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19MAI2024
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Oh, oh

Zu Hause: Das ist für viele Menschen ein Sehnsuchtsort. Irgendwo zu Hause sein, das heißt: Geborgenheit erfahren, sich auskennen, da sein. Das sind Erfahrungen, die gerade an Pfingsten wichtig sind. An einem Tag, an dem sich vor über zweitausend Jahren die Freunde und Freundinnen Jesu in einem Haus treffen. Und sie erleben nach Tod und Auferweckung und Himmelfahrt Jesu: Jesus, sein Geist, seine Worte und Taten leben mitten unter ihnen weiter. Das Lied Jesus in my house der Singer-Songwriterin Judy Bailey erzählt davon.

I’m so glad that Jesus lives in my house. / Good to know that he is here with me now. / All of my life Jesus in me. / Jesus in my house. / All on my life and always will be.

Judy Bailey singt: „Ich bin so froh, dass Jesus in meinem Haus wohnt. / Es ist gut zu wissen, dass er jetzt hier bei mir ist.“ Das ist bildlich gemeint. Bailey macht klar: Ich erlebe, dass das, was Jesus auszeichnet, mir nahe ist. Ich erlebe seine Gegenwart – obwohl er physisch gar nicht da ist. Nur ein auf den ersten Blick merkwürdiger Gedanke. Denn ich rede ja auch mit Menschen, die nicht da sind. Mit meinem Vater, der schon Jahre tot ist. Mit einem Freund, den ich gerade nicht erreiche.

Thank you, Heavently Father, for your love for me. / I’m forever grateful that you sacrificed your son. / You saved my soul and changed my destiny. / Thank you, God, for Jesus in me.

Bailey dankt Gott für Liebe, für Hilfe und Zuversicht. Für all das steht der Name Jesus in diesem Song. Mit der Zeile „Jesus in me – Jesus in mir“ wird aber auch deutlich: Es geht gar nicht um einen bestimmten Ort, ein konkretes Haus, wo die Gegenwart Jesu zu spüren ist. „Jesus in me“ heißt: Das, wofür Jesus steht, lebt tief in mir drinnen. Gibt mir Geborgenheit. Ein Gefühl von Zuhause. Auch eine pfingstliche Erfahrung. Auf Unsicherheit und Verzweiflung die Antwort zu bekommen: Du darfst sein, du bist getragen, ich bin bei dir.

I’m so glad that Jesus lives in my house. / Good to know that he is here with me now. / All of my life Jesus in me. / Jesus in my house. / All on my life and always will be.

Was Pfingsten heißen kann, dafür steht auch die Lebensgeschichte der Songwriterin Judy Bailey. Geboren in England, aufgewachsen auf Barbados, mitten in der Karibik, Vorfahren aus Afrika und seit Jahren in Deutschland beheimatet. Baileys Wurzeln reichen fast um den gesamten Globus. Für sie hat es deshalb besondere Bedeutung zu sagen: Ich bin in meinem Glauben zu Hause – ganz egal, wo ich auch bin.
Ganz ähnlich erzählt auch die Pfingstgeschichte davon, dass sich Menschen verstehen, vertrauen, sich geborgen fühlen – auch wenn sie ganz verschiedene Sprachen sprechen, aus verschiedenen Regionen der Welt kommen. Pfingsten heißt: Der Glaube an Jesus und sein Handeln in Liebe und Gerechtigkeit, sie lassen mich überall zu Hause sein. Und tragen mich durchs Leben. Und deshalb kann ich davon singen. Kann das weitersagen und durch mein Leben auch glaubwürdig machen.

I’m so glad that Jesus lives in my house. / Good to know that he is here with me now. / All of my life Jesus in me. / Jesus in my house. / All on my life and always will be.

