen sich schamlos bereichert haben und die Armen immer ärmer geworden sind. Als Protest ging er in die Wüste, aß nur wilden Honig und trug Kleidung aus Kamelhaar.

Das haben die Menschen damals wohl sehr anziehend gefunden. Viele sind zu ihm ans Ufer des Jordan-Flusses gekommen, weil sie ihn hören wollten. Johannes hat gepredigt.  Und wie! „Ändert Euer Leben, die Axt ist schon an den Baum gelegt; wer schlechte Frucht bringt, wird umgehauen! Soldaten: tut niemand Gewalt an! Finanzverantwortliche, bereichert Euch nicht unlauter! Wer zwei Hemden hat, der gebe eins ab!“

Für Johannes war klar: Mit dieser Welt wird es bald ein schlimmes Ende nehmen. Es geht so übel zu, dass Gottes Gericht unmittelbar bevorstehen muss. Johannes wollte deshalb den radikalen Umbruch: das Steuer herumreißen, um im Gericht bestehen zu können.

Eigentlich ist er damit nicht weit weg von den jungen Menschen heute. Die versuchen auch, das Steuer radikal herumzureißen: sie wollen vegetarisch oder vegan leben, gendern, lieben, wen auch immer sie wollen. Sie gehen jedenfalls mit einer radikalen Hoffnungsidee um. Aber mit einem Unterschied: Die meisten heute hoffen, dass sie ihre Hoffnung selbst wahr werden lassen können. Johannes dagegen war überzeugt, dass Gott eingreifen wird, und dass ein großes Gericht über die Welt beginnen würde; dass Gott sie erlöst von allem Unrecht.

Erlösung heute wird überwiegend ohne Gott gedacht.
In unseren Zeiten höre ich nur noch selten etwas von Gottes Gericht. Die Erwartung, dass am Ende aller Tage ein himmlisches Gericht abgehalten wird, in dem die Guten von den Bösen getrennt werden – oder gar von Himmel und Hölle die Rede ist – hat sich verflüchtigt.

Ich denke, wir wissen trotzdem noch, wovon die Rede ist, und wie sich das anfühlt: Zum Beispiel, wenn wir etwas gutes Essen, dann beschreiben wir das  als himmlisch. Oder wir sagen: „Das war die Hölle!“ Für Johannes war der Gedanke noch ganz real: Wenn die Zeit am schlimmsten ist, wird Gott kommen und die Dinge wieder geraderücken.

Und das ist zu Johannes‘ Lebzeiten auch tatsächlich passiert. Aber ganz anders als Johannes es erwartet hatte. Denn statt einer himmlischen Armee und einem strengen Richter kommt ein anderer junger Mann namens Jesus zu ihm an den Jordan und lässt sich von ihm taufen.

Gottes Gericht – und das ist die krasse Offenbarung – ist nicht gewalttätig. Es ist geliebtätig. Gottes Gericht ist nicht so, dass es Menschen ausschließt und ewig bestraft. Es ist so, dass es Menschen einschließt und ewig begnadigt. Und, jetzt mal ganz ehrlich, ich würde schon gerne wissen, ob er vielleicht enttäuscht war. Erwartet hat er, dass ein Gericht kommt, in dem Gott straft und prügelt. Bekommen hat er einen Menschen, der geliebt und verziehen hat.

Und, ja – ich höre auch manche von Ihnen schon fragen: Was ist mit den richtig großen Verbrechern in der Welt? Diktatoren und Mördern? Wird Jesus nicht als Richter wiederkommen? Und die Bösen am Ende doch strafen? Wissen Sie: ich weiß es nicht. Ich vertraue darauf, dass Gott Wege der Vergebung findet, die ich nicht sehe oder begreife. Das ist aber ein Teil meines Glaubens mit 39. Als ich so alt wie Johannes der Täufer war, war ich da auch ungnädiger.

