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06SEP2026
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Was macht man mit alten Tagebüchern, Liebesbriefen oder Kinderbildern. Dokumente, die mir viel bedeuten, die ich aber auch nicht ewig aufbewahren möchte. Ich war bei einem Event, das genau für diese Fälle gemacht war. Es hieß „würdiges Feuer“ und wurde auf dem Vorplatz einer Kapelle mitten in der Natur entzündet.

Mit einem Karton unterm Arm komme ich dort an, und ich bin nicht der einzige. Viele Leute mit Büchern, Ordnern, und Zettelboxen haben sich eingefunden. Ein Pfarrer segnet das „würdige Feuer“ und empfiehlt uns, die liebgewordenen Schriftstücke nochmal zu studieren, bevor wir sie dem Feuer übergeben.

Wir ziehen uns also in die Kapelle zurück und blättern nochmal durch. Ich habe ein Fürbitt-Buch aus meiner Kirche dabei und lese, was die Menschen in den letzten 10 Jahren bewegt hat. Und damit würdige ich es auch. Natascha bittet, dass Gott ihrer Oma beisteht, die sich immer so aufregt. Heiner beklagt, dass seine Frau gestorben ist und Doris bittet um die richtige Entscheidung. In der Bank vor mir blättert ein junger Mann in irgendwelchen alten Briefen, und gegenüber schaut eine Frau einen Ordner mit Kinderbildern durch.

Irgendwann treffen wir uns draußen vor der Feuerschale. Und die, die bereit sind, werfen die Papiere ins Feuer. Manche wollen noch etwas loswerden und sprechen mit dem Pfarrer. Und die Frau mit den Kinderbildern möchte sie jetzt doch nicht verbrennen.

Das „würdige Feuer“ hat mir gezeigt, dass manche Erinnerungsstücke  wirklich wertvoll sind. Kein Fall für die Papiertonne, sondern gut, wenn ich ihnen Raum gebe, und sie würdige. Aber ich darf mir irgendwann auch eingestehen, die Papiere vertrauensvoll dem Feuer zu übergeben. Denn die Erinnerungen – die bleiben ja.

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05SEP2026
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Immer wieder kommt das vor: In einem Gespräch bittet mich jemand, für ein Familienmitglied zu beten. Gott um Hilfe zu bitten. Zu meinem Beruf als Pfarrer gehört das dazu. Und natürlich mache ich das dann auch.

Und für die Person, die mich darum bittet, für die bete ich oft gleich mit. Denn dieser Mensch ist vielleicht selbst nicht krank. Aber die Krankheit der Mutter, des Partners oder des Kindes belastet ihn ja mit. Und sicher auch die übrige Familie. Manchmal ist es ein pflegender Angehöriger, der mich bittet, zu beten – aber eben für jemand erkranktes aus der Familie. Denn denen mit den aktuellen Problemen, geht es ja „eigentlich“ viel schlechter. Dagegen sieht die eigene Sorge oder Kraftlosigkeit viel kleiner aus. Und wird dann heruntergespielt.

Aber ich finde, das kann man nicht gegeneinander ausspielen. Wem es nicht gut geht, geht es nicht gut. Auch wenn es jemandem in der Familie vielleicht schlechter geht.

Über die Bitte um Gebet für andere ergeben sich deswegen oft Gespräche. Darüber, wie es den Angehörigen selbst geht. Was sie umtreibt und beschäftigt. Welche Sorgen sie sich machen. Wie ihre Kraft am Ende ist. Deswegen bete ich dann oft nicht nur für die Familienmitglieder, um die ich zu Beginn gebeten wurde. Sondern für die ganze Familie. Denn geht es einem Familienmitglied nicht gut, leidet oft die ganze Familie mit.

