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SWR3 Gedanken

Ein freier Fall ins Ungewisse! Hier soll ich nun runterspringen?
Was hab ich mir dabei nur gedacht?
Aber jetzt stehe ich oben. Der Abgrund tut sich vor mir auf.  
Das ist gefährlich. Was da nicht alles passieren kann. Das Seil kann reißen. Mein Herz kann stehen bleiben. Am liebsten würde ich wieder zu Fuß runter. Aber das geht ja nun auch nicht mehr. Und ich hab es ja auch gewollt. Also gut, es sind Leute schon vor mir hier herunter gesprungen. Nicht nachdenken. Fallen lassen. Springen. Ich wage es.
Es ist anders, als ich erwartet habe. Der Sprung. Das sich fallen lassen. Schneller. Leichter. Eine verrückte Erfahrung, einzigartig. Ich denke an nichts mehr. Es ist nur noch das: ich falle.
Und dann stehe ich auch schon wieder unten, mit heilen Knochen und ganz lebendig und zitternd vor Adrenalin.
Im Nachhinein ist mir der Gedanke gekommen:
An Gott glauben ist ein bisschen so wie Bungee jumping: ein freier Flug ins Ungewisse.
Man geht los, traut sich, wagt den Sprung. Glauben ist ein Wagnis. Es ist nicht selbstverständlich, nicht logisch, nicht rational. Glauben ist wie ein freier Flug, ein sich fallen lassen, im Vertrauen darauf, dass das Seil hält, dass Gott da ist. Auch wenn es ver-rückt klingt und weder selbstverständlich noch einfach ist. Da ist das Gefühl von unbedingter Freiheit. Ich bin frei, weil es da noch einen gibt, einen, der mich hält, der da ist. Glauben ist Vertrauen, ist Hoffen, ist Liebe zum Leben.
Soll ich nun also springen?

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„Der kleine Malte möchte aus dem Kinderparadies abgeholt werden" ertönt die Stimme aus dem Lautsprecher einer bekannten Möbelkette. Meine Freundin bleibt stehen und guckt mich an: „Sag mal, was für ein Paradies ist das eigentlich, aus dem der Junge abgeholt werden möchte??"
Schließlich darf Klein-Malte malen, Video gucken und im Bällebad toben. Und trotzdem meint er nach zwei Stunden Paradies, es reicht!
Irgendetwas scheint zu fehlen in diesem Wohn- und Spieleparadies auf Erden.
In Maltes Fall fehlen ihm wohl eindeutig Mama und Papa. Er braucht die Arme und die Liebe seiner Eltern.
Und sonst? Geht es Ihnen nicht auch manchmal so? Sind wir nicht alle ein bisschen wie Malte?
Da ist doch alles so schön bunt, hip und geschmackvoll eingerichtet. Und man kann herrlich von der perfekten Kleinfamilie träumen. Sich das traute Heim perfekt einrichten. Aber etwas fehlt.
Vielleicht wie im Bällebad: alles ist wunderbar und bunt, aber innen drin, da ist es hohl.
Was ist das Paradies?
Es ist da, wo man sich wohl fühlt und zu Hause ist.
Für Christinnen und Christen ist es der Ort, an dem sie sich Gott nahe fühlen, wo sie sich von Gott aufgehoben und umgeben fühlen.
Das Paradies ist hinter einer Tür, an der man jederzeit anklopfen kann. Und dahinter ist es aber eben nicht hohl und leer. Dahinter ist jemand, der mich versteht, der mich in den Arm nimmt, der mich liebt.

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und nehme mit - den Segen Gottes.
„Ich packe meinen Koffer und nehme mit... eine Zahnbürste." „Ich packe meinen Koffer und nehme mit: eine Zahnbürste und einen Badeanzug." Kennen Sie dieses Spiel? Eignet sich prima für lange Autoreisen, auf der Jugendfreizeit, im Sommerferienlager. Der Reihe nach werden immer mehr Sachen in den Koffer gepackt und der nächste muss dann alles wiederholen und noch ein Teil dazu packen.
Auch in der Bibel gibt es Geschichten vom Koffer-packen. Eine besonders schöne erzählt den Aufbruch von Abram und seiner Frau Sarai in ein völlig unbekanntes Land. Es ist eine etwas komische Geschichte, weil Abram keinen Grund hat, in die Fremde zu ziehen. Abram fühlt sich eigentlich sehr wohl in seiner Stadt und ist dort ganz zufrieden. Warum sollte er also Koffer packen und losziehen? Außerdem ist der 75 Jahre alt, gewiss kein Alter, in dem man jetzt so unbedingt ein neues Leben in einer fremden Stadt anfangen möchte. Aber Abram tut es doch!  Er packt seinen Koffer oder vermutlich eher mehrere Karren voll und macht sich auf den Weg. Warum? Gott hat mich gerufen, hat er gesagt. Und Abram und seine Familie ziehen los.  Und dann gibt Gott ihnen seinen Segen mit auf den Weg: „Ich will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein" (Genesis 12,2b).
Ich finde die Geschichte von Abram sehr schön, weil sie mich daran erinnert: egal, was ich einpacke für meine Reise, Gottes Segen ist immer dabei, wenn ich das will.
Also: Ich packe meinen Koffer und nehme mit - eine Zahnbürste, einen Badeanzug und den Segen Gottes.

