Manuskripte

SWR3 Worte

Morrie Schwartz, ein amerikanischer Soziologe, ist schwer krank und weiß, dass er bald sterben wird. Er trifft sich regelmäßig mit seinem ehemaligen Studenten und erzählt darüber, wie er den Tod sieht. 

„Es ist natürlich zu sterben“, sagte Morrie. „Wir machen nur deshalb so ein Theater darum, weil wir uns nicht als einen Teil der Natur betrachten. (…) Aber so ist es nicht. Alles, was geboren wird, stirbt. 

Gut“, flüsterte er, „ also jetzt erzähl ich dir was über den Vorteil, den wir haben. (…) Solange wir einander lieben können und uns an dieses Gefühl der Liebe erinnern können, können wir sterben, ohne jemals wirklich fortzugehen. All die Liebe, die du geschaffen hast, ist immer noch da. Alle Erinnerungen sind noch immer da. Du lebst weiter – in den Herzen aller Menschen, die du berührt hast und denen du Gutes getan hast, während du hier warst. (…) Der Tod beendet dein Leben, nicht eine Beziehung.“ 

Quelle:

Mitch Albom: Dienstags bei Morrie, Goldmann Verlag, München 2002, S. 198f.

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Susanne Niemeyer ist Autorin und Bloggerin. In diesem Text schlägt sie vor, die Arbeit zu lieben: 

Liebe deine Aufgabe. Denn sie liebt dich. Du bist ihr Schöpfer. (…) Du schreibst die Mail. Du fegst die Treppe. Du leitest die Sitzung. (…) Nur was geliebt wird, wird gut. 

Sei aufmerksam. Vergiss das Ergebnis. Wenn Du einen Erdbeerkuchen backst, schau auf das Mehl in der Schüssel. Wenn Du einen Brief schreibst, achte auf den Buchstaben e. 

Tu, was du tun willst, mit ganzer Kraft. Denke an den Sprung über den Bach. Wenn du beim Absprung zögerst, gehst du mit großer Wahrscheinlichkeit baden. (…) 

Vergleiche dich nicht. Erstens bist du dann nicht mehr bei der Sache. Zweitens gibt es immer jemanden, der besser ist als du. Du musst nur lange genug suchen. Also kannst du auch gleich damit aufhören. (…) 

Fang an. Du bist eine Verwandlerin. Du bist ein Verwandler. Was immer du tust: Verwandle die Welt in einen besseren Ort. Eine freundliche Mail ist ein Anfang. Ein Apfelkuchen auch.

 

Quelle: Susanne Niemeyer: Soviel du brauchst, Herder Verlag Freiburg 2016, S.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=22875

Eine Geschichte der österreichischen Literaturwissenschaftlerin Daniela Strigl: 

Auf einem Spaziergang haben wir einen alten Mann überholt, der mühsam gehumpelt ist. Nach wenigen Kilometern mussten wir alles wieder zurückgehen, und der alte Mann weit vor uns. Mussten wir ihn noch einmal überholen. Er sagt: „Ah, Grüße Gott noch einmal“, und wir: „Grüß Gott, ja, wir sind leider vom Weg abgekommen“, und er sagt: „Macht nichts, da lernt man den anderen Weg auch kennen.“ 

Quelle:

Daniela Strigl in: Andere Zeiten e.V. (Hg.): Zeit, Hamburg 2014, S. 87

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Theresa von Avila hat im 16. Jahrhundert mehrere Klöster gegründet. Für sie war klar, dass Gott ihr auch ganz nahe ist, wenn sie richtig mit anpackt und sich um ganz banale Dinge kümmert. So hat sie gebetet: 

Herr der Töpfe und Pfannen, ich habe keine Zeit, eine Heilige zu sein (...). Mache mich zu einer Heiligen, indem ich Mahlzeiten zubereite und Teller wasche. Nimm an meine rauen Hände, weil sie für Dich rau geworden sind. (…) 

Die Stunde des Gebetes ist vorbei, bis ich mein Geschirr vom Abendessen gespült habe, und dann bin ich sehr müde. Wenn mein Herz noch am Morgen bei der Arbeit gesungen hat, ist es am Abend schon längst vor mir zu Bett gegangen. (…) 

