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SWR4 Abendgedanken

Heute Abend geht es wieder los. Nach der Sommerpause startet die Fußball-Bundesliga in eine neue Saison. Viele Menschen wie ich freuen sich darüber, haben vielleicht schon lange darauf gewartet. Ihr Leben bekommt mit jedem Wochenende nun wieder einen Höhepunkt.

Die Vorfreude auf spannende Spiele macht sich breit; ich freue mich, wenn meine Lieblingsmannschaft gewinnt; ich bin enttäuscht, wenn sie verliert. So ist das seit vielen Jahren bei mir.

In der Sommerpause aber ist etwas passiert. Nichts, was grundsätzlich neu gewesen wäre. Aber etwas, was bisherige Grenzen deutlich verschoben hat. Ein brasilianischer Spieler ist von Barcelona nach Paris gewechselt. An sich nichts Aufregendes. Solche Wechsel kommen in jeder Pause vor. Aber der Preis ist neu. Er verschlägt mir die Sprache: 220 Millionen Euro.

Welcher Mensch sollte so viel Geld wert sein? Was ist überhaupt ein Mensch wert? Kann man eine Zahl sagen? Und warum ist ein Mensch mehr wert als ein anderer? Weil er sich gut vermarkten lässt?
Weil er jünger ist? Weil er mehr Tore schießt? Weil er erfolgreich ist?

Bemisst sich der Wert eines Menschen danach, was er leistet? Dann sind nur die Erfolgreichen wertvoll. Und die anderen? Die Kinder? Die Ungeborenen? Die Jugendlichen, die keinen Ausbildungsplatz oder keine Arbeit finden? Die Erwachsenen, die ihre Arbeit verlieren? Die krank geworden sind, alt, schwach, gebrechlich, dement? Was sind sie wert?

Am Ende steht hinter all diesen Fragen, wer das überhaupt entscheidet und nach welchen Maßstäben.

Gott sagt, dass er seine Menschen, alle Menschen, so wert achtet, dass er ihnen seine frohe Botschaft schenkt. Ich darf leben, so, wie er mich geschaffen hat, mit dem, was ich kann und auch mit dem, was ich nicht kann. Und er schenkt mir – und allen seinen Menschen – die Aussicht und die Hoffnung auf das ewige Leben.

Ich freue mich auf die beginnende Fußballsaison; ich befürchte, dass 220 Millionen Ablösesumme nicht die letzte Zahl ist. Aber ich freue mich, dass Gott darüber bestimmt, was ich wert bin. Denn er lässt mich leben. Niemand sonst.

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Sommertage machen durstig. Wenn es wirklich ein sonniger Tag gewesen ist und wenn ich am Abend meine Arbeit ruhen lassen darf, dann habe ich Durst. Ich freue mich auf ein kaltes Bier. Es schmeckt mir gut und es tut mir gut. Als lutherischer Pfarrer erinnere mich gern an so manchen Spruch von Martin Luther dazu. So hat er z.B. gesagt „Ein Schluck Wasser oder Bier vertreibt den Durst, ein Stück Brot den Hunger, Christus vertreibt den Tod.“

Als Martin Luther und seine Katharina von Bora am 13. Juni 1532 heirateten, durften sie selbst Bier brauen. Sie erhielten zur Hochzeit nicht nur ein Fass Einbeckisch Bier, sondern es wurde ihnen das Nutzungsrecht für das frühere Augustinerkloster in Wittenberg geschenkt. Damit waren sie Hausbesitzer. Und nur wer ein Haus besaß, der durfte auch Bier brauen.  Bürger haben für den eigenen Bedarf gebraut, durften Bier aber auch verkaufen. Und so hat seine Frau Käthe Bier brauen dürfen.

Das hat er selbst gern genossen und sich darüber gefreut. Denn weil sie Bier verkaufte, unterstützte sie den Haushalt der Familie. Bier zu genießen hat Martin Luther auch als Beispiel dafür benutzt, dass er gern seine Arbeit tut, aber vor allem Gott vertraut, dass der etwas Gutes aus seiner Arbeit entstehen lässt.

