Manuskripte

SWR3 Worte

15JUN2019
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Die Gegenwart. Achte sie und behandle sie gut. Lass Dich auf sie ein, denn sie lebt, noch mehr: Sie ist voller Leben, sie ist das Leben. Die Gegenwart. In ihrer kurzen Zeitspanne ist alles enthalten was es gibt, was existiert und was wahr ist: Die Freude am Wachsen, das Gelingen der Arbeit. Das Gefühl von Schöpferkraft. Von der Vergangenheit bleibt ja nichts weiter als die Erinnerung, und die Zukunft ist nur eine Vision. Die Gegenwart aber – richtig gelebt und erlebt – verwandelt die Vergangenheit in eine frohe Erinnerung und macht die Zukunft zu einem Ausblick voller Hoffnung. Deswegen: Pass gut auf sie auf, die Gegenwart.

Eine über 3000 Jahre alte Weisheit aus Indien
Quelle: Christian Leven. Heute ist der beste Tag zum Glücklichsein.

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14JUN2019
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Der Journalist Stefan Berg hat Parkinson. Durch seine Krankheit hat er einen ganz eigenen Blick auf die heutigen Möglichkeiten der Medizin.        In seinem Essay „Anmerkungen eines Lebenswilligen (zur Debatte über Sterbehilfe“) schreibt er:

In manchen Debatten über die neuesten Möglichkeiten in der Medizin fehlt mir die Demut vor dem Geschenk und dem Geheimnis des Lebens. Was bedeutet es für unser Menschenbild, wenn Eltern die Möglichkeit haben, ein wahrscheinlich schwerbehindertes Kind abzutreiben? Und was würde es bedeuten, wenn Menschen sich ihre ‚Giftpillen‘ für den Fall der Fälle schon mal liefern lassen könnten? Man mag nicht zurück in die Zeiten, in denen vieles als ‚Schicksal‘ hingenommen wurde. Ich profitiere vom medizinischen Fortschritt, aber kann nicht garantieren, meine Mitmenschen vom Anblick meiner Verletzlichkeit zu verschonen.                          
Wie und wo lernen wir, unsere Grenzen zu akzeptieren?

 

Quelle: Der Spiegel Nr. 17/20.4.2019, Seite 35, Stefan Berg, „Trommler der Hoffnung“, Essay „Anmerkungen eines Lebenswilligen zur Debatte über Sterbehilfe“.

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13JUN2019
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Der Journalist Stefan Berg hat Parkinson und leidet an dieser Krankheit. Er sieht aber nicht nur Negatives am Leiden und fragt die Gesunden:

Um wie vieles wäre unsere Gesellschaft humaner, wenn sich jeder bewusst machte, dass es kein leidfreies Leben geben kann? Wir haben leidenden Menschen viel zu verdanken, dem Dichter Friedrich Hölderlin, dem Schriftsteller Klaus Mann oder dem Maler Vincent Van Gogh.             
Leiden schafft eben auch Leidenschaft.

 

Quelle: Der Spiegel Nr. 17/20.4.2019, Seite 35, Stefan Berg, „Trommler der Hoffnung“, Essay „Anmerkungen eines Lebenswilligen zur Debatte über Sterbehilfe“.

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12JUN2019
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Der Journalist Stefan Berg hat Parkinson. Er beschreibt wie sehr ihn die Reaktion mancher Menschen auf seine Krankheit schon getroffen hat:

Oh, diese Blicke! Wie ich manchmal unter ihnen gelitten habe. Viel mehr als unter den eigentlichen Symptomen.Mein Gangbild ist krankheitsbedingt derart auffällig, dass es bestimmt schwerfällt, nicht hinzusehen. In Brandenburg haben besorgte Bürger schon einmal die Polizei gerufen. Sie brachten es nicht fertig, mich anzusprechen. Dem freundlichen Polizisten konnte ich schnell erklären, dass nicht ein Überfluss an Alkohol meinen Gang prägt, sondern ein Mangel an Botenstoffen in meinem Gehirn.                                                                                             
Der Beamte hat sich entschuldigt. 

 

Quelle: Der Spiegel Nr. 17/20.4.2019, Seite 35, Stefan Berg, „Trommler der Hoffnung“, Essay „Anmerkungen eines Lebenswilligen zur Debatte über Sterbehilfe“.

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11JUN2019
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Der Journalist Stefan Berg hat Parkinson. Er beschreibt wie er gelernt hat mit dieser Krankheit umzugehen:

Ein guter Rat Im Jahr elf nach der Diagnose ist mein Leben darauf ausgerichtet, nicht nur den Verlust zu sehen, den eine solche Krankheit natürlich mit sich bringt. Ich nenne sie nicht unheilbar, sondern lebensbegleitend. Das klingt nach friedlicher Koexistenz, nicht nach Krieg. Mein Arzt hat mir geraten, meine Kraft nicht in einer falschen Schlacht aufzubrauchen.                                    Ein guter Rat.

 

Quelle: Der Spiegel Nr. 17/20.4.2019, Seite 34, Stefan Berg, „Trommler der Hoffnung“, Essay „Anmerkungen eines Lebenswilligen zur Debatte über Sterbehilfe“.

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10JUN2019
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Zum Pfingstmontag ein Wunsch der Theologin Dorothee Sölle für ihre Enkelkinder:

„…ich wünsche mir, dass ihr alle ein bisschen fromm werdet. …Ich meine damit, dass ihr Gott manchmal lobt, nicht immer – das tun nur Schwätzer und Höflinge Gottes –, aber doch manchmal, wenn ihr glücklich seid, sodass das Glück ganz von selbst in die Dankbarkeit fließt und ihr ‚Halleluja‘ oder das große Om der indischen Religion singt. Eins von euch, ich glaube es war Caroline, hat mal beim Besuch einer scheußlichen Kirche, in die wir euch bei Reisen geschleppt haben, trocken gesagt: „Ist kein Gott drin.“. Genau das soll in eurem Leben nicht so sein, es soll „Gott drin sein“, am Meer und in den Wolken, in der Kerze, in der Musik und natürlich in der Liebe.“

 

Quelle:. „Freude – Schätze aus 20 Jahren der Andere Advent“; Redaktion Inken Christiansen, Dr. Frank Hofmann; Verlag Andere Zeiten, Hamburg 2014; S. 47

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09JUN2019
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Zum Pfingstsonntag ein Gebet des Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch:

Im Übrigen meine ich, dass Gott, unser Herr

Uns einen großen Sommer schenke.

Leise Monate

Dass er das Geschrei aus der Welt nimmt

Und Stille verordnet

Er möge diese Stille segnen

Sie denen in die Ohren blasen

Die unsere Zeit noch schneller machen möchten

Und damit noch kürzer und atemloser

Gott unser Herr wir bitten dich: Mach es!

Auf dass unser Herz wieder Luft schnappen kann

Unser Auge aufhört zu zappeln

Und unser Ohr wieder richtig hört und nicht alles vergisst

Denen die uns das alles austreiben möchten

Möge Gott der Herr einen Blitz ins Gesäß jagen

Damit sie ihr unmenschliches Tun einsehen

Und die Menschen seines Wohlgefallens in Ruhe lassen

Und wir wollen unseren Herrgott abermals bitten

Dieses Ansinnen von uns überall zu segnen

Und weil es sein muss sofort und immerdar

Danke und Amen.

Quelle: „Das kleine Buch zum Segen“, Michael Blum, Hanns Dieter Hüsch, tvd-Verlag, Düsseldorf, 1998, S. 5.

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