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SWR3 Gedanken

11MRZ2026
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Der wichtigste Ort der Welt soll in Spitzbergen liegen – ganz oben in Norwegen.

Es ist vielleicht deshalb der „wichtigste Ort“, weil dort Saatgut aus aller Welt gesammelt wird. Schon seit fast zwanzig Jahren. Dieser Saatgut-Tresor im ewigen Eis ist so faszinierend friedlich. Denn da sind Saatkörner aus Nordkorea neben denen aus Südkorea eingelagert, und fast alle Länder der Welt haben schon Saatgutproben ihrer wertvollen Getreide-, Obst- oder Gemüsesorten dort hingebracht. 

Das alles für den Fall, dass einmal ganze Kontinente zerstört werden, oder die Erde für lange Zeit unbewohnbar ist. Dann sollen unsere Nachfahren wieder an Saatgut gelangen können. Zumindest darin scheinen wir Weltbewohner uns einig zu sein: dass sich auch nach den schlimmsten Katastrophen ein Neuanfang lohnt.

Aber es reicht nicht, nur das Saatgut aufzubewahren, es braucht noch mehr. Was – das kommt in einer Geschichte zum Ausdruck. Sie ist für mich genauso hoffnungsvoll und stark wie dieser Saatgutspeicher in Spitzbergen. Die Geschichte geht so:

Ein junger Mann hatte einen Traum von einem ganz besonderen Laden. Hinter der Theke stand ein Engel. Hastig fragt der Mann ihn: „Was verkaufen Sie?“ Darauf der Engel: „Alles, was Sie wollen!“ Der junge Mann beginnt aufzuzählen: „Dann hätte ich gern das Ende aller Kriege, bessere Bedingungen für die Randgruppen der Gesellschaft, Beseitigung der Elendsviertel in Lateinamerika und … und …“ Da fällt ihm der Engel ins Wort: „Entschuldigung, Sie haben mich falsch verstanden. Wir verkaufen keine Früchte, wir verkaufen nur das Saatgut.“

Das eine ist es also das Saatgut zu sammeln, das andere es in die Erde zu setzen und aufblühen zu lassen.

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SWR Kultur Wort zum Tag

11MRZ2026
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Jetzt, nach einem langen Winter und den tollen Tagen, war es wieder einmal nötig: Ich musste Bürgersteig und Straße fegen. Altes Laub im Rinnstein, Bonbonpapiere, ein nasses Taschentuch, Splitt vom letzten Glatteis. Was sich halt so in ein paar Wochen ansammelt. Also hab ich mir morgens einen Besen genommen und gefegt. Das Wetter war mies. Es hat geregnet. Egal, denn nach der Aktion sahen Gehweg und Straße besser aus.

Ich gebe zu, es hat mir Spaß gemacht. Frische Luft und nachher sieht alles aufgeräumt aus. Das hat was. Haben auch schon andere so gesehen. So hat man früher die Wege saubergemacht, wenn der König oder die Königin kamen. Hat Blumen, Teppiche, Umhänge auf die Straße gelegt, dass die hohen Herren und Damen nicht durch den Matsch gehen mussten.

Auch in der Bibel taucht das auf. Da macht sich Jesus nach Jerusalem auf und als er dort ankommt, legen viele Leute Kleider vor ihm auf den Weg (Lukas 19,28–40). Behandeln ihn wie einen König. Sagen: Du bist uns wichtig. Du sollst statt durch Dreck wie auf Wolken gehen.

Daran muss ich denken, wenn ich meinen Besen schwinge. Klar, hier kommen keine Könige vorbei. Aber andere Menschen. Nachbarn, Passanten, Besucherinnen, die Briefträgerin, Eltern mit Kinderwagen. Den Weg sauber machen, das kann da sagen: Ihr seid in meinen Augen wie Könige und Königinnen. Und mein gefegter Gehsteig zeigt: Du bist mir wichtig. Als Mensch.

Auch daran denke ich, wenn ich im Regen den Gehweg fege. Dass jedem Menschen Achtung zukommt. Dass vor Gott jeder Mensch ein König, eine Königin ist. Ein sauberer Gehweg kann davon erzählen.

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SWR4 Abendgedanken

10MRZ2026
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Einfach wunderbar, wenn auf einmal etwas so ist wie man sich das schon lange gewünscht hat.

