Manuskripte

SWR3 Worte

20APR2019
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Die jüdische Dichterin Mascha Kaléko musste 1938 mit ihrer Familie vor den Nazis fliehen. In einem Text schreibt sie:

Jage die Ängste fort und die Angst vor den Ängsten. Für die paar Jahre wird wohl alles noch reichen. Das Brot im Kasten und der Anzug im Schrank. Sage nicht mein. Es ist dir alles geliehen. Lebe auf Zeit und sieh, wie wenig du brauchst. Richte dich ein. Und halte den Koffer bereit. Es ist wahr, was sie sagen: Was kommen muß, kommt. Geh dem Leid nicht entgegen. Und ist es da, sieh ihm still ins Gesicht. Es ist vergänglich wie Glück. [...] Zerreiß deine Pläne. Sei klug und halte dich an Wunder. Sie sind lang schon verzeichnet im großen Plan. Jage die Ängste fort und die Angst vor den Ängsten.

 

Quelle: Mascha Kaléko: Sei klug und halte dich an Wunder. Gedanken über das Leben. Verlag C.H.Beck 2017. S.7f.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28492
19APR2019
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Die Autorin Carolin Emcke hat 2016 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten. Sie sagt:

Wir können immer wieder [neu] anfangen. – Was es dazu braucht? – Nicht viel: etwas Haltung, etwas lachenden Mut und nicht zuletzt die Bereitschaft, die Blickrichtung zu ändern, damit es häufiger geschieht, dass wir alle sagen: Wow – So sieht es also aus dieser Perspektive aus.

 

Quelle: Aus der Rede zur Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels: https://www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de/sixcms/media.php/1290/Friedenspreis%202016%20Reden.pdf

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28491
18APR2019
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Der Geigenbauer Martin Schleske über die Kraft der Musik:

[Die Musik] führt unsere Seele an ihre innere Quelle. Es ist der Ort, an dem man nichts verstehen, nichts leugnen und nichts fragen muss, denn man ist verstanden. [...] Ich glaube, Musik ist uns vom Himmel gegeben, damit wir diese Welt, die uns in vielen Dingen so zusetzt, ertragen können. Ich bin überzeugt: Musik ist letztlich in Klang gegossenes Gebet.

 

Quelle: Martin Schleske: Herztöne – Lauschen auf den Klang des Lebens. Verlagsgruppe Random House München 2016. S. 43.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28490
17APR2019
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Der Schriftsteller Benjamin Lebert über die Liebe:

Ich glaube, Liebe ist nur gegenwärtig, wenn unser Sensorium darauf ausgerichtet ist. Unsere Augen müssen lernen, sie zu sehen, unsere Hände, sie zu berühren. Eine Aufgabe, die immer wieder bewältigt werden will, die es aber, verdammt noch eins, wert ist. Es ist, wie manche Physiker sagen: Bevor ein Teilchen beobachtet wird, existiert es nicht. Also, liebe Freunde: Gut Ausschau halten, da draußen in der Dunkelheit.

 

Quelle: https://www.zeit.de/2013/52/was-ist-liebe/komplettansicht

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28489
16APR2019
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Heute ist der Internationale Tag der Stimme, vielleicht auch ein Tag, um seine Stimme zu erheben. Dazu ein Text vom Liedermacher Gerhard Schöne:

Spar deinen Mut nicht auf für später, wenn du mal "was ganz Großes" bist. Dein kleiner Mut hilft allen weiter, weil täglich Mut vonnöten ist. Spar nicht mit deinen guten Worten. Wo man was totschweigt, schweige nicht. Und wo nur leeres Stroh gedroschen, da hat dein gutes Wort Gewicht!

 

Quelle: Aus dem Lied: Spar deinen Wein nicht auf für morgen von Gerhard Schöne

www.gerhardschoene.de/lieder/spar.html

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28488
15APR2019
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Beate Küpper ist Psychologin und forscht zu Vorurteilen. Über ihre eigenen Vorurteile sagt sie: 

Ich merke selbst, wie ich in die Falle der Vorurteile reintappe. Das passiert ganz schnell [...] unser Kopf ist ein bisschen denkfaul und meiner auch manchmal, [...] ich sortiere jemanden in die und die Gruppe und sag dann: Ah! Die Sorte kenne ich, die sind ja alle soundso. Dann bin ich immer ganz froh, wenn ich mich dabei erwische, [...] denn [...] dann [...] habe ich die Chance nochmal einen Schritt zurück zu gehen und [...] zu überlegen: Möchte ich denn wirklich, dass andere so über mich denken, wie ich gerade über sie gedacht habe. Und meistens komme ich zu dem Schluss: Nee, will ich nicht.

 

Quelle: Aus dem Vortrag: Vorurteile: Gefühle sind die wahren Fakten, von Beate Küpper.

https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/vorurteile-gefuehle-sind-die-wahren-fakten

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28487
14APR2019
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Mit einem stumpfen Werkzeug lässt sich schlecht arbeiten. Der Geigenbauer Martin Schleske weiß wovon er spricht. Er sagt:

Mit einem stumpfen Eisen verliere ich mehr und mehr das Gefühl für das Holz. [...] Mit einem stumpfen Herzen verlieren wir das Gefühl für das, was mit uns und um uns geschieht. Unser Herz ist ein Empfangsorgan [...]  [wir] verlieren das Gefühl dafür, ob das, was wir tun, eigentlich stimmig ist. [...] [wir] arbeiten [...], ohne es zu merken, gegen die Fasern des Lebens an. [...] Und doch muss man sagen: Wenn wir nicht stumpf werden, haben wir auch nicht gearbeitet. [...] Nur ein unbenutztes Werkzeug bleibt scharf. [...] Es ist nicht schlimm, dass wir stumpf werden. Aber fatal ist es, wenn wir uns nicht wieder schärfen lassen.

 

Quelle: Martin Schleske: Herztöne – Lauschen auf den Klang des Lebens. Verlagsgruppe Random House München 2016. S. 15ff.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28486