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SWR Kultur Wort zum Tag

Es war Zufall, dass ich das Buch gerade am Wochenende von Erntedank gelesen habe: „Juras letzter Winter“ von Edgar Selge. In dem Buch geht es ums Hungern; beim Erntedankfest stehen Fülle und Reichtum im Mittelpunkt. Wo beides aufeinandertrifft, entsteht eine unerträgliche Spannung.

Edgar Selge führt in seinem Buch ein intensives Zwiegespräch mit dem 16jährigen Jura. Der wohnt in Leningrad und beginnt im Juni 1941ein Tagebuch zu schreiben; an dem Tag, als die deutsche Wehrmacht die Sowjetunion überfällt. Ich habe nicht gewusst, dass das systematische Aushungern der Bevölkerung von Leningrad damals als Kriegswaffe eingesetzt wurde.

Jura erzählt, wie sich das anfühlt, und Edgar Selge versucht diesem Jungen so nahe zu kommen, dass es manchmal fast schon weh tut. Es geht nämlich furchtbar schnell, bis seine Lebensumstände unerträglich werden, weil es einfach nichts mehr zu essen gibt. Jura bestiehlt seine Mutter und seine Schwester, frisst – man kann es nicht anders sagen – seinen nächsten Menschen die kargen Brotkrumen weg, schämt sich dabei zu Tode, kann trotzdem nicht anders.

Das Schreiben ein Versuch, in diesem Kampf ein Mensch zu bleiben, sich nicht vom gnadenlosen Hunger die letzte Würde nehmen zu lassen. Aber vergeblich. Der Hunger ist ein überlegener Feind. Seine letzten Sätze notiert Jura im Januar 1942: „Die Kräfte verlassen mich, versickern, verschwinden … und die Zeit zieht sich, zieht sich lang und langsam! O Gott, was geschieht mit mir?“ Die Antwort auf diese Frage gibt schließlich der Tod: Jura verhungert; von seiner Familie wird nur seine Schwester den Winter überleben.

Am Morgen nach diesen Leseeindrücken sitze ich wie in einem falschen Film beim Erntedankgottesdienst im Grünen und schaue im warm-goldenen Licht einer herbstkräftigen Sonne auf einen reich mit Gaben geschmückten Erntedankaltar. Noch bringe ich die Eindrücke nicht zusammen, aber eins spüre ich überdeutlich: Hunger ist immer menschengemacht. Durch die ungerechte Verteilung von Gütern auf der Welt oder wie in Juras Fall eingesetzt als grausame Waffe, um Menschen zu demütigen und zu zermürben. Denn auch das wird mir in diesem Gottesdienst sehr klar: Dieser wunderbare Planet Erde kann seine Geschöpfe ernähren. Der Schöpfer hat für seine Schöpfung vorgesorgt und alles in sie hineingelegt, was es zu einem Leben in Fülle braucht. Es ist genug für alle da! Und es ist ein Verbrechen, wenn auch nur ein Mensch hungern muss!

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

12OKT2026
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„Ich bin immer häufiger nicht mehr meiner Meinung“. Dieser verblüffende Satz stammt von Wolf Biermann. Er entstand, als sich der DDR-Liedermacher vom sozialistischen System abwandte. Als junger Mann war er noch ein glühender Kommunist gewesen.

Es ist nicht leicht, sich von den Überzeugungen zu lösen, die man einmal für absolut richtig gehalten hat. Und ich finde es großartig, wenn Menschen fähig sind, Neues zu denken, sich zu korrgieren und nicht an starren Dogmen festzuhalten. Dazu bedarf es einer großen inneren Stärke.

Wolfgang Niedecken ist ein aktuelles Beispiel dafür. Seit 50 Jahren begeistert er mit seiner Kölschrockband „BAP“ die Fans. Niedecken war überzeugter Pazifist, verweigerte den Wehrdienst und engagierte sich in der Friedensbewegung der 80er Jahre. „Verdamp lang her“ – könnte man sagen. Denn mit dem Beginn des russischen Kriegs gegen die Ukraine änderte Niedecken seine Einstellung. Mehrfach erklärte er sich mit der Ukraine solidarisch. Gegen einen skrupellosen Aggressor wie Putin müsse man sich militärisch verteidigen. Mit Pazifismus sei das nicht zu machen. Wer das glaube, sei „naiv“ und „weltfremd“, sagt Niedecken heute.

