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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

10MRZ2026
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Ich liebe diese Momente in Gesprächen, in denen es ehrlich wird. Momente, in denen jemand sagt, was wirklich da ist.

Mit Jens passiert genau das. Er lebt seit vielen Jahren mit einer psychischen Erkrankung. Wer ihn nur oberflächlich kennt, merkt davon vielleicht nichts. Aber im Gespräch zeigt er eine Ehrlichkeit, die mich jedes Mal berührt – und herausfordert.

Neulich sagt er zu mir: „Ich muss wissen, ob Gott einen Plan für mein Leben hat. Denn wenn er einen hat, dann ist dieser Plan ziemlich beschissen.“

Das ist ehrlich. Kein frommes Gerede. Keine Rücksicht auf religiöse Erwartungen. Ich höre seine Enttäuschung, seine Wut, seine Verzweiflung. Und während ich mit ihm leide, bewundere ich ihn für diese radikale Ehrlichkeit. Er tut nicht so, als wäre alles irgendwie schon gut. Er sagt: So fühlt es sich an.

Diese Ehrlichkeit finde ich auch in alten biblischen Texten, zum Beispiel beim Apostel Paulus. Er ist kein unerschütterlicher Glaubensheld, sondern ein Mensch, der ringt. Da gibt es etwas in seinem Leben, das ihm große Not macht. Drei Mal bittet er Gott, dass diese Not verschwindet. Ehrlich, beharrlich und ohne Beschönigung. Aber das erhoffte Wunder bleibt aus. Stattdessen bekommt Paulus eine Antwort, die irritiert:
„Meine Kraft ist in der Schwäche mächtig.“

Das klingt zunächst widersprüchlich. Gerade da, wo etwas nicht funktioniert? Wo wir scheitern, wo wir uns ohnmächtig fühlen? Genau dort soll Kraft liegen? Das widerspricht dem, was ich gelernt habe. Ich soll stark sein. Deshalb will ich Schwäche loswerden. Oder zumindest gut verstecken.

Oh, wie gerne würde ich hier öfter ein Wunder erleben. Beten - und die Schwäche ist weg. Jens und ich wissen beide, so einfach ist es nicht. Aber vielleicht gibt es hier auch ein anderes Wunder zu entdecken: die Ehrlichkeit, die eigene Schwäche nicht länger zu verdrängen. Schwäche anzunehmen – und darin Kraft zu finden.

Ein wenig spüre ich diese Kraft im Gespräch mit Jens. Seine Ehrlichkeit macht es mir leichter, selbst ehrlich zu sein. Sie befreit mich von meinem Versteckspiel. Und zugleich tut es Jens gut, mit seinen Fragen und Zweifeln nicht allein zu bleiben.

Zwei Menschen, die ehrlich reden, einander zuhören und Lasten teilen – das fühlt sich für mich an wie ein tragfähiger Plan. Und ich habe das Gefühl, dass auch Jens schon ein bisschen weniger sauer auf Gott ist.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

10MRZ2026
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Mein Mann und ich sind zu Besuch in Marburg. Es ist Februar. Es nieselt. Es ist kalt und ungemütlich. Wir gehen schnell, schauen kaum nach rechts und links. Die Hände in den Taschen, die Schultern hochgezogen, sind wir auf der Suche nach dem Café, in dem wir uns mit Freunden verabredet haben. An einer roten Ampel müssen wir stehen bleiben und warten. Ich schaue ungeduldig auf das rote Männchen und sehe darüber einen leuchtenden Schriftzug: Grün kommt!

Zwei Worte, die auf mich wirken. Was für eine Ansage! So bestimmt und ohne Wenn und Aber. Nicht: Wahrscheinlich wird es demnächst grün. Nur dieses Versprechen: Grün kommt!

Und dann wird es grün, das rote Männchen und die kurze Ansage erlöschen und wir können weitergehen. „Grün kommt!“ Dieser Satz begleitet mich weiter und zaubert mir an diesem kalten Februartag immer wieder ein Lächeln ins Gesicht und Hoffnung ins Herz. Ja, denke ich, das gilt nicht nur für den Straßenverkehr. „Grün kommt!“ Auch in der Natur. Es bleibt nicht Winter. Der Frühling kommt. Früher oder später.  Nicht vielleicht. Er kommt ganz sicher.

Das Grün kommt oft leise, nicht mit Ansage, sondern wie aus dem Nichts ist es plötzlich da. Das sehe ich jetzt, einen Monat später, im März. Am einen Tag schaue ich aus dem Fenster und die Äste der Kastanienbäume vor unserem Haus sind noch braun und kahl, kein Lebenszeichen. Und am nächsten Tag entdecke ich, wie die ersten Knospen an den Ästen anschwellen: noch ganz klein, rundlich und harzig. Aber sie sind da. Und es wird weitergehen. Das Grün kommt!