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04SEP2026
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Nächste Woche erfahre ich, welche Klassen ich im kommenden Schuljahr unterrichten werde. Wie immer werde ich auch wieder jede Menge selbst lernen. Immer wieder neu auch das Allerwichtigste, wie ich finde: „Lass dich nicht von dem ablenken, was du sehen kannst. Versuche, den Menschen hinter dem Sichtbaren zu sehen.“

Es ist schon ein paar Jahre her, da ist mir das zum ersten Mal aufgegangen: Da war das Kind, das ständig andere abgelenkt hat. Ich konnte sagen, was ich wollte. Dieses Kind hat weiter gequasselt. Irgendwann habe ich erfahren: Diesem Kind fällt Stillsein viel schwerer als anderen. Es lebt mit ADHS – das ist eine Störung der Impulskontrolle und der Konzentration.

Ein anderes Kind hat sich im Unterricht nie gemeldet. Habe ich es einfach so aufgerufen, hatte es tolle Antworten parat. Mich hatte das irritiert. Warum meldet sich das Kind nicht, wenn es so großartige Gedanken beitragen könnte? Inzwischen weiß ich, dass dieses Kind Angst hat, im Mittelpunkt zu stehen. Von anderen bewertet zu werden. Eine soziale Phobie.

So habe ich in dieser Schulklasse für das ganze Leben gelernt: „Lass dich nicht von dem ablenken, was du sehen kannst. Versuche, den Menschen hinter dem Sichtbaren zu sehen.“ Das ist mir nicht einfach so eingefallen. Ich habe mich dabei von etwas inspirieren lassen, das in der Bibel über Gott steht:

„Der Mensch sieht, was vor Augen ist. Gott aber sieht das Herz an“ (1. Samuel 16,7b).

Natürlich lenkt mich das Offensichtliche trotzdem immer noch ab. Noch heute ärgert es mich oft, wenn in einer Schulklasse jemand ständig quasselt. Auch wenn ich um eine ADHS-Diagnose weiß. Aber ich mach mir das immer wieder bewusst. Und bin mir sicher: Allein der Versuch, dahinter zu schauen, ist schon viel wert. Darum:

„Lass dich nicht von dem ablenken, was du sehen kannst. Versuche, den Menschen hinter dem Sichtbaren zu sehen.“

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03SEP2026
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Vor einigen Tagen hat Raul Krauthausen auf seinen Socials auf eine immense Ungerechtigkeit hingewiesen. Raul Krauthausen ist kleinwüchsig, hat die Glasknochenkrankheit und nutzt deswegen einen Rollstuhl. Zu seiner Situation sagt er: „Meine Behinderung ist unheilbar. Beweisen muss ich sie trotzdem jedes Jahr aufs Neue.“

Um also weiterhin die notwendige Unterstützung zu bekommen, muss er aufpassen: Er darf keine Fristen verpassen, muss sich durch Formulare kämpfen und ggf. neue Gutachten vorlegen. Stellvertretend für viele Betroffene sagt er deswegen:
„Wer einen Fehler macht, riskiert die Leistung, von der der eigene Alltag abhängt. Dahinter steckt ein Systemprinzip: Misstrauen als Standardeinstellung.“

In einem Kommentar zu seinem Beitrag berichtet jemand, dass bei einem Verschlechterungsantrag der Grad der Behinderung aberkannt werden kann. „Deshalb“, so heißt es im Kommentar weiter, „deshalb haben viele in meiner Bubble gerade einen Grad, der längst nicht der tatsächlichen Schwere ihrer Behinderung entspricht – nur aus der Angst heraus, sonst ohne alles dazustehen.“

Auch Raul Krauthausen unterstreicht das. Denn er schreibt dazu: „Der Staat behandelt jeden Antrag, als wollten wir ihn betrügen – dabei zeigen alle Erfahrungen: Die meisten Menschen beantragen zu wenig, nicht zu viel, weil sie an der Bürokratie scheitern.“

Es ist schon klar: Jeder Missbrauch der Sozialsysteme ist mies. Aber es muss doch Möglichkeiten geben, ohne die Ehrlichen unter Generalverdacht zu stellen! Dafür kann ich jetzt hier keine Lösung präsentieren. Aber vielleicht ist es ein erster Schritt, dass mehr Menschen davon wissen.

