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Woche vom 11.11.2007 bis 17.11.2007




Dr. Lucie Panzer

Von Dr. Lucie Panzer, Stuttgart, Evangelische Kirche

Lk 18,7

Sonntag, 11. November 2007     [Druckversion]

„Sollte Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm rufen, nicht zu ihrem Recht verhelfen, sondern zögern? Ich sage euch: er wird ihnen unverzüglich ihr Recht verschaffen.“ (Lk 18,7)

Verantwortung kann man leichter tragen, wenn man weiß, dass man im Zweifelsfall Hilfe finden wird. Wenn man denken muss: Ich muss das ganz allein schaffen – dann trägt man schwer an seiner Verantwortung. Dann macht Verantwortung auch Angst. Warum soll ich mir das antun, sagen deshalb viele. Am Ende stehe ich ganz allein da und wenn etwas schief geht, dann muss ich das ausbaden. Viele Menschen haben deshalb Angst, Verantwortung zu übernehmen: für eine Familie, in ihrem Ort, für ihren Verein, im Elternbeirat oder in der Kirchengemeinde. Der Stress, in den man da geraten kann, ist ihnen nicht geheuer..
Verantwortung kann man leichter tragen, wenn man weiß, wo man Hilfe findet. Heute werden in den evangelischen Gemeinden in Baden-Württemberg die Kirchengemeinderäte und Synodalen, also die Abgeordneten für die Kirchenparlamente gewählt. Nach dem Gottesdienst öffnen die Wahllokale. Mehr als 10.000 Männer und Frauen stehen zur Wahl. Manche von ihnen sicher auch ein bisschen beklommen: wie wird es mir gehen mit der Verantwortung, die ich da übernehme? Ich könnte mir denken, dass es allen Kandidaten – aber auch sonst vielen, die Verantwortung tragen – gut tut, was heute in den evangelischen Gottesdiensten zur Sprache kommt. Da wird nämlich an Jesus erinnert, der gesagt hat: „Sollte Gott seinen Auserwählten nicht helfen, die Tag und Nacht zu ihm rufen?“ (Übersetzung Walter Jens) Selbstverständlich, hat Jesus damals gesagt, wird Gott denen helfen, die Hilfe brauchen und ihn darum bitten. Um das ganz klar zu machen, hat er von einem Richter erzählt, den eine Frau um Hilfe bittet. Der Mann war eigentlich unmöglich, bequem und ungerecht, sah überhaupt keinen Grund, sich um das Anliegen der Frau zu kümmern. Aber sie ließ ihm keine Ruhe. Immer wieder lag sie ihm in den Ohren. Bis der Richter schließlich nachgab: Er tat der Frau ihren Willen, weil er endlich seine Ruhe haben wollte. Wenn sogar so einer schließlich nachgibt und hilft, hat Jesus dazu gesagt: Sollte Gott dann also nicht erst recht denen helfen, die ihn bitten?
Gott ist für die da, die ihn bitten. Er lässt die nicht im Stich, die Verantwortung tragen. Wie das dann aussieht? Natürlich fällt Gottes Hilfe nicht einfach vom Himmel. Aber wenn Verantwortliche Hilfe suchen, dann werden sie sie finden. Es werden Menschen da sein, bei denen sie sich aussprechen können. Menschen, die ihnen raten. Menschen, die für sie beten. Leute, die mit ihnen tragen und neu anfangen, wenn etwas schief gegangen ist.
Verantwortliche brauchen Hilfe. Ich finde, für uns Wähler gibt es da eine Menge zu tun – auch noch nach der Wahl. Per E-Mail empfehlen