Ich glaube, dass es heute ganz wichtig ist, an Johannes und Jesus zu erinnern. Weil die Welt ungerecht, gefährdet und gefährlich ist. Und weil die Zukunft unter Gottes Perspektive mit teilen, heilen und integrieren antwortet. Trotz aller Brüche.

Das sind große Gedanken. Aber, hey, in 10 Tagen ist Weihnachten. Und da fangen große Gedanken allemal klein an.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche.
Matthias Braun, Mainz, evangelische Kirche.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43514
weiterlesen...

SWR3 Worte

14DEZ2025
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Der Astronaut Matthias Maurer wurde in einem Interview gefragt, ob sich sein Blick auf die Welt verändert hat, nachdem er im All war. Maurer antwortete:

“ [...] in dem Moment erkennt man, was für ein Paradies die Erde ist. [...] Es gibt aber auch den Gedanken: Was tun wir dort unten alles auf der Erde [...] ? [...] Raubbau an der Erde, [...] Emissionen, die wir in die Atmosphäre reinblasen [...] Keinem Astronauten würde die Idee kommen, sein eigenes Raumschiff kaputt zu machen. So ein Raumschiff funktioniert nur, wenn wir alle als Team zusammenarbeiten. Der Planet Erde ist eigentlich auch [...] ein Raumschiff, auf dem alles vorhanden ist, was man braucht  - mit acht Milliarden Astronauten. Das alles schießt einem in Sekundenbruchteilen durch den Kopf. Und dann hat man mit dem Herz verstanden, was man vorher [...] nur mit dem Kopf verstanden hatte.”

Quelle: https://www.prisma.de/magazin/themen/Astronaut-und-Mond-Kandidat-Matthias-Maurer-Ich-denke-dieser-Traum-ist-greifbar-nahe,53810597, Ausdruck vom 8.12.2025 um 14:03 Uhr.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43499
weiterlesen...

SWR1 Anstöße sonn- und feiertags

14DEZ2025
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Wilson Bentley ist ein Spinner. Meinen seine Nachbarn. Denn der Bauernsohn hat eine Schwäche für Flüchtiges. Konkret für Schneeflocken. Sie faszinieren ihn. Keine zwei Schneeflocken sehen gleich aus. Und kaum ist eine auf der Hand gelandet, schmilzt sie auch schon dahin. Schneeflocken sind so schnell vergänglich, sozusagen Schnee von gestern. Statt wie seine Alterskameraden Schlitten zu fahren, will Wilson Bentley diese flüchtigen und wunderschönen Erscheinungen festhalten. Er will Schneeflocken fotografieren. Als er siebzehn Jahre alt ist, da ist es dann soweit: Wilson Bentley‘s Mutter überredet seinen Vater, dem Sohn einen Fotoapparat zu kaufen. Da wir das Jahr 1882 schreiben, ist das ein Kasten so groß wie ein kleiner Schrank. Und funktioniert auch bei weitem nicht so einfach und von selbst wie die Fotofunktion eines Smartphones heute. Bentley experimentiert drei volle Jahre herum, dann endlich hat er den Dreh heraus und weiß, was er anstellen muss, damit es ein ordentliches Foto gibt.

Zuerst wird eine einzelne Schneeflocke mit Hilfe einer Truthahnfeder auf ein schwarzes Samttuch gelegt. Das Samttuch mit der Schneeflocke kommt dann auf ein Holzbrett, das unter ein Mikroskop gelegt wird. Hinter dem Mikroskop steht schon der riesige Fotoapparat. Die Belichtungszeit wird möglichst lang gewählt. Wenn dann die Fotoplatten entwickelt worden sind, gibt es wunderschöne Aufnahmen von einzelnen Schneeflocken. Über 5.000 hat Wilson Bentley in seinem Leben gemacht, genau sind es 5.381. – 5.381 Portraitaufnahmen von unverwechselbaren, einmaligen Schneeflocken, die es so nie wieder geben wird.