 

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Angst ist ein großes Thema. Jeder hat Angst, mehr oder weniger. Manchmal vor was Realem wie Mäuse oder Menschen, manchmal vor eher „Gefühltem" wie Enge oder Beschämt werden.
Therapieangebote gegen Angst gibt es wie Sand am Meer. Man bräuchte eigentlich keine Angst mehr zu haben, möchte man meinen. Weil man nach einer erfolgreichen Therapie wieder Aufzug fahren oder in ein Flugzeug steigen kann. Aber damit ist man die Angst eben noch nicht los.
Angst gehört zu unserem Leben dazu.
Die Bibel erzählt gleich am Anfang, dass das nun mal so ist. Sie erzählt es in der Geschichte vom sogenannten Sündenfall. Kennen Sie bestimmt: Adam und Eva im Paradies, die Schlange, der Apfel und aus, das war's mit dem Paradies. Und dann, draußen, jenseits vom Garten Eden lauert die Angst.
Die Geschichte will sagen: Angst ist die Folge von zerstörtem Urvertrauen.
Wie ein Kind Angst hat ab dem Moment, ab dem es sich von der Mutter entfernt, so hat - laut der Geschichte - ein Erwachsener Angst, wenn er sich von Gott entfernt. Weil er wie Adam und Eva gegen Gottes Gebot handelt. Weil er gegen sein Gewissen handelt. Und das kann ziemlich schief gehen.
Die schlechte Nachricht: seit Adam und Eva leben wir nun schon jenseits vom Paradies, sind nackt und hilflos dem Leben ausgeliefert, von Gott getrennt.
Die gute Nachricht: Gott schmeißt Adam und Eva nicht einfach nackt aus dem Paradies, er gibt ihnen Kleidung mit auf den Weg.
Und uns gibt er Menschen mit auf den Weg. Pfarrer und Therapeuten und gute Freunde, die uns helfen, locker zu bleiben. Und mit der Angst durchs Leben zu gehen.

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Angst ist ein gutes Geschäft. Alle haben sie, jeder will sie loswerden. Vor allem, wenn sie das Leben einschränkt und behindert. Dann lässt sich damit ein gutes Geschäft machen, dann gibt es Therapien und Ratgeberbücher und Ratgebersendungen. Einen wirklichen Reibach aber machen wohl die, die Alkohol und Drogen verkaufen, um die Angst einfach zu betäuben. Damit lässt sich eine Menge Geld verdienen.
Wenn das alles so einfach wäre, seine Angst loszuwerden.
Es gibt da eine Geschichte in der Bibel, die von Jesu ersten Jüngern erzählt (Lukas 5,1-11).
Jesus war unterwegs und stolperte über so ein paar junge Männer, unter anderem über einen, der Petrus heißt, der ist gerade beim Fischen auf dem See. Jesus hilft und - oh Wunder, oh Wunder - die Fische wollen nur so gefangen werden, die Fischernetze sind bald zu klein, die Fischerboote laufen über vor gefangenem Fisch. Man sollte meinen, die Fischer sind überwältigt vor Freude - aber tatsächlich macht ihnen das Ganze Angst. Was ja nun auch irgendwie verständlich ist, weil das nicht mit rechten Dingen zugehen kann.

Was macht Jesus also? Welche therapeutische Weisheit hat er auf Lager, um Petrus seine Angst zu nehmen? Er sagt ihm ein wenig lapidar, er solle mal keine Angst haben, das seien ja nun kleine Fische, er solle ihm doch lieber nachfolgen und Menschenfischer werden. Und irgendwie hat Petrus das fasziniert. Also macht sich Petrus auf, folgt Jesus nach und fischt von nun an große Fische.
Und was ist aus seiner Angst geworden?
Ich stelle mir das so vor: da hat jemand Angst vor etwas Ungewohntem, etwas Neuem. Und ein anderer macht ihm Mut; ja, und nicht nur das, Jesus rückt die Perspektive zurecht. Nach dem Motto: Petrus, du kannst Größeres leisten als das! Wenn einer dem anderen etwas zutraut, verschieben sich die Ängste. Der Blick weitet sich, die Perspektive ändert sich. Da bin ja ich gemeint! Da traut mir jemand etwas zu. Wovor sollte ich da noch Angst haben?