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12MAI2024
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Den Muttertag feiere ich immer auch als einen großen Dank an das Leben. Und ein Lied bringt diesen Dank für mich ganz besonders zum Ausdruck. Es ist für mich eng verknüpft mit der Geschichte von drei Frauen, die auch alle Mütter gewesen sind. Darüber hinaus aber auch Künstlerinnen, Kämpferinnen, Sängerinnen mit einer musikalischen und einer menschlichen Botschaft:  

Gracias a la vida que me ha dado tanto
Me dio dos luceros, que cuando los abro,
Perfecto distingo lo negro del blanco
Y en alto Cielo su fondo estrellado
Y en las multitudes la hombre que yo amo

Die unverwechselbare Stimme von Joan Baez hat zum Soundtrack meiner Jugend gehört. Ich konnte alle ihre Lieder auswendig, und obwohl ich kein Spanisch kann, habe ich auch dieses mitgesungen: Gracias a la vida: „Danke für das Leben, es hat mir so viel gegeben.“ Der Samba-Rhythmus ging direkt in die Beine: Das Leben, ein Tanz, ein Fest! Und so viel Leichtigkeit! Dasselbe Lied kann aber auch ganz anders klingen:

Gracias a la vida que me ha dado tanto
Me dio dos luceros, que cuando los abro,
Perfecto distingo lo negro del blanco
Y en alto Cielo su fondo estrellado
Y en las multitudes la hombre que yo amo

Wenn Mercedes Sosa das Lied anstimmt, spüre ich hinter den Worten auch eine tiefe Traurigkeit. Der Dank kommt nicht leichtfüßig und schwungvoll daher, sondern ist dem Leben abgerungen. Und klingt trotzdem kraftvoll und schön. Das passt zur Entstehungsgeschichte des Liedes: Denn die Chilenin Violeta Parra war mit ihren Lebenskräften am Ende, als sie es geschrieben hat. Es ist ihr letztes Lied. Noch keine 50 Jahre alt, hat sie es 1967 kurz vor ihrem Tod herausgebracht. So ist es zu ihrem musikalischen Vermächtnis geworden: Ein Lied voller Schmerz, der sich aber vom Leben in die Arme nehmen lässt:   

Ich danke dir, Leben, hast mir so viel gegeben,
durfte lachen und schweben trotz aller Stürme und Beben.
Auch einsame Stunden und schmerzvolle Wunden,
doch du wolltest mich führen, mich selbst zu erspüren,
unter funkelnden Sternen das Lieben zu lernen.

Wie ein Gebet hört sich das für mich an, dieser Dank an das Leben aus dem Mund von Konstantin Wecker. Und gerne gebe ich diesen Dank heute weiter an alle Mütter, die das zerbrechliche, kostbare Leben über die Generationen hinweg weitergeben. Danke für das Schöne, danke für das Schwere! Gracias a la vida!

----------------------------

Musikangaben:

Text und Melodie: Violeta Parra (1967)
Aufnahmen:
Joan Baez, Gracias a la vida
Mercdes Sosa, Gracias a la vida
Konstantin Wecker, Gracias a la vida 

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05MAI2024
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Musik 1:

Angelus-Glocke der Pfarrkirche St. Jakobus, Stegen-Eschbach

Diese Glocke hat mich heute früh geweckt, um 6 Uhr. Jeden Tag läutet sie drei Mal im Glockenstuhl der Dorfkirche im Schwarzwald, wo ich wohne. Dieses Läuten, das dem Tag einen Rhythmus gibt, heißt auch Ave-Läuten oder „Angelus Domini“, der Engel des Herrn. Dahinter verbirgt sich eine biblische Geschichte aus dem Lukasevangelium, die wir oft auch auf Bildern sehen: Das jüdische Mädchen Miriam liest in ihrem Gebetbuch, und plötzlich überrascht sie ein Engel mit der himmlischen Botschaft: „Ave Maria, gratia plena“ – Sei gegrüßt, Maria, du bist voll der Gnade, der Herr ist mit dir.

Musik 2:

Anton Bruckner: Ave Maria (siebenstimmig)

Ave Maria, gratia plena, Dominus tecum; benedicta tu in mulieribus, – Sei gegrüßt, Maria, du bist voll der Gnade, der Herr ist mit dir; du bist gebenedeit unter den Frauen,

Ganz himmlisch klingt der von Knaben gesungene Engelsgruß „Ave Maria“ beim österreichischen Komponisten Anton Bruckner. Sein „Ave Maria“ ist siebenstimmig. Bisher haben wir die drei hohen Knabenstimmen gehört. Jetzt kommen die vier tiefen Männerstimmen hinzu, mit den Worten: „und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes“.

