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08MRZ2026
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Aus dem Brunnen …

Ich erinnere mich noch sehr genau an diese Bergwanderung. Wir sind früh aufgebrochen, wollten bis zum Gipfel und dann wieder zurück. Im Dunklen sind wir losgegangen. Doch schon bald brannte die Sonne unglaublich auf der Haut. Zum Glück hatten wir Wasser dabei. Aber nicht genug, wie sich bald herausstellte. Der Rückweg war echt hart: Wie ausgetrocknet habe ich mich gefühlt. Und dann war da dieses kleine Rinnsal, das aus dem Felsen kam. Mit den Händen habe ich eine Schale geformt und getrunken. Köstliches Nass. Belebend. Danach fiel der Rest des Weges ziemlich leicht. Noch heute, wenn ich daran denke, hab ich diesen Geschmack von Bergwasser auf der Zunge.

Viele Menschen auf der ganzen Welt erleben noch viel existentieller, wie das ist, wenn zu wenig Wasser da ist. Sie leben in Dürrezonen: Regionen, in denen es zu wenig lebensnotwendiges Wasser für alle Lebewesen gibt. Das führt dazu, dass Obst und Gemüse nicht wachsen können. Da verdursten Pflanzen und Tiere.

Wasser ist lebensnotwendig. Davon erzählt auch eine biblische Geschichte. Da treffen sich Jesus und eine Frau. An einem Brunnen. Dem Ort, an dem es um Wasser geht. Die Frau will dort ihren Krug füllen. Die beiden kommen ins Gespräch, unterhalten sich über die Kraft des Wassers. Wasser, da sind sich die Frau und Jesus einig, ist Leben. Aber Wasser steht für mehr. Für die Frage: Wonach habe ich eigentlich Durst? Und bei beiden wird schnell klar: Durst haben, sich sehnen nach, sich etwas wünschen und erhoffen, das tun alle Menschen. Das spürt wohl jede und jeder: Dass es mehr gibt als das, was im Moment da ist. Und so sprechen die Frau am Brunnen und Jesus über diesen Durst, der mit Wasser nicht zu stillen ist. Aber sie sprechen nicht nur. Im Gespräch kommen sie sich näher. Erfahren voneinander, spüren Nähe, bauen eine Beziehung auf. Aus Fremden werden Menschen, die sich verstehen. Danach dürsten viele Menschen. Jesus und die Frau am Brunnen zeigen, wie dieser Durst gestillt werden kann. Durch aufeinander zugehen, durch Zuhören, durch Nachfragen.

 

… Leben schöpfen

Durst ist sicher eines der elementarsten Gefühle. Durst muss befriedigt werden, damit wir überleben. Menschen halten es lange aus ohne Nahrung. Doch ohne zu trinken, wird die Lage schnell lebensbedrohlich. Wenn ich also Durst habe, dann muss ich was trinken.

Was aber, wenn es beim Durst nicht um einen rein körperlichen Mangel geht? Denn wenn ich sage, dass ich Durst habe, dann kann das auch für eine Sehnsucht stehen. Es geht da um emotionale Nahrung. Um das, was für das Leben wichtig ist. Durst nach Beziehung, nach Anerkennung, nach innerer Reife.

Ich sehne mich nach einem Gespräch, nach einer Umarmung, nach einem Schritt nach vorne, danach, dass ich endlich etwas besser kann. Sehnsucht, das ist ein Wort wie für die Fastenzeit gemacht. Die vierzig Tage, die auf Ostern hinführen. Fasten heißt ursprünglich: festhalten. Merkwürdig. Denn beim Fasten will ich ja eigentlich eher was loswerden. Gewicht, Gewohnheiten, alltägliche Süchte wie Rauchen oder Social Media. Doch in der religiös geprägten Fastenzeit geht es um das Festhalten an den Geboten, die für die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern gelten. Das Gebot, kein Fleisch zu essen etwa.

Fasten hat aber auch im übertragenen Sinn mit Festhalten zu tun. Der Gedanke: Nur wer sich an etwas festhält, der kann auch etwas loslassen. Wenn ich mich nach einem echten Gespräch sehne, wenn ich danach Durst habe, dann kann icheinfacher auf die Zeit verzichten, die ich sonst im Internet verbringe. Wenn ich Sehnsucht nach einer gerechteren Welt habe, dann kann ich vielleicht leichter etwas von dem abgeben, was ich habe – aus Solidarität mit anderen Menschen. Wenn ich mich als Mensch verändern will, dann kann ich den ersten Schritt tun, um mich von alten Gewohnheiten zu lösen.

Von dem Theologen Augustinus stammt der Satz: „Der Mensch ist Sehnsucht nach Gott“. Das verweist auf einem wichtigen Punkt: Mit meinen Sehnsüchten schaue ich auf etwas, das ich noch nicht habe. Das außerhalb von mir liegt. Und entdecke so vielleicht eher, was ich festhalten will und was ich loslassen kann. Darum geht es – auch – in der Fastenzeit.

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01MRZ2026
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Für alle, die gerne wandern gehen, habe ich heute einen Tipp: den Wildewasserweg im Stubaital in Österreich. Ein Tipp, bei dem es mir nicht nur ums Wandern geht.


Meine Frau und ich sind unterwegs immer wieder mitten auf dem Wanderweg stehen geblieben – ganz fasziniert von den vielen Wasserfällen, an denen man hier vorbeikommt: Wie in großer Höhe Wasser scheinbar einfach aus dem Stein bricht; das ist echt beeindruckend. Noch viel bemerkenswerter aber fanden wir die kleinen Bächlein, die den Wanderweg kreuzen; plötzlich auftauchen und wieder versickern und an deren Rand auch in großer Höhe kleines Grün wächst. Aber – ich will auch nicht übertrieben romantisch sein – am Ende der Etappe haben wir uns auch einfach auf das gute Essen in der Hütte gefreut.


Jetzt im Blick zurück, merke ich erst: die Wasserfälle und vor allem die kleinen Bächlein haben sich in meiner Erinnerung verändert. Ich sehe das schöne Naturschauspiel vor mir, und gleichzeitig fangen die Bilder an, sich in meinem Kopf mit altvertrauten Gedanken zu verbinden. Und mit alten Texten aus der Bibel. Zum Beispiel in einem Satz, der lautet: „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen.“ (Röm 5,5) Dieser Satz ist mir immer ein wenig blass erschienen. Liebe wie Wasser aus einer Wasserflasche in ein Glas ausgießen? Das ist doch irgendwie ein langweiliges Bild.


Seit der Wanderung in Tirol aber ist dieser Satz für mich sehr kraftvoll geworden. Zum einen, weil so ein Wasserfall mit einer schier unbändigen Kraft den Felsen hinabschießt. So intensiv von Liebe ergriffen zu sein, genauso kraftvoll: Da reißt mich der Wasserstrom mit, dass ich mich meinem Mitmenschen zuwende; ein Ehrenamt übernehme; einen Menschen pflege – das fühlt sich bestimmt an, wie ein großer Liebeswasserfall im Herzen.


