Manuskripte

SWR1 Sonntagmorgen 3vor8

Wenn das Leben wie ein hoher Berg vor einem steht oder wie eine öde Wüste, dann möchte man am liebsten nicht mehr weiter gehen. Kennen Sie das auch? Soviel zu tun noch vor Weihnachten. Eine Krankheit, von der ich weiß: das wird nun nicht wieder gut. Die dauernden Konflikte mit meinem Partner. Die Krisennachrichten aus aller Welt. Manchmal möchte ich am liebsten die Decke über den Kopf ziehen und von all dem nichts hören und nichts sehen. Bloß: Davon wird es auch nicht besser. Die Berge bleiben. Die Wüste auch.

Was hilft in so einer Situation? Manche versuchen einen aufzumuntern. „Kopf hoch, das wird schon wieder. Nun mal weiter, reiß dich zusammen!“ Aber, das hilft nicht wirklich. Das macht es nur noch anstrengender.

Natürlich, wenn einer sagt: Komm, ich gehe mit. Ich helfe dir. Zusammen schaffen wir das bestimmt – das würde wohl ein Stück weiter helfen. Aber manchmal fehlt einem ja sogar die Kraft, andere um Hilfe zu bitten.

Jesaja, der Prophet, hat für die Müden und Verzagten zu seiner Zeit einen anderen Weg gewusst: „Gott kommt und wird euch helfen,“ hat er ihnen gesagt, „Dann werden Wasser in der Wüste hervorbrechen und Ströme im dürren Lande. Und wo es zuvor trocken gewesen ist, sollen Teiche stehen und wo es dürre gewesen ist, sollen Quellen sein.“ (Jes 35, 4-7)

Heute wird das in den evangelischen Gottesdiensten vorgelesen. Jesaja, scheint mir, hat von dem geredet, was danach kommt, was hinter der Wüste ist. Er hat von den Aussichten gesprochen, die ich jetzt gerade nicht sehen kann. Nach den anstrengenden Wochen vor Weihnachten kann es wunderbare Feiertage geben und herrlich ruhige Tage zwischen den Jahren. Ich freue mich schon darauf. Die Frau, die zum ersten Mal ohne ihren Partner feiern muss, hat mir erzählt: Ich fahre diesmal zu meiner Tochter. Meine Enkel sind ganz begeistert, dass die Oma zu ihnen kommt. Und meine kranke Freundin sagt: Ich verstecke das jetzt nicht mehr, was ich nicht kann. Ich sage: Helft mir bitte. Und die Menschen um mich herum helfen wirklich gern.

Wenn man nur noch Wüste vor sich sieht, dann muss man darüber hinaus schauen. Nach den Aussichten suchen, die es gibt. Manchmal kann man das nicht allein. Andere müssen einem dabei helfen. Müssen einen erinnern. Einem die Augen öffnen.

Gott kommt und wird helfen. Mir macht Jesaja Mut, wie seinen Landsleuten damals. Und manchmal habe ich das auch schon erlebt. Auf einmal bin ich durch – und das Leben ist frisch und neu und hell.

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