Manuskripte

SWR3 Worte

Jörg Zink hat als Rundfunkpfarrer viele Bücher über Jesus und den Glauben geschrieben. Den jungen Leuten, denen es heute nicht so gut geht, gibt er folgenden Rat:

Schau ohne Vorbehalt in alles, was um dich herum geschieht. Es könnte durchaus sein, dass da drin in dieser Landschaft irgendeiner herumläuft, der anders lebt als die Anderen. Und dann schau ihm zu und fragt ihn, warum. Und dann kann es durchaus sein, dass du aus deiner Isoliertheit und Hoffnungslosigkeit herausfindest.
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Klaus Berger hat als Professor für Neues Testament lange über die erste Christengeneration geforscht. Im Unterschied zu heute waren das mehrheitlich arme Leute. Die durch ihren Glauben zuversichtlich und untereinander solidarisch sein konnten. Die Versuchung heute sieht er bei uns in unserem Anspruchsdenken. Er meint:

Nicht nur, dass wir Ansprüche haben an Lebenskomfort, wie noch kein Volk in der Geschichte sie gehabt hat.
Dieses Anspruchsdenken bezieht sich auch auf das, was das Leben zu bieten hat. Und es ist verbunden mit einer Unfähigkeit, Leiden wahrzunehmen und auch Rückschläge und Trauer durchzustehen. Also geduldig zu sein etwa.

Das Anspruchsdenken sind auch Ansprüche an den lieben Gott, wie unser Leben auszusehen habe und dass er uns bitteschön Kummer ersparen möge, sonst treten wir aus der Kirche aus.
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Ich denke, es kommt darauf an, dass wir uns aus unseren kleinbürgerlichen Vorstellungen lösen und dem lieben Gott keinen Maulkorb nicht umbinden, sondern uns wirklich überraschen lassen.

Das Wunder von Liebe, dass also eine Frau einen Mann lieben kann, dass meine Frau mich lieben kann, ist ein absolutes Wunder, ich kann es nicht begreifen. Es ist für mich ein wirkliches Wunder, weil ich mich ja gut kenne und auch weiß, welche Schwächen und Schattenseiten ich habe. Dass es Liebe geben kann ist eine tolle Überraschung.
Die einzige Überraschung, für die wir wirklich leben. Also ich lasse mich gerne überraschen.

Klaus Berger, Theologieprofessor aus Heidelberg
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Christian Führer war in der ehemaligen DDR einer der bestbestpitzelten Pfarrer, weil er die gewaltlose Revolution und damit die Wende ingang gebracht hat. Rückblickend sagt er heute:

Wir haben keine Zeit mehr, Gott zu verschweigen. Wir müssen, wie Jesus das gesagt hat- wir müssen das Salz sein. Wir sind nicht die Creme, wir sind das Salz.
Und das heißt: wir müssen hineinwirken in die Gesellschaft. Das Salz, zum Beispiel haben die Seefahrer im Mittelalter zwischen das Fleisch gelegt, damit es nicht verfault. Wir sollen also diese Gesellschaft vor dem Verfaulen bewahren. Und wir streuen im Winter das Salz. Wir sollen also die vereisten Beziehungen auftauen.

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Christian Führer, Pfarrer der Leipziger Nicolaikirche, war wesentlich an der gewaltlosen Revolution in der DDR beteiligt. Jetzt, da er pensioniert wird, denkt er über seinen Erfolg so:

Jesus hat sogar bei seinen großen Erfolgen gesagt: Sag das nicht weiter. Danke Gott, dass du gesund geworden bist. Da würde die Marktwirtschaft sagen: der ist doch blöd, son Erfolgserlebnis muss doch aufgeblasen werden bis zum geht nicht mehr! Und genau das ist es, wo der Segen Gottes weggeht, wenn ich etwas für mich in die Scheune fahren will.
Ich werde oft von Westdeutschen gefragt: Bei allem, was die Kirche gemacht hat, sind die Leute Ihnen dankbar? Und da sag ich: genau das ist es, was wir nicht einfordern dürfen. Das hab ich von Jesus gelernt, Dass wir dankbar sind, dass wir für Andere da sein konnten. Und wo Gott seinen Segen hingeben will, das sieht man dann ja.
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Christian Führer war als Pfarrer der Leipziger Nicolaikirche im Zentrum jener Revolution, die die Wende brachte und wider alle Erwartung friedlich endete. Gemeinsam mit Michail Gorbatschow, dem damaligen Präsidenten der UdSSR wurde er dafür mit dem Augsburger Friedenspreis geehrt. Er sagt:

Kirche und Revolution ist ja was Aufregendes, was Erschreckendes.
Aber dass das gewaltlos blieb, das ist ein ungeheurer Vorgang.
Dass der Geist Jesu die Massen ergriffen hat und dass passierte, was wir zu Pfingsten in allen Kirchen der Welt hören:
Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen. Das ist wirklich passiert. Das konnten wir miterleben. Das ist ein ungeheurer Vorgang und der ist noch nicht genug aufgearbeitet.

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Christian Führer, Pfarrer der Leipziger Nicolaikirche, erinnert sich an einen der letzten Gottesdienste vor der Wende. Damals sagte er zu Beginn:

liebe Friedensgebetsgemeinde, wie schön, dass wir so große Häuser haben, dass unsere Mütter und Väter im Glauben nicht nur so kleine Hüttchen gebaut haben, wo keiner reinpasst. Wenn ich mich umsehe, sind wir heute wieder mal mit Sicherheit 2000 Leute in der Kirche.

Und er erzählt weiter: :

Damals fing alles an zu lachen, weil das Wort „Sicherheit“ war das Kürzel für „Stasi“.
Da konnten sich etliche überhaupt nicht freuen. Die saßen plötzlich mit eiserner Miene da und ohne dass sie es wollten, enttarnten die sich als Stasileute. Und die Leute konnten sehen: so allmächtig sind die gar nicht!
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