Musik 3:

et benedictus fructus ventris tui, – und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes,

Anton Bruckner hat mit dem Gebet „Ave Maria“ tagtäglich gelebt, im Stift St. Florian ebenso wie in der Hauptstadt Wien. Wenn in Wien ein Ave-Glöcklein zu hören war, dann hat er einfach seinen Unterricht für ein, zwei Minuten zum Beten unterbrochen. Das mache ich selber zwar nicht so. Aber an Bruckners siebenstimmigem Ave Maria gefällt mir, wie er die Personen so eindrucksvoll musikalisch beschreibt. Zuerst der Engel Gabriel, dann die betenden Männerstimmen. Und der Höhepunkt ist dann gar nicht Maria, sondern Jesus. Seinen Namen komponiert Bruckner in A-Dur: drei Mal, in größtmöglicher Steigerung von pianissimo bis fortissimo.

Musik 4:

Jesus, Jesus, Jesus!

Diese Klänge gehen mir durch Mark und Bein. Sie zeigen, wie fasziniert Anton Bruckner von Jesus war. Am stärksten vielleicht immer dann, wenn er seine Musik selbst dirigiert hat – so wie an einem Februarsonntag im Jahr 1881. Was er zuvor frühmorgens gebetet hat, erfahren wir aus seinem Taschenkalender: nämlich Vaterunser, Rosenkranz und Ave Maria. In diesem Notizbüchlein steht aber auch noch die finanzielle Ausgabe von etwa umgerechnet 15 Euro für „drei Torten“, wie es heißt. Die hat er aber nicht selbst verspeist, sondern den Chorknaben spendiert, weil sie sein Ave Maria so schön gesungen haben – sozusagen unter dem Motto „Drei Torten für ein Ave Maria“. So verbindet Anton Bruckner die Gottesliebe mit kleinen Zeichen der Nächstenliebe. Unser heutiges Lied zum Sonntag aus seiner Feder schließt wie jedes Ave Maria mit den Worten „jetzt und in der Stunde unseres Todes“. Ja, Leben und Sterben gehören zusammen, bis zum letzten „Amen“. Daran erinnert mich Anton Bruckners Musik und auch die Glocke meiner Dorfkirche.

Musik 5 a/b:

Sancta Maria, Mater Dei, ora pro nobis peccatoribus nunc et in hora mortis nostrae. Amen. – Heilige Maria, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen. – Glockenläuten aus St. Jakobus, Stegen-Eschbach

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28APR2024
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Hören Sie es auch so gerne – das vielstimmige Vogelkonzert, das in diesen Frühlingstagen erklingt?
Ich gebe zu: Oft nehme ich den Gesang der Vögel gar nicht wahr. Weil ich zu viel drinnen hocke oder anderer Lärm draußen die feinen Vogelstimmen übertönt. Oder weil ich im Alltag schlicht nicht drauf achte.
Aber immer wieder, wenn ich ein Fenster öffne oder auf dem Rad unterwegs bin, merke ich: wie schön! Die Vögel sind wieder zu hören. Es ist Frühling. Und sofort habe ich die Melodie des alten Liedes im Ohr, das ich schon als Kind gerne gesungen habe:

Strophe 1, Dresdner Kreuzchor

Welch ein Singen, Musiziern, Pfeifen, Zwitschern, Tiriliern!
Was hören Sie, woran denken Sie, wenn Sie den Vogelstimmen lauschen?
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, der den Text des Volkslieds 1837 als Gedicht veröffentlicht hat, hat aus dem Gesang der Vögel viel herausgehört. Das Gezwitscher weckt für ihn nicht nur Frühlingsgefühle, sondern bringt allen, die es zu deuten wissen, auch eine besondere Botschaft:

Strophe 2, Solo Bettina Pahn

Amsel, Drossel, Fink und Star und die ganze Vogelschar wünschen dir ein frohes Jahr, lauter Heil und Segen: ein Segenswunsch aus Vogelkehlen! Mit dieser unscheinbaren Zeile bekommt das beschwingte Frühlingsliedchen eine weitere, eine geistliche Dimension. Die Vögel, heißt das doch, erzählen mit ihrem Gesang auch von Gott. Oder mehr noch: In ihrem Gesang wird Gottes Segen, also sein liebevoller Blick auf die Welt und mich selbst, hörbar und spürbar.

