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11FEB2026
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Neulich habe ich einen ganzen Tag in der Notaufnahme verbracht – nicht als Patientin, sondern als Angehörige. Eine wirklich belastende Erfahrung – und doch konnte ich etwas beobachten, das mich tief beeindruckt hat: Die Menschen in der Notaufnahme arbeiten unter enormem Druck, oft mit zu wenig Personal und zu vielen Notfällen auf einmal. Und trotzdem: Alle bleiben freundlich und zugewandt und vor allem geduldig. Das finde ich so bewundernswert.

Heute, am 11. Februar ist der Welttag der Kranken. Er wurde bewusst von der Kirche eingeführt, um kranke Menschen nicht zu übersehen und um all jene zu würdigen, die sich um sie kümmern.

Krank zu sein bedeutet nicht nur körperlich schwach zu sein, sondern auch oft, sich alleine zu fühlen. Der Alltag wird kleiner, die Welt draußen läuft weiter, und viele fühlen sich unsichtbar. In solchen Momenten ist es ein ganz großes Geschenk, Menschen um sich zu haben, die sich kümmern. Die nicht nur medizinisches Wissen einbringen, sondern sich liebevoll zuwenden, genau hinschauen und ganz viel Geduld für das Leid mitbringen. Und das oft unter Bedingungen, die alles andere als leicht sind.

Der Welttag der Kranken erinnert mich daran, dass eine Gesellschaft nur dann menschlich ist, wenn auch die Verletzlichen zählen. Und das beginnt schon mit einer kleinen Geste, einem freundlichen Blick oder einem aufmerksamen Wort – mitten in der Notaufnahme.

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10FEB2026
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Die anderen haben irgendwie ihr Leben besser im Griff. Das denke ich mir wirklich richtig oft. Wenn ich sehe, wie gut andere Arbeit und Freizeit unter einen Hut bekommen. Ganz zu schweigen davon, wie es ist, auf Insta die Bilder und Reels von aktiveren oder gelasseneren Menschen zu sehen.

Ja, die anderen haben ihr Leben auf jeden Fall besser im Griff.

Ich weiß: Ich sehe nur Ausschnitte der Anderen, auch sie hadern und zweifeln. Und trotzdem: Während ich mich vergleiche, verliere ich langsam den Blick für das, was eigentlich da ist. Für meinen eigenen Rhythmus. Für das, was ich kann und habe. Für die Menschen und die Liebe, die sich in meinem Leben fest eingenistet haben.

Deshalb übe ich immer wieder, aus diesem ständigen Vergleichen auszusteigen. Nicht aus Überlegenheit, sondern aus Erschöpfung. Und dabei hilft mir besonders meine Freundin. Wenn wir zusammen sitzen, erzählen wir uns, was gerade wieder schiefgeht, und lachen gerne und verzweifelt drüber. Über unser Chaos und diesen Eindruck, dass alle anderen ihr Leben besser im Griff haben. Spoiler: Haben sie natürlich nicht. Oder nicht mehr als wir. In diesem Moment wird mir dann immer klar: Es ist gar nicht nötig, alles im Griff zu haben. Wichtig ist nur zu spüren: Ich bin gut so, mit all dem Chaos, das eben zum Leben dazu gehört. Ich bin genug.

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09FEB2026
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„Wenn es doch endlich wieder Frühling wird“ Das denke ich mir grad echt täglich. Die Tage sind meistens grau und der Blick in die Nachrichten macht so gar nichts heller. Aktuell habe ich einfach ne ganz schöne Durststrecke – in der Familie sind alle krank, mein Sozialleben liegt auf Eis und die Aufgaben stapeln sich wild.

„Ja, wenn es doch endlich wieder ruhiger, friedlich und warm wird. Dann geht’s mir besser, dann hab ich bestimmt mehr Energie, dann wird alles wieder leichter…“ Das hoffe ich zumindest.

Und dabei merke ich: Ich knüpfe meine Hoffnung an Bedingungen. Und das möchte ich auf gar keinen Fall!

