Manuskripte

SWR3 Worte

16JUN2007
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Die Kunst, richtig zu reisen
Entwirf deinen Reiseplan im großen – und laß dich im einzelnen von der bunten Stunde treiben. Die größte Sehenswürdigkeit, die es gibt, ist die Welt – sieh sie dir an.
Nimm die kleinen Schwierigkeiten der Reise nicht so wichtig; bleibst du einmal auf einer Zwischenstation sitzen, dann freu dich, daß du am Leben bist, sieh dir die Hühner an und die ernsthaften Ziegen, und mach einen kleinen Schwatz mit dem Mann im Zigarrenladen.
Entspanne dich. Laß das Steuer los. Trudele durch die Welt. Sie ist so schön: gib dich ihr hin, und sie wird sich dir geben.

Kurt Tucholsky: Kleine Geschichten
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15JUN2007
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Pu der Bär, das ziemlich lebendige Kuscheltier von Christopher Robin, wacht eines nachts von einem fremdartigen, etwas beunruhigenden Geräusch auf. Was dann passiert, erzählt A.A.Milne so:

Pu stieg aus dem Bett und öffnete die Haustür.

„Hallo!“, sagte er für den Fall dass dort draußen etwas war.
„Hallo!“, sagte Was-es-auch-war.
„Oh!“, sagte Pu. „Hallo!“
„Hallo!“
„Ach, da bist du!“ sagte Pu. „Hallo!“
„Hallo!“, sagte das fremdartige Tier, das sich fragte, wie lange dies wohl noch so weitergehen würde.
Pu wollte gerade zum vierten Mal „Hallo!“ sagen, als er dachte, dass er das eigentlich doch nicht wollte, und deshalb sagte er stattdessen: „Wer ist da?“
„Ich“, sagte eine Stimme.
„Ach!“ sagte Pu. „Dann komm doch mal her.“
Also kam Was-es-auch-war her und im Licht der Kerze sahen Es und Pu einander an.
„Ich bin Pu“, sagte Pu.
„Ich bin Tieger“, sagte Tieger.

Pu der Bär von A.A. Milne

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14JUN2007
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Heute startet die Aktion „Suchtwoche“. Sie steht unter dem Motto: Verantwortung setzt die Grenze. Ein Anstoß für die Aktion war der extreme Alkoholmissbrauch von Jugendlichen. Auf der Internetseite von Ginko, der Landeskoordinierungsstelle für Suchtvorbeugung, findet sich zu diesem Thema das anonyme Gedicht „Sehn-sucht“:
Ja, ich könnte eine
Anzeige aufgeben, in
der würde stehen:
16- jährig, weiblich
sucht. Ja und
dann müßte ich
natürlich schreiben,
wonach ich suche.
Und das weiß ich
nicht. Vielleicht
suche ich nach dem
Erlebnis, überhaupt
nach dem was
eine Leere in mir
ausfüllt, die ich
täglich in mir
spüre. Ich suche,
ich flüchte.
Ich flüchte in eine
andere Welt. Diese
Welt ist heile, schön
romantisch, voller Liebe,
Und total unrealistisch,
unglaubwürdig und scheinheilig.

(www.rauschfaktor.de)
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13JUN2007
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Wo soll ich anfangen?
Am besten bei Deinen zahlreichen Beschäftigungen, denn ihretwegen habe ich am meisten Mitleid mit Dir. Ich fürchte, dass Du, eingekeilt in Deine zahlreichen Beschäftigungen, keinen Ausweg mehr siehst und deshalb Deine Stirn verhärtest; dass Du dich nach und nach des Gespürs für einen durchaus richtigen und heilsamen Schmerz entledigst.

Es ist viel klüger, du entziehst Dich von Zeit zu Zeit Deinen Beschäftigungen, als dass sie Dich ziehen und Dich nach und nach an einen Punkt führen, an dem Du nicht landen willst.
Du fragst: „An welchen Punkt?“ An den Punkt wo das Herz hart wird.

Bernhard von Clairvaux schrieb dies im Jahre 1149 an Papst Eugen III.
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12JUN2007
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Du hast mich geträumt Gott
wie ich den aufrechten Gang übe
und niederknien lerne
schöner als ich jetzt bin
glücklicher als ich mich traue
freier als bei uns erlaubt
Hör nicht auf mich zu träumen Gott
ich will nicht aufhören mich zu erinnern
dass ich dein Baum bin
gepflanzt an den Wasserbächen
des Lebens


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11JUN2007
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Unsere tiefste Angst ist nicht, dass wir einer Sache nicht gewachsen sind. Unsere tiefste Angst ist, dass wir unermesslich mächtig sind. Es ist unser Licht, das wir fürchten, nicht unsere Dunkelheit.
Wir fragen uns, wer bin ich überhaupt, dass ich strahlend, bezaubernd, begnadet und phantastisch sein darf?
Wer bist du denn, dass du das nicht sein darfst? Du bist ein Kind Gottes.

Marianne Williamson, amerikanische Predigerin und Autorin
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10JUN2007
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Seit Urzeiten stellen Menschen die Frage, wer für die Missstände in der Welt verantwortlich ist. Wenn sie direkt auf das zurückgehen, was Menschen tun, kann man ja noch sagen: Ok, dafür sind Menschen verantwortlich. Ich, andere. Aber was ist mit dem Übel, das nicht von Menschen verursacht wird? Naturkatastrophen, Krankheit, Tod?
Fridolin Stier stellt auch diese Frage, und er stellt sie Gott:
„Es ist etwas in mir, dass sich weigert, dich aus der Haftung … zu entlassen. Nein, nein, Herr, ich glaube nicht, daß du mich mit der banalen Antwort abwimmelst, das sei eben die Ordnung … der Natur. Ja, aber wessen ist diese Ordnung, wenn du der Schöpfer bist? Ich frage dich, DICH frage ich.“

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