Zum anderen, weil die Bächlein einen stetigen Weg durch die karge Felslandschaft nehmen. Man weiß nicht so recht, wo sie überhaupt herkommen, aber an ihren Rändern wachsen überall ein paar Pflanzen, die das Felsgrau aufbrechen. Das hat doch auch mit Liebe zu tun: in schwierigen Zeiten nicht aufzugeben, zu zeigen: hier ist Leben.
So kann ich mit dem Satz „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen“ etwas anfangen. Gottes Liebe als riesiger Wasserfall oder als stetig fließendes Bächlein. Im Grunde hat mir Gott in Tirol eine Predigt auf den Wanderweg geschrieben.
Ich habe vor vier Wochen Kontakt mit einem alten Freund gehabt. Als Kind katholischer Eltern war er lange Teil seiner Ortsgemeinde. Man wird im besten Sinn sagen können: Er war ein typischer, ganz normaler Ehrenamtlicher in der Kirche, der den Laden am Laufen und lebendig hält. Aber klar: Das Engagement hat er mehr von seiner Mutter „geerbt“ als dass er es aus eigenem Antrieb gestartet hätte.
Später hat er natürlich kirchlich geheiratet. Und natürlich hat er mich damals gefragt, ob ich nicht mitmachen könne. Wir würden uns doch lange kennen und ökumenisch fände er schön. Und natürlich habe ich ja gesagt. Obwohl ich damals schon kein gutes Gefühl gehabt hatte – es ist vielleicht anmaßend, aber ich war mir nicht sicher, ob die beiden richtig zusammenpassen würden.


Wie dem auch sei: Nach zwei Kindern und einem Hausbau ging die Ehe in die Brüche. Und mein Freund hat sich danach voller Frust von allen Gemeinschaften zurückgezogen. Keine Hobbys mehr, keine Kirchengemeinde, nur noch Arbeit. Er wurde zu dem grauen Felsen, von dem ich erzählt habe und den ich von der Wanderung in Tirol vor Augen hatte. Mit seinen zwei Kindern hat er manchmal noch etwas unternommen. Aber sonst war nichts Grünes mehr an ihm.
Vor ein paar Monaten habe ich ihn auf einem Polterabend eines gemeinsamen Bekannten getroffen. Er hat wieder geheiratet, ist noch einmal Vater geworden und ich habe ihm angesehen: er grünt und blüht wieder richtig auf. Vor vier Wochen hat mein Freund dann bei mir angerufen: Wir hätten uns doch auf dem Polterabend so nett unterhalten und meine Frau lässt fragen, ob ich die beiden trauen würde. „Aber“, hat er sicherheitshalber lachend hinterhergeschickt, „falls Du wieder ein schlechtes Gefühl hast, sag es mir gleich!“
Habe ich aber nicht. Im Sommer werden beide evangelisch heiraten. Mein Freund sagte noch: Ich war ja skeptisch, aber jetzt so, das dritte Kind getauft, die Hochzeit in Aussicht, da merkt man: Es ist schon gut, dass es so eine Gemeinschaft gibt, zu der man zurückkommen kann. Vor zwei Wochen habe ich zufällig seine Exfrau getroffen. Sie ist glücklich verheiratet. Die beiden Kinder sind abwechselnd bei den Eltern. Und sie sagt: Sie ist dankbar.


Für mich ist das eine totale Geschichte von den Gebirgsbächlein, die einfach da sind, und man weiß nicht woher. Die treu ihren Weg durchs Gestein nehmen und dafür sorgen, dass an unerwarteter Stelle wieder etwas grünen und blühen kann. Dass zwei Menschen an ihrer ersten Ehe gescheitert sind, ist trotzdem bitter. Aber fort waren die Bächlein und Wasserfälle der Liebe nicht. Sie haben sich ihren Weg gebahnt. Mein Freund ist kein grauer Fels geblieben, sondern blüht wieder. Ich freue mich sehr, sehr für ihn. Und ich freue mich auf die Trauung im Sommer.
Ich sag mal: Vielen Dank, lieber Gott, für Deine Predigt auf dem Wanderweg. So kann ich mit den Versen über Deine Liebe, die in uns ausgegossen ist, wirklich was anfangen.


Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche.

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22FEB2026
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Ich kann mich noch gut an die Fastenzeiten meiner Kindheit erinnern. Ich habe es mir damals schon von meiner Mutter abgeschaut, ganz gewissenhaft auf Süßigkeiten zu verzichten. Dabei bin ich gar nicht so streng religiös aufgewachsen. Einmal habe ich an einem Fastensonntag beim Bäcker einen Lutscher geschenkt bekommen. Den habe ich den ganzen Rückweg über vor mir hergetragen. Und nur zwischendurch einmal mit der Zunge probiert, wie er schmeckt.

Was ich als Kind konnte, ist mir später viel schwerer gefallen, und ich habe es gelassen. Bis ich dann viele Jahre später begonnen habe, mich intensiv mit meinem Glauben und religiösen Praktiken zu beschäftigen. Und zwar erstmal 150%ig. In der Fastenzeit hieß das für mich: kein Fleisch, keine Süßigkeiten, keinen Alkohol. Dann habe ich zusätzlich damit begonnen, mittwochs einen Obsttag einzulegen und freitags überhaupt nichts zu essen. Ich war ganz stolz, dass ich das durchhalten konnte. Es wurde wie ein Sport für mich. Ein positiver Nebeneffekt: Ich habe nach so einem Fastentag auch Kleinigkeiten, wie etwa eine trockene Scheibe Brot, ganz anders und neu genießen können. Bissen für Bissen.

Doch am Ende dieser Zeit habe ich gespürt: Ich habe mir selbst geschadet mit diesem strengen Programm. Und war am Osterfest, auf das diese Zeit doch eigentlich vorbereiten soll, ziemlich geschwächt.

Und so habe ich angefangen, tiefer nachzudenken: Wozu fasten Menschen eigentlich? Mir war schnell klar: Zwei Dinge wollte ich nicht mehr. Es sollte kein Hochleistungsprogramm sein, das mir schadet. Und ich wollte es auch nicht aus blindem Gehorsam gegenüber kirchlichen Regeln tun, die ich noch nicht verstanden hatte. Ich war auf der Suche nach Inhalt, nach einem tieferen Sinn

Beim Nachdenken darüber, welchen Sinn Fasten und Verzichten haben, ist mir die Begegnung mit einer Freundin eingefallen. Eva stand lange Zeit vor der Entscheidung, ob sie sich einer Ordensgemeinschaft anschließen oder doch lieber in Partnerschaft leben sollte. Wir haben viel darüber gesprochen, sie hat hin- und herüberlegt. Und auf einmal sagte sie: „Egal, wofür ich mich entscheide: Es ist immer auch eine Entscheidung gegen das andere!“

Mir ist klar geworden: Im Grunde steht hinter jeder Entscheidung, die ich in meinem Leben treffe, ein Verzicht. Im Kleinen wie im Großen. Soll ich heute zu der Party gehen oder mir mal einen ruhigen und entspannten Abend gönnen? Soll ich mich für eine Ausbildung zur Bankkauffrau entscheiden oder doch lieber in einer Apotheke lernen? Entscheide ich mich für eine Sache, muss ich auf anderes verzichten. Und so ist es im Grunde etwas ganz Alltägliches zu fasten.

