Manuskripte

SWR3 Worte

28DEZ2019
AnhörenDownload
DruckenAutor

Die Philosophen Charlotte Casiraghi und Robert Maggiori haben zusammen ein Buch über die Gefühle geschrieben. Zur Liebe schreiben sie:

Wenn man alle liebt, liebt man niemanden, aber wenn man eine Person liebt, weiß man, dass alle der Liebe würdig sind, dass jeder eine Würde hat, dass niemand in seiner Würde verletzt oder der Rechte beraubt werden darf, die ihn schützen. Liebe führt zur Gerechtigkeit.

 

Charlotte Casiraghi/Robert Maggiori, Archipel der Leidenschaften. Kleine Philosophie der großen Gefühle, C.H.Beck: München 2019, 35

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30073
27DEZ2019
AnhörenDownload
DruckenAutor

Die Philosophen Charlotte Casiraghi und Robert Maggiori haben zusammen ein Buch über die Gefühle geschrieben. Gefühle, sagen sie, können missbraucht werden

Es ist eine neue Art der Machtausübung entstanden, die in der Lenkung von Emotionen besteht. … In der Demokratie der sozialen Medien … ist es heute kaum relevant, seine Meinung zu sagen … Es kommt vielmehr darauf an, seine Emotion auszudrücken, seine Erschütterung, sein Mitgefühl, seine Furcht, seine Angst … Dieser Druck, Emotionen und Mitgefühl zu äußern, löscht letztlich alle Nuancen aus – Liebe und Freundschaft werden lediglich zu likes.

 

Charlotte Casiraghi/Robert Maggiori, Archipel der Leidenschaften. Kleine Philosophie der großen Gefühle, C.H.Beck: München 2019, 17f

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30072
26DEZ2019
AnhörenDownload
DruckenAutor

Der Journalist Heribert Prantl fragt sich, ob der Gesang der Engel in der Weihnachtsgeschichte, nämlich „Friede auf Erden“, nicht doch eine himmlische Lüge war.

Die Frage ist nicht, welche Zukunft man erduldet, die Frage ist, welche Zukunft man haben will und wie man darauf hinlebt und hinarbeitet: "Friede den Menschen auf Erden."

Die frohe Botschaft lautet also: Es stimmt nicht, dass nichts zu machen ist. Es gibt kein historisches Gesetz, wonach Unmenschlichkeit exponentiell mit der Weltbevölkerung wächst, es gibt keine Zwangsläufigkeit, wonach Afrika verhungert und ein Völkermord dem anderen folgt. Für all das gibt es Ursachen - und die Verantwortung, dagegen etwas zu tun. ...

Die Weihnachtsbotschaft vom "Friede den Menschen auf Erden" ist keine Lüge, sondern eine Aufforderung.

 

H. Prantl, Weihnachtslüge, Weihnachtswahrheit, in: Sueddeutsche.de vom 24.12.18

https://www.sueddeutsche.de/politik/heribert-prantl-prantls-blick-weihnachten-1.4265200

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30071
25DEZ2019
AnhörenDownload
DruckenAutor

Der Journalist Heribert Prantl macht sich jedes Jahr seine Gedanken zum Weihnachtsfest. Über die biblische Weihnachtsgeschichte schrieb er einmal:

Sie hat eine klare Botschaft: Höchstes Wesen ist nicht ein Kaiser, sondern ein Mensch, der ohne Obdach zur Welt kommt. Sie ist die Geschichte von der großen Umkehrung.

Im Himmel und auf Erden zählt letztlich nur eine Währung. Die heißt nicht Sesterz, Euro oder Dollar, sondern … Liebe. Wer das nicht kapiert, ist ein Schaf, …. Und wer das zu gefühlig findet oder sich selber nicht mag, der kann es für sich ja so übersetzen: Man muss den Menschen neben sich nicht mögen, … muss ihn aber respektieren – ihn also so behandeln, wie man selber behandelt werden will. … Das ist Liebe.

 

H. Prantl, Was heute wirklich zählt, in: Sueddeutsche.de vom 25.12.2011

https://www.sueddeutsche.de/politik/weihnachtsbotschaft-2011-was-heute-wirklich-zaehlt-1.1243512

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30070
24DEZ2019
AnhörenDownload
DruckenAutor

Die Journalistin Evelyn Finger über eine zentrale Aussage der biblischen Weihnachtsgeschichte:

Weihnachten heißt, die Menschen müssen die Welt nicht selbst retten. Dafür gibt es Gott. Das zu glauben fällt der modernen Gesellschaft, die alles durchschaut, auch die Religion, schwer. Sie fürchtet, der Glaube verderbe das Denken. Sie sieht sich als einsamen, mühseligen Bewahrer der Schöpfung. Aber jedes Jahr an Weihnachten zeigt sich, wie groß die Sehnsucht doch ist: nach einem, wie ein ostdeutscher Bischof einmal sagte, »alternativen Orientierungshorizont«. Oder schlicht: danach, gerettet zu sein.

 

Evelyn Finger, Marias Botschaft, in: Die Zeit 53/2019 vom 18.12.2019, Zeitverlag Gerd Bucerius, Hamburg, S. 1

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30069
23DEZ2019
AnhörenDownload
DruckenAutor

Die biblische Weihnachtsgeschichte stellt die kleinen Leute in den Mittelpunkt. Der verstorbene Mainzer Bischof Karl Lehmann sagte einmal dazu:

Weihnachten ist ein Fest der Ermutigung und dabei ganz bodennah. Deswegen dürfen wir auch unsere eigenen Sorgen und Nöten nicht ausweichen. Ganz in unserer Nähe. Gerade die vielen einfachen und kleinen Leute, die uns in der Weihnachtsgeschichte begegnen, angefangen bei dem ohnmächtigen Kind, rufen uns an diesem Fest auf, die Spuren der Hoffnung auch bei uns selbst zu suchen. Wir werden sie, wenn wir uns etwas mühen, auch … finden.

 

Karl Kardinal Lehmann, in: ders., Mut zum Umdenken. Klare Positionen in schwieriger Zeit, hg. von Beate Hirt, Herder: Freiburg 2002, 179

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30068
22DEZ2019
AnhörenDownload
DruckenAutor

Die 17-jährige Benigna Munsi, deren Vater indische Wurzeln hat, ist dieses Jahr das Christkind beim Nürnberger Christkindlmarkt. Zu den rassistischen Anfeindungen gegen sie sagt sie:

Persönlich hatte ich bis dahin keinen Rassismus und keine Diskriminierung erlebt. Meine Mama hatte mir allerdings schon früher gesagt, dass es dumme Menschen geben kann, die mich wegen meines Aussehens ablehnen – weil sie unzufrieden mit ihrem Leben sind oder schlecht erzogen wurden. Darauf war ich also eingestellt. Und ich lasse mich nicht einschüchtern. Ich möchte diesen Menschen keine Macht über mich geben. Und ich träume davon, dass für meine Generation irgendwann Herkunft oder Aussehen keine Rolle mehr spielen werden und dass das Verbindende im Vordergrund stehen wird.

 

Benigna Munsi, „Ich freue mich auf all die Orte, die ich als Christkind besuchen darf“, in:

ZEITmagazin 48/2019 vom 21.11.2019, Zeitverlag Gerd Bucerius, Hamburg, 31

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30067