Ich habe das jetzt auch erlebt, denn der Kellner in meinem Lieblingscafé kennt seit kurzem meine Bestellung auswendig. Wenn ich komme, fragt er nur noch „Wie immer?“, oder er bringt mir meinen Cappuccino einfach so. Wie gut mir das tut, zu wissen, dass ich nicht nur eine Kundin unter vielen bin. Sondern, dass jemand mich als Person wahrnimmt und sich gemerkt hat was ich mag. Das ist so aufmerksam!

Gesehen werden verbindet. Nicht nur in meinem Lieblingscafé. Überall gibt es Menschen, die mir häufig über den Weg laufen. Sei es morgens beim Warten auf die Straßenbahn oder beim Trainieren in der Boulderhalle. Nicht immer entstehen Gespräche, aber man nimmt sich gegenseitig wahr und manchmal reicht schon ein kleines Lächeln oder ein kurzes Zunicken um zu sagen. „Ich sehe dich“.

Verbindung kann also dann entstehen, wenn man nicht über andere hinwegschaut. Einer, der das ziemlich gut hinbekommen hat, war Jesus von Nazareth. So jedenfalls schildert es die Bibel. Für mich macht das eine Erzählung besonders deutlich:

Jesus ist gerade mit seinen Freundinnen und Freunden unterwegs. Um ihn herum drängeln sich viele Leute. Alle wollen ihn sehen. In der Menge ist auch Zachäus. Er ist ein Außenseiter. Keiner kann ihn so richtig leiden, weil er als Zollbeamter viel zu hohe Steuern verlangt und sich das Geld auch noch in die eigene Tasche steckt. Weil Zachäus wegen der vielen Leute nichts von Jesus sehen kann, klettert er kurzerhand auf einen nahegelegenen Baum. Von dort hat er die ganze Lage im Blick und bekommt endlich Jesus zu Gesicht.

Und auch Jesus wird auf den Mann aufmerksam, der da in den Ästen hockt. Er sieht ihn an und ruft etwas Merkwürdiges zu ihm hoch: „Zachäus ich möchte heute bei dir zu Hause Abendessen“. Zachäus freut sich riesig. Jesus hat ihn tatsächlich gesehen und möchte auch noch Zeit mit ihm verbringen.

Das Treffen mit Jesus hat viel in Zachäus bewirkt. Er hat danach sein ganzes Leben umgekrempelt. Und begonnen hat alles mit einem Blick. Jesus hat Zachäus wahrgenommen. Der eine, der von so vielen Menschen bewundert und gefeiert wird, hat sich dem Außenseiter zugewendet.

Die Geschichte von Jesus und Zachäus macht deutlich, dass es viel bewegen kann, wenn ich andere Menschen wahrnehme. Ich bin überzeugt, das sich etwas verändert, wenn Menschen gesehen werden. Bei mir und dem Kellner in meinem Lieblingscafé ist das auf jeden Fall so. Seit ich dort mit der Frage „Wie immer?“ begrüßt werde.

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SWR3 Worte

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Der Fernsehkoch und Moderator Horst Lichter hat einige Tage in einem Schweigekloster verbracht. Er erzählt darüber:

 

(Diese Zeit dort) war sozusagen eine Abstinenz vom lauten Leben. Ich vergleiche das Ganze mit einer Diät. Die ersten Tage geht es einem nicht gut. Ab dem vierten, fünften Tag wird es besser. Und nach Abschluss der Kur fühlt man sich gut. Ich konnte besser riechen, schmecken, fühlen.

 

Quelle

KNA-Meldung vom Montag, 03.05.2021

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

10MRZ2026
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Ich liebe diese Momente in Gesprächen, in denen es ehrlich wird. Momente, in denen jemand sagt, was wirklich da ist.

Mit Jens passiert genau das. Er lebt seit vielen Jahren mit einer psychischen Erkrankung. Wer ihn nur oberflächlich kennt, merkt davon vielleicht nichts. Aber im Gespräch zeigt er eine Ehrlichkeit, die mich jedes Mal berührt – und herausfordert.

