Manuskripte

SWR3 Worte

Wie herrlich ist die Zeit zwischen den Jahren! Christian Collin, Vater von drei Kindern, erzählt:

„Die anderen waren längst zu Bett gegangen und auch für mich war es eigentlich Zeit. Aber nach all den schönen, trubeligen, manchmal auch nervenden Tagen und Stunden konnte ich die weihnachtliche Stille ganz für mich allein genießen. […]

Ich habe den Kindern erzählt, dass Weihnachten längst nicht zu Ende ist, sondern bis zum 6. Januar geht. Dass die Tage und Nächte zwischen den Jahren ihre besonderen Geheimnisse und Chancen haben. Die will auch ich nutzen als nachdenkliche und erfüllte Zeit. Wann sonst kann man innehalten und den Reiz zwischen Altem und Neuem spüren, zwischen Erinnerung und Vorschau, wenn nicht in diesen Tagen?“

Christian Collin
Geheimnis und Chancen.
Zitiert nach: Der Andere Advent. Meditationen und Anregungen 1. Dezember 2002 bis 6. Januar 2003, Do. 26.12.2002, Andere Zeiten e.V., Initiativen zum Kirchenjahr Hamburg.

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Wie viele Menschen haben mir mit ihrer Menschenfreundlichkeit schon geholfen! Der Liedermacher Reinhard Mey kennt das auch und erinnert sich:

- die Lehrerin, die mir beim Diktat "daß mit ß!" zugeflüstert hat.
- der Amtmann, der meinen Antrag annahm, obwohl ich doch deutlich nach Dienstschluss kam,
- der Unbekannte, dessen Brief mir tröstlich war im tiefsten Tief.

Ihr habt mein Leben reich gemacht.
Ihr habt mich durch alle Klippen gebracht!
Ohne Eure Liebe wäre mein Lebensfloß zerschlagen im Meer.
Ohne Eure helfende Hand wäre es nie fortgekommen vom steinigen Strand!

Gute Seele, Schwester, Freund, […]
mit dieser Dankesschuld in mir, gehen meine Gedanken zu Dir
und mein Blick erinnerungswärts.
Beides wärmt mir die Seele und wärmt mir mein Herz!

Reinhard Mey
Aus dem Lied „Gute Seele“
http://lyrics.wikia.com/Reinhard_Mey:Gute_Seele

 

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An Weihnachten, so steht es in der Bibel, kamen Engel zu den Hirten auf dem Feld und berichteten ihnen vom neugeborenen Jesuskind.
Wo Engel heute unterwegs sind, erzählt Marius Müller-Westernhagen so:

Engel: als die Götter dich gesandt, hab' ich dich nicht einmal erkannt.
Du bist zu wahr, um wahr zu sein!
Meine Seele war vereist und mein Herz war längst vergreist,
alles was ich dachte war: Warum?
Du hast mich in Licht getaucht, hast mir gezeigt, dass – wenn ich glaub' –
meine Sehnsucht Sterne schmelzen kann.

Engel:
lass die Zeit stillstehn, lehr mich zu verstehn, lehr mich dankbar zu sein.
Engel:
lass uns ein Wunder tun,
die Welt soll wissen, warum es sich zu lieben lohnt!


Marius Müller-Westernhagen
Aus dem Lied: Engel
http://www.westernhagen.de/songtexte/23-songtexte/details/252-a1210

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Es war einmal ein frommer Mann, der wollte schon in diesem Leben in den Himmel kommen. Darum bemühte er sich ständig in den Werken der Frömmigkeit und Selbstverleugnung.
So stieg er auf der Stufenleiter der Vollkommenheit immer höher empor, bis er eines Tages mit seinem Haupte in den Himmel ragte.
Aber er war sehr enttäuscht: Der Himmel war dunkel, leer und kalt.
Denn Gott lag auf Erden in einer Krippe.

Martin Luther
Zitiert nach: Der Andere Advent 2009/10. Meditationen und Anregungen 1. Dezember 2009 bis 6. Januar 2010, Fr. 25.12.09, Andere Zeiten e.V., Initiativen zum Kirchenjahr Hamburg.

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Es ist wunderbar, wenn eine Frau ihren Weg geht und dabei etwas zum Besseren hin verändern kann. Die Kulturmanagerin Anna Tüne kennt das und wünscht uns sogleich:

„Liebe Schwestern,
vergesst nicht, neben dem Arbeiten und dem Kämpfen,
neben der Wut und der Geduld
das Billardspielen zu lernen. Oder greift zur Gitarre oder zur Flöte.
Lernt das Kochen neu – nicht als Pflicht, sondern als schmatzigen, schmausigen Spaß!
Denkt Euch Witze aus, lernt erneut den Himmel zu sehen, das Jauchzen beim Tanzen, das laute Rufen, das Miteinander; übt Euch im Lieben.
Nur so werden wir altersschwer und grau sagen können:
Ich bin lebenssatt.“

Anna Tüne
In: Freude, Schätze aus 20 Jahren „Der Andere Advent“, hrsg. von Andere Zeiten, Hamburg

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Weihnachten soll ein Fest der Liebe sein - aber viele überfordern sich damit. Bernhard von Clairvaux – ein, Mönch der im Mittelalter lebte – hat dazu eine Idee. Er rät uns:

Wenn Du vernünftig bist, erweise Dich als Schale […], die, wenn Wasser in sie hineinfließt, erst weitergibt, wenn sie gefüllt ist. […].
Lerne auch Du, nur aus der Fülle auszugießen, und habe nicht den Wunsch, freigiebiger zu sein als Gott. Die Schale ahmt die Quelle nach. Erst wenn sie mit Wasser gesättigt ist, strömt sie zum Fluss.
Du tue das Gleiche! Zuerst anfüllen, dann ausgießen. Die gütige und kluge Liebe ist gewohnt überzuströmen, nicht auszuströmen. Ich möchte nicht reich sein, wenn du leer dabei wirst.

Bernhard von Clairvaux
In: Freude, Schätze aus 20 Jahren „Der Andere Advent“, hrsg. von Andere Zeiten, Hamburg

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Engel – in der Adventszeit begegnen sie uns als Deko in den schönsten und manchmal auch kitschigsten Formen!
Dietrich Steinwede erzählt von den richtigen Engeln:

„Es gibt sichtbare Engel:
Engel zu Hause; Engel im Bus;
Engel, die einen unbekannten Verletzten verbinden;
Engel in Alltagskleidung; Engel mit einem Schulranzen

Und dann gibt es unsichtbare Engel:
Ich werde beschützt. Ich weiß nicht, von wem.   
Ich sage: Das war ein Engel.
Ich habe große Freude. Ich weiß nicht woher.
Ich sage: Das war ein Engel.
Mir wurde geholfen in großer Not.
Ich sage: Das war ein Engel.“

Dietrich Steinwede
Engel
In: Was ich gesehen habe. Thematische Bibelerzählungen für Kinder, Eltern und Lehrer. Göttingen: Vandenhoeck&Rupprecht; München: Pfeiffer, 1976, S. 199ff.

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