Was mir in solchen Durststrecken hilft, ist der Psalm 23. Der beschreibt Gott als einen Hirten; einen treuen Begleiter, der mich über jeden Wegabschnitt meines Lebens hinweg begleitet – ausnahmslos. Auf den ersten Blick ist es ein ganz schön kindlich-naives Bild – dass Gott uns als guter Hirte wie kleine Schäfchen hütet. Aber der Psalm erzählt uns noch viel mehr: Dass, wie finster es auch ist, er da ist und mich tröstet. Was mir daran so gefällt: Gott schreibt mich NICHT ab. Er vertröstet mich auch nicht billig auf ein später. Kein „bald wird’s besser“, kein „irgendwann scheint auch wieder die Sonne, warte nur“. Sondern sieht mich, meine Situation und spricht mir zu: Egal, wie es grad läuft, was grad bei dir abgeht, ich bin da. Und du bist nicht allein.

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08FEB2026
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„Ach, diese Wokeness…“ Kaum ein Wort rollt aktuell so genervt über die Zungen wie der Begriff Wokeness. Für viele ist dieser Begriff mittlerweile ein Schimpfwort – und wird tragischer Weise für alles und alle benutzt, die sich für Menschenrechte, Minderheitenschutz oder soziale Gerechtigkeit einsetzen

– gern verbunden mit Bildern von „arroganten“, „linken“, „versifften“ Eliten. Das ist nicht nur verzerrend, sondern historisch falsch.

Denn „woke“ stammt aus der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung der 1930er-Jahre und bedeutet schlicht: wach sein. Wach für Unrecht. Wach für Diskriminierung. Wach für die Realität von Menschen, die nicht gehört werden. Es ging darum, nicht wegzusehen, wenn andere systematisch benachteiligt werden.

Aus christlicher Perspektive ist genau das kein modischer Trend, sondern ein Kernanliegen des Glaubens. Die Bibel ist voll von Aufforderungen, hinzusehen, zuzuhören und Partei zu ergreifen: für die Armen, die Fremden, die Ausgegrenzten. „Wach sein“ heißt im christlichen Sinn: das Leid anderer nicht zu relativieren, sondern ernst zu nehmen.

Vielleicht beginnt Verantwortung genau dort, wo Weltpolitik endet: im Alltag. Beim Zuhören. Wenn Menschen von Alltagsrassismus erzählen – davon, ständig angestarrt, angesprochen oder auf ihr Aussehen reduziert zu werden. Dann geht es nicht darum zu diskutieren, ob das „wirklich so schlimm“ ist. Sondern darum, ihre Erfahrung ernst zu nehmen. Wach zu bleiben. Nicht abzustumpfen. Das ist keine Ideologie – das ist Verantwortung.

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Meine Autokorrektur am Handy versteht mich oft falsch. Manchmal verändert sie etwas Richtiges und verdreht dadurch den Sinn komplett. Es gibt zum Beispiel ein kurzes Lied, „Mache dich auf und werde licht“. „licht“ ist dabei klein geschrieben. Meine Autokorrektur wollte das aber nicht. „Kann ja nicht stimmen.“ Und zack. Plötzlich war licht großgeschrieben.

In der Bedeutung dreht sich dadurch eine Menge. Wenn das Wort Licht hier großgeschrieben ist, dann wird der Satz zu einem ganz eindeutigen Auftrag: Werde Licht! Ich soll leuchten. Aus mir heraus. Ich soll die Orte, an denen ich unterwegs bin, hell machen. Vielleicht auch im übertragenen Sinn: Ich soll Gutes tun. Egal, wie es mir geht. Egal, was ich kann und mitbringe.

Das überfordert mich aber. Denn oft fühle ich mich gar nicht strahlend hell. Manchmal habe ich trübe Gedanken. Und viel zu oft habe ich keine Idee, wie ich anderen helfen könnte. Oft fällt es mir ja schon schwer, eine gute Idee für ein Geburtstagsgeschenk zu finden. Diese Aufforderung, mit großgeschriebenem Licht. Der kann ich nicht gerecht werden.

