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SWR4 Abendgedanken

21MAI2021
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Das lange Pfingstwochenende steht vor der Tür und ich freue mich darauf. Mit Pfingsten ist das ja so eine Sache, denn viele können mit diesem Fest gar nichts anfangen. Dabei ist es ein christliches Hauptfest, das uns in unserem Land sogar noch einen freien Tag dazu beschert. Darum lohnt sich zum Einstieg in dieses Wochenende vielleicht ein Blick auf dieses Fest: An Pfingsten feien wir in unseren Kirchen den Heiligen Geist. Dieser „Heilige Geist“ ist schwer zu fassen und zu beschreiben. Für mich ist er so etwas wie die Wirkkraft Gottes im Hier und Jetzt. Aber woran merke ich eigentlich, dass Gottes Geist wirkt? Eine schwierige Frage. Ich glaube inzwischen, dass ich manchmal einfach langsamer als Gott bin und erst im Rückblick erkenne, an welchen Stellen er mir seinen Geist geschickt hat: Da gab es zum Beispiel Momente in meinem Leben, da war ich mit meinen Kräften einfach am Ende und wusste nicht recht weiter. Genau da habe ich, wenn ich zurückblicke, Unterstützung von Menschen erhalten, die ich bis dahin gar nicht selber im Blick gehabt habe. Menschen, die mir offensichtlich der Himmel geschickt hat.

Auch haben sich für mich beruflich wie privat immer wieder einmal neue, unerwartete Türen aufgetan. Wenn ich darüber nachdenke und mir das so vor Augen halte, erkenne ich Gottes Spuren in meinem Leben.

Aus dieser Erfahrung heraus suche ich inzwischen auch ganz bewusst einmal Gottes Nähe, um seinen frischen Geist durch meine festgefahrenen Gedanken wehen zu lassen. Ich finde, das tut mir gut. Dazu suche ich mir dann einen schönen Ort. Das kann eine Kirche sein, aber auch ein schöner Platz draußen in Gottes Schöpfung. Ich lasse meine Gedanken treiben, lasse einfach ein wenig los von dem, was mich gefangen genommen hat. Auf eigene Weise kommt mir Gott dabei manchmal nahe. Vielleicht mögen Sie sich an diesem langen Wochenende auch einmal auf die Suche nach Gottes Geist begeben oder Sie lassen sich einfach von ihm finden.  Viel Freude dabei – und ein gesegnetes Pfingstfest!

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20MAI2021
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Ich singe ausgesprochen gerne. Und wenn mir eines in den vergangenen Monaten gefehlt hat, dann das Singen im Gottesdienst. Wenn alle gemeinsam ihre Stimme in der Kirche erklingen lassen, spüre ich nämlich so etwas wie die Grundstimmung der Besucher – ohne dass es weiterer Worte bedarf.

Sie kennen das vielleicht: Wenn der Frühling mit aller Macht in die Lande zieht, die Sonne schon auf dem Weg zur Kirche strahlt, na, dann hat man dies dem Lied  „Geh aus mein Herz und suche Freud“ auch angehört. Das Herz der Sängerinnen und Sänger war mit der Musik unterwegs –  und das Kirchenschiff klangerfüllt.  Oder umgekehrt: Eine Gemeinde kann auch vornehm schweigen, wenn sie sich durch den Text und die Melodie eines von der Pfarrerin ausgesuchten Liedes ganz und gar nicht angesprochen gefühlt hat.

Dieses Miteinander beim Singen und der damit verbundene Austausch, der ganz ohne Worte geschieht, fehlt mir! Ich hoffe darum, dass wir bald wieder in unseren Kirchen zusammen singen können. Die Liedtexte und Melodien vermitteln auf eigene Weise die frohe Botschaft. Sie laden uns ein, Gott zu loben und sie schenken uns Trost und Hoffnung. Das Kirchenlied „Befiehl du Deine Wege“ hat sich mir so in den vergangenen Monaten noch einmal neu erschlossen als ich es zu Hause alleine gesungen habe. Es schenkt mir Gottvertrauen und singt mir zu „Gott ist da, was auch immer passiert!“

Vielleicht gibt es auch für Sie ein Kirchenlied, dass Ihnen besonders ans Herz gewachsen ist. Die Evangelische Kirche plant zur Zeit, ein neues Gesangbuch auf den Weg zu bringen. Sie fragt darum: Was sind Ihre fünf Lieblingslieder?

