Manuskripte

SWR1 Sonntagmorgen 3vor8

 (Jes 40,1ff.)
Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott.  (...) Jedes Tal soll sich heben, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, und was hüglig ist, werde eben. Dann offenbart sich die Herrlichkeit des Herrn, alle Sterblichen werden sie sehen.
(Jes 40,1.4f.) Diese großen Worte stehen beim Propheten Jesaja. Aus seinem Buch wird auch heute am Zweiten Advent in den Gottesdiensten gelesen. Ob die Worte überall ankommen?

Eine Bekannte von mir ist im Moment ziemlich verzweifelt. Ihre Mutter ist vor wenigen Wochen gestorben und ihr Vater ist schwer krank. Wir sprechen immer wieder miteinander. Ich höre ihr zu und achte darauf, dass ich realistisch bleibe und meine Worte trotzdem tröstlich sind. Vor wenigen Tagen hat sie zu mir gesagt: „Thomas, du bist doch Pfarrer. Warum macht Gott so was? Ich weiß gar nicht wie dieses Jahr Weihnachten werden soll.“

Es wäre mir nicht schwer gefallen, ihr eine Antwort zu geben und sie damit vielleicht zu vertrösten. Die Frage nach dem Warum wird mir häufig gestellt. Aber zu meiner Bekannten habe ich erst mal gar nichts gesagt. Sie war traurig und hat mich damit angesteckt. Ich habe ihr dann versprochen, für sie da zu sein. Seither trage ich ihre Frage mit mir herum: „Wie soll bei mir in diesem Jahr Weihnachten werden?“ Ihre Frage gehört zu meinem Advent. Der auf das Fest der Freude und der Liebe zuführt, wo es für alle Geschenke gibt und die Familien im trauten Kreis zusammenkommen. Aber gerade davor graut es meiner Bekannten ja regelrecht. Sie weiß nicht, ob und wie das in diesem Jahr gehen soll. Ihr ist nicht nach Feiern. Sie hat Angst, dass ihr Papa auch bald stirbt. Dabei hat sie den letzten Verlust noch gar nicht verarbeitet.

In vierzehn Tagen ist Weihnachten. Ob ich bis dahin eine Antwort auf ihre Frage habe? Als Christ glaube ich daran, dass Gott uns nahe sein will. Deshalb ist er Mensch geworden. Ein Kind, das den Namen Jesus trägt und so ist wie wir. In seinem Leben hat es Ärger und Zweifel und Konflikte gegeben. Er hat die Sorgen anderer kennen gelernt und am Ende stand auch bei ihm der Tod. Trotzdem war da von Anfang an etwas anders. Und damit meine ich nicht die Auferstehung. Nein, von Anfang an steht über dem Leben Jesu die Verheißung, dass Gott niemand fallen lässt - komme, was da wolle im Leben. Und es kommt eben alles, was kommt: Krisen, Leid, die Angst vor dem Sterben. Das war bei Jesus nicht anders. Aber er hat es mit anderen Augen angeschaut. Weil er die Botschaft von Menschen wie Jesaja kannte, dem großen Propheten seines Volkes.

Jesaja sagt: Was wir sehen und erleben ist nicht alles. Das Leben ist krumm, aber nicht nur. Der Weg ist schmal, aber das ist nicht das Ende. An diese Hoffnung halte ich mich. Und ich gebe sie weiter. An meine Bekannte.

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