Seine Leidenschaft hat Bentley einen Spitznahmen eingebracht: Snowflake, Schneeflocke. Ich finde, dass ist ein guter Spitzname. Ein Mensch wendet sich einer Sache zu, die nicht groß sein muss, die ganz klein sein darf. Und da investiert er seine Leidenschaft und Energie und Achtung für das Kleine. Und so wird aus dem Farmer ein Flockenforscher.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43492
weiterlesen...

SWR1 Begegnungen

14DEZ2025
AnhörenDownload
DruckenAutor*in
Dieter Falk Bildrechte: Detlef Krentscher

Felix Weise trifft  Dieter Falk

Er hat die Popgruppe Pur produziert, hat den Musikpreis „Echo“ gleich mehrfach gewonnen,  und irgendwann hat er angefangen, selbst Musicals zu schreiben: über die  10 Gebote, über Moses, Luther... Viele haben christliche Themen – das ist das besondere an ihnen. Und: Es sind Chormusicals, das heißt: Ein Großteil des Musicals wird von einem riesigen Chor gestaltet. Und deshalb können auch Laien ganz einfach mitmachen – eigentlich jeder, der Freude am Singen hat. Jetzt gerade zum Beispiel, da  ist das Musical „Bethlehem“ wieder in einigen großen Städten zu hören. Es erzählt die Weihnachtsgeschichte. Warum hat es gerade den Titel „Bethlehem“ bekommen?

Die Idee, das Stück Bethlehem zu nennen, hatte Michael Kunze.

Michael Kunze ist der Librettist, der den Text für das Musical geschrieben hat.                                                                                                            

Er sagte, dass diese Stadt so vieles symbolisiert, was im Nahen Osten mehr denn je ein Thema ist. Drei Weltreligionen auf engstem Raum zusammen Kultur, Religion prallen auf kleinem Raum zusammen. Aber Michael Kunzes  Idee war an der Geschichte von Bethlehem, was dort passiert, ist, diese Geschichte neu aufzurollen, quasi ihn, wie er es so schön nennt, in den Brunnen der Vergangenheit einzutauchen, aber startend von der Jetztzeit in Bethlehem.

Bethlehem als Ort, der die Vergangenheit mit der Gegenwart verbindet – die Konflikte, die heute den Nahen Osten prägen verbunden mit denen von damals: als es auch schon um Herrschaftsansprüche ging, um Identität und natürlich auch ums liebe Geld. Das schwingt mit  in der biblischen Weihnachtsgeschichte. Aber vor allem die  Sehnsucht nach Frieden. Für Dieter Falk ist klar…

…dass das in der Weihnachtsgeschichte eine der großen Botschaften ist – Frieden auf Erden taucht in jedem dritten Weihnachtslied irgendwo als Botschaft auf. Und die Hoffnung, dass so ein kleines Baby diese Welt so verändert, dass es sich, ja, dass irgendwann mal Friede ist. Wir wissen alle, das war noch lange nicht so weit sind. Aber wenn ein 2000 Köpfe starker Chor diese Botschaft in die großen Hallen hinein singt, dann hoffen wir, dass sich viele da zumindest immer wieder dran erinnern.

Frieden. Dazu Vertrauen, das Wunder eines neuen Lebens. Themen, die heute wie früher berühren. Und die  im Musical in einem Song zu so etwas wie einer Kernbotschaft konzentriert sind: : 

Der vorletzte Song heißt das Leben gewinnt. Das ist eine schöne Zeile. Alle Eltern können das glaube ich nachvollziehen, dass sie in ihre Kinder all die Wünsche hineinprojizieren, die sie selbst vielleicht nicht erfüllt bekamen. Das Leben gewinnt. Wir projizieren die Hoffnungen und den auch den Wunsch nach Frieden in die nächste Generation hinein. Das Leben gewinnt mit jedem Kind. Das ist wirklich so eine dieser zentralen Aussagen dieses Musicals.

Das Leben gewinnt – eine der zentrale Aussagen, die mit der klassischen Weihnachtsgeschichte erzählt werden. Wie geht das insgesamt – von einer vorliegenden Geschichte zu einem Musical zu kommen? 
Das Musical ist natürlich eine Form, die gerade beliebt ist und Menschen anzieht.