Ich habe es deswegen auf meinem Handy gleich wieder zurück geändert. Zu einem kleinem „L“. Mache dich auf und werde licht! Ich soll unterwegs sein, aufbrechen. Und dann soll ich „licht“ sein. Offen, durchlässig für das, was mir begegnet. Und vor allem für das, was in mir ist. Als Christ glaube ich, dass Gott bei mir, in mir ist. Und Gottes Licht, das soll aus mir herausscheinen können.

Das ist nämlich für mich der große Unterschied: Nicht ich muss leuchten und Lichtquelle sein. Gott ist das in mir. Es genügt schon, wenn ich das Licht Gottes in mir nicht verstecke. Sondern wenn ich es leuchten lasse. Zum Beispiel indem ich anderen respektvoll, liebevoll begegne. Weil ich weiß und erlebt habe, dass Gott das mit mir auch macht.

Ich bin mal gespannt, was mir meine Autokorrektur noch so präsentieren wird. Vielleicht ist ja mal wieder was dabei, das mich zum Nachdenken bringt.

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06FEB2026
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Als Kirchengemeinde haben wir einen Antrag eingereicht. Vor einigen Wochen bin ich auf eine Ausschreibung des Sozialministeriums in Baden-Württemberg gestoßen: Kreative Projektideen gegen Einsamkeit wurden gesucht. Denn, so heißt es in der Ausschreibung: „Einsamkeit ist ein weit verbreitetes Phänomen, das Menschen unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft oder geografischem Standort betrifft“.

Ich kenne das aus meiner Arbeit als Pfarrer. In den vergangenen Monaten habe ich mich immer wieder mit Eltern unterhalten, deren Kinder in der Schule oder sonst im Leben anecken. Einfach weil ihr Gehirn hier und da anders tickt als bei vermeintlich normalen Kindern. Manche haben ADHS, andere eine Autismus-Spektrum-Störung. Die Lese-Rechtschreib-Schwäche, Hochbegabung oder Rechenschwäche gehören auch dazu. Unter dem Stichwort „Neurodivergenz“ wird das zusammengefasst, was in den Köpfen anders tickt.

Viele Eltern mit neurodivergenten Kindern haben alle Hände voll zu tun. Denn ihre Kinder brauchen deutlich mehr Unterstützung auf ihrem Weg. Und oft stehen sie wegen ihrer Neurodivergenz in der Schule im Abseits. So kommt es auch, dass manche dieser Familien sich zurückziehen. Einerseits bleibt wenig Kraft für Freizeitaktivitäten, wenn der „normale“ Alltag erst mal bewältigt ist. Andererseits ist es für sie mühsam, immer wieder zu erklären, warum das Kind jetzt so und nicht vermeintlich normal reagiert. Das kann zu Einsamkeit führen.

Deswegen zielt unser Antrag auf Familien mit neurodivergenten Kindern. Wir wollen dazu beitragen, dass mehr Menschen um Neurodivergenz wissen. Und wir möchten, dass sich die Eltern mit anderen Eltern austauschen können. Über Tipps und Tricks. Und ohne, dass erst irgendetwas erklärt werden muss.

Warum wir das als Kirchengemeinde machen wollen, fragen sich vielleicht manche: Weil wir davon überzeugt sind, dass Gottes Liebe allen Menschen gilt. Auch denen, deren Gehirn anders tickt.

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05FEB2026
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Einen Moment nur habe ich nicht aufgepasst. Ich habe den Gurkenhobel abgespült und mich dabei so richtig tief in die Zeigefingerkuppe geschnitten. Jetzt kann ich zuschauen, wie die Wunde Tag für Tag weiter verheilt. Da wird für mich sichtbar, dass sich mein Körper ständig verändert. Neue Zellen entstehen, alte sterben ab.

