Manuskripte

SWR3 Worte

Wie kann man mit Todestrauer umgehen?
Dazu der Schriftsteller und Nobelpreisträger Hermann Hesse:

„Schmerz und Klage sind unsere erste und natürliche Antwort
auf den Verlust eines geliebten Menschen.
Sie helfen uns durch die erste Trauer und Not,
aber sie genügen nicht, um uns mit dem Toten zu verbinden.
Dazu muss der Tot in unsere Seele kommen dürfen:
durch genaueste Erinnerung,
durch Wiederaufbau des geliebten Wesens in unserem Innern.
Wenn uns das gelingt, dann lebt der Tote sozusagen weiter mit uns;
dann wird die Todestrauer fruchtbar für unser Leben.“

Hermann Hesse, „Mit der Reife wird man immer jünger“,
Suhrkamp-Verlag, Frankfurt am Main 142014

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Glück muss man teilen, meint der Philosoph Peter Sloterdijk –
und das gerade auch am Tag der deutschen Einheit:

„Gerade bei glücklichen Menschen kann man im Augenblick
eine ernsthafte Verhaltensänderung beobachten.
Sehr viele unter ihnen haben begriffen,
dass sie mit einem isolierten Glück
auf die Dauer nichts werden anfangen können.
Darum entwickeln sie neue Formen,
um in dieser Welt die Glückschancen gerechter zu verteilen.
Besonders deutlich wird dies bei den reichen Amerikanern,
bei denen ja auch religiöse Motive sehr wichtig sind.“

Peter Sloterdijk und Thomas Macho,
„Gespräche über Gott, Geist und Geld“,
Herder-Verlag, Freiburg im Breisgau 2014

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Schützt Gott vor Auto-Unfällen?
Nein, meint der deutsche Rallye-Fahrer Erik Sindermann.

„Der beste Beifahrer im Rallye-Auto, den ich je hatte, ist meine Frau.
Wenn sie dabei ist, heißt es für mich: gutfühlen und gut fahren.
Wir sind ein perfekt eingespieltes Team.
Vor einem Rallye-Wettbewerb beten wir zusammen
und geben all unsere Sorgen und Gedanken an Gott ab.
Das hilft mir sehr, in Ruhe und Konzentration zu kommen.
Dabei ist unsere Erwartung aber nicht,
dass Gott uns ein erfolgreiches und unfallfreies Rennen schenkt.
Man hat als Fahrer und als Mensch eine Eigenverantwortung,
aber man ist eben nie allein.“

Erik Sindermann, „Position einnehmen“; in: „More – das Leben gewinnen“, Herausgeber SRS-e.V., Altenkirchen 2014

 

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Kennen Sie Gott? wurde Film-Regisseur Dominik Graf in einem Interview gefragt. Grafs Antwort:

„Nein, so richtig habe ich keine Vorstellung von Gott;
aber ich habe das Gefühl, dass ich irgendwann eine bekomme.
Ich bin nicht sehr gläubig aufgewachsen;
meine Eltern waren nicht religiös.
Die Religion ist mir nicht nahegebracht worden
als ein Denkweg, dem ich folgen kann.
Dennoch habe ich das Gefühl: Warte mal ab;
irgendwann kommt Gott noch einmal um die Ecke.
Denn es gibt doch so Augenblicke,
die einen wie ein Blitz treffen:
wo man die Welt plötzlich ganz anders versteht.“

„Manchmal ist das Herz zu klein für die Gefühle“,
Dominik Graf im Gespräch mit Dirk von Nayhauß; in: Magazin „Chrismon“, Nr.8/2014, Hansisches Druck- und Verlagshaus, Frankfurt/Main

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Darf man Gewalt anwenden, um Gutes zu tun?
Dazu meint der Dalai Lama:

„Theoretisch darf man das.
Nehmen wir das Beispiel der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki.
Das war schlimm; das war traurig.
Die Bomben haben mehr als 200000 Menschen getötet.
Dafür hat das den Krieg beendet und möglicherweise
noch viel mehr Japanern und Amerikanern das Leben gerettet.
Aber war das vorhersagbar? Ich denke: Nein!
Wegen dieser Unsicherheit sollte man davon absehen, Gewalt anzuwenden.
Man kann einen Gegner nicht einfach wegbomben;
das funktioniert nicht.“

 „In China hat eine neue Ära begonnen“;
der Dalai Lama im Gespräch mit Jörg Eigendorf;
in: „Welt am Sonntag“ Nr.36 vom 07.09.14, Axel-Springer-Verlag Berlin

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Gibt es die Ewigkeit?
Die Punk-Sängerin Nina Hagen glaubt daran.

„Wen Gott einmal ins Leben gerufen hat,
dem hat er die Chance für das ewige Leben gegeben.
Gott sagt: Wir sehen uns wieder – spätestens beim jüngsten Gericht.
Und wenn man sich im Leben nicht bewährt hat,
dann kommt man in eine Art Auffangstation,
wo nicht gefoltert wird, wo nicht gemaßregelt wird,
sondern wo man noch einmal
die Liebe und die Gnade Gottes betrachten darf.
Aber darüber mache ich mir keine Sorgen.“

„Ich predige die Botschaft vom ewigen Leben und von der Liebe. Halleluja“;
Nina Hagen im Gespräch mit Dirk von Nayhauß; in: Magazin „Chrismon“, Nr.9/2014, Hansisches Druck- und Verlagshaus, Frankfurt/Main

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Wo kann man Gott begegnen?
Der Philosoph Thomas Macho meint: im Kino

„Wir haben nicht nur eine gewisse Sehnsucht nach Gott,
sondern wir sind auch neugierig darauf.
Wir suchen Bekanntschaft mit dem,
was nicht einfach gesagt, berechnet,
abgebildet und dargestellt werden kann.
Vielleicht wird diese Begegnung mit dem Unbekannten
derzeit weniger in Büchern gesucht als im Kino.
Mir sind seit einigen Jahren viele Filme aufgefallen,
in denen es genau in diesem Sinn um das Religiöse geht.“

Peter Sloterdijk und Thomas Macho,
„Gespräche über Gott, Geist und Geld“,
Herder-Verlag, Freiburg im Breisgau 2014

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