Neulich sagt er zu mir: „Ich muss wissen, ob Gott einen Plan für mein Leben hat. Denn wenn er einen hat, dann ist dieser Plan ziemlich beschissen.“

Das ist ehrlich. Kein frommes Gerede. Keine Rücksicht auf religiöse Erwartungen. Ich höre seine Enttäuschung, seine Wut, seine Verzweiflung. Und während ich mit ihm leide, bewundere ich ihn für diese radikale Ehrlichkeit. Er tut nicht so, als wäre alles irgendwie schon gut. Er sagt: So fühlt es sich an.

Diese Ehrlichkeit finde ich auch in alten biblischen Texten, zum Beispiel beim Apostel Paulus. Er ist kein unerschütterlicher Glaubensheld, sondern ein Mensch, der ringt. Da gibt es etwas in seinem Leben, das ihm große Not macht. Drei Mal bittet er Gott, dass diese Not verschwindet. Ehrlich, beharrlich und ohne Beschönigung. Aber das erhoffte Wunder bleibt aus. Stattdessen bekommt Paulus eine Antwort, die irritiert:
„Meine Kraft ist in der Schwäche mächtig.“

Das klingt zunächst widersprüchlich. Gerade da, wo etwas nicht funktioniert? Wo wir scheitern, wo wir uns ohnmächtig fühlen? Genau dort soll Kraft liegen? Das widerspricht dem, was ich gelernt habe. Ich soll stark sein. Deshalb will ich Schwäche loswerden. Oder zumindest gut verstecken.

Oh, wie gerne würde ich hier öfter ein Wunder erleben. Beten - und die Schwäche ist weg. Jens und ich wissen beide, so einfach ist es nicht. Aber vielleicht gibt es hier auch ein anderes Wunder zu entdecken: die Ehrlichkeit, die eigene Schwäche nicht länger zu verdrängen. Schwäche anzunehmen – und darin Kraft zu finden.

Ein wenig spüre ich diese Kraft im Gespräch mit Jens. Seine Ehrlichkeit macht es mir leichter, selbst ehrlich zu sein. Sie befreit mich von meinem Versteckspiel. Und zugleich tut es Jens gut, mit seinen Fragen und Zweifeln nicht allein zu bleiben.

Zwei Menschen, die ehrlich reden, einander zuhören und Lasten teilen – das fühlt sich für mich an wie ein tragfähiger Plan. Und ich habe das Gefühl, dass auch Jens schon ein bisschen weniger sauer auf Gott ist.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

10MRZ2026
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Mein Mann und ich sind zu Besuch in Marburg. Es ist Februar. Es nieselt. Es ist kalt und ungemütlich. Wir gehen schnell, schauen kaum nach rechts und links. Die Hände in den Taschen, die Schultern hochgezogen, sind wir auf der Suche nach dem Café, in dem wir uns mit Freunden verabredet haben. An einer roten Ampel müssen wir stehen bleiben und warten. Ich schaue ungeduldig auf das rote Männchen und sehe darüber einen leuchtenden Schriftzug: Grün kommt!

Zwei Worte, die auf mich wirken. Was für eine Ansage! So bestimmt und ohne Wenn und Aber. Nicht: Wahrscheinlich wird es demnächst grün. Nur dieses Versprechen: Grün kommt!

Und dann wird es grün, das rote Männchen und die kurze Ansage erlöschen und wir können weitergehen. „Grün kommt!“ Dieser Satz begleitet mich weiter und zaubert mir an diesem kalten Februartag immer wieder ein Lächeln ins Gesicht und Hoffnung ins Herz. Ja, denke ich, das gilt nicht nur für den Straßenverkehr. „Grün kommt!“ Auch in der Natur. Es bleibt nicht Winter. Der Frühling kommt. Früher oder später.  Nicht vielleicht. Er kommt ganz sicher.

Das Grün kommt oft leise, nicht mit Ansage, sondern wie aus dem Nichts ist es plötzlich da. Das sehe ich jetzt, einen Monat später, im März. Am einen Tag schaue ich aus dem Fenster und die Äste der Kastanienbäume vor unserem Haus sind noch braun und kahl, kein Lebenszeichen. Und am nächsten Tag entdecke ich, wie die ersten Knospen an den Ästen anschwellen: noch ganz klein, rundlich und harzig. Aber sie sind da. Und es wird weitergehen. Das Grün kommt!