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Eine Schiffsreise. Viele Leute träumen davon, einmal in ihrem Leben eine Schiffsreise zu machen. Ja, früher mal, da war das Schiff DAS klassische Fortbewegungsmittel wie heute das Auto, die Bahn oder das Flugzeug.
Also warum haben heute viele das Schiff sozusagen wiederentdeckt?
Vielleicht, weil es eine ruhige Art zu reisen ist. Das Schiff fährt langsam, gleichmäßig brummen die Motoren, man genießt Ruhe, die Uhren ticken langsamer.

Außerdem ist an Bord für alles gesorgt: Kino, Theater, Bars, Restaurants, Swimming Pool - das Schiff ist eine schwimmende Kleinstadt!
Damit das Leben auf einem Schiff funktioniert, gibt es klare Regeln und Vorschriften, z.B. wer wann und wo zum Essen erwartet wird. Organisation und Planung sind wichtig, damit der Betrieb an Bord reibungslos läuft.
Auch von Schwierigkeiten bekommt man in der Regel nichts mit, weder von gefährlichen Stellen, durch die das Schiff manövriert werden muss, noch von technischen Problemen. Ein erfahrener Kapitän mit einer erfahrenen Mannschaft lenkt das Schiff unbemerkt durch Gefahrenzonen hindurch.
Mich erinnert das an ein wunderbares Kirchenlied. Das vergleicht das Gemeindeleben mit so einem Schiff: „Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt, fährt durch das Meer der Zeit." Das Lied erzählt davon, wie das Schiff, wie die Gemeinschaft bedroht ist von Stürmen und Gefahren.
Und wie schafft es das Schiff dann doch, ans Ziel zu kommen?  Ganz einfach:
„Im Schiff, das sich Gemeinde nennt, muss eine Mannschaft sein, sonst ist man auf der weiten Fahrt verloren und allein. Ein jeder stehe, wo er steht, und tue seine Pflicht, wenn er sein Teil nicht treu erfüllt, gelingt das Ganze nicht. Und was die Mannschaft auf dem Schiff ganz fest zusammenschweißt in Glaube, Hoffnung, Zuversicht, ist Gottes guter Geist."

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Was ist das denn? Wir halten inne, mein Hund und ich. Da liegt mitten auf dem Weg ein Etwas. Es ist morgens früh. Schleierwolken hängen noch tief über dem Wald. Das kleine Etwas atmet noch. Wir nähern uns vorsichtig. Es ist ein ganz, ganz kleines Rehkitz. Noch feucht. Es atmet, aber es bewegt sich nicht. Der Kopf liegt auf der Seite, auf dem Boden. Das Kleine guckt mich an: erschöpft, traurig? am Ende seiner Kräfte; am Ende eines viel zu kurzen Lebens?
Was soll ich machen? Einfach liegen lassen? Auf jeden Fall nicht anfassen, warnt eine Stimme in meinem Kopf, sonst hat es überhaupt gar keine Chance mehr, falls seine Rehmutter noch irgendwo ist und nach ihrem Kleinen sucht. Also einfach liegen lassen? Also ja, ich lasse es einfach liegen; mein Hund und ich gehen weiter. Aber der Blick: zu Tode erschöpft, resigniert, lässt mich einfach nicht los.
Es klingt vielleicht ein wenig naiv, ich weiß. Aber auf dem restlichen Weg habe ich gebetet. Ich habe Gott gebeten, sich um das kleine, verlorene Rehkitz zu kümmern. Dass Gott entweder ein Wunder geschehen lässt und die Rehmutter ihr Kleines findet, dass das Kleine noch so viel Kraft hat, um sich aufzurichten und die Zitzen seiner Mutter zu finden. Oder dass Gott es in aller Ruhe sterben lässt, und es nicht von anderen Tieren aufgefressen wird.
Am nächsten Morgen sind mein Hund und ich denselben Weg nochmal gegangen. Keine Spur mehr vom Rehkitz. Auch rechts und links vom Weg: nichts. Wir haben überall gesucht: nichts, keine Spur.
Ist das Rehkitz mit Haut und Haaren aufgegessen worden? Oder hat es seine Mutter wiedergefunden? Ich weiß es nicht.
Aber: Hoffen kann man immer. Und beten auch.
Weil ich weiß: Wunder geschehen.

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