Manuskripte

SWR3 Worte

Papst Franziskus ist nicht nur ein glaubwürdig bescheidener Papst, er versteht es auch die Freude an seinem Glauben spürbar zu machen. Wenn er zum Beispiel sagt:

Wir haben einen Schatz an Leben und Liebe, der nicht trügen kann, eine Botschaft, die weder manipulieren noch enttäuschen kann. Es ist eine Antwort, die tief ins Innerste des Menschen hinab fällt und ihn stützen und erheben kann. Es ist die Wahrheit, die nicht aus der Mode kommt, denn sie ist in der Lage, dort einzudringen, wohin nichts anderes gelangen kann. Unsere unendliche Traurigkeit kann nur durch eine unendliche Liebe geheilt werden.

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 Papst Franziskus will es nicht als selbstverständlich hinnehmen, dass die Menschen auf der nördlichen Hälfte der Erdkugel reicher und gesünder sind als die auf der südlichen. Er sagt:

Bei allem Respekt vor der Unabhängigkeit und der Kultur jeder einzelnen Nation muss doch immer daran erinnert werden, dass der Planet der ganzen Menschheit gehört und für die ganze Menschheit da ist. Und dass allein die Tatsache, an einem Ort mit weniger Ressourcen oder einer niedrigeren Entwicklungsstufe geboren zu sein, nicht rechtfertigt, dass einige Menschen weniger würdevoll leben.

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Die Bundesregierung ist mit einem Streit um die Armutsmigranten in das neue Jahr geschlittert. Wie es der Zufall will hat sich auch Papst Franziskus in seinem ersten apostolischen Schreiben mit den Migranten beschäftigt. Er schreibt:

Die Migranten stellen für mich eine besondere Herausforderung dar, weil ich Hirte einer Kirche ohne Grenzen bin, die sich als Mutter aller fühlt. Darum rufe ich die Länder zu einer großherzigen Öffnung auf, die, anstatt die Zerstörung der eigenen Identität zu fürchten, fähig ist, neue kulturelle Synthesen zu schaffen. Wie schön sind die Städte, die das krankhafte Misstrauen überwinden, die anderen mit ihrer Verschiedenheit eingliedern und aus dieser Integration einen Entwicklungsfaktor machen.

 

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Papst Franziskus geht das Leid seiner Mitmenschen spürbar zu Herzen. Weil er einen Mangel an Mitgefühl in unserer Welt feststellt, will er uns aufrütteln. Er sagt:

Es hat sich eine Globalisierung der Gleichgültigkeit entwickelt. Fast ohne zu merken, werden wir unfähig, Mitleid zu empfinden gegenüber dem schmerzvollen Aufschrei der anderen. Wir weinen nicht mehr angesichts des Dramas der anderen, noch sind wir daran interessiert, uns um sie zu kümmern. Als sei all das eine uns fern liegende Verantwortung, die uns nichts angeht. Die Kultur des Wohlstands betäubt uns, und wir verlieren die Ruhe, wenn der Markt etwas anbietet, was wir noch nicht gekauft haben, während uns das Schicksal all der Menschen, die wegen fehlender Möglichkeiten unterdrückt werden, uns wie ein bloßes Schauspiel erscheint, das uns in keiner Weise erschüttert.

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So deutliche Worte wie Papst Franziskus für seine Kirche findet, so deutliche Worte findet er auch für soziale Fragen. Zur herrschenden Wirtschaftsordnung der westlichen Industrienationen sagt er:

Ebenso wie das Gebot „du sollst nicht töten“ eine deutliche Grenze setzt, um den Wert des menschlichen Lebens zu sichern, müssen wir heute ein „Nein“ zu einer Wirtschaft der Ausschließung und der ungleichen Verteilung der Einkommen sagen. Diese Wirtschaft tötet. Es ist unglaublich, dass es kein Aufsehen erregt, wenn ein alter Mann, der gezwungen ist, auf der Straße zu leben, erfriert, während eine Baisse um zwei Punkte in der Börse Schlageilen macht.

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Die katholische Kirche ist auch eine Kirche der Angst, der vornehmen Zurückhaltung und der Selbstbezogenheit. Papst Franziskus will eine andere Kirche. Er sagt:  

Mir ist eine „verbeulte“ Kirche lieber. Eine Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist. Sie ist mir lieber als eine Kirche, die krank ist, weil sie verschlossen ist und sich bequem an die eigenen Sicherheiten klammert. Ich will keine Kirche, die darum besorgt ist der Mittelpunkt zu sein und in einer Anhäufung von fixen Ideen und Streitigkeiten verstrickt ist.  

 

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 In der katholischen Kirche ging es zu lange um Moral statt um Liebe. Papst Franziskus sagt welche Art von Predigten er darum nicht mehr haben möchte:

Wenn zum Beispiel ein Pfarrer zehnmal im Jahr über die Enthaltsamkeit spricht und nur zwei- oder dreimal über die Liebe oder über die Gerechtigkeit, dann entsteht ein Missverhältnis. Ein Missverhältnis durch das genau die Tugenden in den Schatten gestellt werden, die mehr in den Predigten vorkommen müssten. Das Gleiche geschieht, wenn mehr vom Gesetz als von der Gnade, mehr von der Kirche als von Jesus Christus und mehr vom Papst als vom Wort Gottes gesprochen wird.

 

 

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