Nur: Wie kann ich herausfinden, was ich tun soll und worauf besser verzichten? Wie kann ich gute Entscheidungen treffen? Der heilige Ignatius von Loyola war ein Entscheidungs-Experte. Er geht davon aus: Als Gott mich geschaffen hat, hat er meine Sehnsüchte und Begabungen tief in mich hineingelegt. Und da, in meiner Tiefe, kann ich sie mit seiner Hilfe finden und erkennen. Wenn Ignatius vor einer Entscheidung stand, hat er sich alle Alternativen jeweils eine Zeitlang vorgestellt. Mit allen Konsequenzen. Und dabei in sich hineingehört: Was bewegt sich in mir, wenn ich mir vorstelle, dass ich diese oder jene Entscheidung getroffen hätte?

Eva hat es ähnlich gemacht. Sie hat nicht nur nachgedacht, sondern sich beide Alternativen gründlich vorgestellt und nachgespürt, was das in ihr auslöst. Die Vorstellung, auf Dauer in der Gemeinschaft zu leben, hat sie unruhig gemacht. Weil sie immer gespürt hat, da ist etwas anderes, das sie eigentlich leben will. Bei der anderen Vorstellung hat sie einen tiefen Frieden in sich gespürt. Und so konnte sie sich gegen das eine und für das andere entscheiden.

Für die Fastenzeit nehme ich mir mit: Viel wichtiger als das Verzichten selbst ist das, wofür mich dieses Verzichten frei macht. Manchmal verselbständigen sich Dinge in meinem Leben so sehr, dass ich gar nicht mehr merke, dass ich mich auch anders entscheiden könnte. Dann bin ich nicht mehr frei. Und so habe ich angefangen, mir jedes Jahr zu Beginn der Fastenzeit Ruhe zum Nachspüren zu gönnen und mich ehrlich zu fragen: Was hält mich in meinem Alltag eigentlich gefangen? Was nimmt viel zu viel Zeit und Energie in Anspruch, die ich lieber für etwas anderes nutzen würde? Ich merke z. B., wie mich der ständige Blick auf mein Handy manchmal regelrecht aufsaugt. Die Zeit, die dabei draufgeht, möchte ich in dieser Fastenzeit lieber dafür nutzen, Freunde real zu treffen. Oder in die Natur hinauszugehen.

Wenn ich so für ein paar Wochen frei werde von Dingen, die mich von anderem abhalten, dann merke ich: Ich kann aufatmen. Ich spüre, dass ich darin meinen Sehnsüchten näherkomme, dass ich mehr Frieden in mir finde. Und damit auch Gott näherkomme und dem, was er in mich hineingelegt hat. Und mir ist klar geworden: Die besten Vorsätze für die Fastenzeit sind die, die ich auch nach Ostern noch beibehalten möchte.

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15FEB2026
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Morgen ist ja wieder Rosenmontag. Mir als evangelischem Gewächs von der schwäbischen Alb liegt Fasching oder Fasenacht ja nicht so im Blut.  Aber immerhin – als junge Frau bin ich einmal bei einem Rosenmontagszug live dabei gewesen. In Mainz, als ich dort studiert habe. Ich bin damals also extra hin, und bin mir vorgekommen, als wäre ich auf einem fremden Planeten gelandet: überall schrille Kostüme, bemalte Gesichter, Perücken. Es war ein unglaublich buntes, aber auch lautes Gedränge, die ganze Umzugsstrecke entlang. Und vom Umzug selbst, von den Musikgruppen und den Motivwagen habe ich kaum was gesehen. Aber egal. Es war toll, dabei zu sein. Und trotzdem habe ich mich eher an den Rand des Geschehens zurückgezogen. Und bin hier, am Rand, auf noch mehr Menschen gestoßen, die nicht so recht dazu gehört haben, zu dem bunten Treiben – genau wie ich.

Ich habe da eine Frau gesehen, ohne Kostüm ganz alltäglich angezogen, die - am Umzug vorbei – wahrscheinlich nur zum Einkaufen wollte. Ein paar Gestalten haben friedlich an einer Hauswand gehockt – wahrscheinlich, weil sie schon etwas zu viel Alkohol intus hatten. Und an der nächsten Straßenkreuzung habe ich Sanitäter mit ihrem Einsatzwagen vom Roten Kreuz gesehen – bereit um zu helfen, falls sich jemand verletzt…

Jedes Jahr am Rosenmontag muss ich daran denken, an den großen Trubel mitten in der Stadt, auf den sich alle schon lange gefreut hatten, und an mich und die anderen Randfiguren, auf die weiter niemand geachtet hat.

Rosenmontag morgen, dann Faschingsdienstag und am Aschermittwoch ist dann alles vorbei. Und die Passionszeit, die Fastenzeit beginnt: die Zeit im Kirchenjahr, in der wir Christen über die letzten Wochen im Leben von Jesus Christus nachdenken. Für uns eine eher stille und gedämpfte Zeit, und ich finde den harten Wechsel sehr passend: vom bunten Treiben zur stillen Nachdenklichkeit. Weil es im Leben von Jesus genauso gewesen ist. Die Bibel erzählt davon: wie er von seinen Landsleuten eben noch gefeiert wurde als lang ersehnter Retter und Gesandter Gottes – und wie er im nächsten Moment angefeindet worden ist, unter einem Vorwand gefangen genommen wurde, verurteilt wurde und sogar hingerichtet worden ist. Wie es so weit kommen konnte, das ist es schon wert, dass man darüber nachdenkt.

In vielen evangelischen Gottesdiensten heute geht es deshalb um folgende Biblische Geschichte. Jesus ist unterwegs nach Jerusalem, dem damalige Zentrum der Macht. Er weiß genau, dass er sich dort seinen Feinden stellen muss. Und dass seine Anhänger das von ihm erwarten. Der Erwartungsdruck ist also groß, und mehr und mehr Menschen begleiten ihn und seine 12 Jünger. Ein richtiger Umzug entsteht, in Richtung Jerusalem.

Bei Jericho kommen sie an einem Mann vorbei, der abseits und eher am Rande bleibt. Er ist blind, eine Randfigur, auf die niemand weiter achtet. Aber der Blinde erfährt, dass es Jesus ist, der gerade vorbei kommt, und er fängt an zu rufen und zu schreien: Jesus, du Sohn Davids, erbarme Dich meiner! Und wird prompt angefahren, dass er den Mund halten solle. Schließlich ist er nur eine Randfigur. Der Zug um Jesus herum ist jetzt einfach wichtiger.