„Ich predige das Evangelium. Dann sitze ich hier in der Wirtsstube und trinke mein gutes Wittenbergisch Bier und das Reich Gottes kommt von ganz alleine.“
Allerdings musste er in seinen Predigten und Tischreden auch immer wieder mahnen, wenn die einfältigen Leute mit dem Bier nicht umgehen konnten.
„Bier macht die Menschen toll und töricht, sodass sie sich hauen, stechen und ermorden. Das ist aber nicht die Schuld des Bieres, wenn du ein Bierschlauch und Trunkenbold bist.“

Ich genieße am Abend mein Bier, nachdem ich meine Arbeit getan habe; ich feiere gern Geburtstage oder Hochzeiten und trinke auch dort gern. Aber nie über den Durst. Sondern dankbar und verantwortungsvoll. Schön, dass wir nicht nur Wasser trinken, sondern dass Gott uns auch Gutes schmecken lässt und uns die Freude am Genuss gönnt.
Besonders das Bier am Sommerabend erinnert mich daran. Und an ein weiteres Wort von Martin Luther: „Man kann Gott nicht allein mit Arbeit dienen, sondern auch mit Feiern und Ruhen.“

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Vor ein paar Tagen bekam ich Post von einem Freund. Er wohnt im Ruhrgebiet. Wir sehen uns nicht so oft. Wir gratulieren uns am Telefon zum Geburtstag, ein oder zweimal im Jahr treffen wir uns. Aber unsere Freundschaft hält nun schon über 35 Jahre. Schön, zu wissen, dass es ihn gibt. Aber seine Post kam jetzt doch überraschend.

Er weiß, dass ich Pfarrer bin und was mich in diesem Jahr besonders beschäftigt: das Reformationsjubiläum. Und so schickte er mir ein Prospekt zu Ideen und Veranstaltungen in Nordrhein-Westfalen. Davon kriege ich hier in Baden-Württemberg natürlich nichts mit. Aber er hat an mich gedacht. Und an das, was mir wichtig ist.

Ich habe mich gefreut. Über das Heft. Aber mehr noch über das Zeichen unserer Freundschaft. Egal, wie häufig wir uns sehen oder wie oft wir am Telefon miteinander sprechen. Wir sind verbunden.

Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Beste, was es gibt auf der Welt.
Ein Freund bleibt immer Freund, auch wenn die ganze Welt zusammen fällt.
Ein Freund, ein guter Freund, das ist der größte Schatz, den's gibt.

Was in dem alten deutschen schwarz-weiß-Film die Drei von der Tankstelle gesungen haben, habe ich in dem kleinen Zeichen erlebt. Ich bin dankbar dafür, Freunde zu haben.

Ihn aus dem Ruhrgebiet und noch so manche andere. Wie arm wäre ich, wenn ich keinen Freund hätte. Aber nun bin ich reich, denn ich habe Freunde, mit denen ich fröhlich feiere.

Von denen ich vielleicht lange nichts höre, aber die am Geburtstag doch an mich denken. Manches Schöne habe ich mit ihnen erlebt. Und auch manches Traurige durchgestanden. Einer hat mir einen Brief geschickt. Einfach so. Treu ist er und zuverlässig. Ich weiß, auf den kann ich mich verlassen. Der nimmt an meinem Leben Anteil. Bei dem darf ich so sein, wie ich bin. Er ist mein Freund.

Zu seinen Jüngern hat Jesus gesagt: ‚Ihr seid meine Freunde‘.
Wie schön ist es, Freunde zu haben. Wie gut ist es, Jesus zum Freund zu haben.

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Ich lerne gerade immer mehr Menschen kennen, die in den Nachkriegsjahren etwas dafür getan haben, dass ich heute in Sicherheit und Wohlstand leben kann. Gehören Sie auch zu dieser Generation der Nachkriegsjahre? Und: Sagen Sie sich eigentlich von Zeit zu Zeit, dass Sie ihr Leben ganz gut hinbekommen haben?

Es gibt dafür ein ganz großes Vorbild. Die Bibel berichtet, dass Gott die Welt Stück um Stück geschaffen und verschönert hat. Jeden Tag ein bisschen mehr. Und immer wieder hat er sich das Ganze angeschaut und, so heißt es, gesehen, dass es gut war.

Sie waren fleißig und haben auf Vieles verzichtet. Sie haben getan, was getan werden musste und noch ein bisschen mehr und dann noch einmal ein bisschen mehr.