Sich von einer Haltung der absoluten Gewaltlosigkeit zu verabschieden, das fällt auch manchem Christen schwer. Aber darf man untätig bleiben, wenn unschuldige Menschen der Brutalität von Diktatoren zum Opfer fallen? Wer seine Haltung ändert, der muss damit rechnen, dass ihn manche alten Freunde nicht mehr verstehen, ja, dass sie sich sogar abwenden. Aber auch dazu hat Wolf Biermann etwas sehr Kluges und Tröstliches gesagt: „Nur wer sich ändert, bleibt sich treu.“

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SWR3 Worte

12OKT2026
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Jeder Jeck ist anders – dieses kölsche Sprichwort ruft dazu auf, andere Menschen so anzuerkennen, wie sie sind und ihre jeweilige Individualität zu akzeptieren. Dass das nicht immer einfach ist, weiß die Humanwissenschaftlerin und Psychotherapeutin Helga Kohler-Spiegel. Sie sagt:

„Es ist anspruchsvoll […] z.B. beim Partner oder bei einer Kollegin verschiedene Eigenschaften wahrzunehmen und aushalten zu können. […]
In Paarbeziehungen denke ich zum Beispiel an die Herausforderung, […] Nähe und Intimität zu leben und zugleich auf Momente von Fremdheit nicht mit Ärger, Enttäuschung oder Rückzug zu reagieren, sondern mit liebevollem Interesse. […]
Die Verschiedenartigkeit der Menschen braucht die Fähigkeit, die Vielfalt […] und die Mehrdeutigkeit menschlichen Lebens und Liebens auszuhalten.“

Helga Kohler-Spiegel, Titel: Wie auf dem Balance-Brett - Ambiguitätstoleranz
In: https://www.feinschwarz.net/wie-auf-dem-balancebrett-ambiguitaetstoleranz/

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SWR3 Gedanken

12OKT2026
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Kann man Frieden faken? Ich hab’s ausprobiert: Vor ein paar Monaten bin ich von jemandem enttäuscht worden. Ich war wirklich maßlos sauer. Ich konnte das Ganze wochenlang weder vergessen noch abhaken. Ich hab Galle geschmeckt und Bitterkeit. In mir war Unfrieden. Vermutlich auch, weil ich selbst meinen Teil zur Enttäuschung beigetragen habe.

Schlussendlich war mir klar: Ich muss mit dieser Peron sprechen. Sie aus meinem Leben zu streichen ist keine Option. Ich hab sie also tatsächlich angerufen. Das fiel mir entsetzlich schwer. Ich habe mehr als zehn Anläufe gebraucht. Interessant ist: In dem Moment ist es mir gar nicht so sehr um unsere Freundschaft gegangen. Es war eher ein Pflichtgefühl und das Wissen: diesem Menschen werde ich noch oft begegnen – ich muss mich zusammenreißen.

Ich habe also so getan, als wäre da noch eine kleine Chance für uns. Ich habe Frieden gefakt, als ich gesagt habe: „Ich möchte nicht, dass das jetzt so zwischen uns stehen bleibt.“ Dieser Satz hat sich so fremd angefühlt, im Grunde fast gelogen. Doch am anderen Ende ist es still geworden, und dann kam eine Antwort. Vorsichtig. Ein bisschen holprig. Nicht so richtig zufriedenstellend, aber zumindest eine kleine Annäherung. Zwischen uns war wieder Platz und in mir wurde es erstaunlicherweise friedlicher.

Dieses Erlebnis lässt mich nicht mehr los, weil es mir gezeigt hat: Frieden fällt nicht einfach vom Himmel. Frieden kann nur beginnen, wenn eine über ihren Schatten springt. Manchmal sogar dann, wenn es sich zunächst gar nicht echt anfühlt.

“Fake it, till you make it”: Tu so, als könntest du es. Irgendwann kannst du es wirklich.

Das gilt anscheinend auch für Frieden und Versöhnung. Ich meine nicht, dass wir nicht mehr wütend sein dürfen oder dass wir akzeptieren müssen, wenn andere unsere Grenzen nicht respektieren. Ich meine auch keine Friede- Freude- Eierkuchen-Welt. Aber ich kann in Konflikten schon mal anfangen, auch wenn’s mir überhaupt nicht danach ist. Ich kann Frieden ausprobieren und einüben. „Fake it, till you make it“! Das funktioniert tatsächlich.