Ich finde, die Erzählung passt heute genau: kurz vor den Umzügen am Rosenmontag und kurz darauf dem Aschermittwoch. Weil in ihr irgendwie beides steckt: Jubel und buntes Treiben rund um Jesus auf seinem Weg – und gleichzeitig seine Reaktion darauf. Denn Jesus hört den Blinden Mann am Rande. Und unterbricht seinen umjubelten Weg. Er geht hin zu dem Menschen am Wegesrand. Zu dem, der mit dem ganzen Trubel gar nichts zu tun hat – und sich nichts von der Ankunft Jesu in Jerusalem erwartet. Und nicht gespannt ist auf das, was dort passieren wird.

Stattdessen fragt ihn Jesus: „Was erwartest Du von mir?“ „Dass Du mich gesund machst und ich wieder sehen kann.“ Da sagte Jesus zu ihm: „Sieh wieder! Dein Glaube hat dich gerettet.“

Im Leben von Jesus hat es beides gegeben: Den Jubel und unmittelbar danach den harten Bruch: Anfeindungen, Verleumdung und so großer Hass, dass er in Jerusalem sogar am Kreuz hingerichtet worden ist. Warum? Weil Jesus seine Mitmenschen erreichen wollte – die, die ihm gefolgt sind auf seinem Weg genauso wie die am Rande. Weil er beides nur auf sich genommen hat, um den Menschen Gott nahe zu bringen. Und ihn ihnen den Glauben zu wecken, dass Gott gnädig ist und auch die sieht und hört, die am Rande sind – abseits des buten Trubels.

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08FEB2026
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Endlich werden die Tage so ganz langsam wieder länger. Während sie jetzt die Sonntagsgedanken hören, geht überall in Deutschland die Sonne auf. In der dunklen Jahreszeit habe ich früher den Kindern in der Grundschule eine Geschichte aus den Philippinen erzählt. Ich hatte dann immer eine Kiste mit Stroh und eine Kerze dabei. So gut kann ich mich daran erinnern. Die Kinder noch etwas müde in der ersten Stunde und doch ganz präsent im Stuhlkreis. Draußen war es noch dunkel. Und drinnen im Klassensaal auch nur wenig Licht.

Die Geschichte war schnell erzählt:

Ein König hatte zwei Söhne. Als er alt wurde, wollte er einen der beiden zu seinem Nachfolger einsetzen. Er gab jedem der beiden Söhne fünf Silberstücke und sagte: "Geht und füllt die Halle unseres Schlosses. Was ihr für das Geld besorgt, um damit die Schlosshalle zu füllen, das ist eure Sache!" Da ging der älteste Sohn hin und brachte trockenes Stroh in die Halle und füllte sie damit bis oben hin.

An der Stelle habe ich immer die Kiste mit dem Stroh geöffnet, sie den Kindern gezeigt und dann die Geschichte weiter erzählt.

Bald darauf kam auch der Jüngere. Er ließ all das Stroh aus der Halle entfernen, stellte mitten in die große Halle eine Kerze und zündete sie an. Ihr Schein füllte den Raum bis in den letzten Winkel. Da sagte der König zu ihm: "Du sollst mein Nachfolger sein. Denn du hast die Halle nicht mit nutzlosem Stroh gefüllt, sondern mit dem, was die Menschen brauchen, dem lebendigen Licht!“

Jetzt habe ich die Kerze entzündet und sie in die Mitte vom morgendlichen Stuhlkreis gestellt. Unvergessen bleiben mir die Gesichter der Kinder. Vom Glanz der Kerze erhellt. Meistens war es dann einen Moment lang still und wir schauten uns nur an.

Ihr seid das Licht der Welt , sagte Jesus vor 2000 Jahren zu den  Menschen, die ihm nachfolgten. Und "Kinder des Lichts" nannten die Christen und Christinnen sich selbst voller Überzeugung in den ersten Jahrhunderten. Licht in die Welt bringen. Bin ich  wirklich so eine Lichtgestalt, von der Jesus spricht? Mit was fülle ich meine Lebensräume. Mit nutzlosem Zeug wie dem Stroh in der Geschichte aus den Philippinen?  Oder mit Licht, das den Menschen an meiner Seite gut tut?

 

Mit was also fülle ich meine Lebensräume? Ein Text aus der Bibel, der im katholischen Sonntagsgottesdienst vorgelesen wird, erinnert heute daran:

„Ihr seid das Licht der Welt. Es ist unmöglich, dass eine Stadt, die oben auf einem Berg liegt, verborgen bleibt. Man läßt auch nicht eine Lampe brennen und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter, so wird sie allen im Haus leuchten. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, dass sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ 

Vor Tagen besuchte ich eine hochbetagte Frau im Krankenhaus. Es war ein heller Tag. Das Sonnenlicht flutete buchstäblich ihr Krankenbett. Mehr noch. Ihr Gesicht leuchtete im Glanz der Sonne. Hochbetagt, mit vielen Falten. Sie erzählte voller Dankbarkeit aus ihrem Leben. Von ihrer großen Liebe. Ihren Kindern. Enkeln und Urenkeln. Ihr Leben war nicht immer schön. Es war viel Schweres dabei. Der Krieg. Die Flucht. Das Kind, dem sie ins Grab nachschauen musste. Doch eines war immer, sagte sie mir mit feuchten Augen: Das Gefühl getragen zu sein. Von guten Menschen und mehr noch vom treuen Gott. Ich schwieg nur. So wie damals die Kinder meiner Grundschulklasse im Morgenkreis.

Ich gebe zu, in mir ist es oft auch finster. So viel gibt es da, was mein Leben schwer macht. All die Enttäuschungen. Schicksalsschläge. Angst und Sorgen, wenn ich an meine und die Zukunft meiner Kinder denke. „In meine  Finsternis, meine dunkle kleine Welt, gibt Gott einen Hoffnungsschimmer“. So sagen es Menschen, die sich Gott anvertrauen. Die Geschichte aus den Philippinen vom König und seinen zwei Söhnen erinnert mich daran, welche Kraft der Schein einer Kerze haben kann.

Der Theologe und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer verfasste zu Weihnachten 1943 im Angesicht seines gewaltsamen Todes ein Gebet für seine Mitgefangenen. Sein Gebet ruft zu einem Blickwechsel auf, weg von den schlechten Gedanken und hin zu dem, was gut tut. Licht zu sehen und Licht zu bringen. Sich in Krisenzeiten daran zu erinnern, was man alles an Gutem im Leben schon erfahren hat. Was mir früher schon einmal geholfen hat, und wie reich mein Leben oft ist. Sein Gebet gibt mir Kraft:

Gott, zu dir rufe ich am frühen Morgen, hilf mir beten und meine Gedanken zu sammeln.
In mir ist es finster, aber bei dir ist Licht. Ich bin kleinmütig, aber bei dir ist Hilfe.
Ich bin unruhig, aber bei dir ist Frieden. In mir ist Bitterkeit, aber bei dir ist Geduld.
Ich verstehe deine Wege nicht, aber du weißt den rechten Weg für mich.