Melodie Geige und Klavier, Christina Busch

Gottes Segen lässt sich auf verschiedene Weise erfahren. Das ist eine Spur, auf die ich mich gerne begebe. Denn wenn die Vögel mit ihrem Gesang mir Gottes Segen bringen, dann kann ich ihn sicher auch anderswo hören. Oder riechen, schmecken, sehen und spüren – wenn ich nur meine Sinne dafür öffne: für die Bienen mit ihrem leisen Summen, den intensiven Geruch der Fliederblüten, die Frühlingsblumen und ihre leuchtenden Farben oder für die warme Sonne auf meinem Gesicht. Sie alle wünschen mir – und dir – ein frohes Jahr, lauter Heil und Segen.
Ja, es tut gut, wahrzunehmen, was die Natur im Frühling verkündet. Und es sich zu Herzen zu nehmen – so wie es in der dritten Strophe heißt:

Strophe 3, Rundfunkchor Wernigerode

Einmal am Tag bewusst dem Pfeifen der Vögel lauschen – und auf die Spuren des Segens zu achten, den sie mir wünschen: Das ist, finde ich, eine gute Idee in diesen Frühlingstagen. Vielleicht macht mir das ja auch gute Laune, wie das Lied es beschreibt. Singen, springen und scherzen – das wäre nicht schlecht. Oder zumindest mal ein bisschen mitpfeifen.

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21APR2024
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Mit viel Schwung und Energie beginnt unser heutiges Lied zum Sonntag. Wie passend. Denn seit Donnerstag sind überall in Deutschland viele zehntausende Kinder und Jugendliche mit viel Power und Begeisterung dabei, die Welt, in der sie leben, ein bisschen besser zu machen. Sie machen mit bei der 72h Aktion, der Sozialaktion der Deutschen katholischen Jugend.

Sein ist die Erde und was auf ihr lebt.
Dass Gutes auf ihr werde, ist in unsre Hand gelegt.
Sein ist die Zeit, die uns dazu bleibt.
Nur eine Zeit, keine Ewigkeit.

Musik 1

 

„Sein ist die Erde und was auf ihr lebt.
Dass Gutes auf ihr werde, ist in unsre Hand gelegt.“

So beginnt der Kanon von Gregor Linßen, der für mich ganz wunderbar zur 72h Aktion passt. Ursprünglich wurde er vor 25 Jahren geschrieben zur Eröffnung der Hilfsaktion Adveniat. Doch ich finde, der Kanon trifft auch den Kern der 72h Aktion. Denn es geht darum, in der begrenzten Zeit, die wir Menschen zur Verfügung haben, Gutes zu tun. Verantwortung zu übernehmen – für unsere Erde und für alle Geschöpfe, die auf ihr leben.

Schon am Anfang der Bibel, in den Schöpfungserzählungen, wird klar: die Erde, auf der wir leben, dürfen wir genießen. Aber Gott trägt uns auch auf, dass es an uns liegt, dass Gutes auf ihr werde. Das legt er in unsere Hand.

Musik 2

 

Am Donnerstagnachmittag ging die 72h Aktion los, und seitdem bauen junge Menschen Insektenhotels, renovieren Spielplätze oder bringen Menschen im Stadtteil zusammen. Auch in der Kirchengemeinde, in der ich lebe. Anna und eine Gruppe Studentinnen und Studenten begleiten die Bewohnerschaft des benachbarten Seniorenheims bei Spaziergängen, erzählen und singen mit den alten Menschen. Und Johannes und seine Gruppe legen „Pocket Parks“ an, also „Taschen-Parks“: das sind kleine, öffentlich zugängliche Grünlagen mittendrin zwischen Häusern und Straßen. Kleine Oasen für die Menschen, die hier leben.

All diese jungen Menschen machen mir Mut. Denn ich finde es unglaublich, was sie in so kurzer Zeit auf die Beine stellen. Und sie zeigen mir: gemeinsam können wir was bewegen. Auch wenn es noch so viele Krisen in unserer Welt gibt, wir haben es jeden Tag aufs Neue in der Hand, dass Gutes entsteht. Egal wie jung oder alt wir sind, wie auch immer wir leben, was auch immer wir glauben. Es braucht jede und jeden von uns. Unsere Kreativität. Unseren Verstand und unser Herz.

