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26MAI2024
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Seit fast einem Jahr wohnt er bei uns. Naja, was heißt bei uns?
Serge – so heißt er, sitzt jeden Tag neben der Kirche auf der kleinen Bank, unter der Überdachung und schaut durch die Gegend. Manchmal spielt er auch Karten mit sich selbst oder er schläft. Serge ist wohnungslos. Bei uns im Dorf hat er einen Ort gefunden, wo er sich anscheinend wohl fühlt.

Als es im letzten Winter ein paar Tage sehr kalt wurde, habe ich ihm als Pfarrerin der Kirchengemeinde angeboten, ein paar Nächte in der Kirche zu schlafen. Er hat es gerne angenommen und aus den paar Nächten wurden schlussendlich fast drei Monate. Wenn wir tagsüber die Kirche benutzt haben, verschwand er und kam pünktlich zum Schlafen wieder.

Als der Frühling gekommen war, haben wir von der Kirchengemeinde entschieden, dass es nun warm genug sei, und ich habe ihn gebeten, nicht mehr in der Kirche zu schlafen. Serge hat mich fragend angeschaut, widerwillig genickt und gefragt, ob er nicht noch ein paar Nächte bleiben könnte. Das hat mich geärgert!

Kein Danke! Kein Wort! Ja, nicht ein Wort darüber, dass es ein Glück für ihn war, den ganzen Winter über in der Kirche sein zu dürfen. Stattdessen sogar noch eine Forderung. Sprachlos bin ich rüber ins Pfarrhaus.

Ich hatte Dankbarkeit erwartet. Ganz selbstverständlich. Ich hatte Serge ja was Gutes getan und dafür wollte ich das Mindeste: ein kleines Danke oder wenigstens ein Lächeln. Ich wollte den Beweis dafür bekommen, dass ich wirklich ein guter Mensch bin und jemandem ganz uneigennützig geholfen hatte.

Aber so ganz uneigennützig war es nicht: Der Eigennutz war, dass ich mich besser fühlen wollte. Mir wurde augenblicklich klar: Meine Nächstenliebe gibt es anscheinend nicht bedingungslos.

Das hat mich entsetzt und ich habe mich gefragt, kann ich das überhaupt: jemandem etwas Gutes tun, ohne etwas dafür zu erwarten? Das ist richtig schwer! Und wenn ich ganz ehrlich mit mir selbst bin - wahrscheinlich auch gar nicht möglich.

Serge ist immer noch da. Ich unterstütze ihn, wo ich kann, und freue mich, wenn er manchmal deswegen lächelt. Aber ich ärgere mich nicht mehr, wenn kein Danke kommt.

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25MAI2024
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Es gibt viel unnötiges Zeug, das kein Schwein braucht. Das habe ich wieder bei unserer letzten Shopping-Tour gedacht, als meine Frau im Einrichtungshaus auf einmal mit diesem Teppich unter dem Arm vor mir stand. Wie ein zusammengerolltes Schaf sah der aus.

Sie hatte dieses Leuchten in den Augen und mir vorgeschwärmt: „Schau mal, wie unglaublich weich der ist!“

Ich wollte eigentlich kein Geld ausgeben, Teppiche haben wir daheim für meinen Geschmack genug. Aber so begeistert wie sie war, konnte ich einfach nicht nein sagen.

Zuhause rollt sie das flauschige Ding aus und sofort kommen unsere beiden Kinder angeflitzt und kugeln sich auf dem Teppich herum. Meine Tochter schwärmt: „Oh der ist so kuschlig weich!“ und mein Sohn strahlt übers ganze Gesicht und meint: „Mama, Papa, das ist der beste Teppich, den wir je hatten. Den wollen wir für immer behalten!“

Spätestens jetzt wird mir klar: Der Teppich war kein Fehlkauf, der war jeden Penny wert. Jetzt probiere ich es auch mal aus und gehe barfuß auf den Teppich. Wie unnötige Dinge einen dennoch so freuen können. Da ist schon was dran.