Und mit Gott ist das genauso, denke ich. Er ist auch so eine Grünkraft. Oft ist er ganz leise unterwegs, fast unbemerkt, wie eine Knospe, die über Nacht aufgegangen ist. Und deshalb manchmal noch kaum zu erkennen. Aber er ist da. Nicht vielleicht, sondern verlässlich. Das Grün kommt!

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SWR3 Gedanken

10MRZ2026
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„Übernächstenliebe“ – dieses Wort hab ich schon länger im Kopf, aber jetzt erst hab ich wirklich begriffen, wie diese Liebe konkret aussehen kann, die weitergeht als nur zum Nächsten neben mir. Wegen Bruno, Hilde und Freddy. Das sind drei Menschen aus meinem Dorf.

Bruno ist extrem rege in Sachen Ortsgeschichte. Er hat mich regelrecht bearbeitet, dass ich Klassenfotos von meinen Töchtern fürs Dorfarchiv rausrücke. Datenschutzmäßig musste erst alles geklärt sein, aber dann hat sich Bruno gefreut und gemeint: „Siehst du, so können die Leute in hundert Jahren nachschauen, wer mal hier gelebt hat. Das ist doch was!“

Und Hilde macht sich in Sachen „Übernächstenliebe“ schon mal bei ihren jungen Vereinskolleginnen unbeliebt. Wenn die überlegen, ob sie fürs nächste Vereinsfest massenweise Deko-Material bei so einem Billigversandhändler aus dem Internet bestellen. Da kontert Hilde: „Ihr wisst aber schon, was das für Verbrecherfirmen sind!“ Massenweise Billig-Päckchen aus China, das geht für Hilde gar nicht. Weil sie eben immer auch an ihre Enkel und Ur-Enkel denkt.

Und dann ist da noch Freddy, der als frischgebackener Förster-Meister leidenschaftlich gerne Bäume pflanzt. Letzten Herbst hat er bei uns im Garten drei neue Bäume gesetzt und mich danach glücklich angestrahlt und gemeint: „Jeden Tag eine gute Tat! Diese Bäume tun der Erde gut.“ Und jetzt will er mich davon überzeugen, dass in der anderen Ecke von unserem Garten, doch auch noch Platz für ein, zwei Kirsch- oder Apfelbäume ist.

Wie gut, dass die drei so unermüdlich sind: Bruno, Hilde und Freddy.

Denn jedes sorgfältig archivierte Foto, jedes nicht bestellte Päckchen aus China und jeder gepflanzte Baum ist auch ein Stück Übernächstenliebe - ein Stück Liebe zur nächsten und übernächsten Generation.

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SWR Kultur Wort zum Tag

10MRZ2026
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Da sitze ich bei der Zahnärztin auf dem Stuhl und weiß mal wieder nicht, was mich erwartet. Dabei ist es nur ein Routinetermin. Kontrolle und Reinigung. Eigentlich kein Problem. Und trotzdem merke ich meine Anspannung. Sicher auch, weil ich so machtlos bin. Einfach die Kontrolle in einer Situation abgeben, das fällt mir schwer. Zum Glück ist die Behandlung harmlos.

Hinterher geht mir die Situation bei der Zahnärztin noch nach. Denn dass ich machtlos bin, auf andere angewiesen bin, das passt kaum zu dem, wie ich und sicher die meisten Menschen heute leben. Wir wollen unser Leben selbst bestimmen. Selbst in der Hand haben, was wir tun und was nicht. Aber auf dem Zahnarztstuhl, da habe ich nichts in der Hand. Da liegt mein Schicksal in den Händen anderer. Wie in vielen anderen Bereichen. Bei Krankheit und Gesundheit, bei Schicksalsschlägen: Überall da kann ich nur wenig machen. Auch bei alltäglichen Dingen habe ich es nicht in der Hand: Dass das Brot, das ist esse, vom Bäcker gut gemacht ist – darauf muss ich vertrauen. Dass das richtige Benzin aus dem Zapfhahn kommt – muss ich glauben. Dass ich als Fahrradfahrer im Verkehr gut gesehen werde – muss ich hoffen.