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01FEB2026
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„Wer wohl in fünf Wochen bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg gewinnen wird? Und neuer Ministerpräsident wird?“ Mit der Frage lässt sich gerade ganz wunderbar ein Gespräch anfangen, habe ich festgestellt. Zum Beispiel, wenn mir irgendwo eine Bekannte begegnet oder sogar, wenn ich beim Spaziergang mit meinem Hund auf andere Hundebesitzer treffe. Das Thema ist allgegenwärtig: Die Wahlplakate am Straßenrand werden gerade immer mehr. Sie werden auch immer größer und präsentieren die Kandidaten fürs Ministerpräsidentenamt – den nächsten „starken Mann“ fürs Länd’le. In Rheinland-Pfalz sieht es wahrscheinlich ganz ähnlich aus, weil hier zwei Wochen später ja auch Landtagswahl ist.

Bisher bin ich mit meiner Frage allerdings eher auf resigniertes Achselzucken gestoßen – wenn’s gut läuft. Wenn‘s weniger gut läuft, dann fängt mein Gegenüber zu schimpfen an: Über „die da oben“ und dass von denen doch eh keiner was zu Wege bringt: die Grünen, die CDU, die SPD… Alles das gleiche. AfD -  auch nur nervig... usw. „Aha“ denke ich mir dann, „offensichtlich kein starker Mann in Sicht.“ In dieser Ratlosigkeit spüre ich aber auch, dass sich viele Leute nach so jemandem sehen: nach jemandem, der einem wenigstens das Gefühl vermittelt, er hätte neue, frische und klare Ideen - und könnte sie auch alle durchsetzen.

Das ist ja nicht nur in der Politik so. Und auch ich würde gerne mal jemandem einfach hinterherlaufen – auch bei ganz banalen und nebensächlichen Dingen. Zum Beispiel wenn mir jemand verspricht: „Mach genau diese Diät, und Du wirst mühelos wieder in deine Lieblingshose passen – ohne zu Hungern natürlich….“ Oder in Blick auf meine Arbeit als Pfarrerin und die Zukunft meiner Kirche: Da wäre es schon toll, wenneiner garantieren könnte: „Genau so muss man einen Gottesdienst machen, und schon sind sonntags die Kirchenbänke wieder voll.“  Das wäre schön – ist aber nun mal völlig unrealistisch! Für nichts auf der Welt gibt es das EINE Rezept oder den EINEN starken Mann, der alles im Griff hat und den einen richtigen Weg kennt. Bei meinen Alltagsproblemen nicht, und wenn es um Macht und Politik geht, schon gar nicht. Da kann die Sehnsucht nach einem starken Herrscher an der Spitze sogar richtig gefährlich werden.

Wenn ich nur an Putin in Russland denke oder an Donald Trump, wie er sich in den USA aufführt und im Rest der Welt gleich mit... Solche Anführer sind brandgefährlich. Und um ihnen etwas entgegenzusetzen, braucht es viel Kraft. Kraft, die auch aus dem christlichen Glauben kommen kann.

Es ist eben noch nie etwas Gutes dabei herausgekommen, wenn Menschen bereit sind, irgendeinem Anführer bedingungslos hinterher zu laufen. Auch nicht in biblischen Zeiten zur Zeit des römischen Reiches. Damals hat der römische Kaiser sich für den einen „starken Mann“ gehalten, hat sich verehren lassen wie ein Gott und hat sich zum Maß aller Dinge erklärt. Aber damit ist er in den ersten Christlichen Gemeinden auf Widerstand gestoßen. Überall im Reich sind die damals entstanden. Und für ihre Mitglieder war klar: Das Maß aller Dinge ist allein Jesus Christus. Und dass sich selbst der Kaiser an Christus messen lassen muss – weil er ein Mensch ist, wie jeder andere auch.

Das ist der Maßstab, der für uns Christen bis heute gilt. Und wenn wir den an die Herrscher unserer Tage anlegen, dann bringt das Klarheit, denke ich: ob sie am Boden geblieben sind, Mensch geblieben sind – oder ob sie sich einfach „gottgleich“ durchsetzen wollen.

In vielen evangelischen Gottesdiensten ist heute ein Text aus dem Buch der Offenbarung, der Apokalypse zu hören, der damals bei den Christen in Umlauf gewesen sein muss. In diesem biblischen Buch schildert der Verfasser Johannes eine Vision von Jesus Christus. Er sieht ihn auf seinem himmlischen Thron sitzen. Und Jesus sagt dort von sich : „Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“

Den ersten Christen hat das Kraft gegeben. Für sie war klar: Der Kaiser ist auch nur ein Mensch. Wie jeder Herrscher und wie jede Regierung – damals und heute. Und steht wie alle anderen auch vor dem Thron von Jesus Christus. Dem einzigen und wahren Maß aller Dinge.

Ein Gedanke, der auch für die Landtagswahlen bei uns gut passt, finde ich: Weil er hilft zu verstehen, warum Demokratie keine „Heilsbringer“ kennt. Stattdessen tragen in einer Demokratie alle die Verantwortung auf der Suche nach einem „starken Mann“ oder einer „starken Frau“. Stark darf eine Regierung ja ruhig sein. Bloß bitte nicht allmächtig.

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25JAN2026
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Beten wärmt. Und das ganz praktisch: von den Knien her. Das zumindest haben früher die Mönche in St. Peter im Schwarzwald erlebt. Sie haben sich früh morgens in der kalten Kirche getroffen, um zu beten. Die Kniebänke hatten einen besonderen Kniff: es waren leere Kästen aus Holz, in die heiße Steine gelegt worden sind. Wer sich also hingekniet hat, um mit Gott zu sprechen, hat gespürt, dass ihm warm wird. Das war zum einen ganz praktisch; als Heizung. Zum anderen haben die Mönche dadurch gespürt, wie gut es tun kann, sich Gott zuzuwenden.

Dass dem so ist, erlebt auch Ester. Ester ist eine junge Frau, etwa 15 oder 16 Jahre alt. Sie ist Jüdin und lebt um 500 vor Christus im Perserreich. Als der König eine neue Frau sucht, zwingt er alle zu einem Wettbewerb. Die schöne Ester gewinnt und der König macht sie zu seiner Hauptfrau. Sie verschweigt ihm aber ihre Religion, denn die Juden sind den Persern unheimlich. Sie haben eigene Bräuche und huldigen nur ihrem Gott, Jahwe, nicht etwa den Persern. Das stößt vor allem dem hohen Beamten Haman auf, der die Juden deshalb ausrotten will. Als Ester davon hört, steht sie plötzlich vor einem Problem: Soll sie dem Gemetzel tatenlos zusehen und ihr Volk hängen lassen? Oder soll sie zum König gehen und ihm ins Gewissen reden? Das aber kann ihr Leben kosten, denn wer ungefragt vor den König tritt, kann mit dem Tod bestraft werden – selbst seine Frau.

Ester weiß nicht weiter. Sie hat Angst und ist verzweifelt. Aber genau hier kommt ins Spiel, was die Mönche in St. Peter kennengelernt haben: beten wärmt, tut gut und hilft weiter. Ester wendet sich an Gott. Sie spricht mit ihm und vertraut darauf, dass er ihr einen Weg zeigt. Das stärkt sie. Sie geht zum König, riskiert alles und hat Erfolg: er verzeiht ihr ihr dreistes Auftreten, bestraft Haman und lässt am Ende die Juden leben.

