Manuskripte

SWR1 3vor8

Von Dürre reden und von Wassermangel in diesem verregneten Winter – macht das Sinn? In den evangelischen Gottesdiensten wird heute über einen Abschnitt aus dem Buch des Propheten Jeremia gepredigt. Den muss man eigentlich nur vorlesen, schon merkt man, wie aktuell der ist – gerade in diesen Wochen.

Jeremia hat geschrieben: „Die Erde lechzt, weil kein Regen fällt, die Ackerleute sind bestürzt und verhüllen das Haupt. Selbst die Hirschkuh im Feld, die gerade geboren hat, lässt ihr junges im Stich, weil kein Gras wächst. Die Wildesel stehen auf kahlen Höhen und schnappen nach Luft wie die Schakale, erloschenen Auges, denn nirgends ist Futter.“ (Übersetzung von Jörg Zink)

Jeremia hat das vor mehr als 2 ½ tausend Jahren über die Zustände in Israel geschrieben. Und heute muss man nur Känguru statt Hirschkuh einfügen und Koala statt Wildesel und man meint, die Worte seien von heute aus Australien. Oder – nicht ganz so extrem – aus den vergangenen beiden trockenen Sommern bei uns in Deutschland.

Nichts Neues also und Trockenheit und Dürre gab es schon immer? Manche sagen das ja: Klimawandel gab es schon immer, man muss sich eben darauf einstellen.

Jeremia damals hat Gott um Hilfe gebeten. „Du bist doch der Herr!“ betet er. Aber bevor er Gott um hilfe bittet, spricht Jeremia von Schuld. Die Dürre ist für ihn nicht einfach nur ein „Wetterphänomen“ sondern die Strafe Gottes für das egoistische, selbstsüchtige Verhalten seines Volkes.

Von Strafe würden wir heute wohl nicht mehr reden. Aber doch von Konsequenzen. Die Dürre, die Waldbrände, der Klimawandel – das ist die Konsequenz unseres bedenkenlosen, egoistischen Umgangs mit der Natur. Und wenn man nicht „Schuld“ sagen will, dann doch jedenfalls „Verantwortung“. Wir Menschen sind verantwortlich für den Klimawandel und seine katastrophalen Folgen. Viele wollen das nicht wahrhaben, weil man etwas ändern müsste. Mir kommt das irgendwie feige vor, als ob wir uns vor der Verantwortung drücken wollten.

Jeremia damals hat sich getraut. Er redet von Schuld. Und er hat gewusst: so kann es nicht weitergehen. Deshalb bittet er Gott um Hilfe. „So hilf doch! …Verlass uns nicht!“ so endet sein Gebet. Soll nun also Gott in Ordnung bringen, was Menschen verursacht haben?

Ich glaube nicht, dass Jeremia das gemeint hat. Und deshalb lautet mein Gebet: „So hilf doch, Gott, dass wir unsere Verantwortung erkennen. Zeig uns, was wir ändern können und mach uns bereit dazu. Hilf uns, zu tun, was für unsere Kinder und Enkel gut ist. Verlass uns nicht.“

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