Und plötzlich packt mich ein tiefsinniger Gedanke. Ein verrückter Vergleich: Wie für meine Familie dieser Teppich ist, so ist für Gott jeder einzelne Mensch. Wenn er an dich und mich denkt, hat er auch dieses Leuchten in seinen Augen. Gott ist begeistert und möchte nie wieder auf uns verzichten, auf keinen einzigen. 

Und auch wenn ich es nicht sicher weiß, ich glaube, dass er zu uns steht wie wir zu unserem Lieblings-Teppich: Eigentlich braucht Gott mich nicht, aber er will mich einfach unbedingt haben.

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24MAI2024
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Ich wollte einfach nur einen netten Abend mit netten Leuten verbringen. Stattdessen bin ich als Nervenbündel nach Hause gekommen. Ich war abends mit Freunden unterwegs, bis irgendwann irgendwer wieder das Thema „Krise“ ausgepackt hat: Wie die Preise explodieren und überhaupt: wohin das alles noch führen sollen. Kaum zuhause angekommen, gehen auch noch plötzlich alle Lichter aus.

Als nach zehn Minuten immer noch der Strom weg ist, kommen mir die wildesten Gedanken: Ist jetzt der große Blackout da? Was passiert als nächstes, wenn hier das Chaos ausbricht?

Weil ich einen bestimmten Satz schon so oft gehört habe, fällt er mir jetzt ein. Es ist eine typische Bibel-Floskel: „Fürchte dich nicht und hab keine Angst!“

So ein absurder Befehl, denk ich. Das, was ich fühle, ist doch da: Es ist Angst und die kannst du nicht einfach runterschlucken, wenn in deinem Kopf Apokalypse passiert.

Dann geht es mit meinen Schreckensbildern im Kopf weiter, bis ich die Reißleine ziehe: „Stop! Zu viele Krisengespräche und eindeutig zu viel Hollywood im Hirn.“

Ich weiß, dass meine Sorgen berechtigt sind, was die Krisen unserer Zeit angeht. Und gleichzeitig bin ich überzeugt: Selbst, wenn ich in eine typische Erste-Welt-Panik verfalle wegen einem kleinen Stromausfall, dann muss es nicht dabei bleiben. Und dann sagt mir dieser Satz „Fürchte dich nicht!“ doch was: Wenn mir mal wieder die Luft wegbleibt und sich mein Hals zusammenschnürt, dann will ich nicht aufgeben. Ich weiß: „Wo Angst ist, da kann auch Mut sein. Und ich glaube: Da wo ich bin, da ist Gott. Und das letzte Wort ist noch lange nicht gesprochen, da wo irgendwo noch ein bisschen Mut ist.“

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23MAI2024
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Frederik ist aus einem wirklich verrückten Grund Schiedsrichter geworden. Darauf wäre ich nie gekommen: Er pfeift auf dem Platz, damit er endlich lernt nicht mehr persönlich zu nehmen, was Leute sagen oder tun. Bisher in seinem Leben hat er sich wegen Kleinigkeiten immer schnell angegriffen gefühlt.

Auf dem Fußballplatz wird so viel geschrien und beleidigt wie wahrscheinlich sonst nirgendwo. Also hat sich Frederik bewusst für die harte Tour entschieden. Am Ende hat er festgestellt: „Hey, auf dem Platz geht’s nicht um mich. Wenn ich wegen meiner gezogenen Karte fertig gemacht werde, liegt das einzig daran, dass alle einfach gerne gewinnen wollen!“

Ich kenne Frederiks Problem nur zu gut. Auch ich bilde mir oft ein, dass sich Leute bewusst auf meine Füße stellen. Zum Beispiel, wenn auf der Autobahn hinter mir einer anfängt Lichthupe zu machen. Dann fühl ich mich sofort persönlich angegriffen. Und weil es nicht nur mir so geht, sind auf der Autobahn so viele so aggressiv.

Was Frederik als Schiedsrichter gelernt hat, finde ich als Haltung bahnbrechend:

In den allermeisten Fällen geht es nicht um mich. Der schimpfende Fußballer möchte einfach gewinnen. Der eilige Autofahrer möchte vielleicht noch seine Tochter sehen, bevor sie schlafen geht. Und auch wenn ich gerade was abbekommen habe: Es ist nichts Persönliches.