Das Gebet der Ester ist wenig bekannt. Der ökumenische Bibelsonntag heute greift es deshalb auf. Er erinnert daran, wie wichtig beten sein kann: Weil Ester betet, erkennt sie, warum ihr Leben so verläuft, wie es verläuft, warum sie den Wettbewerb gewinnen und Hauptfrau des Königs werden sollte. Und weil sie betet, bekommt sie Sicherheit, im richtigen Moment den Mund aufzumachen.

Das klingt großartig. Und doch irgendwie zu schön. Ich hätte da noch Fragen! Heißt das etwa, dass Gott mir meinen Weg vorgibt, und ich den Plan dahinter im Gebet erkennen kann? Und wie betet Ester eigentlich? Formuliert sie Wünsche, die Gott erfüllt? Das wäre seltsam, denn bei mir klappt das nie ...

 

In meinen Sonntagsgedanken habe ich eben die Geschichte von Ester erzählt. Die Frau des Perserkönigs betet zu Gott und erkennt dadurch, was sie tun soll. Wie funktioniert das?

Ester spricht Gott gegenüber durchaus ihre Wünsche aus: „Gott, lass die Pläne unserer Feinde nicht aufgehen. Rette uns!“ Diese Wünsche sind aber nur ein kleiner Teil ihres Gebets und wenig konkret. Ester betet nicht: „Lass Haman, den Wortführer der Perser, tot umfallen.“ Sie weiß: Gott lässt sich auf so was nicht ein. Wer schon mal gebetet hat, kann das bestätigen: Gott schenkt nicht einfach gute Schulnoten, weil ich das will. Er besorgt mir auch nicht den Job, den ich gerne hätte, oder heilt meine Krankheiten. Ich denke, Gott nimmt mich in die Verantwortung: ich muss selber anpacken, mein Leben in die Hand nehmen und Dinge tun oder lassen. Mal habe ich dabei mehr Spielraum, mal weniger – gerade bei Krankheiten zum Beispiel.

Ester denkt wohl ähnlich und betet anders. Sie erinnert sich zunächst an das zurück, was sie über Gott weiß: er ist gerecht, hat seinem Volk versprochen, es immer zu begleiten, und er lässt jedem Handlungsspielraum. Ester erzählt Gott dann, was gerade passiert, also wie die Juden verfolgt werden und wer die Fäden in der Hand hält. Sie überlegt auch, wie es wäre, wenn die Juden ausgelöscht würden. Sie redet zudem über sich: Wie sie an den Hof des Königs kam, was sie erlebt hat, und was ihr wichtig war und ist. Ich denke, weil Ester das alles ausspricht, sortiert es sich für sie.

Das kenne ich auch: wenn ich von dem erzähle, was bei mir gerade los ist, erscheint es oft in einem anderen Licht. Ich erkenne dann, was die nächsten Schritte sind, Priorität hat oder was ich in einer Situation tun könnte oder müsste. Ester merkt so, dass nur sie in der Lage ist, etwas für die Juden zu tun. Sie erkennt, dass nur sie den König davon abhalten kann, die Juden umzubringen. Und das tut sie dann auch – obwohl es für sie gefährlich ist.

Ester geht es also nicht darum, dass Gott ihre Wünsche erfüllt. Sie stellt das, was sie erlebt, in einen größeren Horizont. Dadurch kann sie ihre Lebensgeschichte deuten und auf den Punkt bringen, was sie jetzt braucht, um die nächsten Schritte zu gehen. Ich glaube, für Ester ist Gott dabei so etwas wie die beste Freundin, die einfach da ist und zuhört. Sie macht keine großen Worte, aber sie vermittelt das Gefühl: „Du schaffst das. Ich kenn dich, weiß, was du erlebt hast, und ich glaube an dich. Ich bin bei dir. Du weißt, was du zu tun hast. Also leg los!“

Ester legt los – und schreibt Geschichte. Mir gefällt der Gedanke, dass auch ich mein Leben mit Gott besprechen darf. Dass er nicht mein ganzes Leben vorherbestimmt hat, aber dass ich mit ihm auf mein Leben schauen und dann besser deuten kann, was ich erlebt habe, und warum gerade ich hier und jetzt stehe und gefragt bin, etwas zu tun. Ich werde dadurch kein Volk retten. Aber vielleicht gibt es Situationen, wo ich etwas zum Guten wenden kann, eben weil gerade ich an meiner Stelle bin und kein anderer: als Ehemann, Chefin, Nachbarin oder Freund. Ich – und natürlich auch Sie alle.

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18JAN2026
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Vor ein paar Wochen habe ich mit ein paar älteren Herrschaften zusammengesessen – alle Mitte, Ende 80. Ich habe ihnen zugehört, wie sie sich über ihr Weihnachtsfest unterhalten haben. Ein Herr hat erzählt, wie seine Kinder und Enkel zu Besuch waren. Die hatten viel Leben und Unruhe mitgebracht. „Gab es denn keine Konflikte?“, hat eine der Damen am Tisch gefragt. Der Mann hat geschmunzelt.
„Ich muss mich ja nicht mit ihnen streiten“, hat er geantwortet. „Dazu gehören immer zwei.“

Ich habe sein weises, vergnügtes Lächeln bewundert. Und einige Minuten später erlebt, wie er mit seinem gleichalten Nachbarn in eine politische Diskussion geraten ist. Den hat er keineswegs einfach gelassen! Da hat er deutlich widersprochen. Und hat seinem Nachbarn unter die Nase gerieben, wo der sich selbst widersprochen hat. Es war kein richtiger Streit. Dafür kannten die beiden sich bestimmt zu gut. Aber der Herr, der als Vater und Großvater so großzügig und weise reagiert hat – der hat hier nichts anbrennen lassen!

Nun: bei der politischen Diskussion mit seinem Altersgenossen, da ging es um gemeinsame Lebenserfahrungen, aus denen beide ganz unterschiedliche Schlüsse für die Zukunft ziehen. Aber bei den jungen Leuten in seiner Familie, da hat er sich vielleicht gedacht: Lass die mal machen. Sie müssen es leben, ich nicht mehr. So lange ich kann, stehe ich ihnen zur Verfügung, auch mit meinem Rat, wenn der gefragt ist. Aber die Jungen müssen doch ihre eigenen Erfahrungen machen! Ihre eigenen Fehler. So wie wir Alte sie doch auch gemacht haben. Und die vor uns.

Dass der alte Herr seinem Tischnachbarn so klar widersprochen hat, zeigt mir: Dem ist keineswegs alles egal! Aber gerade deshalb will er seinen Kindern und Enkeln auch Platz lassen. Raum geben, für einen vielleicht ganz neuen Weg. Und nimmt sich deshalb gern auch mal zurück.

Ja, so würde ich es auch gerne machen! Platz lassen. Die Jüngeren sich entwickeln lassen. Sie auch ihre Fehler machen lassen. Da sein, wenn ich gebraucht werde. Aber mich nicht ständig ungefragt einmischen und andere auf meine Ansicht festlegen. Ich bin alt genug, um solche Weisheit ruhig zu üben!

