Manuskripte

SWR3 Worte

Diese Woche stand ich in den Alpen auf 2200 Meter Höhe, der Himmel riss auf, und Zugspitze, Alpspitze, Wetterstein waren zu sehen – es war überirdisch schön. Sosehr ich im städtischen Alltag zu den Zweiflern gehöre, dort oben nicht. Dort packt mich die Ehrfurcht vor der, ich könnte sagen Natur, aber ich denke – Schöpfung. Christlich ist, so viel Schönheit nicht als Zufall zu betrachten und im Tal seinen Teil dazuzutun, sie zu erhalten.

Der Gipfel der Schönheit – von Götz Hamann

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Eine ältere Dame kauft sich einen Teller Suppe. Behutsam trägt sie die dampfende Köstlichkeit an einen Stehtisch und hängt ihre Handtasche darunter. Dann geht sie noch einmal zur Theke. Sie hat den Löffel vergessen. Als sie zum Tisch zurückkehrt, steht dort ein Afrikaner – schwarz, kraushaar, bunt wie ein Paradiesvogel – und löffelt die Suppe.

Zuerst schaut die Frau ganz verdutzt. Dann aber besinnt sie sich, lächelt den Mann an und beginnt ihren Löffel zu dem seinen in den Teller zu tauchen. Sie essen gemeinsam. Nach der Mahlzeit – unterhalten können sie sich kaum – spendiert der junge Mann ihr noch einen Kaffee und verabschiedet sich höflich. Als die Frau gehen will und unter den Tisch zur Handtasche greift, findet sie nichts. Alles weg.

Also doch ein gemeiner, hinterhältiger Spitzbube. Enttäuscht, mit rotem Gesicht schaut sie sich um. Er ist spurlos verschwunden. Aber am Nachbartisch erblickt sie einen Teller Suppe, inzwischen ist er kalt geworden. Darunter hängt ihre Handtasche.

Der Teller Suppe - von Manfred Zacher

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Es kommt immer darauf an wie man etwas sagt. Dazu diese erfundene Geschichte:

Der amerikanische Präsident hatte geträumt, er verliert alle Zähne. Gleich nach dem Erwachen ließ er einen Traumdeuter kommen und fragte ihn nach dem Sinn dieses Traums. „Ach, welch ein Unglück, Mister President!“, rief dieser händeringend, „jeder verlorene Zahn bedeutet den Verlust eines Deiner Angehörigen.“ „Was erlaubst Du Dir?“, schrie ihn der Präsident an, „Was wagst Du mir da zu sagen? Verschwinde, Du bist gefeuert!“ Ein anderer Traumdeuter wurde engagiert und zum Präsidenten gebracht. Als er den Traum gehört hatte, rief er: „Welch ein Glück! Welch ein großes Glück! Sie werden all die Ihren überleben! Da hellte sich das Gesicht des Präsidenten auf und er sagte; „Ich danke Dir mein Freund. Geh zum meinem Stabschef und lass Dir 1000 Dollar geben.“

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Eine kleine Geschichte darüber wie ein bedrohliches Gottesbild kinderleicht ausgehebelt wird:

Tag für Tag werden dem Pastor Äpfel von seinem Baum geklaut. Erst versucht er nachsichtig zu sein. Dann dem Dieb aufzulauern – vergeblich. Schließlich wird es ihm zu bunt, und er hängt ein Schild an den Stamm: „Der liebe Gott sieht alles!“ Am nächsten Tag steht in krakeliger Schrift darunter: „…aber er verrät uns nicht.“

 

 

 

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Ein Text des Theologen Albert Schweitzer über das Jungsein in jedem Lebensalter:

„Niemand wird alt, weil er eine Anzahl von Jahren hinter sich gebracht hat. Man wird nur alt, wenn man seinen Idealen Lebewohl sagt. Mit den Jahren runzelt die Haut, aber mit dem Verzicht auf Begeisterung, runzelt die Seele… Ob siebzehn oder siebzig, im Herzen eines jeden Menschen wohnt die Sehnsucht nach dem Wunderbaren, das erhebende Staunen beim Anblick der ewigen Sterne und der ewigen Gedanken. Die unersättliche, kindliche Spannung, was der nächste Tag wohl bringen möge, die ausgelassene Freude und Lebenslust.

Du bist so jung, wie deine Zuversicht! So alt wie deine Zweifel! So jung wie deine Hoffnung! So alt wie deine Verzagtheit!Solange die Botschaft der Schönheit, Freude und Größe der Welt, des Menschen und des Unendlichen dein Herz erreichen, solange bist du jung…“

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Ein Bäcker bezog vom Bauern Butter und der Bauer vom Bäcker Brot. Nun schien es dem Bäcker, als ob die Butterstücke, die vom Bauer kamen, immer leichter würden. Die Waage gab ihm recht und er verklagte den Bauern. „Ihre Butterstücke sollen nicht das erforderliche Gewicht haben“, sagte der Richter zum Bauern, „sie sollen je drei Pfund wiegen, aber sie wiegen weniger.“ „Ausgeschlossen“, sagte der Bauer. „Ich wiege sie doch jedes Mal nach.“ Stimmen die Gewichte Ihrer Waage vielleicht nicht?“ fragte der Richter. Der Bauer war erstaunt: „Gewichte? Die hab ich nicht.“ „Aber wie wiegen Sie denn dann die Butter? „Sehen Sie Herr Richter, ich krieg mein Brot vom Bäcker und so ein Laib wiegt drei Pfund. Also lege ich auf die eine Seite der Waage einen Laib Brot und auf die andere Seite meine Butter und balanciere die Waage aus.“ Sprach’s und zog einen Laib Brot des Bäckers hervor. Der Richter wog nach – die Butter war auf’s Haar genauso schwer wie das Brot. Der Richter lachte, der Bauer lächelte, der Bäcker tobte.

 

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„Ich möchte eine alte Kirche sein, voll Stille, Dämmerung und Kerzenschein. Wenn du dann diese trüben Stunden hast, gehst du herein zu mir mit deiner Last. Du senkst den Kopf, die große Tür fällt zu. Nun sind wir ganz allein, nur ich und du. Ich kühle dein Gesicht mit leisem Hauch, ich hülle dich in meinen Frieden auch…

Hier hinten wo die beiden Kerzen sind, komm setz dich hin, du liebes Menschenkind. Ob Glück, ob Unglück, alles trägt sich schwer, du bist geborgen hier. Was willst du mehr?...

Ich möchte eine alte Kirche sein. Voll Stille, Dämmerung und Kerzenschein. Wenn du dann diese trüben Stunden hast, gehst du herein zu mir, mit deiner Last.“

 

Trost - von Manfred Hausmann

 

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