Mir gefällt diese Frage und darum will ich mir - bis wieder anfangen zu singen - Zeit nehmen, das Gesangbuch weiter durchzublättern. Und sei es, um mir genau zu überlegen, welches die ersten Lieder sein könnten, die wir dann gemeinsam laut singen.

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19MAI2021
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Einmal im Mittelpunkt zu stehen, ist etwas ganz Besonders im Leben. Erinnern Sie sich noch an Ihre Konfirmation, Erstkommunion oder Firmung? Wie Sie zur Festmusik aufgeregt in die Kirche eingezogen sind, die propenvoll gewesen ist? Alle waren sie da! Die Eltern und Geschwister, die Großeltern und sogar der entfernte Onkel hatte sich zum Fest aufgemacht. An solch einen Tag erinnern sich viele ein Leben lang.

Kein Wunder, dass das darum, wenn wir in unseren Kirchen Jubelkonfirmationen feiern, regelmäßig herrliche Geschichten wieder ans Licht kommen. Z.B. wie die Hose vom nagelneuen Festanzug auf einmal wie vom Erdboden verschwunden gewesen ist und erst abends wieder auftauchte. Oder wie viel Angst jemand vor der damals üblichen Prüfung im Gottesdienst gehabt hat und die beste Freundin ihm als er dran war durch einen Hustenanfall aus der Patsche geholfen hat.

Heute gibt es solche Prüfungen gar nicht mehr. Die Jugendlichen gestalten eigene Gottesdienste. Sie suchen die Lieder aus und schreiben sogar die Gebete und die Predigt selbst. Dabei nehmen die Jugendlichen durchaus die vertrauten Bilder vom guten Hirten, der uns durch unser Leben begleitet, auf. Sie formulieren anders, vielleicht ungewohnt: „Gott ist mein Navigationssystem. Er hält mich auf Kurs“ oder „Bei Gott gibt es keinen Netzausfall. Er ist immer für mich da“  Ungewohnt oder nicht: Solche Sätze gefallen mir, weil sie zeigen, dass die Botschaft bei den jungen Menschen angekommen ist. Stures Auswendiglernen -das ist lange vorbei. Ziel des Konfirmandenunterrichts ist heute, über den eigenen Glauben ins Gespräch zu kommen und miteinander zu erleben: Gott ist für uns da und begleitet uns auf unseren Wegen – auch jetzt.

Das ist eine wichtige Erfahrung, gerade in diesen Zeiten, finde ich. Durch die Pandemie sind die Konfirmationen dieses Jahr ganz anders und vor allen Dingen sehr viel kleiner. Das ist schade. Allen Jugendlichen, die in diesen Wochen ihren Festtag hatten oder noch haben werden, möchte ich darum heute Abend Gottes Segen für ihren Lebensweg wünschen. Stellvertretend für viele andere, die sehr gerne mit Euch und Euren Familien gefeiert hätten.  

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18MAI2021
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„Kannst Du eigentlich mal wütend sein?!“ hat mich vor Kurzem eine Freundin gefragt.  „Nicht so wirklich..“ war meine Antwort. Natürlich rege auch ich mich ab und zu auf und sage deutlich, was mich stört. Aber so richtig wütend sein, kann ich eigentlich nicht. Manchmal beneide ich die Menschen, die das können. Denen der Kragen platzt und die einmal so richtig alles, was in ihnen liegt, rauslassen. In der Bibel wird auch von  solchen Wutausbrüchen berichtet. Mose hat z.B. voller Zorn die beiden Tafeln mit den Zehn Geboten zerschmettert als er das Goldene Kalb erblickt hat, das sein Volk in seiner Abwesenheit zum Anbeten erschaffen hat. Da kann man ja auch wütend werden. Aber ist das die Lösung? Es muss ja auch irgendwie zusammen weitergehen.

