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SWR3 Gedanken


Morgen ist Valentinstag. Gedenktag für die Liebenden. Rote Rosen werden morgen von Romantik und Liebe sprechen. Und wem das nicht genügt, der kann nach Köln fahren. Dort hängen auf der Hohenzollernbrücke Hunderte von so genannten „Liebesschlössern“. Einfache Vorhängeschlösser im Brückenzaun, meist mit eingravierten Namen, oft mit einem Datum. Und der Schlüssel liegt auf immer im Rhein. Als Zeichen für die Liebe, die ewig halten soll.

Ein paar der Schlösser habe ich mir angesehen. Und mir dabei überlegt: Wie viele dieser Beziehungen sind wohl tatsächlich für die Ewigkeit? Womöglich ist ein Teil dieser Schlösser schon längst Zeichen dafür, dass eben nichts für die Ewigkeit ist. Schon gar nicht die große Liebe.

Denn eine andere Sprache als die „Liebesschlösser“ spricht das Statistische Bundesamt. Im Jahr 2007 betrug die durchschnittliche Ehedauer bei Scheidung vierzehn Jahre. Eine ziemlich kurze Ewigkeit. Und die erste große Liebe dauert in den seltensten Fällen länger als ein Jahr.

Aber was wäre die Liebe ohne Hoffnung? Die Sehnsucht nach Liebe, nach tragfähigen Beziehungen, nach Menschen, die zu mir gehören. Die lässt sich einfach nicht unterkriegen. Allen statistischen Erhebungen zum Trotz. Auf der Hohenzollernbrücke ist das mit Händen zu greifen.

Deswegen betrachte ich die „Liebesschlösser“ auch nicht mit den Augen des Statistischen Bundesamtes, sondern mit den Augen der Bibel. Dort heißt es: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ Und ich verstehe das nicht als Hinweis auf die ewige romantische Liebe, sondern auf die Liebe überhaupt. Vielleicht ist es gar nicht so wichtig, den einen fürs Leben zu finden. Vielleicht ist das Wichtigste, überhaupt Liebe zu erleben. Liebe zu leben.

Mit roten Rosen oder Vorhängeschlössern werde ich deshalb morgen nicht um mich werfen. Aber ich werde dafür dankbar sein, dass es in meinem Leben Menschen gibt, die ich liebe und die mich lieben. Und das nicht nur am Valentinstag.
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Als Susanne erfährt, dass sie schwanger ist, ist das einer der schönsten Momente ihres Lebens. Sie eilt nach Hause, um es dem zukünftigen Vater Mario zu erzählen. Mario ist wenige Wochen später verschwunden. Von einem Tag auf den anderen. Etwas von Verantwortung hat er noch gemurmelt. Und dass die ihm zu groß ist.

Susanne bringt ihr Kind zur Welt. Als Susanne ihre kleine Tochter sieht, ist zum ersten Mal seit langem ihre Welt wieder in Ordnung. Wenigstens ein bisschen. Denn natürlich kommen die Probleme. Mit Mario, der noch nicht einmal Unterhalt zahlt. Mit ihren Eltern, die sie zwar unterstützen, dafür aber auch alles besser wissen. Mit dem neuen Arbeitsplatz, den sie nun so schnell nicht antreten wird.

Susanne ist eine von Tausenden allein erziehender Mütter. Die ihre Kinder lieben, aber manchmal das Leben kaum bewältigen. Die schon gar nicht mehr wissen, wie sich Durchatmen anfühlt. Und an Stellen Probleme erleben, wo man sie gar nicht vermutet. Zum Beispiel bei der Taufe. Weil das doch ein Familienfest ist.

Viele Alleinerziehende empfinden sich aber als „unvollständige Familie“ und wollen so nicht in der Kirchenbank sitzen. Außerdem gehört zu einem Familienfest eben auch das Fest, das mit finanziellen Belastungen verbunden ist. Und in die reine Freude über die Geburt eines Kindes mischt sich am Taufstein auch die Trauer über einen Lebensplan, den man sich anders erträumt hat.