Und mit Gott ist das genauso, denke ich. Er ist auch so eine Grünkraft. Oft ist er ganz leise unterwegs, fast unbemerkt, wie eine Knospe, die über Nacht aufgegangen ist. Und deshalb manchmal noch kaum zu erkennen. Aber er ist da. Nicht vielleicht, sondern verlässlich. Das Grün kommt!

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SWR3 Gedanken

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„Übernächstenliebe“ – dieses Wort hab ich schon länger im Kopf, aber jetzt erst hab ich wirklich begriffen, wie diese Liebe konkret aussehen kann, die weitergeht als nur zum Nächsten neben mir. Wegen Bruno, Hilde und Freddy. Das sind drei Menschen aus meinem Dorf.

Bruno ist extrem rege in Sachen Ortsgeschichte. Er hat mich regelrecht bearbeitet, dass ich Klassenfotos von meinen Töchtern fürs Dorfarchiv rausrücke. Datenschutzmäßig musste erst alles geklärt sein, aber dann hat sich Bruno gefreut und gemeint: „Siehst du, so können die Leute in hundert Jahren nachschauen, wer mal hier gelebt hat. Das ist doch was!“

Und Hilde macht sich in Sachen „Übernächstenliebe“ schon mal bei ihren jungen Vereinskolleginnen unbeliebt. Wenn die überlegen, ob sie fürs nächste Vereinsfest massenweise Deko-Material bei so einem Billigversandhändler aus dem Internet bestellen. Da kontert Hilde: „Ihr wisst aber schon, was das für Verbrecherfirmen sind!“ Massenweise Billig-Päckchen aus China, das geht für Hilde gar nicht. Weil sie eben immer auch an ihre Enkel und Ur-Enkel denkt.

Und dann ist da noch Freddy, der als frischgebackener Förster-Meister leidenschaftlich gerne Bäume pflanzt. Letzten Herbst hat er bei uns im Garten drei neue Bäume gesetzt und mich danach glücklich angestrahlt und gemeint: „Jeden Tag eine gute Tat! Diese Bäume tun der Erde gut.“ Und jetzt will er mich davon überzeugen, dass in der anderen Ecke von unserem Garten, doch auch noch Platz für ein, zwei Kirsch- oder Apfelbäume ist.

Wie gut, dass die drei so unermüdlich sind: Bruno, Hilde und Freddy.

Denn jedes sorgfältig archivierte Foto, jedes nicht bestellte Päckchen aus China und jeder gepflanzte Baum ist auch ein Stück Übernächstenliebe - ein Stück Liebe zur nächsten und übernächsten Generation.

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SWR Kultur Wort zum Tag

10MRZ2026
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Da sitze ich bei der Zahnärztin auf dem Stuhl und weiß mal wieder nicht, was mich erwartet. Dabei ist es nur ein Routinetermin. Kontrolle und Reinigung. Eigentlich kein Problem. Und trotzdem merke ich meine Anspannung. Sicher auch, weil ich so machtlos bin. Einfach die Kontrolle in einer Situation abgeben, das fällt mir schwer. Zum Glück ist die Behandlung harmlos.

Hinterher geht mir die Situation bei der Zahnärztin noch nach. Denn dass ich machtlos bin, auf andere angewiesen bin, das passt kaum zu dem, wie ich und sicher die meisten Menschen heute leben. Wir wollen unser Leben selbst bestimmen. Selbst in der Hand haben, was wir tun und was nicht. Aber auf dem Zahnarztstuhl, da habe ich nichts in der Hand. Da liegt mein Schicksal in den Händen anderer. Wie in vielen anderen Bereichen. Bei Krankheit und Gesundheit, bei Schicksalsschlägen: Überall da kann ich nur wenig machen. Auch bei alltäglichen Dingen habe ich es nicht in der Hand: Dass das Brot, das ist esse, vom Bäcker gut gemacht ist – darauf muss ich vertrauen. Dass das richtige Benzin aus dem Zapfhahn kommt – muss ich glauben. Dass ich als Fahrradfahrer im Verkehr gut gesehen werde – muss ich hoffen.

