Manuskripte

SWR3 Worte

Ich weiß: die Geschichte der Kirchen ist voller Greuel;
Mord, Unterdrückung, Terror wurden ausgeübt und vollzogen,
aber es gab auch Franziskus, Vincent, Katharina - es würde zuviel Platz erfordern, wollte ich das (Heiligen-)Register des »Martyrologium Romanum« hier abdrucken lassen. Selbst die allerschlechteste christliche Welt würde ich der besten heidnischen vorziehen, weil es in einer christlichen Welt Raum gibt für die, denen keine heidnische Welt je Raum gab: für Krüppel und Kranke, Alte und Schwache, und mehr noch als Raum gab es für sie Liebe, für die, die der … gottlosen Welt nutzlos erschienen und erscheinen… Ich empfehle es der Nachdenklichkeit und der Vorstellungskraft der Zeitgenossen, sich eine Welt vorzustellen, auf der es Christus nicht gegeben hätte

Heinrich Böll: Eine Welt ohne Christus

in: Karlheinz Deschner (Hrsg.): Was halten Sie vom Christentum? 18 Antworten auf eine Umfrage, München 1958, 21-24, hier 23



https://www.kirche-im-swr.de/?m=2441
Wenn wir morgens früh in den Dom kommen, haben die Ostfenster - die Fenster unseres Ursprungs - ihren vollen Schein. Die anderen Fenster nehmen teil an diesem Licht wie an einem Versprechen. Kommen wir etwas später, dann ist das Licht frisch, zart und beinahe zerbrechlich. Sind wir mittags da, dann bringt das Südfenster - der Höhepunkt unseres Lebens - ein eigenes Licht. Niemals ist das Licht so klar, sind die Farben so hell und die Konturen so deutlich. Geht es auf den Abend zu, wird das Licht sanft und bescheiden. So kann es nur aus dem Westen aufscheinen: von den Enden her, von dort, woher Er einmal erscheinen wird.
So ist es, wenn … ewiges Licht auf unseren Lebenslauf fällt. Der wird dann mit der Ewigkeit verbunden und zugleich auch von ihr getrennt durch die dünne Wand unserer Endlichkeit. Das Fenster lässt uns ahnen, dass diese Trennwand eine Wand zum Licht ist.

Frans Andriessen: Trennwand zum Licht

Aus: Wilhelm Bruners/Herman-Frans Andriessen/Waltraud Grießer, Wechselndes Licht oder Das Fenster im Kasten, Düsseldorf: KlensVerlag 2004.


https://www.kirche-im-swr.de/?m=2440
Das uns konkret aufgetragene Dasein ist der Standort, von dem aus wir zu Gott gelangen sollten. Dies ist heute nicht selbstverständlich. (Es bedeutet) aber auch, dass wir den anderen Menschen in Ehrfurcht begegnen, sie in ihrer Eigenart anerkennen, ihre Privatsphäre achten, eine Zurückhaltung, ja eine Vornehmheit vor der ehrlich gemeinten Meinung eines jeden haben, die Kleinen und die Wehrlosen verteidigen, vor den Hilflosen innehalten, niemanden richten, dass wir einfach menschlich höflich seien mit all dem, was dazugehört an Mitempfinden und Bedenken fremden Lebens... Schließlich bedeutet es auch, dass wir uns nicht zufrieden geben mit dem bereits Verwirklichten. (Das heißt Leben in einer heiligen Welt.)

Ladislaus Boros, Befreiung zum Leben
aus: Boros, Ladislaus, Befreiung zum Leben. Die Exerzitien des Ignatius von Loyola als Wegweisung für heute, Freiburg: Verlag Herder 1977

https://www.kirche-im-swr.de/?m=2439
Und wenn die Welt voll Teufel wär‘
Und wollt‘ uns gar verschlingen,
so fürchten wir uns nicht so sehr,
es soll uns doch gelingen!
Der Fürst dieser Welt,
wie saur er sich stellt,
tut er uns doch nicht,
das macht, er ist gericht‘.
Ein Wörtlein kann ihn fällen.

Martin Luther – Ein feste Burg ist unser Gott, dritte Strofe
(Evangelisches Gesangbuch N° 362)


Und noch ein evangelisches Wort zum heutigen Reformations-Festtag,
den viele ja nur als Halloween kennen:
„Auch Martin Luther mochte Kürbisse.
In der Suppe.“

(E-Card von EKD online)


https://www.kirche-im-swr.de/?m=2438
„Doc liebt mich wirklich, weißt du“, sagte Holly. „Und ich liebe ihn auch. Für dich hat er vielleicht alt und heruntergekommen ausgesehen. Aber du weißt nicht, wie liebevoll er ist, welches Vertrauen er Vögeln und kleinen Kindern und solchen empfindlichen Geschöpfen geben kann. Und jemandem, der einem je Selbstvertrauen gegeben hat, dem schuldet man viel. Ich habe Doc immer in meine Gebete eingeschlossen. – Hör bitte auf, so dreckig zu grinsen!“, forderte sie und drückte heftig ihre Zigarette aus. „Ja, ich bete tatsächlich.“

Truman Capote, Holly betet für den Ex, den sie verlassen hat

in: Truman Capote, Frühstück bei Tiffany, in der Bibliothek der Süddeutschen Zeitung, München 2007, S. 72


https://www.kirche-im-swr.de/?m=2437
Holly hielt immer noch den Kater im Arm. „Armes Schwein ohne Namen“, sagte sie und kitzelte seinen Kopf… „Es ist ein bisschen unbequem, dass er keinen Namen hat. Aber ich habe kein Recht, ihm einen zu geben: Er wird warten müssen, bis er jemandem gehört… Wir gehören einander nicht: er ist unabhängig, und ich bin’s auch. Ich möchte nichts besitzen, bis ich weiß, ich habe den Ort gefunden, wo ich und das ganze Drumherum zusammengehören. Ich bin mir noch nicht sicher, wo das sein wird. Aber ich weiß, wie das sein muss… Es muss sein wie bei Tiffany“, sagte sie.
“Wenn ich im richtigen Leben mal einen Ort finde, wo ich mich so fühle wie bei Tiffany, dann werde ich Möbel kaufen und dem Kater einen Namen geben…“

Truman Capote, Holly träumt vom Paradies

in: Truman Capote, Frühstück bei Tiffany, in der Bibliothek der Süddeutschen Zeitung, München 2007, S. 40/41

https://www.kirche-im-swr.de/?m=2436
Gundula Gause, Moderatorin beim heute-Journal,
auf die Fragen Was glaubst du – wofür liebst du – was gibst du:


Ich glaube an den Gott der Gerechtigkeit, der in dieser Welt, die ja nicht so friedlich ist …, doch wirkt. Er ruft die Christen auf, in die Wunden der Welt zu gehen... Unter (seinem) Schirm (bewege) ich mich …
Ich lebe dafür, dass ich mich einsetzen kann im Rahmen meiner Möglichkeiten, die Dinge zum Guten zu wenden, zu helfen. Ich versuche mich in den Dienst von Dingen zu stellen, die ich als unterstützenswert erachte und dazu gehört eben missio. Ich … habe gesehen wie dringend notwendig (Afrika) unsere Hilfe braucht... Ich gebe was ich nur kann... Und das nicht nur in der Weite und der Ferne, sondern auch im ganz nahen Umfeld… Ich versuche damit, andere (zu) motivieren zu helfen...

Gundula Gause unterstützt den heutigen Weltmissions-Sonntag

https://www.kirche-im-swr.de/?m=2435