All das bewegt auch Susanne. Bis sie erfährt, dass es in ihrer Gemeinde einen eigenen Taufgottesdienst für Alleinerziehende gibt. Gemeinsam wird die Taufe vorbereitet und gemeinsam wird anschließend das Fest gefeiert. Da macht Susanne mit. Und erlebt einen rundum gelungenen Tag im Kreis von Menschen, die ja mit ganz ähnlichen Erfahrungen da sitzen wie sie.

Taufe ist in der Tat ein großes Familienfest. Ein Fest der großen Familie Gottes. Zu der alle Menschen gehören. Ob gemeinsam oder allein erziehend. Ein Fest zum Durchatmen.
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Wenn ich meine Pfandflaschen im Supermarkt in den Container werfe, finde ich seit kurzem einen neuen Knopf. Wenn ich den drücke, dann landet mein Pfandgeld nicht in meinem Geldbeutel, sondern wird für einen guten Zweck gespendet. In diesem Fall für den Bundesverband der Deutschen Tafel, die Bedürftige mit Lebensmitteln unterstützt.

Gute Idee. Erfunden haben’s zwei Berliner namens Raul Krauthausen und sein Cousin Jan Mörsch. Bei einem Ideenwettbewerb unter dem Motto „Was fehlt in der Welt“ reichten sie im Juli 2005 das Projekt mit dem sinnreichen Namen „Pfandtastisch helfen“ ein und gewannen prompt den ersten Preis. Mittlerweile hat die Idee bundesweit Nachahmer gefunden.

Die beiden Erfinder nennen sich mit leicht ironischem Augenzwinkern „Die Sozialhelden“. Weil sie der Überzeugung sind, dass soziales Engagement Spaß machen muss und kann. Eine Überzeugung, die offensichtlich ansteckend ist. Denn mittlerweile schart sich um die beiden Initiatoren ein großes Netzwerk von Freiwilligen, die mit kleinen Schritten die Welt ein wenig besser machen wollen.

Was bewegt Menschen dazu, für andere Sozialhelden sein zu wollen? Raul Krauthausen meint dazu simpel und ergreifend: „Mein Cousin und ich hatten eine tolle Kindheit, einfach alles, was wir brauchten. Das möchten wir anderen auch ermöglichen.“ Starke Worte. Denn Raul Krauthausen leidet von Geburt an an der Glasknochenkrankheit und sitzt im Rollstuhl.

Das hindert ihn aber nicht daran, am Tag durchschnittlich 80 Kilometer hinter sich zu bringen, um an alten und neuen Projekten zu arbeiten. Mitleid ist ihm dabei zuwider. Mit seinen Ideen will er Aufmerksamkeit erregen und Menschen zum Umdenken bringen.

Er selbst findet sich gar nichts Besonderes. Oder anders gesagt: Jeder kann ein Sozialheld sein. Wenn er einen Blick hat für das, was nicht gut läuft, und bereit ist, kreativ daran etwas zu ändern. Die Sozialhelden machen’s vor. Ganz ohne erhobenen Zeigefinger. Aber mit pfandtastisch viel Spaß am Helfen.

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Lache, und die Welt lacht mit dir. Dieses Motto haben sich die Japaner sehr zu Herzen genommen und ein Gesichtserkennungssystem namens „Smile Scan“ entwickelt. Mit einer Kamera werden die Gesichtszüge einer Person analysiert und bewertet. Hundert Punkte gibt es für das ideale Lächeln.

Zum Einsatz kommt das System zur Zeit bei 530 japanischen Bahnangestellten. Die sollen ihre Kunden nicht mit hängenden Mundwinkeln bedienen, sondern stets und immer mit einem strahlenden Lächeln. Deshalb steht am Beginn eines jeden Arbeitstages der Lächeltest. Das beste Lächeln wird dann ausgedruckt und als Munterkeits-Motivationshilfe mit in den Tag genommen. Lache, und der Kunde lacht mit dir.

Zugegeben. Auch ich konsumiere lieber in freundlicher Atmosphäre als in Gesellschaft eines Muffelgesichtes. Aber die Menschen sind in der Regel nicht von Haus aus schlecht gelaunt. Und Menschen, die im Dienstleistungsgewerbe arbeiten, sind eben Menschen. Menschen mit Sorgen und Launen, mit Stimmungen und Gefühlen.

Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Kaufhauses Karstadt in Kaiserslautern zum Beispiel sind im Moment aus gutem Grund durch die Bank schlecht drauf. Weil man das Haus einfach schließt. Die Mitarbeiterin an der Kasse eines Discounters wirkt vielleicht deshalb so bedrückt, weil man ihr noch nicht einmal einen Mindestlohn zahlt. Und der Kellner im Hotel hat Falten auf der Stirn, weil seine Tochter die Schule nicht schafft.

Sie alle würden den Lächeltest nicht bestehen. Weil ihnen eben nicht zum Lachen zumute ist. Aber auch mir bleibt das Lachen in der Kehle stecken, wenn mein Gegenüber nur lächelt, weil ein Arbeitgeber es ihm befiehlt.

Bevor die Arbeitswelt endgültig aus Menschen Maschinen macht, vergebe ich lieber hundert Punkte für Gesichter, die aus ihrem Herzen keine Mördergrube machen.
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„Gott schuf die Welt in sieben Tagen. Am Dienstagnachmittag um 16.33 Uhr machte er jedoch eine Pause. Diese Zeit nutzte der Teufel, um den Nacktmull zu schaffen.“ Satirische Zeilen über ein Tier, das schon ziemlich hässlich aussieht. Der Nacktmull.

Falls Ihnen noch nie einer untergekommen ist, hier eine kurze Beschreibung. Der Nacktmull lebt in Afrika und sieht aus wie eine nackte Ratte mit riesigen Zähnen. Seine Augen und Ohren sind so klein, dass man sie kaum sieht. Und seine Haut schlägt ziemlich viele Falten. Nicht gerade das geeignete Haustier für die lieben Kleinen.

Dafür aber ein geeignetes Versuchstier für die Pharmaindustrie. Denn dem Nacktmull fehlt eine Substanz namens P, die in der Haut der anderen Säugetiere zuständig ist für die Schmerzwahrnehmung. Ob glühende Lampen oder Schnittverletzungen, dem Nacktmull tut’s nicht weh. Und das macht den Nacktmull so interessant für die Forschung. Weil dem Säugetier Mensch dauernd etwas weh tut.

Aber genau da sind wir wieder bei der Schöpfung. Ich glaube nämlich nicht, dass Gott mit dem Nacktmull nichts zu schaffen hat. Ganz im Gegenteil. Womöglich hat Gott gerade dieses Tier mit besonderer Liebe in die Welt gesetzt. Das im Lauf der Evolution Fähigkeiten entwickelt hat, über die wir Menschen nur staunen können.

Und beim Staunen sollte es auch bleiben. Angesichts von circa 2, 5 Millionen Tieren, die jährlich in unserem Land als Testmaterial für Tierversuche herhalten müssen. Ob Maus oder Ratte, ob Katze oder Hund – Gott hat Lebewesen erschaffen. Und kein Testmaterial. Freilich wäre es schön, würde ein Heilmittel gegen Krebs gefunden oder ein Mittel gegen chronische Schmerzen. Aber nicht um jeden Preis.

Gott schuf die Welt in sieben Tagen. Am Dienstagnachmittag um 16.33 Uhr machte er jedoch eine Pause und betrachtete voller Liebe den Nacktmull. Diese Zeit nutzte der Teufel, um sich ein paar Gedanken zu machen. Wie er wohl Sand ins Getriebe von Gottes guter Schöpfung werfen könnte. An manchen Stellen scheint es ihm gelungen zu sein. Sofern wir das zulassen.
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Der kleine Junge ist sehr arm. Während alle seine Freunde glänzende Spielsachen besitzen, hat er nur eine silberne Taschenuhr, die einmal seinem Großvater gehört hat. Liebevoll hütet er seinen kleinen Schatz.

Eines Tages kommt ein anderer Junge auf ihn zu und schlägt ihm einen Handel vor. Wenn du mir deine Taschenuhr gibst, dann teile ich alle meine wunderbaren Spielsachen mit dir, sagt er. Der kleine Junge wiegt die Taschenuhr in seiner Hand, doch dann schlägt er in den Handel ein. Viel hat er ja nicht zu verlieren.