Für mich ist das auch ein spirituelles Thema. Gott ist für mich auch eine Chiffre dafür, dass ich vieles in meinem Leben nicht bestimmen kann. Dass meine Macht begrenzt ist. Nicht umsonst wird Gott in vielen Religionen der Welt groß gedacht. Gott, das heißt das, reicht weiter als mein Leben. Was vor mir war und was nach mir kommt – auch darauf habe ich keinen Einfluss. Für mich heißt das: Ich muss akzeptieren, dass ich, dass mein Leben, meine Macht, meine Fähigkeiten begrenzt sind. Und ich muss immer wieder neu Vertrauen lernen. Darauf, dass die Menschen, mit denen ich zu tun habe und auf die ich angewiesen bin, gut zu mir sind. So wie meine Zahnärztin. Und da kann ich auch erleben: Ich kann Macht abgeben und trotzdem geht das ganz oft gut.

Thomas Weißer aus Budenheim bei Mainz von der Katholischen Kirche

 

 

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SWR4 Abendgedanken

09MRZ2026
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Ich falle jedes Jahr wieder darauf rein. Sobald März ist, denke ich: „Tschüss Winter und Hallo Frühling. Endlich ist Schluss mit nass und grau. Ab jetzt gibt’s nur noch Sonnenschein.“ Und dann holt mich die Realität doch ganz schnell wieder ein. Denn oft ist es im März immer noch ziemlich kalt und die Sonne lässt sich auch nur ab und zu blicken. Immerhin sind die Tage wieder länger, aber so richtige Frühlingsstimmung will bei mir einfach noch nicht aufkommen. Ich werde wirklich ungeduldig was das Thema Frühling angeht. Ich kann weder das Wetter beeinflussen, noch dafür sorgen, dass die Blumen und Pflanzen schneller wachsen. Es kommt mir so vor als würde sich der Winter ewig ziehen.

Und trotzdem lerne ich etwas vom Monat März. Denn was im März passiert, ist erstmal ganz unscheinbar. Wenn ich einen Blick auf die Natur werfe, dann sehe ich immer noch vielerorts kahle Bäume und matschige Wiesen. Aber unter der Erde da ist mächtig was los. Samen sprießen und Wurzeln wachsen, um alles für die Frühjahrspracht vorzubereiten. Es bewegt sich also doch vieles, nur kann ich es nicht direkt sehen.

Ich kann mir an der Natur ein Beispiel nehmen und mich unter der Oberfläche, also innerlich, auf den Frühling vorbereiten. Dabei überlege ich mir, worauf ich mich im Frühling besonders freue, zum Beispiel, endlich wieder bei Sonnenschein und in leichter Jacke, draußen zu spazieren. Darauf zum erst Mal wieder in die Eisdiele zu gehen oder meinen Balkon mit Geranien und Glockenblumen zu bepflanzen. Und bei manchen Dingen braucht es ja auch eine tatsächliche Vorbereitung, bei den Blumen zum Beispiel. Wenn ich schöne Blumen auf dem Balkon haben will, muss ich mir ja erst mal überlegen, ob noch genügend Erde da ist und wo ich eigentlich meine Übertöpfe verstaut habe.

Und ich kann das Ganze auch auf einer persönlichen Ebene angehen und mich fragen, was ich tun kann, um in der kommenden Zeit innerlich zu wachsen. Vielleicht krame ich nochmal meine Vorsätze von Neujahr raus oder ich reflektiere eine heikle Situation und überlege, was da eigentlich passiert ist und ob das das nächste Mal vielleicht anders laufen könnte. Das alles kann dazu beitragen, dass auch in mir Neues und Gutes aufgehen kann.

Den Frühling kann ich nicht herbeizaubern, aber ich kann mich auf ihn vorbereiten und wenn er dann da ist koste ich ihn aus, so wie es gerade möglich ist. Ob nur einen Moment mit der Nase an der frischen Luft oder einen ganzen Nachmittag an der Sonne. 

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SWR3 Worte

09MRZ2026
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Der Sänger Michael Patrick Kelly macht beim Musikmachen religiöse Erfahrungen. Er sagt:

 

Gerade in der Musik erlebt man ja (…) oft diese magischen Momente. Auf Konzerten kann alles so schön und so harmonisch sein mit 10.000 Menschen, die einfach nur glücklich sind. Das gibt es selbst im Sport nicht, denn beim Fußball beispielsweise ist die Hälfte (…) der Fans immer enttäuscht, dass ihr Team nicht gewonnen hat. Auch Politik oder Religion spaltet die Geister. Ein gutes Konzert ist so ein kleines Stück Himmel auf Erden.

