Manuskripte

SWR3 Worte

Gott entplant das Leben:
Lass es nur zu, dass es anders wird. Wenn der Bus Verspätung hat; wenn der Typ mit dem Schlüssel als letzter zum Treffpunkt kommt; wenn die Bahnschranke gerade jetzt runtergeht. Wir müssen nicht mit dem Gefühl leben, dass uns dann Zeit geraubt wir oder dass wir Zeit verlieren. ... andersherum: Die ungeplanten Verzögerungen oder Stolpersteine schenken uns Zeit. Durch sie gewinnen wir Zeit, die wir gar nicht im Blick hatten.
Eine Unterbrechung für etwas, das mehr ist als unser Plan. Ein Eingang für Gott. Wenn wir es nur zulassen...

René Pachmann: Gelassener herumsitzen - ich sag mal: vielleicht am Wochenende!?

(aus: René Pachmann SJ: Gelassener rumsitzen; in: „Jesuiten. Informationen der Deutschen Provinz der Jesuiten an unsere Freunde und Förderer, 61. JG 2010/4, S. 22)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=10423

Gott, der Schöpfer der Welt und deines Lebens,
segne deine Augen,
dass sie die Schönheit der Schöpfung sehen.

Gott, der Schöpfer der Welt und deines Lebens,
segne deine Hände,
dass sie mithelfen, die Schöpfung zu bewahren.

Gott, der Schöpfer der Welt und deines Lebens,
segne deine Füße,
dass sie Wege des Friedens und der Versöhnung gehen.

Mit diesem Segensgebet begrüßt „Kirche auf der BUGA" die Menschen, die ab heute die Bundesgartenschau in Koblenz besuchen - unter anderem in der FestungsKirche auf dem Ehrenbreitstein...

(aus: Kirche auf der BUGA 2011 - online - innerkirchliche Kommunikation)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=10422

Ferien - plötzlich sind Schule und Internat leer.
Ich spaziere dann gern durch die Gänge und lasse ... (die) leeren Klassenzimmer auf mich wirken. Für einen Moment bin ich abgeschaltet vom Strom der Betriebsamkeit. Dankbarkeit steigt auf die für die geschenkte Zeit. Natürlich ist auch hier die Möglichkeit, diese Leere gleich wieder mit Nützlichem zu füllen. Ich kann mein Büro aufräumen... (Oder: Ich bete) um Kraft, zehn Minuten Leere auszuhalten. Dann kann in mir auch mitten im Alltag diese wohltuende Ruhe eintreten, in der die Zeit still steht und ich ganz „da" bin. Für ein paar Augenblicke bin ich frei von jedem „Müssen" und lausche darauf, wie Gott anwesend ist in meiner Leere.

Internats-Lehrer Ludger Joos: Ein Raum für die Leere

(aus: Ludger Joos SJ: Der Leere einen Raum geben; in: „Jesuiten. Informationen der Deutschen Provinz der Jesuiten an unsere Freunde und Förderer, 61. JG 2010/4, S. 22)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=10421

Gott ist da.

Eigentlich etwas, was sich für einen religiösen Menschen wie eine Binsenweisheit anhört. ...
Aber wie ist das beim Aldi an der Kasse? Dreizehn Leute vor mir und wieder versucht jemand, 97 Cent einzeln abzuzählen.

Gott ist da.

Naja gut, aber davon wird das Warten ja nicht weniger lästig.

Gott ist da.

Jaja, schon verstanden, aber ... Moment ... Jetzt? Und hier? Wo ich doch gerade so eine miese Stimmung habe und mich so ungeistlich fühle wie es nur geht?

Gott ist da. ...

Im Zug: 30 Minuten Verspätung ... Ungeduld  ...

Gott ist da. Bei dem, der gerade die Schaffnerin runterputzt...

Gott ist da - das ist ein echtes Hosentaschengebet, das Vaterunser für unterwegs, das Glaubensbekenntnis ..., der Gebetshocker für die U-Bahn, und man kommt nie ans Ende mit diesem Gebet.

Ansgar Wiedenhaus - Gott ist da

(aus: Ansgar Wiedenhaus: Gott ist da; in: „Jesuiten. Informationen der Deutschen Provinz der Jesuiten an unsere Freunde und Förderer, 62. JG 2011/1, S. 22/23))

https://www.kirche-im-swr.de/?m=10420

 Dürfen wir uns einer Technologie anvertrauen, die unabschätzbare Folgen für ganze Generationen hat? Da sagen wir nein. Und es geht hier um Güter, die wir nicht dem Markt allein überlassen dürfen.
Energie ist keine Ware, die wir behandeln sollen wie alle anderen Waren...
... Wir sind gerade in der Fastenzeit. Da fällt es mir nicht schwer, für eine Spiritualität des Maßes zu plädieren. Es geht letztlich um den Unterschied zwischen Schöpfer und Geschöpf. Wenn wir meinen, diese Grenze überschreiten zu können, ... Wenn wir die unkalkulierbaren Risiken der Atomtechnik vielen Unbeteiligten über Generationen hinweg zumuten, dann haben wir das rechte Maß verloren.

Erzbischof Kardinal Reinhard Marx: Atomkraft - geht nicht

(aus: Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, im Interview der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, 3. April 2011, S. )

https://www.kirche-im-swr.de/?m=10419

 Meine Angst
ist so groß geworden
dass sie vor nichts mehr Angst hat

Meine Angst
ist so groß geworden
dass alles Angst hat vor ihr

In Wirklichkeit ist meine Angst
klein geblieben
und kleinlich

Auch mich macht sie klein
und kleiner
Nur dadurch kommt sie mir groß vor

Der Dichter Erich Fried über die Angst - und wie sie groß und klein ist

(aus: Die bunten Getüme, © Wagenbach Berlin 1977 - zitiert nach „Sieben Wochen ohne - Fastenkalender. edition chrismon, Frankfurt/M 2011)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=10418

Ich bin an manchen Tagen dankbar, dass die Geschwindigkeit meiner Alltags ... wenigstens ein bisschen ausgebremst wurde. Die Hektik hat für einen Moment aufgehört, der Geist kann sich entspannen. Anstatt also ärgerlich zu werden, wenn beispielsweise der Bus nicht kommt, lässt sich das Rumsitzen an der Haltestelle auch als kleine Freiheit genießen. Zumal es durch schlechte Laune sowieso nicht zu ändern ist.
Eine solche Unterbrechung kann auch zeigen, dass sich die Erde selbst dann weiterdreht, wenn nicht alles planmäßig verläuft. ... Durch den Zeitgewinn kann sich der innere Horizont öffnen und den Blick freigeben auf den Nächsten als Bruder und Schwester. Wenn wir den Gedanken zulassen, dass Gott uns tatsächlich einfach mal rumsitzen lässt.

René Pachmann: Gelassener herumsitzen

(aus: René Pachmann SJ: Gelassener rumsitzen; in: „Jesuiten. Informationen der Deutschen Provinz der Jesuiten an unsere Freunde und Förderer, 61. JG 2010/4, S. 23)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=10417