Noch sind die Jugendlichen mittendrin. Endspurt für viele Gruppen. Heute Abend werden sie bestimmt müde und kaputt ins Bett fallen. Im Kopf den Ohrwurm des offiziellen Aktionssongs. Und hoffentlich können sie auf die 72 letzten Stunden stolz und zufrieden zurückschauen und die Erfahrung gemacht haben, wie es in dem Aktionssong heißt: Unser Glaube kann Berge versetzen.

Musik 3[1]

 

[1]https://www.72stunden.de/informieren/aktionssong

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14APR2024
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Ein Lied, das zum Tanzen einlädt! „Auf, auf mein Herz mit Freuden, nimm wahr, was heut geschieht!“ Heiter und beschwingt ist die Melodie. In Hoffnung verliebt der Text. Er stammt von demselben Dichter, der auch das schwungvolle Sommerlied „Geh aus, mein Herz und suche Freud“ gedichtet hat: Paul Gerhardt.
Auch in diesem Osterlied steht ein weckender Impuls am Anfang: Mach dich auf! Lass die Traurigkeit hinter dir! Nimm wahr, was an Ostern geschehen ist: „Es kommt nach großem Leiden nun ein so großes Licht.“

Auf, auf, mein Herz,
mit Freuden nimm wahr,
was heut geschieht;
wie kommt nach großem Leiden
nun ein so großes Licht!
Mein Heiland war gelegt
da, wo man uns hinträgt,
wenn von uns unser Geist
gen Himmel ist gereist.

Ein Lied, das zum Hoffen einlädt! Licht fällt in das Grab, in dem Christus begraben lag. Und von dort in die stickigen Grabkammern der Trostlosigkeit überall auf der Welt. Es wird nicht dunkel bleiben. Denn seit Ostern weht ein Hoffnungsschimmer durch die Welt. Oder wie es Paul Gerhardt sagt: „Das Leben schwingt seine Siegesfahne.“

Er war ins Grab gesenket,
der Feind trieb groß Geschrei;
eh er's vermeint und denket,
ist Christus wieder frei
und ruft "Viktoria",
schwingt fröhlich hier und da
sein Fähnlein als ein Held,
der Feld
und Mut behält.

Ein Lied, das zum Lachen einlädt! Zum Osterlachen! Diese Welt mit ihrer Verbissenheit und in ihrer Zerrissenheit ist lächerlich! Ich will mich davon nicht länger entmutigen lassen. Denn an Ostern leuchtet ein Gegenlicht auf. Es stellt in den Schatten, was mich deprimieren und mein Leben verdunkeln will. Und lässt noch in die finstersten Nächte einen „Sonnenblick“ fallen.

Tanzen, hoffen, lachen! So will ich hineingehen in diesen österlichen Sonntagmorgen...

Die Welt ist mir ein Lachen
mit ihrem großen Zorn;
sie zürnt und kann nichts
machen, all Arbeit ist verlorn.
Die Trübsal trübt mir nicht
mein Herz und Angesicht;
das Unglück ist mein Glück,
die Nacht mein Sonnenblick.

                    *

CD 1: Paul Gerhard, die schönsten Choräle, Bach Chor Siegen
CD 2: Lob, Ehr und Preis sei Gott, Vocal Concert Dresden, Berlin Classics 2013

https://www.kirche-im-swr.de/?m=39692
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07APR2024
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[Heute mit Thomas Weißer …]

… und einem der bekanntesten klassischen Stücke überhaupt. Dem Halleluja von Georg Friedrich Händel aus dem Oratorium Der Messias von 1741.

Hallelujah! / Halleluja!

Halleluja: Da steckt ein ganzer Satz Hebräisch drin. Auf deutsch: Lobt Gott. Passt einfach zu Ostern. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Leben blüht auf. Wenn das kein Grund zum Jubel ist: Mit Pauken und Trompeten.

Hallelujah! / Halleluja!

Ich muss sagen: Das jubilierende Halleluja geht mir trotz der Osterzeit nur schwer über die Lippen. Denn eigentlich sollte heute mein Kollege Stefan Warthmann über diese grandiose Stück Musik sprechen. Doch vor wenigen Wochen ist er überraschend gestorben. Lässt sich da so ganz einfach ein solches Halleluja singen?

Hallelujah! / Halleluja!