 

Quelle:

KNA-Meldung vom 12.11.2021

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

09MRZ2026
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Manchmal beginnt alles mit einem gestoßenen Zeh. War das jetzt Karma? Dieses alte, ziemlich eingängige Prinzip: Auf Gutes folgt Gutes, auf Schlechtes folgt Schlechtes. Eine Welt, die sich selbst ausgleicht. Früher hieß das bei mir zuhause:
„Kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort.“

Heute bin ich älter und nicht mehr ganz so überzeugt. Denn das Leben hält sich erstaunlich selten an einfache Rechnungen. Menschen, die sich anständig verhalten, werden krank. Andere gehen rücksichtslos durchs Leben – und kommen scheinbar ungeschoren davon. Wenn es Karma gibt, dann arbeitet es ziemlich unzuverlässig.

Interessant finde ich: Diese Sehnsucht nach klaren Regeln ist alt. Schon vor zweitausend Jahren haben Menschen Jesus gefragt: Was müssen wir tun, damit Gott zufrieden ist? Was ist der richtige Weg? Welche Leistung zählt?

Die Frage dahinter ist vertraut: Sag mir, was ich tun soll – dann weiß ich, woran ich bin. Dann habe ich wenigstens ein bisschen Kontrolle. Die Antwort von Jesus ist überraschend unspektakulär. Kein Regelwerk, kein Maßnahmenkatalog. Stattdessen sagt er sinngemäß: Vertraut Gott. Glaubt an den, den er gesandt hat. An Jesus also.

Vertrauen statt Berechnung. Beziehung statt Punktesystem. Ein Gott, der sich nicht durch gutes Verhalten lenken lässt, sondern sich auf Beziehung einlässt. Das ist sperrig. Und ehrlich gesagt klingt das auch ein bisschen riskant. Aber genau darin liegt für mich die Stärke dieses Gedankens. Denn Vertrauen trägt nicht nur an den Tagen, an denen alles gut läuft. Sondern gerade dann, wenn nichts mehr aufgeht.

Wie nach meiner Schulter-Operation. Ich liege allein auf meinem Krankenlager. Die Gedanken kreisen mal wieder darum, warum es gerade mich getroffen hat. Plötzlich klingelt es an der Haustür. Über einen großen Obstkorb hinweg grinst mich ein Mann aus meiner Kirchengemeinde an. Kein großer Akt. Aber er kommt genau zur richtigen Zeit. Und irgendwie fühle ich mich in diesem Moment auch ein bisschen von Gott angelächelt.

Vielleicht geht es also weniger darum, ob Karma stimmt. Sondern um die Frage, ob wir es wagen zu vertrauen. Vertrauen darauf, dass wir nicht alles selbst ausbalancieren müssen. Dass wir getragen werden – nicht nach Leistung, sondern in Beziehung.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

09MRZ2026
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Wissen Sie, wer heute Geburtstag hat? Barbie! Vor 67 Jahren kam die erste Barbie-Puppe auf den Markt. Ich durfte als Kind keine haben. Meine Mutter fand diese Puppen einfach unmöglich. Deshalb waren Barbie-Puppen bei uns zu Hause verboten. Meine Mutter fand, dass kein Mädchen davon träumen sollte, so auszusehen wie Barbie: Blond, langbeinig, perfekte Taille. Sie wollte meine Schwester und mich zu emanzipierten Frauen erziehen, die ihren eigenen Weg finden im Beruf und im Leben.

Deshalb habe ich heimlich bei Freundinnen mit deren Barbies, ihren Barbiehäusern, -autos und -traumkutschen gespielt und mich dort in die Barbie-Welt hineingeträumt. Denn: „Du kannst alles sein!“ Das ist der Werbeslogan, mit dem Barbie auf die Welt gekommen ist. Und Barbie ist ja auch vieles: Sie ist nicht nur Freundin, sondern auch Ärztin, Rettungsschwimmerin, Prinzessin und Snowboarderin.

Heute gebe ich meiner Mutter recht, dass dieses pinkfarbene Barbieleben auch Druck ausüben kann. Barbie ist in allem perfekt. In jeder Lebenslage lächelt sie, und nie ist sie erschöpft.

Und trotzdem mag ich ihren Werbeslogan: „Du kannst alles sein“. Denn darin steckt auch ein Gedanke, der tief christlich ist: „Du kannst alles sein“.  Ich höre diesen Satz als Einladung, die eigenen Möglichkeiten ernst zu nehmen.

Gott sagt nämlich: „Du bist schon jemand. Du bist mein Geschöpf und Ebenbild.“ Wenn ich ihm das glaube, dann verliere ich diesen Barbie-Zwang zur Selbstoptimierung. Dann kann ich mich in einem anderen Licht sehen: Ich bin Gottes gutes Geschöpf, von ihm mit Talenten beschenkt, um etwas zu erreichen.