Für mich ist das auch ein spirituelles Thema. Gott ist für mich auch eine Chiffre dafür, dass ich vieles in meinem Leben nicht bestimmen kann. Dass meine Macht begrenzt ist. Nicht umsonst wird Gott in vielen Religionen der Welt groß gedacht. Gott, das heißt das, reicht weiter als mein Leben. Was vor mir war und was nach mir kommt – auch darauf habe ich keinen Einfluss. Für mich heißt das: Ich muss akzeptieren, dass ich, dass mein Leben, meine Macht, meine Fähigkeiten begrenzt sind. Und ich muss immer wieder neu Vertrauen lernen. Darauf, dass die Menschen, mit denen ich zu tun habe und auf die ich angewiesen bin, gut zu mir sind. So wie meine Zahnärztin. Und da kann ich auch erleben: Ich kann Macht abgeben und trotzdem geht das ganz oft gut.

Thomas Weißer aus Budenheim bei Mainz von der Katholischen Kirche

 

 

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SWR4 Abendgedanken

09MRZ2026
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Ich falle jedes Jahr wieder darauf rein. Sobald März ist, denke ich: „Tschüss Winter und Hallo Frühling. Endlich ist Schluss mit nass und grau. Ab jetzt gibt’s nur noch Sonnenschein.“ Und dann holt mich die Realität doch ganz schnell wieder ein. Denn oft ist es im März immer noch ziemlich kalt und die Sonne lässt sich auch nur ab und zu blicken. Immerhin sind die Tage wieder länger, aber so richtige Frühlingsstimmung will bei mir einfach noch nicht aufkommen. Ich werde wirklich ungeduldig was das Thema Frühling angeht. Ich kann weder das Wetter beeinflussen, noch dafür sorgen, dass die Blumen und Pflanzen schneller wachsen. Es kommt mir so vor als würde sich der Winter ewig ziehen.

Und trotzdem lerne ich etwas vom Monat März. Denn was im März passiert, ist erstmal ganz unscheinbar. Wenn ich einen Blick auf die Natur werfe, dann sehe ich immer noch vielerorts kahle Bäume und matschige Wiesen. Aber unter der Erde da ist mächtig was los. Samen sprießen und Wurzeln wachsen, um alles für die Frühjahrspracht vorzubereiten. Es bewegt sich also doch vieles, nur kann ich es nicht direkt sehen.

Ich kann mir an der Natur ein Beispiel nehmen und mich unter der Oberfläche, also innerlich, auf den Frühling vorbereiten. Dabei überlege ich mir, worauf ich mich im Frühling besonders freue, zum Beispiel, endlich wieder bei Sonnenschein und in leichter Jacke, draußen zu spazieren. Darauf zum erst Mal wieder in die Eisdiele zu gehen oder meinen Balkon mit Geranien und Glockenblumen zu bepflanzen. Und bei manchen Dingen braucht es ja auch eine tatsächliche Vorbereitung, bei den Blumen zum Beispiel. Wenn ich schöne Blumen auf dem Balkon haben will, muss ich mir ja erst mal überlegen, ob noch genügend Erde da ist und wo ich eigentlich meine Übertöpfe verstaut habe.

Und ich kann das Ganze auch auf einer persönlichen Ebene angehen und mich fragen, was ich tun kann, um in der kommenden Zeit innerlich zu wachsen. Vielleicht krame ich nochmal meine Vorsätze von Neujahr raus oder ich reflektiere eine heikle Situation und überlege, was da eigentlich passiert ist und ob das das nächste Mal vielleicht anders laufen könnte. Das alles kann dazu beitragen, dass auch in mir Neues und Gutes aufgehen kann.

Den Frühling kann ich nicht herbeizaubern, aber ich kann mich auf ihn vorbereiten und wenn er dann da ist koste ich ihn aus, so wie es gerade möglich ist. Ob nur einen Moment mit der Nase an der frischen Luft oder einen ganzen Nachmittag an der Sonne. 

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SWR3 Worte

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Der Sänger Michael Patrick Kelly macht beim Musikmachen religiöse Erfahrungen. Er sagt:

 

Gerade in der Musik erlebt man ja (…) oft diese magischen Momente. Auf Konzerten kann alles so schön und so harmonisch sein mit 10.000 Menschen, die einfach nur glücklich sind. Das gibt es selbst im Sport nicht, denn beim Fußball beispielsweise ist die Hälfte (…) der Fans immer enttäuscht, dass ihr Team nicht gewonnen hat. Auch Politik oder Religion spaltet die Geister. Ein gutes Konzert ist so ein kleines Stück Himmel auf Erden.

 

Quelle:

KNA-Meldung vom 12.11.2021

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