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

12OKT2026
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Ich hatte noch nie eine echte Waffe in der Hand. Und war auch noch nie an einer Jagd beteiligt. Der Gedanke, töten zu müssen, ist mir ein Gräuel. Allerdings: Meinen Hund Kuno habe ich einschläfern lassen, als er alt war und offenkundig vom Leben genug hatte. Eine Patientenverfügung habe ich auch, damit ich vorbereitet bin, wenn es bei mir aufs Sterben zugeht. Und ich esse Fleisch, für das ein Tier getötet wurde. Ganz komme also auch ich nicht um den Tod und das „Töten“ herum. Aber die Vorstellung, bewusst einen anderen Menschen zu töten, mit einer Waffe in der Hand wie es im Krieg üblich ist, diese Vorstellung ist furchtbar für mich. Ich will es nicht, und ich werde es nicht. Das habe ich mir fest vorgenommen. Lieber lasse ich mich erschießen.

So mutig diese Entscheidung auf der einen Seite sein mag, so feige ist sie auf der anderen. Sich nicht zur Wehr setzen, wenn man angegriffen wird, ist in gewisser Weise egoistisch. Was ist mit denen, die womöglich auf meinen Schutz angewiesen wären? Wie stelle ich mich denen entgegen, die unserem Land, unserer Kultur und Lebensweise an den Kragen wollen? Bringe ich es fertig, mich denen zu ergeben, ohne Widerstand?

Ich war noch nie in der Situation, mich für das eine oder andere entscheiden zu müssen. Ich habe mir oft ausgemalt, wie es wäre, wenn ich angegriffen würde, wenn ich meinen Freund verteidigen müsste. Würde ich dann vielleicht doch von meinem Recht auf Selbstverteidigung Gebrauch machen? Wer weiß. Sicher weiß ich nur, dass ich es nicht tun will, weil ich davon überzeugt bin. Es ist das Schlimmste, das es auf der Welt gibt: einem anderen das Leben zu nehmen. Und weil ich auch weiß, dass es nur den Kreislauf fortsetzt, der aus Gewalt und Gegengewalt besteht. Und in diesen Teufelskreis will ich mich nicht hineinziehen lassen, weil er nur immer mehr Leid verursacht. Jesus hatte schon Recht, als er das mit der anderen Wange gesagt hat, die man hinhalten soll, wenn man auf die eine geschlagen wird. Und auch damit: dass ein Christ sogar seinen Feind lieben sollte, wenn der einem Böses will. Das Böse kann nur mit dem Guten ausgehebelt werden. Ich ahne schon, dass diese Einstellung anecken wird bei manchem Hörer heute morgen. Dem stelle ich mich. Weil ich es gerade jetzt für unverzichtbar halte, der Logik des Krieges etwas entgegenzuhalten.

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SWR4 Abendgedanken

12OKT2026
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Feierabend. Dieser wunderbare Moment am Ende eines langen Tages. Jetzt nichts mehr müssen. Einfach nach Hause. Aber dann fällt mir auf dem Heimweg ein: Ich muss doch noch schnell einkaufen. Also rein in den Supermarkt. Nur ein paar Kleinigkeiten. Das geht ja schnell.

Natürlich nicht! Es ist nur eine Kasse geöffnet und an der steht eine lange Schlange. Ich stelle mich hinten an und denke. Das darf doch jetzt nicht wahr sein! Warum geht das denn alles so langsam? Ich will nach Hause!

Da entdecke ich nebendran die Selbstbedienungskassen. Keine Schlange. Kein Warten. Perfekt. Ich scanne meine Sachen, bezahle, packe alles ein und gehe zur Tür hinaus.

Aber kaum bin ich draußen, merke ich: Mir fehlt etwas. Nicht von meiner Einkaufsliste. Etwas anderes. Niemand hat mir „Auf Wiedersehen“ gesagt. Niemand hat mir einen schönen Abend gewünscht. Kein kurzer Blick, kein Lächeln, kein „Danke“. Ich bin einfach gegangen. Schnell und effizient. Und irgendwie fühlt sich das leer an.

Schon vor Jahrzehnten hat ein Soziologe beschrieben, wie wichtig diese kleinen Begegnungen im Alltag sind: ein Gruß, ein Lächeln, ein paar nette Worte. Soziale Mikrointeraktionen nennt man das – klingt kompliziert, aber es geht um etwas ganz Einfaches: Ich sehe dich. Du siehst mich. Solche kleinen Sätze, Wünsche und Gesten wie das „Guten Abend“ an der Kasse halten eine Gesellschaft zusammen. Sie sind ein wichtiges Mittel gegen Anonymität.

