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SWR4 Abendgedanken

Verschwunden. Einfach so verschwunden. Als wenn eine Wolke ihn mitgenommen hätte. So erzählt die Bibel was wir Christi Himmelfahrt nennen. Jesus hatte ja versucht, es seinen Freunden zu erklären. Aber ich glaube den meisten von ihnen ist erst in dem Moment klar geworden, dass es das jetzt endgültig war. Jetzt mussten sie Jesus endgültig loslassen.

Sie hatten so viel mit ihm erlebt. Seine Predigten, die so viele Menschen in ihren Bann gezogen hatte. Seine Beispiele, mit denen er ihnen erklärt hatte, wie Gott ist. Was bei Gott wichtig ist. Wie Gott sich die Welt gewünscht hat. In jedem Wort von ihm müssen seine Freunde gespürt haben, dass dieser Jesus nicht nur irgendein Mensch war. In ihm war Gott selbst erschienen.

Sie hätten sicher gerne noch so vieles besprochen. Pläne geschmiedet. Aber das alles ging jetzt nicht mehr. Sie mussten loslassen. Und sie mussten lernen, sich trotzdem auf ihn zu verlassen. Denn Jesus hatte ihnen ja einen Auftrag  gegeben:

Seine Freunde sollten von jetzt an selber genau das tun, was sie vorher mit Jesus zusammen gemacht hatten. Sie sollten von jetzt an selber durch das Land ziehen und den Menschen erzählen, wie Gott ist. Sie sollten von jetzt an selber die Menschen taufen und ihnen helfen, ihr Leben zu gestalten. Sie sollten ihnen alles beibringen, was Jesus ihnen beigebracht hatte.

Jesus hat ihnen dazu Mut gemacht. Ihr schafft das. Und denkt daran: Ich werde immer bei euch sein. Bis an das Ende der Welt. Verlasst Euch darauf.

Ich kann mir vorstellen, dass der Abschied trotzdem schwer gewesen ist. In der Bibel steht, dass sie noch eine ganze Zeit zusammen geblieben sind. Vielleicht, weil sie sich nicht so recht getraut haben, alleine loszuziehen. Aber immerhin: Jesus hatte ihnen versprochen, dass Gottes Geist kommen wird. Der würde sie trösten und begleiten.

Ich weiß aus der Bibel, dass Jesus sein Versprechen gehalten hat. Schon ein paar Tage später hat Gottes Geist seine Freunde beflügelt. Da war die Angst verflogen und die Sorgen auch. Da trauten sie sich wieder unter die Menschen, denn sie wussten: Auf Jesus können wir uns verlassen. Und darauf verlasse ich mich auch. Dass er immer bei mir ist.

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Heute Abend fängt der Deutsche Evangelische Kirchentag  an. Gerade jetzt in diesen Minuten geht in Berlin der Eröffnungsgottesdienst zu Ende. „Du siehst mich“  das ist das Motto des Kirchentags in diesem Jahr. Dort wird dieses Jahr besonders die Reformation gefeiert. Und Martin Luther, der der Kirche ein neues Gesicht geben wollte.

„Du siehst mich“: Das ist die Erfahrung einer Frau namens Hagar. Die Bibel erzählt von ihr. „Du siehst mich“. Hagar sagt das über Gott. Ohne, dass sie eigentlich was dafür konnte, war sie auf der Flucht. Aber Gott hat sie gesehen. Er hat sie in ihrem Elend nicht allein gelassen. Durch einen ganz fremden Menschen hat er ihr Mut gemacht. Und hat ihr gezeigt, dass er sie auf ihrem Weg begleiten wird. Immer.

Du siehst mich. Das war für Martin Luther auch klar. Gott sieht mich. Aber anfangs war dieses Du siehst mich überhaupt nichts Positives für ihn. Er hatte immer das Gefühl, dass er noch mehr machen muss. Mehr leisten muss, damit er für Gott gut genug ist. Mehr beten, mehr pilgern, mehr spenden. Gott sieht und beobachtet mich, hat er geglaubt, so wie alle damals. Und wenn ich etwas nicht richtig mache, dann bestraft er mich. Vor diesem Gott hatte Luther Angst.

Erst durch seine Studien ist ihm klar geworden, dass Gott ihn nicht mit einem strafenden Blick ansieht. Sondern liebevoll und barmherzig. Und das ohne, dass ein Mensch was dafür tun muss. Luther ist klar geworden, dass der Glaube allein reicht. Es reicht, wenn ich darauf vertraue: Ja, Gott sieht mich. Wie ein Vater, der es gut mit mir meint. Der nur das Beste für mich will. Und der mir immer wieder klar macht: Du bist genau so richtig, wie Du bist. Das war Luthers reformatorische Entdeckung. Und das wollte er mit der ganzen Welt teilen. So hat die Reformation angefangen.

Du siehst mich. Das gilt auch 2017 noch. Gott sieht mich. In Berlin und Wittenberg werden zum Kirchentag deshalb bis zu 200.000 Menschen erwartet, die sich darauf besinnen wollen. Ein großes Fest feiern. Diskutieren, zuhören, Neues kennenlernen und dabei spüren: Die Menschen sind Gott nicht egal. Gott sieht auch mich ganz persönlich an. Ich bin ihm wichtig.

