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Wir sind ständig Erwartungen von Menschen ausgesetzt. Das gehört zum Alltag dazu. Und es macht müde. Josephine Teske kennt das. Die Pfarrerin hat für solche Situationen ein Gebet geschrieben:
„Gott, mich macht es müde, wenn ich daran denke, mich irgendwie verändern zu müssen – zum Besseren oder was auch immer, mich neu zu denken. Was ich brauche, ist keine Perfektion. Was ich brauche, ist Liebe. Frei will ich sein von der Erwartung, das Leben müsste besser sein, von den Rechnungen, Sorgen, meinen Rollen. Dich brauche ich, Gott, dass du in mir wirkst!“
Josephine Teske, Unsere Réstistance. Gott. Immerdar. Gebete zum Leben
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44525Christsein findet überall statt. Daheim, in der Kirche und in der Öffentlichkeit. Christsein bedeutet auch das Leben zu genießen. Dazu hat der Pfarrer Siegfried Eckert einen passenden Segen geschrieben:
„es segne uns der gemütliche gottvater
Sein angesicht leuchte humorvoll über allen
es segne uns sein wasser in wein verwandelnder sohn
was heute noch groß und wichtig erscheint ist bei ihm morgen schon nichtig und kleine
es segne uns der heilige geist der seine gemeinde mit begeisterung trunken machte
er gewähre unserem tun und lassen die nötige gelassenheit
gott gebe uns eine fröhlichkeit die nicht alles bierernst nehmen muss
und die seele in sonnigen gärten vor halbvollen krügen auf belastbaren bänken entspannt baumeln lässt.“
Siegfried Eckert, neulich küsste ich gott. Berührende gebete, edition christmon, 2017
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44524Manchmal sind es gar nicht die großen Aufgaben, die anstrengend sind. Manchmal ist es einfach nur der Alltag, der anstrengend ist. Das kennt auch der Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry. Deshalb bittet er am Morgen:
„Ich bitte nicht um Wunder und Visionen, Herr, sondern um die Kraft für den Alltag. Mach mich findig und erfinderisch, um im täglichen Vielerlei und Allerlei rechtzeitig meine Erfahrungen zu notieren, von denen ich betroffen bin. Mach mich griffsicher in der richtigen Zeiteinteilung. Schenke mir das Fingerspitzengefühl, herauszufinden, was erstrangig und was zweitrangig ist.[…] Hilf mir, das Nächste so gut wie möglich zu tun und die jetzige Stunde als die wichtigste zu erkennen.“
Antoine de Saint-Exupéry, in: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Gedanken, die gut tun
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44523Im Alltag kann der Blick für sich selbst verloren gehen. Wir sind beschäftigt mit Arbeit, Familie und anderen tausend Themen. Wir können aber nur für andere sorgen, wenn wir auch für uns sorgen. Der Mönch Bernhard von Clairvaux sagt deshalb:
„Wenn also alle Menschen ein Recht auf dich haben, dann sei auch du selbst ein Mensch, der ein Recht auf sich selbst hat. Warum solltest einzig du selbst nichts von dir haben? Wie lange noch schenkst du allen anderen deine Aufmerksamkeit, nur nicht dir selbst? Ja, wer mit sich selbst schlecht umgeht, wem kann der gut sein? Denk also daran: Gönne dich dir selbst. Ich sag nicht: Tu das immer, ich sage nicht: Tu das oft, aber ich sage: Tu es immer wieder einmal. Sei wie für alle anderen auch für dich selbst da, oder jedenfalls sei es nach allen anderen.”