Wenn ich das verstehe, kann ich ruhiger bleiben – den Ärger vom anderen besser aushalten und leichter verzeihen.

Es geht nicht darum eine Frechheit einfach hinzunehmen. Aber diese neue Einstellung bewahrt mich davor, dass ich mich ständig unnötig angesprochen fühle und überall Feinde sehe. Wenn ich das ab und zu schaffe, hab ich echt was gelernt, so wie der Schiedsrichter Frederik.

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22MAI2024
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Sehnsüchtig zähle ich die Wochen. Jetzt sind es noch vierzehn und dann kann ich endlich wieder das Meer sehen. Dann will ich stundenlang im Sand sitzen, den Wellen zuhören und mich in der Weite verlieren. Was mir aber die Kinnlade runterfallen lässt, ist das, was unter der Wasseroberfläche alles passiert. Diese unglaubliche Vielfalt der Natur, und ganz speziell im Meer.

Taucher berichten zum Beispiel, wie ihr ganzer Körper durchgeschüttelt wird, wenn ein Wal in hundert Meter Entfernung zu singen anfängt. Oder wie Forscher herausgefunden haben, dass Anemonenfische sich ein Leben lang individuell erkennen und auseinanderhalten können. Und bei den farbenfrohen Doktorfischen hat man entdeckt, dass sie von Generation zu Generation immer exakt denselben Ort aufsuchen, um ihr Geschäft zu verrichten. Unglaublich!

Je mehr ich mich mit dem ganzen Leben im Meer, oder überhaupt mit der Natur beschäftige und je genauer ich hinsehe, desto faszinierter bin ich. Und die Erfahrung zeigt: Was Menschen fasziniert, das schützen sie.

Ich komme immer wieder zum selben Schluss: Diese Welt so wie sie ist, mit den unendlich vielen liebevollen Details – da drunter muss die Unterschrift Gottes stehen. Denn das alles sieht so typisch nach Gott aus. So über die Maßen kreativ und genial…

Bei der Unterschrift allein bleibt es aber nicht. So in dem Sinne: „Das ist von mir und Punkt.“ Ich kann regelrecht hören, was Gott dazu noch sagt. Es ist ein klarer Auftrag und der heißt:

„Passt gut auf mein Meisterwerk auf. Es gehört euch nicht, aber ihr dürft es pflegen und genießen. Als ich euch und alles geschaffen habe, da habe ich gesagt: Schaut alle her und staunt: Es ist überragend!“

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21MAI2024
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Anna fährt leidenschaftlich gerne Fahrrad. Jetzt steht sie frustriert vor mir und erzählt: „Ich steh so oft am Radweg-Übergang und ein Auto nach dem anderen zieht an mir vorbei. Dann schüttle ich den Kopf und denke: Würde es so wehtun, eine arme Radfahrerin kurz über die Straße huschen zu lassen?“

Und dann steigert sich Anna richtig rein und schimpft: „Diese Leute hinter ihren Windschutzscheiben, die denken doch nur an sich.“

Ich kann verstehen, dass Anna bei so was gefrustet ist. Und ich kenn das auch, dass mir solche Gedanken durch den Kopf gehen. Wenn ich mich im Recht fühle und nach Herzenslust geradezu selbstgerecht über meine Mitmenschen herziehe.

Das sage ich Anna und dann meint sie: „Mir ist es schon wichtig an mir zu arbeiten. Ich will eigentlich nicht so abfällig über andere denken, auch wenn sie vielleicht gerade Mist bauen.“

Und dann fügt Anna noch hinzu: „Ich baue ja auch Mist, und wenn dann andere mit mir nachsichtig sind und mich nicht ständig in Schubladen stecken, lebt es sich für mich auch leichter!“

Klar, wir verurteilen uns alle immer wieder gegenseitig.

Mir kommt dazu ein Satz in den Sinn. Der ist von Jesus und geht so: „Wenn du den Splitter im Auge deines Mitmenschen siehst, dann kann es sein, dass du gerade einen Balken in deinem Auge hast.“

Wie Anna habe ich auch immer wieder diesen Balken im Auge, wenn ich mit einem Urteil schnell zur Stelle bin. Aber wenn ich das ändern will, ist das schon mal ein Anfang.