Und eigentlich gilt das ja für das ganze Leben. Auch da verändert sich ständig etwas. Genauer gesagt: Es verändert sich alles. Nicht immer sofort spürbar. Aber doch. Ich merke das auch in meiner Arbeit als Pfarrer: Wir haben in der Kirche insgesamt zu viele Gebäude und müssen schauen, was wir damit anfangen. Und Pfarrstellen werden weniger. Die Arbeit in den Kirchengemeinden verändert sich deswegen auch.

Alles verändert sich. Die Frage ist nur, wie ich damit umgehe. Ich kann natürlich versuchen, alles krampfhaft so zu belassen, wie es einmal war. Aber das wird mir nicht gelingen. Wechselt der Wirt meiner Lieblingskneipe, dann kann ich mich noch so auf den Kopf stellen. Es wird daran nichts ändern. Stemme ich mich gegen Veränderungen, halte ich sie doch nicht auf.

Ich kann aber natürlich auch den Kopf einziehen und alles einfach geschehen lassen. Dann kann es sein, dass ich mich hinterher über die Veränderung ärgere. Denn anders hätte es mir besser gefallen.

Deswegen bleibt für mich eigentlich nur eine Option: Ich gestalte die Veränderung mit. Dann kann ich beeinflussen, wie sich die Dinge um mich verändern. Und ich nehme es dadurch anders wahr. Wenn ich mich einbringe, passiert nicht einfach Veränderung. Es fühlt sich für mich anders an, viel besser: Denn dann ist es für mich eine Erneuerung.

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04FEB2026
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Dietrich Bonhoeffer war Theologe. Er hat sich intensiv mit Gott beschäftigt. Er hat aber auch sehr bewusst wahrgenommen, was in der Welt passiert. Das hat er dann in Beziehung mit seinem Glauben gebracht. Heute vor 120 Jahren ist er geboren. Kurz vor seinem 27. Geburtstag erfolgte die Machtergreifung der Nationalsozialisten. Die nahm er, wie weite Teile seiner Familie, kritisch wahr. Schon zwei Tage später sprach er sich in einem Radiovortrag für die Begrenzung der umfassenden Machtfülle des Kanzleramtes aus.

In den folgenden Jahren hat er die Entwicklungen in Deutschland weiter aus seinem Glauben heraus hinterfragt. Gegner des Nazi-Regimes trafen sich in seinem Elternhaus. Letztlich kamen sie überein: Hitler muss weg. Wenn es nicht anders geht, dann durch ein Attentat. Bonhoeffer hat sehr mit sich gerungen, ob er da mitmachen kann. Denn ihm war klar: Einen Menschen umzubringen, das ist falsch. Auch einen Tyrannen wie Hitler. Wer dabei mitwirkt, lädt Schuld auf sich. Nicht nur vor dem Gesetz. Auch vor Gott. Was Hitler macht, so viele Menschen umbringen zu lassen, ist aber ebenfalls falsch. Wer also darum weiß und nicht versucht, ihn mit allen Mitteln zu stoppen, macht sich ebenfalls schuldig. Zumindest moralisch.

Dieses Dilemma, auf jeden Fall Schuld auf sich zu nehmen, blieb für Bonhoeffer bestehen. Und doch hat er sich letztendlich ganz klar entschieden: für den Schutz des Lebens vieler, die unschuldig umgebracht werden. Das war für ihn höher anzusehen als der Schutz des Lebens des Tyrannen.

So hat er sich der Widerstandsgruppe angeschlossen. Das Attentat scheiterte. Und Bonhoeffer wurde noch kurz vor Kriegsende auf ausdrückliche Anordnung Hitlers hingerichtet. Bis heute halten sich aber seine Worte, die er für seine Situation damals gefunden hat: Man muss dem Rad in die Speichen fallen. Und es so aufhalten.

