Manuskripte

SWR3 Worte

Die Schauspielerin Karoline Schuch auf die Frage, ob sie eine Vorstellung von Gott hat: 

„Es gibt etwas, das größer ist, als ich es mir vorstellen kann. Diese Gewissheit ist definitiv durch die Geburt meines Kindes gekommen. Die Schmerzen, von denen ich vorher dachte: Das halte ich nicht aus, das ist zu viel! – die waren plötzlich völlig egal.

Meine Tochter wurde mir auf die Brust gelegt, und ich sah sie und spürte sie, und sie war mir das Liebste auf der Welt, alles andere war mit einem Mal zweitrangig. Das ist so grenzenlos gewesen von der ersten Sekunde an. Ich bin sehr dankbar dafür, dass dem Menschen das so eingegeben wurde, das ist für mich etwas Göttliches.“

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Die Schriftstellerin Dörte Hansen darüber, was Erwachsene von Kindern lernen können:

 

„Spielen, und zwar auf eine selbstvergessene und zweckfreie Art. Also Schleichtiere mit in die Badewanne nehmen und damit spielen, bis das Wasser kalt ist. Und sich nicht fragen: warum mache ich das? Ich würde gern wieder lernen, vollkommen in Dingen zu versinken, die man nur um ihrer selbst willen tut.“

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Christina Schumann ist die Mutter von Konstantin. Er hat das Down-Syndrom. Christina erzählt über das Leben mit ihm: 

„Es ist ein Kind zum Genießen, weil es sich einfach langsamer entwickelt und man so viel mehr Freude an diesen kleinen Meilensteinen hat, die sich über einen längeren Zeitraum anbahnen und dann irgendwann kommen. Und das ist so sensationell, wenn´s dann da ist und auch wie er Freude hat, das Neue zu genießen und umzusetzen.

Wenn man Kinder hat, weiß man: Okay, ungefähr in dem Zeitraum müsste das und das kommen und dann ist es nicht mehr so spektakulär.

Man wünscht sich bei gesunden Kindern immer so´ ne Stellschraube am Rücken, mit der man die Zeit anhalten kann. Und die ist bei Down-Kindern quasi eingebaut.

Er ist so ein richtiges Genuss-Kind. Konstantin ist immer gut gelaunt. […] Und er hat einen unglaublichen Charme!“

 

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Die Schriftstellerin Dörte Hansen darüber, was Erwachsene von Kindern lernen können:

Jessica ist 26 Jahre und Studentin. Sie ist schon viel im Ausland gewesen und erzählt von einem ihrer glücklichsten Momente.

 

„Der Moment, wenn man seine Familie wiedersieht. Am tollsten war es, als ich einmal für ein Wochenende hergeflogen bin, weil mein Dad seinen fünfzigsten Geburtstag feierte.

Ich habe meinen Eltern eine Freude machen können. […] Und ich glaube, das ist das höchste Glück, das man haben kann. Dass man etwas für einen anderen macht.“

 

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Die Schauspielerin ChrisTine Urspruch spielt im Münster-Tatort die kleinwüchsige Assistentin von Prof. Boerne. Sie wurde gefragt was sie davon hält, dass schwangere Frauen einen Bluttest auf Down-Syndrom machen können. Sie sagt:  

„Wenn es von der Krankenkasse bezahlt wird, finde ich das gut. Denn es wäre doch schlimm, wenn der Test vom Geldbeutel abhängt. Aber ich selbst würde ihn nicht machen lassen. Ich habe auch nicht untersuchen lassen, ob mein Kind kleinwüchsig wird. Jetzt wächst mein Kind ganz normal, das hat mich in meiner Sichtweise bestätigt. Ich mag nicht, wenn der Mensch Gott spielen will.“

 

 

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Fee, 40 Jahre und Chemikerin aus Freiburg über das Glück: 

„Wir alle haben das Bedürfnis, von jemandem gesehen zu werden. Dieses Bedürfnis ist meiner Meinung nach verbunden mit dem Glücksgefühl. Ich brauche zum Leben und zum Glücklichsein den Blick vieler vertrauter Menschen. Ich will unter Menschen und will die Blicke auf mich ziehen. Deshalb verschaffe ich mir immer wieder neue Blicke.“

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Der Sonntag ist ein besonderer Tag. Jedenfalls für die Autorin Susanne Niemeyer. Sie schreibt:

„Am Montag rumpelt der Müllwagen. Dienstags lässt meine Waschmaschine die Küche vibrieren. Mittwochs klingelt der Bote mit dem Wochenblatt. Donnerstags wirft irgendwer den Staubsauger an, freitags feiert jemand Geburtstag. Samstags plärrt die Bundesligaschlusskonferenz. Dann ist Sonntag. Es klingt anders, schon beim Aufwachen. Jemand hat den Verkehr abgestellt. Ich höre den Wind und sogar den Hahn, dessen Kikeriki unter der Woche kaum eine Chance hat. Zwischen zwei Atemzügen: Stille. Niemand soll es wagen, jetzt den Rasenmäher anzuschmeißen. Das Ticken der Uhr, das Gurren der Taube, klackernde Schritte der Spaziergänger unterm Fenster. Die Woche ist ein gemischter Chor, der Sonntag das Solo. Jemand singt es für mich.“

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