Am nächsten Morgen steht ein Karton vor seiner Haustür. Gespannt öffnet der kleine Junge die Kiste, um die neuen Spielsachen zu bewundern. Aber was muss er sehen? Zerbrochene Plastikkräne, schäbige Holzbausteine, zerfledderte Stoffpuppen. Sofort stellt er den anderen Jungen zur Rede. Doch der zuckt nur mit den Achseln und meint: Geschäft ist eben Geschäft.

Was für eine empörende Geschichte. So empörend wie die vielen Geschichten, die täglich auf unserer Erde geschehen. Wo die reichen Nationen den Müll produzieren und ihn frei Haus an die ärmeren Länder schicken. Wo die einen von den Bodenschätzen und der Arbeitskraft der anderen profitieren, ohne eine entsprechende Gegenleistung zu geben. Wo ausrangierte Maschinen aus dem Norden gerade gut genug sind, weil im Süden ein Arbeitsunfall nichts so ins Gewicht fällt. Geschäft ist eben Geschäft.

Geschäft ist eben nicht Geschäft. Jedenfalls dann nicht, wenn es ein so schmutziges ist. Und Länder wie Haiti sind deswegen so arm, weil sie einstmals Selbstbedienungsläden für Kolonialmächte waren oder bis heute weit mehr geben als sie bekommen.

Was für empörende Geschichten. Die nur dann irgendwann ein gutes Ende nehmen, wenn Geschäft eben nicht immer Geschäft ist. Oder wenn wir wenigstens damit anfangen, diese Geschäfte wirklich empörend zu finden.
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Die kleine Emma hat ein Springseil. Hat sie zu Weihnachten bekommen. Seitdem übt sie mit dem Springseil. Hüpft mit Schwung auf und nieder, während das Seil sich dreht. Aber dann gerät sie ins Stocken. Weil sie sich mit ihren kleinen Füßen verheddert oder den richtigen Rhythmus verliert. Dann schmeißt die kleine Emma das Seil in die Ecke und will nichts mehr damit zu tun haben.

Ich hebe das Springseil auf und denke: Es ist wirklich gar nicht so einfach, den richtigen Rhythmus zu finden. Wenn man ihn hat, läuft alles wunderbar. Ohne dass man groß darüber nachdenken muss. Aber dann kommt der Moment, wo’s hängt. Wo man sich verheddert oder aus dem Rhythmus kommt. Und am liebsten alles hinschmeißen möchte.

Eine Bekannte zum Beispiel ist berufstätig und hat drei Kinder. Mit ganz viel Schwung organisiert sie ihren Alltag, der die meiste Zeit auch einigermaßen rund läuft. Aber wehe, eines der Kinder wird krank. Dann kommt das ganze Alltagsgefüge ruckzuck aus dem Rhythmus. Und von Zeit zu Zeit ist meine Bekannte mit ihrer Kraft reichlich am Ende und möchte am liebsten alles hinschmeißen und nur noch davonlaufen.

Was macht die kleine Emma? Die schleicht ein paar Tage um das Seil herum, wartet auf einen unbeobachteten Moment und fängt einfach wieder an. Immer und immer wieder. Bis das Seil sich dreht und ihr Körper sich in den Rhythmus einfindet. Bis alles rund und glatt läuft.

Und so ist es nun mal. Manchmal ist das Leben wie ein leichtes Auf und Ab und manchmal so, dass man alles hinschmeißen möchte. Aber dann liegt es da, das Leben. Wie das Springseil. Wartet darauf, dass man es eben wieder probiert. Dass man nicht aufgibt. Dass man wieder zurückfindet in den richtigen Rhythmus. Und wenn man das alleine nicht schafft?

Dann gibt es Gott sei Dank gute Worte, die Mut machen und neuen Schwung geben. Wie zum Beispiel die, die in der Bibel stehen. Da spricht Gott: „Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir. Ich helfe dir. Ich halte dich bei meiner rechten Hand.“
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