Herr der Töpfe und Pfannen, bitte darf ich Dir (…) die Ermüdung anbieten, die mich ankommt beim Anblick von Kaffeesatz und angebrannten Gemüsetöpfen? Erinnere mich an alles, was ich leicht vergesse; nicht nur um Treppen zu sparen, sondern, dass mein vollendet gedeckter Tisch ein Gebet werde. (…)

 

Quelle:

http://www.aus-liebe-zu-gott.de/Der-Spagat-zwischen-Gott-und-der-Welt.html

https://www.kirche-im-swr.de/?m=22873

Aus einem uralten Psalmgebet hat jemand einen Rap gemacht:
 

Ich will Gott volle Kanne loben, mit allem, was ich hab,

ich will ihm Lieder singen, mein Leben lang, bis ich bin im Grab.

Du bist so unbeschreiblich schön, bist Mr. Stylish in Person.

Du kleidest dich aus purem Licht, da wirkt Armani wie Hohn.
 

Den Himmel hast du aufgebaut wie ich die Plane meines Zeltes,

die Wolke, die dort oben fliegt, das ist dein Teppich, ja so ist es. (…)
 

Das Gras ist für die Kühe, den Weizen konnten wir abzwacken,

du hast ihn für uns wachsen lassen, damit wir uns Brot backen.
 

Du hast den Mond gemacht, und auch die Zeit war allein deine Idee,

die Sonne weiß immer Bescheid, zu welcher Zeit sie untergeht.
 

Bloß wenn du weg bist, sind wir tot, dann ist das Leben auch vorbei,

wir sterben, gammeln, werden Erde, dann löschst du unsere Datei.

Doch brauchst du nur einmal zu pusten, dann werden wir ganz neu gemacht,

du schenkst der Erde neues Leben, ´nen neuen Style hast du erdacht. (…)
 

„Halleluja“ ist mein Song, und ich sing „Gott ist so genial!“

Und alles in mir singt ihm das, aus meinem Herzen, radikal.

 

Quelle:

Psalm 104 aus „Die Volxbibel“, Volxbibel-Verlag im SCM-Verlag, Witten 2010, S. 167f.

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=22872

Ein Freund hatte einmal eine lustige Idee: Nachdem ihm ein Spiegel zu Bruch gegangen ist, brachte er im Bad rundherum an den Fliesen Bruchstücke davon an. Als ich es zum ersten Mal sah, hat es mich irritiert, überall war nur ein Teil von mir zu sehen: Die Füße, die Haare, mein Bauch…

Plötzlich fand ich es lustig, immer andere Ausschnitte von mir zu entdecken. Einzeln betrachte ich sie selten. Ich habe gemerkt, dass all diese einzelnen Teile zu mir gehören und wichtig sind. Alle zusammen das bin ich.

 

Quelle: Kath. Jugend Steiermark (Hg.): Zeitsprünge, Eigenverlag der Kath. Jugend Steiermark, Graz 2002, S. 37

https://www.kirche-im-swr.de/?m=22871

Heute ist Erntedank. Dazu ein Text des Autors Hermann Josef Coenen:

Viele Früchte sind in Gottes Obstkorb.

Und eines dieser Früchtchen, das bin ich.

 

Manche sind wie Stachelbeeren: herb und sauer,

andre zuckersüß wie griechische Rosinen.

Manche sind wie hochgewachsene Stangenbohnen,

andre rund und mollig wie ein Kürbis.

Manche sind geröstet, braun wie Kaffeebohnen,

andre sind vornehm bleich wie Blumenkohl.
 

Manche, die sind scharf wie Paprika und Curry,

andre sind zart, verhalten im Aroma. (…)

Manche, die sind kernig, knackig so wie Nüsse,

andre muss man schälen unter Tränen wie Zwiebeln.
 

Manche, die sind wirklich ungenießbar:

ganz geschmacklos – oder muffig – oder faul.

Manche sind das Hauptgericht in unserem Leben,

andre eher Nachtisch: wie Kompott flambiert.

Jede Frucht schmeckt anders: Du und ich.
 

Viele Früchte sind in Gottes Obstkorb.

Und eines dieser Früchtchen, das bin ich.

 

Quelle:

Hermann Josef Coenen: Meine Jakobsleiter, Patmos Verlag, Düsseldorf 1987, S. 72f.

 

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