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03FEB2026
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Pumpen ist gerade bei vielen ein Thema. Also ins Fitnessstudio gehen und mit Gewichten arbeiten. Mal geht es darum, Muskeln aufzubauen. Fürs Aussehen. Body Shaping. Mal darum, dem eigenen Körper mit gezielten Übungen mehr Stabilität und Durchhaltekraft zu geben. Eben etwas Gutes zu tun. Und, so zumindest mein Eindruck: Das ist gerade bei vielen ein Thema. In Gesprächen höre ich davon. In Social Media spült es mir ständig Bilder und Videos aus dem Studio in die Timeline.

Und klar, für vieles, das wir tun und machen, braucht es Ausdauer, Fitness, Kraft. Aber nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Je mehr mir abverlangt wird oder auf mich einprasselt, desto eher fällt eins hinten runter: Dass ich auf mich selbst achte. Auch auf meine Seele. Da heißt es oft „Zieh das durch! Zeig keine Schwäche! Lass nicht nach!“

Ich bin mir sicher, dass das auf lange Sicht nicht guttut und daher auch nicht gut gehen wird. Wir Menschen sind nun mal nicht nur ein Körper. Wir sind auch Seele. Bei schweren körperlichen Aufgaben, z.B. bei einem Umzug oder beim Aufbau eines großen Schranks, da ist es normal, dass ich andere um Hilfe bitte. Liegt Menschen was auf dem Herzen, scheint es mir manchmal anders zu sein. Das wird unter den Teppich gekehrt. Für sich behalten.

Vor ungefähr 2000 Jahren hat der Theologe Paulus schon gesagt: „Helft einander, die Lasten zu tragen. So erfüllt ihr das Gesetz, das Christus gegeben hat.“ Ich finde, er hat recht: Ich muss meinen Umzug nicht allein stemmen. Genauso darf ich bei seelischen Dingen andere um Hilfe und Unterstützung bitten. Wenn ich das erst mal gemacht habe, geht vieles schnell leichter. Geteiltes Leid ist halt doch oft nur noch halbes Leid. Und das Beste ist: Für solche Hilfe muss noch nicht mal jemand pumpen gehen.

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02FEB2026
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Kinder und Jugendliche, die psychisch erkrankt sind, brauchen mehr Hilfsangebote. Das habe ich vor einem halben Jahr hier schon einmal gesagt und großspurig angekündigt: „Ich will helfen. Deswegen habe ich beschlossen, dass ich mir in den kommenden Tagen Zeit nehme, um eine Petition aufzusetzen.“ Denn diese Erkrankungen nehmen zu. Über meinen Beruf, aber auch über Freunde und Bekannte, die an Schulen arbeiten, bekomme ich das mit.

Die Petition gibt es noch nicht. Denn seit ich mir das vorgenommen habe, habe ich viele Gespräche geführt und viel gelernt. Und natürlich: Je mehr ich darüber erfahre, desto komplexer wird die ganze Sache. Vielleicht auch ein Grund, warum sich gefühlt so wenig in diesem Bereich entwickelt. Denn Wartezeiten in kinder- und jugendpsychotherapeutischen Praxen sind immer noch exorbitant. Natürlich auch in Praxen für Erwachsene. Bei Kindern und Jugendlichen ist es aber nochmal schlimmer. Sie sind noch in der Entwicklung. Und jede Woche Wartezeit schlägt sich darauf nieder.

Das Projekt Petition habe ich nicht auf Eis gelegt. Aber es war wichtig, diese Gespräche und noch ein paar weitere davor zu führen. Es ist gut, viele an meiner Seite zu wissen, die das Anliegen unterstützen. Je mehr Menschen die Petition letztlich zeichnen, desto besser.

Denn es muss sich etwas ändern. Davon bin ich weiterhin überzeugt. Die Politik muss sich damit beschäftigen. Junge Menschen mit psychischen Erkrankungen benötigen schneller Hilfe. Und noch besser wäre es, psychischen Erkrankungen vorbeugen zu können, wo es möglich ist. Dafür setze ich mich weiter ein!

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