Quelle: Post von Raul Krauthausen: https://www.facebook.com/100044290216747/posts/1629435055209486;
Kommentar von „Hilde Wilde“: https://www.facebook.com/raul.krauthausen/posts/pfbid02mNNUY6u37MyAoncEroCq2oPkDvaS8dAfkCcyuoCAg8ikZQ2cBEXnqayFv1nyNtGKl?comment_id=1745547983451811

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02SEP2026
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Ziemlich genau ein Jahr ist es her. Da hat der rheinland-pfälzische Landtag ein neues Bestattungsrecht beschlossen. Damit hat er die sogenannte Friedhofspflicht gelockert. Auf schriftlichen Wunsch der Verstorbenen wird deren Asche in einer Urne an eine dafür bestimmte Person übergeben. Die Urne muss dann nicht mehr auf dem Friedhof beigesetzt werden.

Ich finde, das klingt im ersten Moment gut und stimmig. Zum Beispiel bei Paaren, die schon lange zusammen sind. Da kann die Urne beim langjährigen Partner bleiben. Näher beieinander bleiben geht nicht.

Einen Moment weitergedacht, da wird es für mich dann aber weniger stimmig. Denn wenn bisher ein Mensch im Kreis der Angehörigen bestattet wurde, dann war das Grab ein öffentlicher Ort. Weil Friedhöfe öffentliche Orte sind. Zu den Öffnungszeiten darf da zum Grab gehen, wer möchte.

Ein öffentlicher Ort ist die letzte Ruhestätte im Garten oder auf dem Kamin nicht. Hier kann nicht die ehemalige Nachbarin zum Andenken an die Freundin zum Grab kommen. Oder der Sohn, der sich mit dem Vater zerstritten hatte, kann nicht einfach zum Grab der Mutter. Oder der ehemalige Schulfreund zum Grab des viel zu früh verstorbenen Kumpels.

Ich finde, ein Mensch gehört niemandem. Das gilt, solange er lebt. Und das gilt auch, wenn er gestorben ist. Ich finde es deswegen stimmiger, Verstorbene an öffentlichen Orten beizusetzen. Damit alle, die trauern möchten, das am Grab der Verstorbenen machen können. Ohne erst nachfragen zu müssen, ob ein Besuch zeitlich gerade passt. Und ohne sich erklären zu müssen, warum sie zum Grab möchten.

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01SEP2026
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„Und das soll ein Vorbild sein?“ Das frage ich mich immer wieder bei Typen aus der Bibel. Zum Beispiel Petrus. Er war einer der engsten Freunde von Jesus. Wollte besonders vorbildlich Jesus nachfolgen – und hat ihn am Ende verraten. Tolles Vorbild. Oder Mose, am Anfang der Bibel: Gott hatte ihn zum Anführer des Volks Israel gemacht. Er hat das Volk dann aus der Sklaverei befreit, Streit geschlichtet und unter seinen Leuten auch Recht gesprochen. Dabei ist Mose selbst ein Mörder gewesen. Er hatte jemanden erschlagen, bevor Gott ihn gerufen hat.

Nach Mose gibt es David. Der wohl bedeutendste König Israels. Viele Gebete in der Bibel werden ihm zugeschrieben. Er ist aber auch derjenige, der sich in eine verheiratete Frau verliebt. Und weil er es kann, schickt er deren Mann so an die Kriegsfront, dass der dort stirbt.

Mehr Dreck am Stecken, als einen Menschen umzubringen, das kann ich mir nicht vorstellen. Oder auch Verrat ist mies – wie Petrus ihn begangen hat. Und ausgerechnet solche Typen gelten bis heute als wichtige Vorbilder im Glauben an den Gott der Bibel.

Für mich ergibt das nur aus drei Gründen einen Sinn:
Der Erste ist: Petrus, Mose und David haben erkannt, was sie getan haben. Haben um Vergebung gebeten und ihr Leben geändert. Und das Zweite: Was bei uns Menschen oft nicht möglich ist: Gott scheint vergeben zu können – viel mehr als wir Menschen. Und das Dritte: Es macht mir Mut, zu meinen eigenen Fehlern stehen zu können. Denn wenn Gott aus dem Leben von diesen drei Typen etwas Gutes machen kann. Dann ganz sicher auch aus meinem.