Jesus hat einmal gesagt: Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist. Aber das heißt nicht, dass wir perfekt sein sollen. Ohne Fehler. Gott macht es nämlich ganz anders. Eher so wie dieser kluge alte Herr. Gott lässt uns Platz. Sonst gäbe es ja nur Gott.

So hat es ein weiser jüdischer Rabbi vor etwa 450 Jahren gelehrt. Und diese Lehre hat einen Namen, den ich mir gut merken kann: Zimzum!

Zimzum – das heißt auf Deutsch so viel wie: Zusammenziehen. Der große jüdische Weise Isaak Luria hat seine Schüler gelehrt, dass so die Welt entstanden wäre. Gott hätte einfach Platz gemacht. Platz für etwas anderes, für andere – Raum für die Schöpfung und für die Menschen. Dafür hätte Gott sich zusammengezogen. Sich ganz in sich zurückgezogen. Damit Platz da war. Ein bisschen so, wie eine Frau ein Kind auf die Welt bringt.

Unsere Kinder und Enkel sind anders als wir. So wie wir schon anders waren als unsere Eltern und Großeltern. Und das kann man immer weiter zurückverfolgen. Bis zu Gott selbst. Wir Menschen sind anders als Gott. Genau darum gibt es uns. Zimzum.

Doch nun hat Jesus ja gesagt, wir sollen vollkommen sein, wie unser himmlischer Vater vollkommen ist. Aber das Vollkommenste, das Gott gemacht hat – so diese wunderbare alte Lehre – das war, dass Gott Platz für uns gemacht hat.

Vollkommen sein wie Gott. Oder wie Jesus es selbst in der Tora lesen konnte, dem wichtigsten Teil der jüdischen Bibel, die auch Teil der christlichen Bibel ist: „Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der HERR, euer Gott.“

Heilig. Vollkommen. Wie Gott. Wie Gott, der sich zurückzieht und anderen Platz lässt. Zimzum.
Das will ich üben. Mich einfach mal zurückhalten und Raum lassen für andere. Für Neues. Für das, was erst noch werden soll. So kann ich Gott nacheifern. Wie wunderbar – und wie weise!

Ich übe, Platz zu lassen. Aufmerksam zu hören und zu schauen, was dran ist. Die Welt gehört doch Gott. Also soll Gott seine Freude daran haben! Ich mache das so gut, wie ich es kann. Und schaue immer wieder nach den Älteren und ebenso auch nach den Jüngeren. Damit ich lernen kann. Ich habe von dem alten Herrn gelernt, dem ich neulich begegnet bin. Und ich bin sicher, seine Enkel haben auch von ihm gelernt. Raum genug haben sie dafür ja gehabt!

Ja, ich übe Zimzum. Ich übe heilig sein und vollkommen sein. Da ist noch sehr viel Luft nach oben. Aber heute habe ich viel Zeit zum Üben!

Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen Christian Hartung aus Kirchberg im Hunsrück von der evangelischen Kirche!

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11JAN2026
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„Mit großer Freude nimmt dich die Kirche in ihre Mitte auf.“ Jedes Mal, wenn ein Mensch getauft wird, wird dieser Satz gesprochen. Die christliche Taufe ist das Sakrament (das Ritual), mit dem ein Mensch feierlich in die Gemeinschaft der Christinnen und Christen aufgenommen wird. In der Regel als kleines Kind. Doch besonders beeindruckend ist es für mich, wenn ein erwachsener Mensch getauft wird. Vor etlichen Jahren durfte ich eine junge Frau begleiten, die sich taufen lassen wollte. Als sie Kind war, hatten ihre Eltern das nicht gewollt. Später ist sie dann Christinnen und Christen begegnet, die sei beeindruckt haben. Und sie wünschte sich, selbst Teil dieser großen Gemeinschaft zu werden. An dem Morgen, als es so weit war, saß sie in ihrem hellen Kleid ganz vorne im sonntäglichen Gottesdienst. Ein bisschen Spannung stand auf ihrem Gesicht. Als sie dann getauft war und alle Gottesdienstbesucher applaudierten, da strahlte sie. Dieses Strahlen in ihren Augen, das habe ich seitdem nie mehr vergessen.

Ich sehe es wieder vor mir, wenn ich den Text höre, der heute in den katholischen Kirchen gelesen wird. Heute feiert die Kirche nämlich das Fest der Taufe Jesu. Weihnachten liegt hinter uns und die Kirche macht einen großen Sprung. Vom Kind in der Krippe zum erwachsenen Jesus. Erzählt wird, wie Jesus zum Jordan hinuntergeht. Dort am Ufer steht der Täufer Johannes und tauft die Leute im Wasser des Flusses. Zu Gott umkehren sollen sie, sagt er ihnen. Das Schlechte hinter sich lassen. Bessere Menschen werden. Dann ist Jesus an der Reihe. Was nun geschieht, das beschreibt die Bibel so: Da öffnete sich der Himmel und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen. Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.

Wenn ich heute versuche, mir die Szene bildlich vorzustellen, dann sehe ich die Menschenschlange am Ufer stehen. Auch Jesus hat sich eingereiht. Einer nach dem anderen wird von Johannes getauft. Doch das, was sich wie ein großes Spektakel anhört, ein offener Himmel, eine Stimme, die herunterdröhnt, das scheint sonst keiner mitbekommen zu haben. Auch ich kann es mir nur schwer vorstellen. Jesus allerdings sieht den geöffneten Himmel, hört die Stimme, die ihn persönlich anspricht. Eine Geschichte, die regelrecht phantastisch klingt. Aber erzählt das Bild auch etwas über die Taufe der jungen Frau? Damals, an jenem Sonntagmorgen in unserer Kirche?

 

Kirche sei der Ort, an dem der Himmel offen ist. So hieß es mal in einem Zeitungsartikel. Sicher ein gewagter Satz, angesichts all der Schuld, die manche Kirchenleute auf sich geladen haben. Ihre Taten sind durch nichts zu rechtfertigen. Den Satz mag ich dennoch. Weil er beschreibt, was Kirche eben auch ist und was sie im besten Fall sein kann. Nicht nur ein, sondern sogar ganz viele Orte, an denen der Himmel offen ist. Segensorte. Sie können überall zu finden sein. Da ist das Übernachtungsheim für Obdachlose. Menschen, die im Leben gestrauchelt und auf der Straße gelandet sind, finden ein offenes Ohr, ein warmes Essen, eine Dusche. Dazu auch ein Bett und eine Waschmaschine für die paar Kleider, die sie noch haben. Da ist die Familienberatungsstelle der Caritas. Eltern und Kinder, zwischen denen es nicht rund läuft und die nicht mehr weiterwissen, begegnen Menschen, die ihnen zuhören. Und wenn’s klappt, dann finden sie gemeinsam einen Weg, wie es für die Familie weitergehen kann. Da ist der Chor, in dem Alte und Junge jede Woche zusammenkommen und singen. Sie begegnen sich, erleben etwas gemeinsam und manchmal, da fühlt es sich beim Singen fast so an, als würde der Himmel sich wirklich ein kleines Stück weit öffnen. Und dann ist da auch die Begegnung mit beeindruckenden Menschen. Mit Ordensleuten, Lehrerinnen, Sozialarbeitern und manchen anderen. Mit Menschen, die glauben und eine Hoffnung haben. Die aber nicht groß davon reden, sondern ihren Glauben einfach leben. Überzeugend und ansteckend für andere. Sie sind es, die jeden Ort zu einem Segensort machen können. Zu einem Ort, an dem der Himmel offen ist.