Bernhard von Clairvaux, in: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Gedanken, die gut tun
Menschen, die wir geliebt haben, sind schon gestorben und auch wir werden eines Tages sterben. Das kann Angst machen. Die Pfarrerin Tina Willms betet in solchen Momenten der Angst zu Gott:
„Gott, einmal werde ich gehen müssen. Einmal werde ich nicht mehr da sein. Unvorstellbar, ich bin mir so selbstverständlich, dass ich mich nicht denken kann ohne den Tag nach dem Morgen. Ich will auf den Engel hoffen, der mich bewahrt, auch, wenn ich mir verloren gehe. Und ich will mich bergen in deinem Namen, der hinausreicht über die Zeit und uns aufnimmt wie offene Arme: „Ich bin da“.“
Tina Willms, Lichtgewand & Alltagskleid. Engeln auf der Spur. Geschichten und Gedichte
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44521Wenn man um einen geliebten Menschen trauert, ist es oft schwer weiterzuleben. Ohne ihn. Die Pfarrerin Tina Willms erzählt von einem Besuch auf dem Friedhof und wie ein Engel ihr gezeigt hat, dass es weitergeht:
„Mein Blick fällt auf ein […] Grab: Dort ist ein lebensgroßer Engel zu sehen. Alles an ihm wirkt behutsam und offen. Er steht über denen, die an das Grab kommen, so scheint es. Sein Blick ruht auf ihnen, als wolle er sagen: „Weint ruhig. Ich sehe eure Trauer und kann sie verstehen“. Doch gleichzeitig weist seine Hand auch mit zarter und doch beharrlicher Geste ins Weite. Als gäbe er eine Erlaubnis, diesen Ort der Erinnerung auch wieder zu verlassen und sich der Zukunft zuzuwenden, dem neuen Land.“
Tina Willms, Lichtgewand & Alltagskleid. Engeln auf der Spur. Geschichten und Gedichte
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44520Manchmal begegnen uns Engel im Alltag. Wir müssen nur die Augen offenhalten, meint die Pfarrerin Tina Willms:
„Manchmal, wenn ich durch die Stadt gehe, stelle ich mir vor, dass dort Engel unterwegs sind. Nicht nur zur Weihnachtszeit oder im Karneval, sondern auch an den ganz normalen Tagen. Versuchen Sie es ruhig, gehen Sie etwas langsamer und schauen Sie sich um. Nur lauter gewöhnliche Menschen, meinen Sie?
[…] Dass unter den Alltagsmenschen der ein oder andere Engel durch die Straße geht: ich halte es für möglich, durchaus. Denn unsere Schulterblätter: Sie könnten Flügelansätze sein. Engelsreste, die nicht nur erinnern an alte Zeiten. Nein, sie bergen auch Möglichkeiten für heute und morgen und jeden Tag, der noch kommt.“
Tina Willms, Lichtgewand & Alltagskleid. Engeln auf der Spur. Geschichten und Gedichte
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44519Warum Schweigen wertvoll sein kann, habe ich im Roman „Offene See“ gelesen. Dort heißt es:
Schweigen ist wahrhaftig Gold. (…) Im Schweigen liegt Poesie, aber die meisten nehmen sich nicht die Muße, sie zu hören. Sie reden und reden und reden, aber sie sagen nichts, weil sie Angst davor haben, ihren eigenen Herzschlag zu hören.
Quelle
Benjamin Myers: Offene See, Dumont Verlag Köln 2020.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44511Wird Glück größer, wenn es länger dauert? Darüber unterhalten sich die Romanfiguren Herr Wohllieb und seine Bekannte Sophie.
Herr Wohllieb hasst Supermärkte (…). Dennoch betritt er hin und wieder einen (…). Als er seinen Wagen durch die Reihen schiebt, verspricht (…) sein Joghurt (…) „50 Gramm Extraschlemmen“. Da stutzt Herr Wohllieb, denn bisher entsprach ein Becher Joghurt der idealen Nachtisch-Menge.
Vielleicht will ich ja gar nicht mehr, denkt Herr Wohllieb, weil mir dann schlecht wird. (…)
„Ja“, wendet Sophie ein, „aber stellen Sie sich vor, Sie erhielten plötzlich 40 Prozent mehr Leben. Das wäre doch nicht schlecht…“
„Woher wüsste ich denn, wie es gemeint ist? Bedeuten 40 Prozent, ich bekäme zu meinen statistischen 78 Jahren weitere 31 (…) dazu? Was wenn mich in diesen (…) Jahren ständig Zahnschmerzen quälten? Und selbst wenn alles weiterginge wie bisher – wer sagt denn, dass Glück größer wird, wenn es länger dauert?“
Quelle
Susanne Niemeyer: Herr Wohllieb sucht das Paradies, Herder Verlag Freiburg, 2017, S. 96
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44510Ist es noch zeitgemäß, an Fronleichnam mit Prozessionen durch die Straßen der Städte zu ziehen? Der Kirchenhistoriker Bernhard Schneider hat folgende Antwort:
Eine Kirche, die sich versteckt (…), das ist für mich eine ziemlich traurige Form von Kirche. (…) Von daher (kann) ein solches Fest (…) ein Anlass sein, (…) nach draußen zu gehen und da (…) die Gemeinschaft (…) sichtbar nach außen zu zeigen in der Verbundenheit mit dem Glauben an (…) Jesus, der jetzt mitten unter uns ist.
Quelle
Interview in SWR2 „Zum Feiertag“ vom 19.06.2014: Wolfgang Drießen trifft Prof. Berhard Schneider. Online abrufbar unter https://www.kirche-im-swr.de/beitraege/?id=17759 (aufgerufen am 18.05.2026)
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44509
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