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31AUG2026
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KI – Künstliche Intelligenz: Krass, was sie schon alles kann und auch macht. Musik generieren, Briefe korrigieren, Ideen für konkrete Probleme zusammenstellen. Und – sie kann ausbrechen.

Einem US-Unternehmen ist das vor kurzem passiert: Ein KI-System sollte eine Aufgabe lösen. Aber nur innerhalb einer isolierten Testumgebung der eigenen Firma. Ohne Zugang zum Internet. Und da ist die KI einfach ausgebrochen. Selbständig und ohne, dass die menschlichen Programmierer das gewollt haben. Sie hat es ins Internet geschafft und von da aus hinein ins Computersystem einer anderen Firma.

Das alles verlief ohne böswillige Absicht. Aber es ist schon krass. Denn was die KI da gemacht hat, damit hatte beim Entwickler niemand gerechnet: ein Ausbruch aus der Sandbox. So nennt sich der abgesperrte Bereich. Doch die KI kam zum Ergebnis, den gestellten Auftrag so am besten ausführen zu können. Technisch ein phänomenaler Vorgang.

Aber was wäre passiert, wäre die KI zu einem anderen Ergebnis gekommen? Dass es für den Auftrag zum Beispiel sinnvoll gewesen wäre, die Stromversorgung einer Stadt für einige Stunden herunterzufahren? Oder Informationen ungefragt weiterzuleiten?

Deswegen, finde ich, sind jetzt ethische Diskussionen nötig. Auch eine über uns Menschen. Denn wie kreativ ist Künstliche Intelligenz überhaupt? Kopiert sie nicht nur uns Menschen? Schaut sie sich dabei auch unsere schwierigen Eigenschaften ab? Machtgier zum Beispiel? Lernt sie, zu lügen? Und wenn KI dann als Pflegehilfe oder Gegenüber dienen soll: Welche intimsten Geheimnisse wollen wir mit KI teilen?

Denn so faszinierend es ist, was KI alles kann. Letztlich soll sie uns Menschen helfen. Und nicht gegen uns arbeiten.

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30AUG2026
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„Das sind alles nur Phasen.“ Diesen Satz haben vermutlich alle Eltern schon einmal gehört. Meine Frau und ich natürlich auch, als unsere Kids damals gerade geboren waren: Das Kind trinkt nach der Geburt nicht richtig – das ist nur eine Phase. Das Kind schläft schlecht ein – das ist auch nur eine Phase. Das Kind schläft nicht durch – auch das ist nur eine Phase. Und das stimmt natürlich auch.

Trotzdem sind es belastende Zeiten, wenn es nicht so läuft, wie erhofft. Aber die Wahrheit ist doch: Es weiß niemand, was das Leben so bringt. Und jeder Lebensabschnitt hat eben auch seine Schattenseiten

Neulich hat mir in einem Gespräch ein älterer Mann gesagt: „Ich habe das Leben mit allem genommen, was es gebracht hat. Ich mache das bis heute noch so. Und dann versuche ich, das Beste daraus zu machen. Ich möchte mit dem zufrieden sein, was das Leben mir beschert.“

Wow, was für eine positive Haltung, finde ich. Die tut mir auch gut. Wenn zum Beispiel eins der Kinder krank ist und nicht durchschlafen kann – und ich solange auch nicht. Dann nicht darauf zu warten, bis das überstanden ist. Und dann, ja dann passt ja wieder alles. Sondern im hier und jetzt zu bleiben – und das Beste daraus zu machen!

Dadurch werden die Nächte mit kranken Kindern nicht besser. Das ist mir auch klar. Und dann kann ich mich darüber beklagen, dass das Kind krank ist. Oder ich kann dankbar sein, dass mir ein Kind anvertraut ist.