Weil ich an meinen toten Kollegen denke, höre ich heute auch die Nebentöne in diesem Halleluja. Da klingt mehr an als nur selbstbewusster und pompöser Triumphalismus. Immer wieder lässt Händel innehalten, führt die Melodie von tief unten nach oben oder bindet mit großen Sprüngen die Tiefen und Höhen zusammen. Händel ringt mit und um Auferstehung.

The kingdom of this world is become the kingdom of our Lord, and of his Christ; and he shall reign for ever and ever. / Das Königreich der Welt ist fortan das Königreich des Herrn und seines Christ. Und er regieret auf immer und ewig.

Was oft vergessen wird: Das Halleluja hat in Händels Oratoriums nur das vorletzte Wort. Mit ihm beschließt der Komponist den zweiten Teil des Messias. Bis hierhin erzählt das gigantische Werk von Geburt, Tod und Auferstehung Jesu. Der dritte Teil aber weitet den Blick. Er setzt sich mit dem Tod des Menschen auseinander und fasst eine Hoffnung in Musik: Dass wir Menschen aufgehoben sein werden in Gott. Auferweckt werden.

Das lässt sich ganz konkret im Alltag erleben. Wenn ich mich heute an meinen Kollegen erinnere, dann bleibt er nicht im Tod. In meiner Erinnerung ist er lebendig. Ich höre seine Stimme, sehe ihn vor mir. Davon singt das Halleluja auch.

King of kings, and Lord of lords. Hallelujah! / Herr der Herren, der Welten Gott. Halleluja!

Auferstehung: Das erzählt von einer anderen Welt. Einer Welt, in der der Tod ausgesperrt wird. Händels Halleluja bringt diese andere Welt auch musikalisch zum Klingen. Indem es ganz viele Welten verbindet: Den weiten Atem der italienischen Oper, die Pauken und Trompeten des britischen Krönungszeremoniells, die barocke Welt der Aufklärung mit ihrer optimistischen Religiosität. Und auch die Kirchenlieder aus Händels deutscher Heimat sind unüberhörbar. So klingt das adventliche Wachet auf, ruft uns die Stimme im Halleluja an.

Es ist auch dieser Mix aus verschiedenen Traditionen, Sprachen und musikalischen Wurzeln, der Musikerinnen auf der ganzen Welt bis heute inspiriert. Und sie auf ihre eigene Art und Weise von der Hoffnung auf Auferstehung singen lässt.

Hallelujah! / Halleluja!

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31MRZ2024
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Musik

„Ho un non so che nel cor, che invece di dolor, gioia mi chiede.“
 „Ich habe was im Herzen, das anstelle von Schmerzen Freude von mir fordert.”

Das singt Maria Magdalena auf dem Weg zum Grab Jesu. Eine Arie aus dem Oratorium La Resurrezione – Die Auferstehung – von Georg Friedrich Händel. Als ganz junger Komponist hat er es in Italien geschrieben. Die junge italienische Sängerin Margherita Durastanti hat diese Arie gesungen. Der Papst war wütend über eine Frau im Oratorium – und Händel wohl ein bisschen verliebt.
Die Freude setzt sich noch nicht richtig durch. Zu viel ist im Weg. Und doch bange Erwartung, leise Hoffnung: Maria „spürt schon etwas im Herzen”.

Musik

Die Musik weiß tatsächlich schon mehr als Maria Magdalena. Das kleine Orchester hüpft und tanzt bereits. Marias Gesang klingt darüber wie der einer einzelnen Lerche über einem Frühlingsfeld. Doch die Osterfreude entwickelt sich erst. Maria ist bereit, vor Freude zu springen. Aber darf sie das? Ist es wirklich wahr, was man ihr sagt? Jesus ist auferstanden?
Eine Osterstimmung, die ihrer Fröhlichkeit selbst noch nicht ganz traut. Ja, das kenne ich. Der Schock und Schmerz über den Tod eines Menschen ist noch frisch. Und da soll plötzlich Ostern werden!
In der Arie heißt es: „Das Herz, an Angst gewöhnt, kann die Stimmen der Freude noch nicht vernehmen, oder vielleicht hält es sie für Hirngespinste.“

Musik
Ma il core, uso a temer, le voci del piacer o non intende ancor, o inganno del pensier forse le crede.