Gott hat uns Menschen nicht als Einzelwesen geschaffen, die einfach nebeneinanderher leben. Sondern als soziale Wesen. Wir brauchen einander. Und dafür braucht es manchmal gar nicht viel: Ein „Guten Abend“ oder ein „Danke“ mit einem kleinen Lächeln. Das habe ich ausgerechnet an einer Selbstbedienungskasse gelernt. Und ich nehme mir vor: Beim nächsten Einkauf werde ich geduldiger in der Schlange warten. Denn eines möchte ich auf keinen Fall: Dass mich irgendwann nur noch Selbstbedienungskassen stumm verabschieden.

Ihnen wünsche ich heute Abend jedenfalls ganz ausdrücklich: einen schönen Feierabend!

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Begegnungen

11OKT2026
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Barbara Wurz trifft Wolfgang Heck

Von Frühjahr bis Herbst ist er immer wieder einmal auf dem Autobahn- Rastplatz „Kochertalbrücke Süd“ an der A6 zu finden – als Ehrenamtlicher beim Trucker-Treff. Der findet hier jeden dritten Dienstag im Monat statt. Manche der Fahrer, halt machen, kennen den Treff schon. Andere kommen eher zufällig dazu.

Wenn die LKW-Fahrer sehen, dass wir da auf dieser Raststätte stehen mit unserem Grill und sie einladen zum Essen und zum Trinken, dann sagen die: Wieso macht ihr das?

Sie machen das vor allem, um ein gastfreundlicher Ort zu sein. Die Fahrer kommen aus den unterschiedlichsten Ländern und sind teils monatelang unterwegs. Hier finden sie etwas Abwechslung – und ein offenes Ohr für alles, was sie gerade umtreibt.

In seinen ersten Berufsjahren ist Wolfgang Heck selbst LKW gefahren, als  der Verkehr bei weiten noch nicht so dicht war. Was er damals besonders geschätzt hat:

[…] einfach diese Freiheit, nicht in einer Firma zu arbeiten mit geschlossenem Tor und einer Maschine, sondern den Sonnenaufgang zu sehen, wenn man zum Beispiel durch Bayern gefahren ist und morgens sind die Bauern dann ihre Milchkannen an die Straße gestellt und dann kamen irgendwann die Schulkinder und dann hat die erste Bäckerei aufgemacht. Da hat man sich ’ne Brezel geholt oder oder oder so was. Das waren einfach schöne Erlebnisse auch.

Heute kann man sich das kaum noch vorstellen – wenn sich auf den Autobahnen LKW an LKW reiht, so weit das Auge reicht. Später hat Wolfgang Heck dann die Tankstelle eines Autohofes an der Autobahn übernommen. Und ist auch hier manchem Original der Landstraße begegnet:

Das eine war der Wolfgang Viermal. Ja, der kam wirklich viermal in der Woche und war von Schleswig-Holstein da oben. Und der ist ins Allgäu gefahren und hat Käse geholt und ist dann auf der Hinfahrt vorbeigekommen und auf der Rückfahrt und hat das zweimal in der Woche gemacht. […] Und mit denen hat man sich natürlich dann auch angefreundet oder hat man schon: Ah, hallo, wie geht es, wie war es und wie ist es?

Wolfgang Heck ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und arbeitet heute als Bereichsleiter in einem Recycling-Betrieb, in dem täglich um die 150 LKW ankommen. Den Kontakt zur Straße hat er also nicht verloren. Und auch nicht sein großes Talent, sich für andere zu engagieren – und zwar genau mit den Mitteln, die ihm seine Arbeit gerade bietet.

Als überzeugtem Christen ist es ihm wichtig, sich für seine Mitmenschen zu engagieren: Mit dem, was er kann und den Möglichkeiten, die sich gerade bieten. Und zwar nicht nur im Team der Ehrenamtlichen beim Trucker-Treff an der A6, Raststätte Kochertalbrüche Süd. Angefangen hat er damit schon zu Beginn der 90er Jahre.

Ich hab gesagt: Okay, jetzt bin ich halt nur LKW-Fahrer geworden. Jetzt möchte ich mit dem auch etwas für das Reich Gottes tun. Ja, und was kann man da tun? Das ist dann wirklich Sachen transportieren. Wir haben zum Beispiel, als die Perestroika begann, hat Russland ja zugelassen, dass Bibeln geliefert werden dürfen. […] Und dann haben wir wirklich für eine Missionsgesellschaft […] einen Lastzug voll Bibeln nach Moskau gefahren, 26 Tonnen Bibeln.

