Manuskripte

SWR3 Worte

Ja, das gibt es: Ein Fundbüro für Gefühle, Hoffnungen und Wünsche! Im Internet. Dort hat ein 60Jähriger beschrieben was er gefunden hat:

„Worte. Worte habe ich gefunden und einfach heimlich behalten. Ich finde sie sehr nützlich! Ich könnte sie abgeben gegen Finderlohn.
Doch je mehr von ihnen ich finde, desto vorsichtiger gehe ich damit um.
Unglaublich, was man mit so ein paar Worten anstellen kann.“

Patrick Bolle/Andrea Keller: „Guten Tag, haben Sie mein Glück gefunden?“

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28271

Gibt es das –  inneren Frieden? Frauke Seidensticker coacht und evaluiert Menschenrechtsprojekte. Und hat erlebt, ja, einen tiefen Frieden gibt:

„Vergangenes Jahr hatte ich ein einzigartiges Erlebnis. Inmitten einer Zeit, in der ich vor lauter Aufregungen kaum noch aus den Augen gucken konnte. Ich saß im Wohnzimmer im Sessel, als ich mich vollkommen unerwartet in einem inneren Frieden wiederfand, wie ich ihn noch nie erlebt hatte.

Er sang, er klang und er rauschte.
Er verblüffte mich über alle Maßen.
Ich saß da, und es herrschte Frieden.
Es war offensichtlich, dass er nicht an eine Bedingung geknüpft war.
Er war kein Lohn dafür, dass ich so großartig nach einem anderen Menschen schaue oder so kluge Fragen stelle.
Er war auch keine Hilfe, weil ich ein armes Wurm bin.
Er war einfach nur. Und ich verstand auch, dass er immer ist.“

F. L. Seidensticker, Er sang, er klang und er rauschte, in: leicht&Sinn. Evangelisches Magazin für Frauen- und Gemeindearbeit

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28270

Wer das Glück ernst nimmt, kann nicht Krieg führen! Das erzählt auch ein altes chinesisches Märchen:

„Als ein Krieg zwischen den beiden benachbarten Völkern unvermeidlich war, schickten die feindlichen Feldherren Späher aus, um zu erkunden, wo man am leichtesten in das Nachbarland einfallen könnte.

Die Kundschafter kehrten zurück und berichteten ungefähr mit den gleichen Worten ihren Vorgesetzten, es gäbe nur eine Stelle an der Grenze, um in das andere Land einzubrechen.

‚Dort aber‘, sagten sie, ‚wohnt ein braver kleiner Bauer in einem kleinen Haus mit seiner anmutigen Frau. Sie haben einander lieb und es heißt, sie seien die glücklichsten Menschen der Welt. Sie haben ein Kind. Wenn wir nun über das kleine Grundstück in Feindesland einmarschieren, würden wir ihr Glück zerstören. Also kann es keinen Krieg geben.‘ Das sahen die Feldherren wohl oder übel ein, und der Krieg unterblieb, wie jeder Mensch begreifen wird.“

Bärbel Wilde: Nur ein altes Märchen?, in: Christoph Morgen (Hg.), Suche Frieden und jage ihm nach

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28269

Was man so alles finden kann! Eine 30jährige Frau hat dem Fundbüro für Gefühle, Hoffnungen und Wünsche beschrieben, was sie gefunden hat:

„Ich habe mein Gottvertrauen wiedergefunden. (…)
Mein Gottvertrauen ist vielfältig. (…) An dunklen Tagen ist es die (…) Hoffnung, dass doch irgendwie alles gut wird. Und dass das, was geschieht, einen Sinn hat, selbst wenn ich ihn gerade nicht begreife.

In meiner Verzweiflung ist es der Glaube daran, dass Gott mir gerade jetzt besonders nahe ist, und dass er mich vielleicht nicht am Leiden vorbeiführt, aber ganz gewiss hindurch (…).
(…)
Manchmal ist mein Gottvertrauen auch ein schlichtes ‚und trotzdem glaube ich‘  angesichts all der schrecklichen Dinge in der Welt. Und wenn es mir gut geht (…), dann ist mein Gottvertrauen vor allem demütige Dankbarkeit – für all das, was Gott mir geschenkt hat. Mein Gottvertrauen ist der Anker in meinem Leben.“

Patrick Bolle/Andrea Keller: „Guten Tag, haben Sie mein Glück gefunden?“

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28268

Wie wird man glücklich? Der Psychiater Manfred Lütz findet die Frage überflüssig. Er sagt:

„In Momenten, in denen man glücklich ist, ist Glück gar kein Thema. Nur wenn man einen Sinn im Leben sieht, kann man wirklich glücklich sein und auch dann, wenn man etwas Sinnvolles tut. Unser Dorf Merten ist glücklicher, seit wir Flüchtlinge haben. Viele Menschen, die sonst für sich alleine gelebt haben, übernehmen ehrenamtlich Patenschaften für die Flüchtlinge oder geben Deutschkurse. Der Mensch ist ein soziales Wesen, Glück ist kein Egotrip.

http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/panorama/Es-gibt-sieben-Milliarden-Wege-zum-Gl%C3%BCck-article1793567.html

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28267

Die Welt ist kompliziert geworden. Wie sollen wir es nur schaffen, richtige Entscheidungen zu treffen? Der Publizist Till Raether kommt zu folgendem überraschenden Ergebnis:

„Mir gefällt der Gedanke, dass unser Gefühl, nichts mehr richtig machen zu können, im Grunde etwas Schönes ist. (…) Indem wir aufhören, von uns zu verlangen, alles wissen, entscheiden und immer gleich meinen zu müssen. Und nicht nur von uns selbst: auch von den anderen.

Der Mensch, der sich schlecht fühlt, weil scheinbar alles falsch oder alles auch anders richtig sein könnte, hat nicht nur von sich selbst Unfehlbarkeit verlangt, sondern auch von den anderen.

Schöner wäre es also, gemeinsam zu improvisieren. Einander beim Nachdenken und beim Überlegen zuzuschauen. Sich selbst und den anderen Zeit und Raum zu lassen, um nicht immer alles jetzt und sofort zu wissen. (…)(Darin) steckt mehr Leben als in einer aggressiv behaupteten und ängstlich festgehaltenen Wahrheit.“

Till Raether, Können wir gar nichts mehr richtig machen?, in: Brigitte 26/2018

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28266

An manchen Orten wird Stille zum Erlebnis. Der Journalist Alard von Kittlitz erzählt was er in einem Kloster erlebt hat:

„Der Mönch öffnet die Türen, zu sehen ist ein Raum im Zwielicht, an der Wand gegenüber des Eingangs ist ein Kruzifix, eine Vase mit dezent arrangierten Blumen, Sitzkissen, mehr nicht. Aber in diesem Raum ist noch etwas. Es ist unmöglich, dieses Etwas zu sehen, zu hören, doch es scheint auch unmöglich, diesem Etwas auszuweichen.

Es springt einen beinahe an, für ein paar Momente bleibt einem die Luft weg, so spürbar beginnt es hinter der Schwelle. Es ist eine immense, eine furchtbare, eine große, vollkommene Stille. Der Mönch verbeugt sich tief mit gefalteten Händen, bevor er die Türen wieder verschließt. „Einen Hauch“, sagt er dann leise, „spürt hier noch jeder. Jeder.“

Alard von Kittlitz, Wie viel Stille ertragen wir?, in: Die ZEIT am 19.12.2018

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28265