Manuskripte

SWR3 Worte

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Woche vom 12.02.2012 bis 18.02.2012




Dominik Frey

Von Dominik Frey, Baden-Baden, Katholische Kirche

Väter

Samstag, 18. Februar 2012     [Druckversion]

Zu Mark Twain kam ein 17-jähriger und beklagte sich: „Ich verstehe mich mit meinem Vater nicht mehr. Jeden Tag Streit. Er ist so rückständig, hat keinen Sinn für moderne Ideen. Was soll ich machen?"
Mark Twain antwortete: „Junger Freund, ich kann dich gut verstehen. Als ich 17 Jahre alt war, war mein Vater genauso ungebildet. Es war kein Aushalten. Aber habe Geduld mit so alten Leuten. Sie entwickeln sich langsamer. Nach 10 Jahren, als ich 27 war, hatte er so viel dazu gelernt, dass man sich schon ganz vernünftig mit ihm unterhalten konnte. Und was soll ich dir sagen? Heute, wo ich 37 bin - ob du es glaubst oder nicht - wenn ich keinen Rat weiß, dann frage ich meinen alten Vater. So können die sich ändern."

Überliefert im Büchlein „Typisch - kleine Geschichten für andere Zeiten"

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Kommissar Kluftinger philosophiert

Freitag, 17. Februar 2012     [Druckversion]

Kommissar Kluftinger, ein echtes Allgäuer Original, denkt nach einem turbulenten Polizei-Einsatz über das Leben nach:

„Manchmal brauchte es eben einen unangenehmen Vorfall, der einem erst bewusst machte, wie schön eigentlich der Alltag war. Kluftinger kannte das von zu Hause: Ein ungebetener Besuch führte ihm die behagliche Zweisamkeit mit seiner Frau oft erst richtig vor Augen, eine Erkältung ließ ihn spüren, wie angenehm das Leben doch als gesunder Mensch war, und hatte er etwas verzweifelt gesucht und schließlich gefunden, genoss er den Besitz des Gegenstandes weit mehr als vor dem Verlust. Der Kommissar schüttelte den Kopf über diesen menschlichen Makel, nie wirklich mit dem zufrieden zu sein, was man gerade hatte."

 

Aus dem Krimi „Laienspiel" von Volker Klüpfel und Michael Kobr.

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Ein biblischer Umzug

Donnerstag, 16. Februar 2012     [Druckversion]

Heute beginnt an vielen Orten die Fasnacht mit Umzügen und Narrentreiben. Eine biblische Geschichte beginnt auch mit einem Umzug. König David bringt das wichtigste Heiligtum der Israeliten, die Bundeslade, zurück nach Jerusalem. Aber seine Frau Michal sieht es gar nicht gerne, wenn David so ausgelassen ist. In der Bibel steht:

„So brachten David und das ganze Haus Israel die Bundeslade unter Jubelgeschrei und unter dem Klang des Widderhorns hinauf (nach Jerusalem). David tanzte mit ganzer Hingabe vor dem Herrn her.

Man trug die Bundeslade in das Zelt, das David für sie aufgestellt hatte(...). Als David zurückkehrte (...), kam ihm (seine Frau) Michal (...) entgegen und sagte: Wie würdevoll hat sich heute der König von Israel benommen, als er sich vor den Augen der Mägde (...) bloßgestellt hat, wie sich nur einer vom Gesindel bloßstellen kann.

David erwiderte Michal: Vor dem Herrn (...) habe ich getanzt; für ihn will ich mich gern noch geringer machen als diesmal (...)."

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Eine Geburt - ein Wunder?

Mittwoch, 15. Februar 2012     [Druckversion]

Der Arzt und Theologe Manfred Lütz beschreibt in seinem Buch „Gott" die Geburt seiner Tochter:

„Waren Sie mal, abgesehen von Ihrer eigenen, bei der Geburt eines Kindes dabei? Da es heute üblich ist, dass auch Männer anwesend sind, wenn ihre Kinder zur Welt kommen, habe ich mich nicht gedrückt und jenen Kurs besucht, bei dem man auch als Mann mal gerechterweise Presswehen lernen kann. (...)
Dann kam der Tag der Geburt unserer (...) Tochter. Ich bin Arzt. Ich habe eine ganze Reihe von Geburten erlebt. Meine Tochter wurde „normal" geboren. Die Geburt widersprach nach meinem Eindruck weder den Naturgesetzen noch gynäkologischen Standards. Aber ich versichere Ihnen, was ich da erlebt habe, war ein Wunder."

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Gottesbezug

Dienstag, 14. Februar 2012     [Druckversion]

Im November gab es in München eine Podiumsdiskussion zur EU-Verfassung. Kardinal Reinhard Marx diskutierte mit anderen darüber, warum es in der Präambel keinen Gottesbezug gibt. Er machte auch einen Vorschlag, wie so eine Formulierung hätte aussehen können. Reinhard Marx sagte:

 

„Wir sind nicht Gott. Diese Formel hätte mir gereicht."

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Wunder des Lebens

Montag, 13. Februar 2012     [Druckversion]

„Was das Leben sonst auch sein mag, auf der Ebene der Chemie ist es erstaunlich profan: Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff und Stickstoff, ein wenig Calcium, ein Schuss Schwefel, eine kleine Prise von ein paar anderen ganz gewöhnlichen Elementen - nichts was man nicht in jeder normalen Apotheke finden würde -, das ist alles, was man braucht. Das einzig Besondere an den Atomen, die sie bilden, besteht darin, dass sie sie bilden. Und das ist natürlich das Wunder des Lebens."

 

Aus dem Buch „Eine kurze Geschichte von fast allem" von Bill Bryson

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Gönne dich dir selbst

Sonntag, 12. Februar 2012     [Druckversion]

Bernhard von Clairvaux, Kirchenlehrer und Abt aus dem Mittelalter, macht sich Sorgen um einen Freund. Dieser ist soeben Papst geworden und findet kaum noch Zeit für sich selbst. Bernhard schreibt ihm einen Brief:´
„Wo soll ich anfangen? Am besten bei Deinen zahlreichen Beschäftigungen, denn ihretwegen habe ich am meisten Mitleid mit dir. Ich fürchte, dass du, eingekeilt in deine zahlreichen Beschäftigungen, keinen Ausweg mehr siehst. Es ist viel klüger, du entziehst dich von Zeit zu Zeit deinen Beschäftigungen, als dass sie dich ziehen und dich nach und nach an einen Punkt führen, an dem du nicht landen willst. Du fragst: 'An welchem Punkt?´ An dem Punkt, wo das Herz hart wird. Wenn also alle Menschen ein Recht auf dich haben, dann sei auch du selbst ein Mensch, der ein Recht auf sich selbst hat. Wie lange noch schenkst du allen anderen deine Aufmerksamkeit, nur nicht dir selbst? Ja, wer mit sich selbst schlecht umgeht, wem kann der gut sein? Denk also daran: Gönne dich dir selbst."

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