Der Lerchengesang ist etwas tiefer und ernster geworden. Die Freude hat das Herz zwar erreicht. Doch sie kommt noch nicht hinein. Das Herz ist zu sehr an Angst gewöhnt.
Das Markusevangelium erzählt das eindrücklich: Maria und die anderen Frauen fliehen vom Grab. Sie erzählen niemandem etwas, denn sie fürchten sich. Und im Johannesevangelium weint Maria so verzweifelt, dass sie Jesus zuerst gar nicht erkennt.
Ja, sind das Hirngespinste? Oder darf Maria sich jetzt wirklich freuen? Auch das Evangelium weiß schon mehr als Maria in diesem Moment.

Musik

Die Freude ist angekommen.
Die Sängerin flicht in ihren Lerchengesang jubelnde Triller und Verzierungen ein. Und als sie schweigt, ist das kleine Orchester mit einem Mal ein bisschen größer geworden: Plötzlich stimmen Oboen mit ein. Maria hat es schließlich doch weitererzählt, trotz aller Angst und Trauer: Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! Und seitdem geht die Botschaft um die Welt. Jetzt ist Ostern, Gott sei Dank!

Musik

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Lied:
Ho un non so che nel cor. Arie der Maddalena (G.F. Händel, La Resurrezione)

Komponist:
M: Georg Friedrich Händel'
T: Carlo Sigismondo Capece

Musikquelle:
Ho un non so che nel cor. Aria (Maddalena) aus: La Resurrezione Oratorium in 2 Teilen, HWV 47
Händel, Georg Friedrich; Capece, Carlo Sigismondo
Argenta, Nancy; Amsterdam Baroque Orchestra; Koopman, Ton

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24MRZ2024
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Wie das Würzburger Posaunenquartett das Stück "Singt dem König Freudenpsalmen" spielt, so klingt das Lied zum Palmsonntag heute. Es klingt feierlich, wenn diese wunderbar intonierten Bläser aufspielen. Diese edle Musik passt, denn jetzt wird ein König begrüßt. Das Lied beginnt so: „Singt dem König Freudenpsalmen, Völker ebnet seine Bahn! Zion, streu ihm deine Palmen, sieh dein König naht heran!“

Wenn ich nachher in meinem Dorf Palmsonntag feiere, wird es feierlich. Kinder stehen in der ersten Reihe mit selbstgebastelten Palmzweigen in den Händen, und der Kinderchor singt „Hosanna!“ Und Katharina, eine Freundin von mir, die sich in der Gemeinde engagiert, wird ein Plakat mitbringen und nach oben halten. Darauf hat sie in bunten Buchstaben geschrieben: „Rette mich!“

Katharina zeigt damit, dass sie heute Jesus nicht nur als König bejubelt, sie will ihn wirklich in ihr Leben hineinlassen. Denn obwohl sie so eine selbstbewusste und erfolgreiche Frau ist, weiß Katharina: Sie hat nicht alles selbst in der Hand, und im Leben können Dinge über sie hereinbrechen, die kann niemand alleine bewältigen. Was ist das für eine Freude, wenn dann einer da ist und „rettet“!

Vielleicht lässt die Jazz-Sängerin Alexandra Naumann ja deswegen einen verrückten Jubelschrei los, bevor sie in ihre Version unseres Liedes heute einstimmt.

Singt dem König Freudenpsalmen

Völker ebnet seine Bahn:

Salem, streu ihm deine Palmen,

sieh dein König naht heran!

Dieser ist von Davids Samen, Gottes Sohn von Ewigkeit,

der da kommt in Gottes Namen,

er sei hochgebenedeit.                

So kann ein 250-Jahre-altes-Kirchenlied auch klingen. Die Sängerin Alexandra Naumann sagt dazu: „Nach vielen Jahren habe ich zu den alten deutschen Kirchenliedern zurückgefunden. Sie sind archetypisches Material. In jeder Melodie und in jedem Text ist eine Kraft spürbar, die jenseits aller (…) Erklärungen liegt.“

Auch ich entdecke in diesem Lied eine Kraft. Oder eine Sehnsucht nach jemandem, der mich aus allem herausziehen kann. Der verlässlich da ist.