Gott hat für mich keine perfekte Rolle vorgesehen, sondern ein lebendiges Leben. Ein Leben, in dem ich mich ausprobieren und mich verändern kann. Sogar scheitern darf. Und erhobenen Hauptes wieder aufstehen. Wie wunderbar, mit dieser Zusage leben zu dürfen: „Du musst nicht alles sein, aber du kannst so vieles sein.“

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SWR3 Gedanken

09MRZ2026
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Alfred Delp war einer, der genau wusste, was er wollte. Er war Priester aus Mannheim und Widerstandskämpfer im NS-Regime. Jetzt soll er ein „Seliger“ werden. Das ist fast so etwas wie ein „Heiliger“, ein offizielles Vorbild in der katholischen Kirche.

Wie Alfred wohl ausgesehen hat? Auf meinem Bildschirm erscheint so ein leicht verschwommenes Schwarz-Weiß-Foto. Da ist er vielleicht Mitte dreißig. Am Hemd leger ein paar Knöpfe offen, Hosenträger, im Hintergrund ein See. Alfred ist beim Segeln, und er lacht offen in die Kamera. Schon als Vierzehnjähriger war er super selbstbewusst. Er ist katholisch geworden, weil er sich mit seinem evangelischen Pfarrer gestritten hat. Und Alfred war ein Denkertyp, ein paar Jahre Lehrer, später Journalist. Er konnte beides, das Leben leicht nehmen und genießen, aber er war auch kompromisslos. Vor allem wenn es um Politik und soziale Fragen ging. 

In seiner Wohnung haben geheime Treffen stattgefunden, und zusammen mit seinen Verbündeten hat er Pläne geschmiedet, wie Deutschland politisch nach Hitler organisiert sein könnte. Da war er als studierter Philosoph genau der Richtige.

1944 haben die Nazis Alfred Delp in Berlin ermordet, seine Asche wurde einfach auf den Feldern ausgestreut. Niemand sollte irgendwo Spuren von ihm finden. Aber dieser Plan der Nazis ist nicht aufgegangen. An Alfred Delp denken immer noch viele. Es gibt Schulen, die nach ihm benannt sind, oder Pflegeheime und Fördervereine.

Er ist ein starkes Vorbild. Wenn einer so entschieden, mutig und ernsthaft lebt, dann hat das schon viel mit „selig“ zu tun!   

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SWR Kultur Wort zum Tag

09MRZ2026
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Mich hat das immer berührt, wenn da bei den olympischen Winterspielen die deutsche Fahne geschwenkt wurde. Schwarz-rot-gold, das sind auch meine Farben. Dabei sind die ganz schön alt. Heute, vor fast 180 Jahren, am 9. März 1848 legte der Bundestag des Deutschen Bundes Schwarz, Rot und Gold als offizielle Farben fest.

Schon im Mittelalter gibt’s diese Farbenkombination. So findet sich auf dem Banner des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation ein schwarzer Adler mit rotem Schnabel und Krallen auf einem Goldgrund. Auch als die französische Revolution Deutschland erreicht, da schwenken die deutschen Revolutionäre die dreifarbige Flagge. Sie steht für Demokratie und Bürgerrechte und Freiheit.

Kein Wunder, dass die Nazis schon 1933 die Fahne abschaffen. Mit der deutschen Freiheitsbewegung und einer demokratischen Republik wollte das NS-Regime nichts zu tun haben. Und gerade, weil die Nazis so besessen von Flaggen und Fahnenaufmärschen waren, weil sie den Begriff der Nation missbraucht haben, halten sich bis heute viele Deutsche zurück, wenn es um die Nationalfahne geht.

Auf der anderen Seite heißt es zu Recht: Flagge zeigen. Meint: Offen seinen Standpunkt zeigen. Zu einer Sache stehen. Das sorgt dafür, dass sich andere dieser Meinung anschließen können.

Flaggen haben deshalb auch eine identitätsstiftende Bedeutung. Wenn ich also die deutsche Flagge zeige, dann zeige ich immer auch: Ich stehe für eine Demokratie, in der Freiheit und Freiheitsrechte zentral sind. Es ist eine Flagge, unter der sich alle Menschen versammeln dürfen, die hier leben. Schwarz-rot-gold färbt unsere Gesellschaft mit einem Gedanken ein: Dass jeder Mensch, ungeachtet seiner Herkunft, seiner Hautfarbe, seines Geschlechts, seiner Religion oder seiner Sprache gleiche Rechte besitzt. All das findet sich in den drei Farben der deutschen Flagge wieder. Sie sagen, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Das finde ich einen guten Grund, die Flagge zu schwenken. Nicht nur bei den olympischen Winterspielen.

 

 

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