Getauft zu sein heißt: Das kannst du auch. Die Fähigkeit hast du. Sie steckt in dir. Weil Gottes guter Geist mit dir ist. Und weil du eine Ahnung davon bekommen hast, was das heißen kann: Dass der Himmel offen ist.

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04JAN2026
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Ich wünsche Ihnen einen gesegneten ersten Sonntag im neuen Jahr 2026.

Geht es Ihnen auch so wie mir? Ich komme immer erst nach Weihnachten und Neujahr etwas zur Ruhe und zum Nachdenken. Auch zum gedanklichen Sortieren, was mir wichtig war. Und was ich gerne neu oder anders angehen würde.

Mir geht in diesen Tagen ein Bibelwort aus dem Epheserbrief (5,15-16) durch den Kopf. Da heißt es: Kauft die Zeit aus! Was so viel bedeutet wie: Nutzt die Zeit, so gut ihr könnt. Und überlegt, was wirklich wichtig ist und richtig vor den Augen Gottes.

Mit jedem neuen Jahr merke ich mehr, dass meine Zeit begrenzt ist und die Lebensspanne, die mir bleibt, kürzer wird. Das löst bei mir keine Panik aus, aber ich bin doch etwas nachdenklicher geworden. Auch weil die Herausforderungen gewachsen, meine eigenen Grenzen deutlicher und die noch übrigen Jahre überschaubarer geworden sind. Irgendwie möchte ich meine Zeit und meine Kraft sinnvoll einsetzen. Mit dem, was mir Gott gegeben hat, auch an Gesundheit und Wissen, möchte ich konzentrierter umgehen.

Diesmal sind mir schon drei Dinge aufgefallen, die ich anders angehen möchte.

Die erste Einsicht ist schmerzhaft: Ich sammle zu viel. Alte Fotoapparate und Objektive. Dazu Gitarren, Verstärker und Pedal-Soundgeräte, auch alte Hi-Fi-Komponenten, CDs und Bücher. Und wie vielen Sammlern geht es mir so, dass ich die schönen Dinge in Schubladen und Schränken lagere und sie gar nicht richtig nutzen und genießen kann. Weniger ist manchmal wirklich mehr. Aber mich von etwas zu trennen, fällt mir trotzdem nicht leicht. Obwohl es zu viel wird. Und obwohl es „nur“ mein Hobby ist, und auch künftig nicht zu viel von meiner Zeit auffressen sollte.

Zweitens merke ich, dass ich nicht alles schaffe, was ich gern tun würde: Ich habe so viele Ideen und es gibt so viele berufliche und ehrenamtliche Projekte, die ich auch noch anpacken könnte – dabei bin ich eigentlich mit meinen Kernaufgaben mehr als gut ausgelastet. Und es kommt auch Neues dazu. Häufig fällt es mir schwer, nein zu sagen. Manchmal geht das auch nicht. Und manchmal nehme ich mich zu wichtig, statt mich auf weniger zu konzentrieren. Ja, ich will noch strenger sortieren, nur noch das anpacken, wozu man mich wirklich braucht und was andere nicht genauso gut oder besser können. Ich will mich nicht drücken, aber ebenso wenig verzetteln, damit nicht das Wichtige zu kurz kommt.

Und drittens: Ich will mich wieder mehr um einen überschaubaren Kreis von Menschen kümmern, um Freunde, die lange zu kurz gekommen sind. Und um die in der Familie, die mich gerade besonders brauchen. Ich will Zeit für sie haben, zuhören können ohne schnell Lösungen bereit zu haben. Einfach ganz da sein für sie. Das heißt für mich: Kauft die Zeit aus!

Das heißt, einiges aufzugeben, damit ich mich auf anderes besser konzentrieren kann und auch ganz da sein kann für andere. Kauft die Zeit aus! – heißt es in der Bibel.

Und dort lautet der Nachsatz: Denn es sind böse Zeiten. Ich selbst bin eher ein Optimist und sehe vieles nicht so kritisch. Aber ich erlebe, dass die Sorgen unserer Zeit, manchen in meinem Umfeld doch sehr zusetzen. Umso mehr, wenn persönliche Sorgen und Nöte dazukommen.  Sie erleben wahrhaft böse Zeiten.

Ich will meine Zeit nutzen, Ihnen besser beizustehen in diesem neuen Jahr, mit meiner Zeit und meinen Möglichkeiten und meinen begrenzten Mitteln. Dazu gehört für mich auch das Gebet. Mit ihnen und für sie.

Kauft die Zeit aus!

Mein Beruf ist mir sehr lieb und wichtig. Ich würde gern immer noch etwas Neues ausprobieren. Ich würde gern mehr Zeit in mein Hobbies stecken, mehr Musik hören, mehr Gitarre spielen. Da verliert man aber schnell die aus den Augen oder sie treten an die zweite und dritte Stelle, die in nächster Nähe auf einen bauen.

Wie wichtig sind beispielsweise Großeltern für ihre Enkelkinder. Auch dass sie sich Zeit für sie nehmen, ihnen zuhören, ihnen etwas weitergeben von ihren Lebenserfahrungen, von ihrem Glauben, und immer wieder die einfache und doch so wichtige Botschaft: Du junger Mensch bist mir wichtig und wertvoll. Ich freue mich über dich und ich will gerne neben Deinen Eltern auch für dich da sein.

Kauft die Zeit aus! Nützt sie mit euren Möglichkeiten.

Letzte Woche rief mich ein alter Freund an, einer aus der Schulzeit, den ich seither nur ein- oder zweimal ganz kurz gesehen hatte. Dabei hatten wir in der Schulzeit sogar die gleiche Kirche und die gleiche Jugendarbeit besucht, uns später dann aber aus den Augen verloren. Und jetzt am Telefon? Schon nach ein paar Fragen und Erinnerungen konnten wir an das Alte ganz schnell anknüpfen.  Wir wollen uns bald zu treffen, im Hier und Jetzt, bei einem Kaffee, vielleicht auch zu einem gemeinsamen Vorhaben. Mal schauen, ob es gelingt.

Kauft die Zeit aus! Konzentriert euch auf das, was wirklich wichtig und Gott wohlgefällig ist: Manchmal habe ich den Eindruck, dass ich gar nicht so sehr mehr Erholung brauche, sondern eher immer wieder eine neue Ausrichtung. Das wünsche ich auch Ihnen und einen gesegneten Sonntag.

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