Für Katharina ist das Jesus, das kann man auf ihrem Plakat lesen: „Rette mich!“, steht drauf. Womöglich meint sie damit: „Rette mich, wenn ich nicht weiß, wo mir der Kopf steht. Vielleicht durch das Gefühl der Hoffnung, das langsam wieder in mir aufkommt. Oder durch das Gefühl, dass jemand an mich glaubt.“

All das schätze ich auch an Jesus. Ich finde, er ist ein besonnener König. Mit so viel Würde, dass er auch allen anderen davon noch abgeben kann. Und das soll für immer und ewig gelten. So wie unser Lied endet, wenn es heißt: „Mögen Welten einst vergehen, ewig fest besteht sein Thron.“

Geister, die im Himmel wohnen,

preist den großen König heut;

und ihr Völker aller Zonen,

singt, er sei gebenedeit!

Singt: Hosanna in den Höhen,

hoch gepriesen Gottes Sohn!

Mögen Welten einst vergehen,

ewig fest besteht sein Thron.

 

 

Quellen:      

1) Singt dem König Freudenpsalmen, Studio Franken Alte Musik und Volksmusik, Würzburger Posaunenquartett, NE010820002

2) missa, Alexandra Naumann, Track Nr. 10, LC 04780

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17MRZ2024
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Wie kann man in einem leidenden Menschen Gottes Liebe erkennen? Den Dichter und Philosophen Christian Fürchtegott Gellert hat diese Frage umgetrieben. Und er hat seine Gedanken dazu Mitte des 18. Jahrhunderts in einem Lied verdichtet –einem Passionslied: Herr stärke mich, dein Leiden zu bedenken.

Gellert findet Gottes Liebe in Jesus am Kreuz. Aber er spürt: Das, was er dort erkennt, erschließt sich nicht einfach. Es ist nur zu erfassen, wenn man sich darauf einlässt, sich versenkt in das Meer von Gottes Liebe, wie er es sagt.

 

Unermesslich groß und tief wie das Meer muss Gottes Liebe sein, so empfindet es der Gellert, dass Gott in Jesus selbst leidet und stirbt – damit ich vor ihm nicht verurteilt werde für meine Schuld. Denn unsere menschliche Schuld, das Unrecht, das wir tun, ist bei Gott nicht einfach egal und vergessen. Gott ist gerecht, ein Rächer alles Bösen, dichtet Gellert, und Gott ist die Lieb und lässt die Welt erlösen. Das ist der Widerspruch, den er am Kreuz verbunden sieht.

Ein Gott, der Mensch wird und wie ein Verbrecher stirbt – Gellert, Philosoph der Aufklärung, weiß, dass das ein kühner Gedanke ist. Ein Gedanke weit ab von jedem philosophischen Gottesbild. Ein Gedanke, der schon von Anfang an Kopfschütteln bei den Gelehrten hervorgerufen hat. Für ihn aber ist es anders – wie er mit Rückgriff auf Worte des Apostels Paulus in der 5. Strophe betont:

Seh ich dein Kreuz den Klugen dieser Erden ein Ärgernis und eine Torheit werden, so sei’s doch mir, trotz allen frechen Spottes, die Weisheit Gottes.

Diese Weisheit aber – und darum gefällt mir Gellerts Passionslied – bleibt für ihn nicht Theorie. In der Liebe, die er in Jesu Leiden entdeckt, sieht er eine Richtschnur für sein eigenes Handeln.

 Ich will nicht Hass mit gleichem Hass vergelten,

wenn man mich schilt, nicht rächend widerschelten.

Du Heiliger, du Herr und Haupt der Glieder, schaltst auch nicht wieder.

 

Hass nicht mit gleichem Hass vergelten – das, habe ich den Eindruck, bleibt die entscheidende Voraussetzung für Frieden. In der Politik genauso wie in meinem privaten Leben. Dafür aber brauchen wir die Kraft eines inneren Friedens. Und auch den findet Gellert bei dem Gott, der aus Liebe zu uns selbst leidet.

Ja, das glaube auch ich: Wem es gegeben ist, wirklich in Gottes Meer der Liebe einzutauchen, findet Frieden. Heute, am Ende des Lebens – und darüber hinaus.

 

Musikquellen:

  • Strophe 1-2, Martini-Kantorei Braunschweig, Archivnummer 1904904(HAN), 0:00-1:05
  • Intonation Orgel Ellwein, Archivnummer 63061990002(DIG), 0:00-0:04
  • Strophe 10, Bachchor Leverkusen, Archivnummer 6078159105.001.001(DAAS), 1:54-2:33

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=39548
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