Und Anna? Sie versucht es wenn wieder zig Autos an ihr vorbeirauschen, dass sie sich nicht so ärgert, sondern sich über dieses eine Auto freut, das extra für sie anhält.

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20MAI2024
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Es ist genial am See zu sitzen und sich die Sonne auf den Pelz scheinen zu lassen. Und ein besonders herrliches Gefühl ist es, wenn du nach einer längeren Schwimmeinheit fröstelnd aus dem Wasser kommst und dich von der Sonne trocknen lässt. Wie sich dann die Wärme langsam im ganzen Körper ausbreitet.

Auch wenn es ausgeflippt klingt: so ähnlich hat es sich bei mir angefühlt, als ich mal Gott gespürt habe. Ich war ein Teenager und hab das mit dem Beten ausprobiert. Irgendwann, als ich mich mit Gott unterhalten hab und still geworden bin, ist was völlig Unerwartetes passiert:

Es hat sich wie ein warmer Strom angefühlt, der sich langsam durch meinen Körper ausgebreitet hat - vom kleinen Zeh bis zur Haarspitze. Ganz ähnlich wie dieses Sonnenbad. Nur das noch was dazugekommen ist: Auf einmal waren meine Sorgen wie weggepustet und da war dieses Gefühl, als hätte mir gerade jemand sein Strandhaus geschenkt und mir gesagt, dass alle Kriege für immer vorbei sind.

So ähnlich muss es auch damals an Pfingsten gewesen sein. Bei den Jüngerinnen und Jüngern von Jesus. Die wurden auch von einer Art Wärme oder Feuer ergriffen und waren auf einmal total euphorisch. So euphorisch, dass die Leute erstmal gedacht haben, sie hätten zu viel Wein getrunken.

Ich glaube man kann Gott überall treffen: beim Sport, wenn man verliebt ist, oder wenn ich am See sitze. Und ich bin überzeugt: Wo Menschen auf Gott treffen, passiert was Besonderes. Manchmal ist es eine unerklärliche innere Freude, oder du merkst wie eine Kraft dich hochzieht, dich mutiger macht und dich wieder mehr fühlen lässt. Klar, das erlebt man nicht alle Tage, aber wenn, dann ist es wie Pfingsten, Ostern und Weihnachten zusammen.

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19MAI2024
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Jeden Morgen radle ich an diesem Plakat vorbei. Man kann es nicht übersehen. Es ist knallblau, hat die Größe eines Bauzauns und in Riesenbuchstaben steht drauf:

Kommt zum Pfingstfest. Gutes Essen, Musik und Freiluftkegeln.

Zum Stichwort „Pfingstfest“ fällt mir noch was anderes ein: Ich denke dran, wie die Freunde von Jesus vor zig Jahren zum ersten Mal den sogenannten „Heiligen Geist“ erlebt haben. Das muss auch ein echtes Fest gewesen sein!

Nur hat das zunächst nicht so Fest-mäßig angefangen. Die Stimmung war erstmal im Keller. Denn die Jüngerinnen und Jünger haben sich ängstlich eingeschlossen, in einem Haus irgendwo in Jerusalem. Keiner weiß, wie es weitergehen soll. Erst stirbt Jesus elendig und dann taucht er doch immer wieder auf. Als Auferstandener. Und dann verabschiedet er sich endgültig. Klar, dass da alle erstmal verunsichert sind.

Aber an Pfingsten ändert sich von jetzt auf gleich alles, und ein Fest beginnt. Auf einmal kommt so eine Art Sturm auf, der die Jünger so richtig wachrüttelt. Wie auch immer das genau passiert ist… laut Bibel war das der Heilige Geist. Aus den ängstlichen Jüngern werden mutige. Und zwar so richtig. Denn sie rennen wie selbstverständlich auf die Straße und erzählen allen, was sie Geniales mit Gott erlebt haben. Sie sind euphorisch und verstehen sich selbst mit Fremden eins zu eins.

Ob es bei dem Pfingstfest, was da an meinem Radweg groß beworben wird, heute auch so zugeht? Vielleicht ähnlich: Im besten Fall verstehen sich da die Leute auch - egal ob von hier oder aus einem anderen Land. Und begeisterte Gesichter gibt es bestimmt auch: Dass man zusammen ist, dass man friedlich und ausgelassen ist und dann natürlich noch die Musik.