Seit damals fährt er außerdem für die Hilfsorganisation Global Aid Network, kurz GaiN:

Ja, also das, das eine ist so ein Mitmach-Hilfswerk. Die, die haben also wirklich mit den Hungerwintern damals 1990, 91 angefangen. Da war ich damals auch mit den Hilfsgütern in Moskau, mit einer Gruppe mit fünf LKWs waren wir da. Und die haben das immer weiter gemacht und fahren eben nach Litauen und dann Moldawien fahren sie jetzt teilweise. Dann haben sie es jetzt geschafft, bis in den Gazastreifen Hilfsgüter zu liefern, was nicht ganz so einfach war.“

Und wenn der Ruhestand erst einmal erreicht ist, will Wolfgang Heck verstärkt Hilfsfahrten übernehmen - aber auch bei den Trucker-Treffs an der Kochertalbrücke weiter dabei sein.  Seine Motivation:

„Zum einen hat Jesus gesagt, dass wir unserem Nächsten Gutes tun sollen und dass wir hinausgehen sollen an die Straßen und Hecken und an die Landstraßen […] Und es ist ja immer so, dass auf diesen Landstraßen oder auf diesen Autohöfen, Tankstellen oftmals auch Leute sind, die sehr einsam sind […] und diese Leute dann auch anzutreffen und denen was anzubieten. […] Ich oder wir alle bedanken uns auch bei den LKW-Fahrern, dass sie diesen Job machen. Die machen das ja für uns alle.“

Der Job der LKW-Fahrer ist härter geworden – bestimmt von Termindruck, Stauproblemen und zunehmender Aggression auf der Straße. Der Trucker-Treff bietet da eine willkommene Abwechslung. Und für manche die unverhoffte Gelegenheit, durchzuatmen und ein offenes Ohr zu finden für das, was gerade auf der Seele liegt.

Wenn das Herz sich öffnet und die Menschen berührt sind, das erlebt man ja nicht so oft. Ja, und wenn es nur durch das Essen ist oder durch das Angebot, das freundliche Angebot, das da ist – also ich bin da gern dabei bei so was.

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SWR3 Worte

11OKT2026
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Sonntag ist Erholung angesagt. Diese Sichtweise vertritt Celine Edinger, Online-Redakteurin und Autorin. Auf keinen Fall will sie ihren Sonntag mit Hausarbeit füllen. Sie erzählt:

„Wenn ich in den sozialen Medien sogenannte "Sunday Resets" sehe, in denen sich Menschen dabei filmen, wie sie sonntags ihre Hausarbeit erledigen, frage ich mich immer wieder: Wann habt ihr eigentlich euren freien Tag?
Mein Sonntag ist mir in den letzten Jahren sprichwörtlich heilig geworden. Ich möchte wenigstens einen einzigen Tag in der Woche haben, an dem ich nicht das Gefühl habe, einer endlosen To-do-Liste hinterherzurennen. Dafür nehme ich gerne in Kauf, mittwochs um 21 Uhr noch das Bad zu putzen.
Der Sonntag […] ist das Gegenstück zu den To-do-Listen meines Alltags.
Einen Tag in der Woche gar nichts tun zu müssen – was für ein Geschenk!“

Celine Edinger,  Der Sonntag: Ruhetag oder Reset-Tag?
In: https://www.sonntagsblatt.de/artikel/debatte/der-sonntag-ruhetag-oder-reset-tag-wie-wollen-wir-leben

https://www.kirche-im-swr.de/?m=45339
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SWR3 Gedanken

11OKT2026
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Viele Menschen sagen: Ich glaube an Gott, brauche aber keine Kirche.
Ich kenne jemanden, der lebt es genau andersherum. Noah ist Mitte 20 und nicht getauft. Und Noah sagt: „Ich glaube nicht an Gott und auch nicht an die Ewigkeit. Und Jesus, der war sicher ein cooler Typ, aber ich muss dem nicht nachfolgen.“ Und trotzdem ist Noah in der Kirchengemeinde aktiv. Seit vielen Jahren geht er als Betreuer auf die Kinder – und -Ritterfreizeit mit. Gemeinsam mit mir - der Pfarrerin - und anderen jungen Männern organisiert und plant er unsere Kirchenraves, er hilft als Sanitäter auf dem Konfi-Camp und nächstes Jahr will er mit auf die Wanderfreizeit für junge Erwachsene.