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Was hat Jesus eigentlich zwischen Ostern und Himmelfahrt gemacht? Gute Frage, oder? Die Bibel beantwortet sie so: „40 Tage lang erschien er ihnen und sprach zu ihnen über das Reich Gottes.“ Noch wochenlang nach seinem Tod haben seine Freunde Jesus gesehen und gehört. Immer wieder war er dabei, wenn sie sich getroffen haben. Er ist auferstanden, haben sie deshalb gesagt. Er lebt.

Wie das möglich war? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur: Sie hatten ein ganz enges Verhältnis, Jesus und seine Freunde. Er hatte sie ja bei ihren täglichen Arbeiten weggeholt. Simon und Andreas z.B. Die waren gerade beim Fischen gewesen. Da kommt Jesus vorbei und sagt zu ihnen, dass sie mitkommen sollen. Dass sie ihm folgen sollen. Dass er aus ihnen Menschenfischer machen will. Und sie sind mit ihm gegangen. 

So ähnlich war das bei den anderen zehn auch. Dann waren sie gemeinsam drei Jahre unterwegs. Und Jesus hat ihnen und den Menschen von Gott erzählt. Ihnen gezeigt, was im Leben wirklich wichtig ist. Dass es in Gottes Welt ganz anders zugeht. Dass für Gott ganz andere Sachen wichtig sind, als für die Menschen.

Jesus hat ihnen Wunder gezeigt. Er hat Menschen geheilt, einen Sturm gestillt, hat mit dem bisschen, was sie hatten ganz viele Menschen satt bekommen. Das muss für seine Freunde doch ein Höhenflug gewesen sein.

Und dann dieses Ende. Ihr Lehrer und Freund gekreuzigt. Gestorben und begraben. Alles plötzlich vorbei. Nach diesem Höhenflug der tiefe Fall. Plötzlich waren seine Freunde unsicher. Hatten Angst um ihr eigenes Leben.

Aber dann haben sie erlebt: Er ist noch immer bei uns. Wo wir auch sind, was wir auch tun – er ist dabei. Vor allem, wenn wir zusammen sind und zusammen halten – dann ist er mit dabei. Sie haben damals erlebt: Ja tatsächlich. Jesus lebt. Jetzt hatten sie wieder Hoffnung. Jetzt war doch wieder alles gut für sie.

 „40 Tage lang erschien er ihnen und sprach mit ihnen über das Reich Gottes.“ So ist deutlich geworden: Es ist kein Gerücht. Jesus ist auferstanden. Und man kann seine Nähe spüren. Und ich glaube, das gilt bis heute.

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Zum Schluss habe ich dann noch den Himmel bearbeitet. So lange, bis er mir gefallen hat. Das hat mir neulich ein Freund vorgeschwärmt. Er hat ein neues Programm, mit dem man Fotos nachbearbeiten kann. Und auf dem Bild war ihm der Himmel zu grau und diesig. Aber mit dem neuen Programm gar kein Problem. Ein paar Klicks und schon hat er einen strahlend blauen Himmel …

Wenn es nur immer so einfach wäre … Mit ein paar Klicks einfach alles wegklicken, was mir nicht gefällt. Schlechtes Wetter – klick. Steuererklärung – klick. Ärger mit den Kollegen – klick. Wenn es so ein Programm geben würde, wäre das sicher der Renner. Aber die Wirklichkeit ist anders. Es gibt auf unserer Welt Sachen, die wir nicht ändern können. Ich glaube, das ist allen klar. Das Wetter z.B. Dass es Tag und Nacht wird. So was in die Richtung. Das muss man ertragen.

Ich verstehe es deshalb, wenn Menschen beten: „Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann“.
Aber: Zum Glück geht das Gebet weiter: Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. 

Es gibt ja auch Sachen, die kann man nicht einfach so lassen. Wie Menschen miteinander umgehen z.B. Wie ungerecht es manchmal in der Arbeitswelt zugeht. Da braucht es Mut, etwas zu ändern.

Ich glaube, dass mich dieses Gebet vor zwei Sachen schützen möchte. Das eine ist, dass ich nicht verzweifle, weil ich an vielen Sachen nichts ändern kann. Das andere ist, dass ich auch nicht aufgebe und die Hände in den Schoß lege. Es gibt Sachen, die ich ändern kann. Wie gehe ich mit meinen Mitmenschen und der Umwelt um. Was tue ich, wenn ich mitkriege, dass jemand ausgeschlossen wird?

In der englischen Fassung geht das Gebet sogar noch weiter. Dass ich die Welt so annehmen muss, wie sie ist und nicht, wie ich sie vielleicht gerne hätte. Und dass Gott am Ende alles gut machen wird. Für mich ist das nicht vertröstet – auf irgendwann einmal. Mir hilft das, weil Ich mit allem nicht allein bleibe. Sondern mein Leben gestalten kann. Hier, jetzt und heute.

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