Und noch was haben das Pfingstfest von damals und das von heute in meiner Stadt gemeinsam: dass da ein richtig guter Geist weht, wenn Leute es hinkriegen  zusammen was Gutes für alle zu schaffen.

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18MAI2024
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Neulich habe ich eine sehr schöne Geschichte in einem Zeitungsartikel gelesen. Ein alter Mann, längst im Ruhestand, macht sich fast jeden Tag auf den Weg in eine Galerie in der Nähe. Gelernter Glaser ist er und hat früher Kunstwerken den passenden Rahmen gegeben. In der Galerie steht ein Stuhl für ihn bereit, die Galeristin kennt ihn, hier sitzt er Tag für Tag, und die beiden tauschen sich über das Handwerk aus, das sie beide teilen. Die Autorin des Artikels nennt das „den dritten Ort“ und meint, dass eigentlich alle Menschen so etwas brauchen – einen Platz, der neben Arbeit und Zuhause der Ort ist, an dem man einfach SEIN kann. Ohne Aufgaben, ohne Probleme, die es zu lösen gilt, an dem man entspannen und sich austauschen kann. Die quietschende Schaukel im Garten, das kleine Café um die Ecke, die Buslinie 42, die die schönsten Orte in der Stadt abfährt. Für jede und jeden können das ganz unterschiedliche Orte sein – aber ihnen gemeinsam ist vor allem eines: Es sind Orte, an denen wir Kraft tanken. Für den Alltag, aber auch für schwere Zeiten. Auch und gerade, wenn einer der beiden anderen Orte, Arbeit oder Zuhause, sei es durch Ruhestand oder Umzug, wegfällt. – Eine Art eines solchen Ortes, der weder durch Ruhestand wegfällt noch durch Umzug verloren geht, ist für viele Christinnen und Christen Gott selbst. Er wird in der Bibel oft als eine Art dritter Ort beschrieben: als Quelle, als starker Fels oder Burg. Gott ist und war für Menschen ein Ort der Sicherheit und des zur Ruhekommen. – Ob es nun Gott ist oder einen ganz realen Ort, wie eine Schaukel im Garten oder ein Stuhl in der Galerie: Einen solchen Ort sollten alle Menschen haben. Was ist Ihr dritter Ort?

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17MAI2024
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Ein Käsebrot ist schon etwas feines. Klar, ich koch auch gerne. Ein scharfes Curry zum Beispiel. Mit vielen frischen Zutaten und Gewürzen. Und manchmal gehe ich auch gerne essen und genieße kulinarische Finessen. Aber immer wieder – muss es dann einfach nur eins sein: ein Käsebrot.

So eine dicke Scheibe frisches, luftiges, duftendes Brot. Belegt mit saftigem, leicht würzigem Käse. Herrlich. Ein Käsebrot ist nicht zu unterschätzen – und wenn es mir dann noch jemand schmiert, schmeckt es oft noch besser. Mit dieser Extraportion Liebe und Zuwendung sozusagen. --

Das Brot miteinander essen und teilen – das ist etwas, was Menschen schon richtig lange miteinander machen. Schon seit über 2000 Jahren – die Bibel erzählt auch schon davon. Und dort, in der Bibel hat das gemeinsame Essen und das Brot teilen eine immer wichtigere Bedeutung bekommen. Wer miteinander isst, gehört zusammen – Jesus und die Jünger, seine Freunde, beispielsweise, teilen immer wieder Brot miteinander. Und nach Jesus Tod und Auferstehung war das gemeinsame Brot-Essen für die ersten Christinnen und Christen etwas, das sie immer wieder daran erinnert, wie nah Jesus ihnen und allen Christen war. Bis heute ist das Brot beim Abendmahl ein Zeichen, dass Gott mitten in dieser Welt unter uns ist. Brot wird zum Segen – und nicht nur, weil es vor Hunger und Not bewahrt. Ob mit oder ohne Käse - die Extraportion Liebe und Zuwendung sind da nämlich quasi immer dabei!

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