Wenn ich merke, dass ich mich ärgere, versuche ich erst einmal zu verstehen, was mich ärgert. Da brauche ich oft ein bisschen Zeit und Abstand - und manchmal schmeiße ich meinen Ärger auch einfach Gott vor die Füße. Der hält das aus - und dann werden die Dinge nacheinander sortiert. Vielleicht hätte das Mose auch geholfen. In seiner Wut sieht er nur, dass das Volk Gott und ihm nicht vertraut hat. Darum war Mose enttäuscht. „Wie kann das sein? Gott ist für euch da, ich bin für euch da und wenn man euch mal einen kleinen Augenblick alleine lässt, habt ihr das sofort vergessen?“ Mose übersieht in seiner Wut, dass die Menschen Angst gehabt haben. Wie sollte es für sie ohne Anführer weitergehen? Er war ja nicht da.

Ich finde, wenn man es in einem Streit schafft, erst einmal einen Schritt zurückzutreten, um die Sicht des anderen zu verstehen, dann kann sich eine Menge bewegen. Für beide Seiten.  Dann kann aus Wut sogar etwas Fruchtbares werden, weil man miteinander erkennt, dass das eigene Herz für dieselbe Sache brennt.  

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17MAI2021
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Seit ein paar Wochen bin ich Mitglied in einer Facebook-Gruppe. Das ist so etwas wie ein Verein im Internet. Die Mitglieder tauschen sich dort über ein gemeinsames Thema aus. Die Gruppe, in der ich jetzt bin, heißt: „Wertheim kann schön sein“ – und  Wertheim ist mein Wohnort.

Ich finde hinter dieser Gruppe verbirgt sich etwas sehr Schönes. In ihr werden nämlich Fotos aus der Stadt gezeigt: Hier ein besonderer Blick auf eine Straßenecke, dort ein großartiger Schnappschuss eines Eisvögel am Flussufer – oder auch einmal ein Wanderweg, der sich in die Unendlichkeit auflöst. Täglich kommen neue Bilder mit kleinen Kommentaren, an welcher Stelle das Foto aufgenommen wurde und was sich dahinter z.B. aus der Stadtgeschichte verbirgt.

Diese Bilder tun mir gut. Sie laden mich ein, das Haus zu verlassen. Ja, sie machen mir Lust, nach draußen zu gehen und mich zu diesen Orten aufzumachen. Und noch etwas habe ich festgestellt: Diese Bilder bringen mich selbst dazu, meine direkte Umgebung mit anderen Augen zu betrachten: Ich entdecke besondere Inschriften an Häusergiebeln, freue mich am neu bepflanzten Blumenbeet an der Kreuzung und sehe doch tatsächlich mit eigenen Augen diesen Eisvogel in seiner unglaublichen Farbenpracht - und freue mich darüber. Ja, selbst Regenwetter wird interessant, weil sich dann so schöne Spiegelungen in den Pfützen ergeben.

„Suchet der Stadt Bestes!“ heißt es einmal beim Propheten Jeremia. „Meckert nicht nur über das, was euch das Leben gerade schwer macht.“ Vielleicht ist das das Geheimnis dieser Facebook-Gruppe: Bewusst das Gute und Schöne vor Ort zu suchen und zu teilen. Dazu gehört es, die eigenen Augen für die Umgebung offen zu halten und das scheinbar Vertraute für sich neu zu entdecken: Wie viel Liebe da doch hinter dem schönen Beet steckt, wie wunderbar es ist, dass seltene Vögel sich wieder ansiedeln.
„Suchet der Stadt Bestes!“ – ein Ruf aus alter Zeit, der uns auch heute gut tut.

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