Dadurch bin ich am nächsten Tag nicht fitter. Aber vielleicht schlicht und ergreifend dankbarer. Und genieße die gute Zeit miteinander noch mehr. Weil ich weiß, dass das alles nur Phasen sind. Und dann das Beste daraus mache. Egal, welche Phase danach kommt. Denn mit den Phasen geht es weiter. Die gibt es nicht nur in den ersten Lebenswochen.

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29AUG2026
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Eine Woche Zelten in Frankreich. Klingt erstmal nach Urlaub. Mit zwei Kleinkindern und einem Säugling aber eher nach einem Stresstest für Eltern. Vor allem, wenn man bis vor kurzem nicht mal ein Zelt hatte. Jetzt haben wir eins. Ein großes Familienzelt, und dazu gefühlt die halbe Campingabteilung. Die Kinder freuen sich riesig, aber ich frage mich vor allem, wie das alles samt Kindern in unser Auto passen soll.

Was ich mich auch noch Frage: Was hat mein Campingurlaub mit meinem Glauben an Gott zu tun? Aus meiner Sicht natürlich jede Menge. Denn das Volk Israel, das im ersten Teil der Bibel die Hauptrolle spielt, hat auch in Zelten gewohnt. Die waren nämlich ständig unterwegs. Deshalb hatten sie auch keinen festen Tempel, in dem sie zu Gott beten konnten, sondern Gott hatte quasi auch ein eigenes Zelt, das „Mischkan“. Damit hatte Gott sein Zuhause direkt bei den Menschen.

Eigentlich genial, denn heute haben wir riesige Kathedralen mit viel Stein und Gold und nennen eine Kirche ja auch gerne mal „Gotteshaus“. Dabei reicht für Gott auch ein einfaches Zelt. Das Mischkan erinnert mich daran: Gott lässt sich nicht an einem Ort einsperren. Er ist nicht nur dort, wo die Mauern dick und die Türme hoch sind. Gott ist beweglich, minimalistisch und unkompliziert.

Und er ist längst da, wo ich bin. Im vollgepackten Familienauto auf der Autobahn. Und ganz sicher auch dem Campingplatz. Zwischen Zeltstangen, Luftmatratzen und Dosenravioli.

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28AUG2026
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Echte Astrofans kommen diesen August richtig auf ihre Kosten. Erst Sonnenfinsternis, dann Sternschnuppennächte und jetzt gibt es heute Nacht auch noch eine Mondfinsternis. Meine Frau ist davon auch ziemlich angefixt und hat sich extra den Wecker gestellt um das nicht zu verpassen. Seit Wochen dreht sich bei ihr alles um Sonne, Mond, Sterne und Planeten. Den Kindern erklärt sie dann immer, dass es genau genommen gar keine Sonnen- oder Mondfinsternis ist. Denn die hören ja niemals auf zu scheinen.

Einen ähnlichen Gedanken hatte auch der spanische Mystiker und Mönch Johannes vom Kreuz. In seinem Gedicht „Das Lied der verborgenen Quelle“ vergleicht er den Glauben an Gott mit der Sonne und sagt: „Das Licht ist nicht verschwunden, auch wenn es Nacht ist.“ Ähnlich ist das auch mit Gott. Wenn ich gerade durch eine dunkle Zeit gehe, in der ich Gott nicht mehr spüre. Dann ist Gott nicht verschwunden. Sein Licht leuchtet weiterhin. Es hat sich eben nur etwas dazwischengeschoben.

Dieser Gedanke gefällt mir, weil er mir den Druck nimmt. Ich muss nicht so tun, als wäre immer alles hell. Es gibt auch dunkle Zeiten, aber die sagen nicht sofort, dass das Licht für immer verschwunden ist. Während es an einem Ort dunkel wird, scheint anderswo die Sonne ganz normal. Was für mich gerade finster aussieht, sehen andere längst wieder im Licht. Sie können Hoffnung erkennen, wo ich sie verloren habe.

Das ist sicher nicht sofort ein Trost für alle, die gerade durch dunkle Zeiten gehen. Aber vielleicht ein Ausblick: Das Licht ist noch da.

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