Aus meiner Sicht eignet sich die Weihnachtsgeschichte ganz toll für ein Musical, weil man diese Hauptprotagonisten Maria und Joseph, ganz klar weiß. Dann natürlich die die Hirten, dann die Könige und dann König Herodes. Die Figuren sind klar, und das ist für den Stoff eines Musicals eigentlich wunderbar.

Der Stoff ist also geeignet. Aber wie geht es dann weiter? Wie findet Dieter Falk den richtigen Ton für die Geschichte?

Anfangs komponiere ich immer so auf Tonsilben. Bethlehem, Bethlehem, das stand schon so als Idee. "da,da, dadada" und das schicke ich Michael und zurück kommt wird Dokument und das passt dann wirklich zielgenau. Und dann muss ich nur noch mal ein neues Demo machen, mit dem Text drauf gesungen.

Bei einem Stück zu Weihnachten kommt man ja eigentlich gar nicht drum herum, nicht auch die klassischen Weihnachtslieder einzubauen. Auch im Musical „Bethlehem“ kommen Weihnachtslieder vor- aus ganz unterschiedlichen Traditionen:

Ich habe schon in der Tat weihnachtliche Songs benutzt und sie in Gospel neu arrangiert. Zum Beispiel Herbei, o ihr Gläubigen. Dann habe ich den amerikanischen Weihnachtsong „Joy to the World“ „Joy to the world“ heißt jetzt „Freue dich Welt“ und das Ganze ist auch relativ flott und sehr gospelig. Das habe ich gemacht. Und dann habe ich auch hin und wieder das Weihnachtsoratorium zitiert, das allerdings nur zitiert. Bei den anderen Songs sind Sie wirklich völlig neu arrangiert. Alles unter der Überschrift Gospel.

Wenn das Stück fertig ist, ist die Arbeit des Komponisten dann eigentlich getan. „Behlehem“ ist aber nicht nur ein Musical, sondern ein Chormusical, an dem viele Laiensängerinnen und -sänger mitwirken.  Und deswegen ist Dieter Falk bei fast jeder Aufführung dabei… .

weil ich das natürlich auch sehen möchte und diese Gänsehaut fühlen möchte, wenn zum Ersten Mal diese dieser Riesenchor von 2000 Sänger und Sängern in Bethlehem singt. Das ist einfach ein tolles, unvergleichlich tolles Gefühl.

Auch dieses Jahr ist das Musikal auf Tour – schon das dritte Jahr in Folge. In Stuttgart ist es am 28.12.  zu hören : Und Dieter Falks Musik zieht noch weiter ihre Kreise…,

wenn Lieder unseres Stücks, wenn die Sonntags dann Weihnachtsgottesdienst oder am Heiligabend, also nicht am ersten Weihnachtstag, wenn das an Weihnachten gesungen wird. Und das passiert schon seit einigen Jahren. Das freut uns sehr.

Ein Lied das es schon in einige Weihnachtsgottesdienste geschafft hat und auch eine Kernbotschaft des Musicals ausdrückt: „Das Leben gewinnt mit jedem Kind“. Ich wünsche Ihnen eine frohe Weihnachtszeit!

---------------------------------------------------

Mehr Infos zu den Aufführungsorten und dem Musical gibt es hier: Chormusical Bethlehem
Einen kleinen Einblick ins Musical „Bethlehem“ gibt es hier: Weltpremiere in Düsseldorf | Bethlehem - Das Chormusical

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43487
weiterlesen...

SWR Kultur Lied zum Sonntag

14DEZ2025
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Die Advents- und Weihnachtszeit ist für mich auch eine Zeit der Musik und der Lieder. Und alle Jahre wieder werden da gerne die traditionellen Klassiker geschmettert. Neue Lieder hört man eher selten. Doch ein nicht so bekanntes Lied, bei dem sich das Hinhören durchaus lohnt, ist das Adventslied „Sehen können“ von Eugen Eckert und Joachim Raabe.

