Manuskripte

SWR3 Worte

Der Heilige Franz von Sales über meditative Auszeiten: 

Täglich eine halbe Stunde auf Gott zu horchen, ist wichtig, außer wenn man sehr viel zu tun hat. Dann ist eine ganze Stunde nötig.

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Johannes ist bei den Großeltern zu Besuch. Im Bad begegnet er der Oma. Sie hat bunte Rollen im Haar, dicke und kleine. „Damit meine Frisur wieder schön locker wird", sagt sie. Nachdem die Lockenwickler raus sind und die Oma sich kämmt und fönt, sieht Johannes interessiert zu. Sie unterbricht ihr Tun: Na, Johannes, wie gefällt es Dir?" Er runzelt die Stirn, denkt kurz nach und sagt dann: „Oma, Du hast Dir sehr viel Mühe gegeben." 

 

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Sie hat immer danach gefragt was die anderen meinten, und sich auch meistens danach gerichtet. Damit ist nun Schluss. Ihr sind die Meinungen anderer zwar nicht gleichgültig, aber sie hört jetzt mehr auf ihre innere Stimme als auf die äußeren, und kommt sich auf diese Weise langsam näher.

Die innere Stimme von Manfred Mai

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In seiner Zeit als Justizminister der Großen Koalition sprach Gustav Heinemann vor der SPD-Fraktion folgendes über die geplante Notstandsgesetzgebung:

„Was unter dem Begriff ‚drohende Gefahr für den Bestand des Bundes' sonst noch möglich sein wird, möglich sein könnte oder nicht mehr möglich ist, lässt sich meines Erachtens im Voraus mit letzter Klarheit nicht generell aussprechen."

Darauf meinte der damalige Fraktionschef Helmut Schmidt: „Gustav, ich habe das Gefühl, das war zu präzise."

 

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Ich war zehn, da war mein Alter höchstens gut genug zum Lästern: als ein völlig durchgeknallter Typ und hoffnungslos von gestern.
Schlimmer wars noch als ich zwanzig. Vater hatte echt ne Meise. Was er sagte: blöd und ranzig. Kurz ein Fall von frühem Greise.
Ich war dreißig als mein Vater langsam zur Besinnung kam, machte weniger Theater, war im Geist nicht mehr so lahm.
Und zehn Jahre später dann: Seht mir nur den alten Schweden, ist doch ein ganz guter Mann, manchmal kann man mit ihm reden.
Heute hat er echt gemacht sich, eine blendende Erscheinung. Ich bin sechzig, er ist achtzig: Endlich sind wir einer Meinung!

Mein Alter von Benno Burkhardt

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Wünsche eines älteren Mannes für die jungen Leute: 

Gebt nicht nach, wie wir es getan haben,
Folgt den Verlockungen nicht, denkt nach, verweigert,

lehnt ab.
Denkt nach, eh ihr Ja sagt,
Glaubt nicht sofort, glaubt auch dem Einleuchtenden nicht,
Glaube schläfert ein, ihr sollt wach sein.

Fangt mit einem weißen Blatt an, schreibt selber die ersten Worte,
Lasst euch nichts vorschreiben.
Hört gut zu, hört lange zu, aufmerksam,

Glaubt der Vernunft nicht, der wir uns unterwarfen.
Fangt mit der stummen Revolte des Nachdenkens an, prüft
Und verwerft.

Bildet langsam das Ja eueres Lebens.
Lebt nicht wie wir.
Lebt ohne Furcht.

 

Walter Bauer - „Postkarte an junge Menschen"

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Der schwedische Filmregisseur Ingmar Bergmann  über die Liebe

Wir glauben nur aus Angst und weil wir es in der Schule so gelernt haben an irgendwelche Grenzen. Es gibt keine Grenzen. Nicht für die Gedanken, nicht für die Gefühle. Die Angst setzt die Grenzen. Jesus sprengte die Gesetze und die Grenzen durch ein völlig neues Gefühl, von dem man vorher nie etwas gelernt hat, die Liebe. Natürlich reagierten die Menschen mit Angst und Wut. So wie sie immer mit Angst reagieren, wenn sie von einem großen Gefühl überwältigt werden. Obwohl sie sich vor Sehnsucht nach ihren kümmerlichen und abgestorbenen Gefühlen fast verzehren.

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