Sie konnten den Beruf, den Sie eigentlich lernen wollten, nicht lernen, also haben Sie etwas anderes gemacht. Sie haben einen Menschen kennen und lieben gelernt und mit ihm die Jahrzehnte ihres Lebens geteilt. Anfangs in einem kleinen Zimmer, später dann in einer kleinen Wohnung. Sie haben einfach gelebt, gespart und viele haben mit Freunden, Verwandten, mit Menschen aus der alten Heimat zusammen Häuser gebaut. Oder Sie haben sich eine Wohnung zusammengespart.

Sie haben ihre Kinder erzogen und manche gleich die Nachbarskinder mit. Es war nicht leicht, die Kinder mit allem zu versorgen, was nötig war. Viele haben als Eltern keine echten Vorbilder gehabt, die Kriegszeit hat den Vater genommen, die Mutter lebte im Ausnahmezustand. Man musste selbst herausfinden, wie das alles geht.

Sie haben sich lange keinen Urlaub leisten können und waren froh am Ausflug auf der Schwäbischen Alb oder an den Bodensee.

Vielleicht denken Sie, das alles sei nichts Besonderes? Das haben Tausende so gemacht? Aber Sie haben es eben auch so gemacht. Und meinen Respekt dafür haben Sie. Heute sieht das Leben vielleicht ganz anders aus. Die Kräfte sind aufgebraucht und Sie fühlen sich nicht mehr nützlich, sondern vielleicht sogar ein bisschen im Weg. Das ist das Alter, ja, aber das sagt sich leichter als es sich aushalten lässt.

Meine Bitte für Sie ist heute, dass Sie sich selbst einmal loben. Schauen Sie auf Ihr Leben. Sie haben etwas erreicht. Sie haben etwas geschafft und etwas geschaffen. Und es war gut. Respekt dafür.

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Es war in einem Trauergespräch. Ein Mann war gestorben, viel zu jung. Ich saß mit seiner Mutter und seiner Frau, die ganz plötzlich Witwe geworden war, zusammen am Tisch, um die Trauerfeier vorzubereiten. Die junge Frau war voller Sorgen. Der Verlust ihres Mannes, die unsichere Zukunft, Schulden, die sie alleine nicht tragen konnte, so viele Entscheidungen, die noch zu treffen waren und in jeder einzelnen würde ihr der Rat ihres Mannes fehlen.

Die Mutter, selbst Witwe, war eine rüstige, mürrisch dreinblickende Rentnerin. Sie war natürlich ebenfalls tief betroffen. Doch alles, was sie sagte, klang ein bisschen nach Befehlston und Kasernenhof. Ich denke, Sie kennen solche resoluten Menschen, die meist etwas mürrisch wirken, die es gewohnt sind anzupacken und denen man es irgendwie nie so ganz recht machen kann.

Im Gespräch zeigten sich die Sorgen der jungen Witwe deutlich. Sie hatte so viele Fragen und so wenig Antworten, so viele Sorgen und so wenig Mut. Verständlich. Doch ihre Schwiegermutter schaute sie irgendwann an und sagte – in dem harschen Befehlston, den ich von ihr schon kannte: „Jetzt heul nicht! Du bist stark!“ und nach einer kleinen Pause: „Und ich bin immer für dich da!“

Plötzlich hat sich die ganze Atmosphäre verändert. Das Lob „Du bist stark“ und die Zusage „Ich bin für dich da“ haben direkt Kraft gegeben. Sogar der etwas grobe Ton war hilfreich.

In der Bibel steht: „Sorgen drücken einen Menschen nieder; ein gutes Wort richtet ihn auf“ (Sprüche 12,25). Und genau das hat sich in dieser Situation bewahrheitet. Die Schwiegermutter hatte mit einem Wort, mit einer Aussage eine wirklich gute Tat getan.

Ich selbst ertappe mich manches Mal dabei, zuerst mitjammern zu wollen, wenn jemand von Schicksalsschlägen erzählt: „Ja, das ist wirklich schwierig! Hmm, ich verstehe…“ und meistens rede ich dann auch noch viel zu viel!

Die resolute Dame hat mir vorgelebt und gezeigt, dass es stimmt, was da in der Bibel steht. Ein gutes Wort ist eine gute Tat. Ein gutes Wort kann aufbauen und Mut geben. Sorgen drücken einen Menschen nieder; ein gutes Wort richtet ihn auf.

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