Noah findet: Was die Kirche für Menschen tut, ergibt Sinn. Deshalb macht er gerne mit. Er mag Menschen und die Gemeinschaft, die entsteht, wenn alle zusammen etwas Schönes erleben und er hat Spaß daran, ein Teil des Ganzen zu sein. Noah redet gerne über Glauben und Nicht-Glauben. Ausdauernd, kritisch und gerne mal bis spät in die Nacht. Außerdem stellt er Fragen, bei denen ich als Pfarrerin ganz schön ins Schwitzen komme. Ich weiß nicht, ob Noah auf der Suche nach Gott ist. Das muss ich auch gar nicht wissen. Mir reicht, was er tut. Und während wir anderen über Mitgliedszahlen, Austritte und die Zukunft der Kirche lamentieren und diskutieren, packt Noah einfach mit an. Noah gehört – obwohl er diesen biblischen Namen hat - nicht zur Kirche. Und gleichzeitig gehört er eben doch dazu.

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SWR Kultur Lied zum Sonntag

11OKT2026
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„Lieder ohne Worte“ komponiert Felix Mendelssohn-Bartholdy in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Mit seinen kleinen feinen Klavierstücken möchte er „Gefühle erwecken“, Stimmungen einfangen und sie weitergeben. Mendelssohn glaubt, das gelingt ihm mit Musik besser als mit Worten.
Trotzdem – oder gerade deshalb – enthalten seine „Lieder ohne Worte“ viele schöne Melodien, die auch gesungen werden könnten. Seine Schwester Fanny Hensel, auf die die Bezeichnung „Lied ohne Worte“ vielleicht zurückgeht, notiert über einer ihrer Kompositionen die Spielanweisung: „mit den Fingern zu singen“.

Paul Gerhardt schreibt im 17. Jahrhundert Gedichte. Er ist Pfarrer und fasst seine Stimmungen und sein Gottvertrauen in Worte. Freude über die liebe Sommerzeit, Trauer über das Haupt voll Blut und Wunden beim Anblick des Gekreuzigten, Dank für Öl und Most und das schöne Himmelszelt. Paul Gerhardt gibt weiter, was ihn selbst tröstet.

Und seine Worte finden Melodien. Manche sogar mehrere und immer wieder neue. Seine Texte werden immer noch gesungen. „Du meine Seele, singe, wohlauf und singe schön“ zum Beispiel. Die Melodie, mit der wir es heute kennen, ist zwar genauso alt wie der Text, aber die beiden wurden erst 200 Jahre nach ihrer Entstehung zum ersten Mal in einem Gesangbuch zusammen abgedruckt.

Du meine Seele, singe, wohlauf und singe schön
dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd;
ich will ihn herzlich loben, solang ich leben werd.

Ob und wie Musik und Worte zusammenfinden: das kann sehr unterschiedlich sein. Spannend finde ich, was Bernd Stegmann sich vorgenommen hat. Aus Mendelssohns „Liedern ohne Worte“ macht er „Lieder mit Worten“ für Chor und Orgel. Weil Mendelssohn ja bewusst auf Worte verzichtet hat, ist diese Idee nicht ohne Risiko. Aber beim Hören der Musik wird deutlich, wie fruchtbar die Begegnung ist. Stegmann spielt mit Mendelssohns musikalischen Motiven und mit Textbausteinen aus dem Evangelischen Gesangbuch. Er fügt Melodien und Worte neu zusammen, und das Ergebnis ist wunderbare Musik. Ganz im Sinne Paul Gerhardts: Wohlauf und singe schön!

Du meine Seele, singe, wohlauf und singe schön
dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn.

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Musikangaben:

  1. Lieder ohne Worte, Felix Mendelssohn-Bartholdy, op. 38, c-moll no.2
  2. Du meine Seele, singe (Text: Paul Gerhardt, 1653, Melodie: Johann Georg Ebeling, 1666)
  3. Bernd Stegmann, Lieder mit Worten: I Du meine Seele, singe (after Mendelssohn Lieder ohne Worte op.38 no.2)

Aufnahmen:

  1. Sebastian Knauer
  2. Windsbacher Knabenchor
  3. Berliner Vokalensemble, Stefan Göttelmann (Orgel), Bernd Stegmann (Leitung)
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