 

Erste Strophe :            Sehen können, was kein Auge sieht,
hören können, was das Ohr nicht hört.
Spüren, dass da etwas ist,
noch nicht da, doch schon nah.

 

Manchmal gibt es Momente, in denen man spürt, dass etwas in der Luft liegt, ohne es benennen zu können. „Noch nicht da, doch schon nah“ heißt es im Lied immer wieder.  Advent ist für mich genau dieser Zwischenraum: Warten und Sehnsucht auf der einen Seite und eine Ahnung bis hin zur Gewissheit, dass sich etwas anbahnt, auf der anderen.

Die Sehnsucht und die zarte Ahnung, von dem, was noch nicht da, aber schon nah ist, kommen auch musikalisch zum Ausdruck. Die Melodie steigt langsam, fast vorsichtig an, als würde sie die Nacht abtasten und nach dem ersten Schimmer suchen.
Sie drängt nicht. Sie lässt Raum. Und gerade dieser Raum schenkt die Möglichkeit, eine andere Perspektive einzunehmen, um so neu zu sehen, Anderes zu sehen, sehen zu können, was für die Augen verborgen bleibt. Eugen Eckert hat sich da bei seinem Liedtext von dem Ausspruch des kleinen Prinzen inspirieren lassen: „Man sieht nur mit dem Herzen gut“. Diese einfache Wahrheit greift er auf und weitet sie auf die anderen Sinne aus. Nicht nur mit dem Herzen sehen, sondern auch mit dem Herzen hören und spüren.

 

Zweite Strophe:           Stehen können, wo sonst Laufen zählt.
Warten können, still in sich vergnügt.
Spüren, dass da etwas wird,
noch nicht da, doch schon nah.

 

Ich mag diese Strophe besonders, weil sie einen anderen Takt in die dichte Vorweihnachtszeit bringt und einen Gegenimpuls zur Hektik und zum Rummel in diesen Tagen schafft. Termine, Erwartungen, Eile - im Advent zählt eigentlich ein anderer Rhythmus und den greift das Lied mit einem kleinen, aber wichtigen Impuls auf: Bleib stehen. Sonst verpasst du das Beste, nämlich die Vorfreude.

Ich bin überzeugt, Gott kommt - und da ist es egal, ob die Wohnung fertig geputzt ist, die Deko perfekt ist, man den Gästen 20 Sorten selbstgebackene Plätzchen anbieten kann.

Gott kommt auch mitten in den Stress, in den ganzen Mist dieser Welt, in die Nacht.

Gott kommt nicht nur dorthin, wo schon alles gut ist, sondern dahin, wo etwas gut werden soll.
Mitten hinein ins Unfertige, ins Suchende, in die Sehnsucht.

 

letzte Strophe:             Hoffen können, auch in tiefster Nacht.
            Leben können. Hier und jetzt und dort.
            Spüren, dass da etwas folgt,
            noch nicht da, doch schon nah.

Die letzte Strophe führt das Lied in die Tiefe. Nicht alles ist hell – auch an Weihnachten nicht.
Es gibt Nächte, die bleiben länger als einem lieb ist. Adventshoffnung ist leise. Das bedeutet nicht, die Dunkelheit zu überspielen oder zu behaupten, dass alles einfach wird. Aber sie traut dem Licht zu, dass es stärker ist als die Nacht.

„Hoffen können“ – vielleicht ist das der schönste Weihnachtswunsch überhaupt.
Eine Hoffnung, die nicht vertröstet, sondern Mut macht zu leben.

Ich möchte glauben, dass etwas folgt, dass etwas wird, dass Gott unterwegs ist zu mir.

 

Komponist

Text: Eugen Eckert

Musik: Joachim Raabe

 

Musikquellen

  • Musik:

Arbeitskreis Kirchenmusik und Jugendseelsorge im Bistum Limburg (Hg.): Lass dein Licht leuchten! 2005, Track 9, LC 11262.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=43478
weiterlesen...