Manuskripte

SWR1 Sonntagmorgen 3vor8

Lk 1,5-17; 57-66.80

Johannes der Täufer, er gehört nicht zu meinen Lieblingsheiligen. Heute ist sein Gedenktag. Die Bibeltexte in den katholischen Gottesdiensten handeln von ihm. Da wird erzählt, dass vor der Geburt des Johannes ein Engel auftritt und dem Zacharias, dem Vater des Johannes ankündigt: „Wein und andere berauschende Getränke wird er nicht trinken und schon im Mutterleib wird er vom Heiligen Geist erfüllt sein.“ (Lk 1,15)  Ich trinke gern ein Glas Wein und das Gefühl, dass mich der Heilige Geist erfüllt, habe ich nur sehr selten. Nach der Geburt des Johannes heißt es dann: „Und das Kind wuchs heran und sein Geist wurde stark. Und Johannes lebte in der Wüste bis zu dem Tag, an dem er den Auftragt erhielt, in Israel aufzutreten. (Lk 1,80). Leben in der Wüste, das bedeutet ein asketisches Leben. Also nicht nur auf Wein zu verzichten, sondern sich auch beim Essen einzuschränken. Es heißt Johannes habe sich von Heuschrecken und wildem Honig ernährt. Und vor allem bedeutet es, zurückgezogen zu leben, in Ruhe und Einsamkeit. Und das ist auch nicht so mein Ding. Ich bin gern unter Leuten und liebe Fest und Feier.

 

Aber er war nicht nur ein Asket, sondern auch ein Prophet. Er war nicht nur in seinem Lebensstil konsequent sondern auch in seinen Worten und Taten. Er hat niemandem nach dem Maul geredet. Was er für richtig hielt, hat er gesagt. Mit „Ihr Schlangenbrut“ (Mt 3,7) hat er schon mal Leute betitelt, die nur so taten, als ob sie fromm seien. Die laut und öffentlich gebetet aber hintenherum krumme Geschäfte gemacht haben. Dass es Leute mit Einfluss waren, hat ihn dabei nicht gestört. Auch  mit der Königin Herodias hat er sich angelegt. Und das hat ihm dann auch im wahrsten Sinne des Wortes seinen Kopf gekostet.

Was die Askese betrifft, so hoffe ich, dass Gott es mir nachsieht, dass ich sie so wie Johannes nicht schaffe. Was das Prophetische betrifft, so glaube ich, dass ich mich als Mann der Kirche davor nicht drücken kann. Verlogenheit und Unrecht müssen auch heute angeklagt werden, denn „Schlangenbrut“ gibt es auch heute zur Genüge.

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