Manuskripte

SWR3 Worte

[Der] wertschätzende Weg ist ein grundlegend anderer Weg. Denn ich starre nicht mehr nur die Probleme und Defizite an. Wenn ich mein Bewusstsein darauf richte, was gut läuft, bekomme ich mehr Kraft, in diese Richtung zu gehen. Der zweite Schritt ist, mich wirklich aufmerksam zu beobachten, wenn ich gerade mal wieder anfange, über jemanden schlecht zu reden oder zu jammern. Dann innezuhalten und zu sagen: Muss ich das jetzt schlecht machen, kann ich das auch anders sehen, gibt es auch etwas Gutes daran? Das heißt, die eigenen Gedanken langsam und behutsam umzulenken auf das, was vielleicht gut ist. Das ist eine Haltung, in der ich mir selber und anderen gegenüber wohlwollend bin und nicht stehen bleibe, sondern ich habe ein Projekt. Und dieses Projekt ist, mein Herz weiter aufzumachen.

Lisa Laurenz, Das Herz weit machen, in: Publik Forum Nr. 19 (2009), 56https://www.kirche-im-swr.de/?m=7097
Wenn ich eine Haltung entwickle, die heißt: Was ist, ist heilig, dann bin ich auf einem Weg, wo ich sage: Was Gott mir in den Weg gelegt hat, ist meine Aufgabe, mit der ich umgehen muss. Egal, ob das eine Krankheit ist, ein Verlust von Reputation oder ein Verlust von Einkommen. Was ist, ist das, was mich in die Lage bringt, wachsen zu dürfen, zu sollen, zu müssen.

Lisa Laurenz, Das Herz weit machen, in: Publik Forum Nr. 19 (2009), 54https://www.kirche-im-swr.de/?m=7096
Wenn ein anderer Mensch mir deutlich macht, dass er mich schätzt, zeigt er, dass er sich in gewisser Weise mit mir verbunden weiß, und er gibt mir sehr deutlich zu verstehen, dass ihm etwas daran liegt, dass ich diese verborgenen Schätze in mir zur Entfaltung bringe, dass ich meine Fähigkeiten und Fertigkeiten weiterentwickeln kann. Das hat überhaupt nichts damit zu tun, dass man dem anderen ständig erzählt, wie gut er ist. Eher hat es damit zu tun, dass man dem anderen Chancen gibt, seine Potentiale zu entdecken, und dass man ihm Aufgaben anbietet, an denen er wachsen kann. Das ist Wertschätzung!

Lisa Laurenz, Das Herz weit machen, in: Publik Forum Nr. 19 (2009), 54https://www.kirche-im-swr.de/?m=7095
Es ist offenkundig: Geld kann nicht in der Weise Gott sein, wie auf dem Boden abendländischen Religionsgeschichte von Gott gesprochen worden ist. Es ist nicht personal; man kann kein Gebet an es richten. Ihm wird keine ausdrückliche kultische Verehrung zuteil, wie immer man auch die sakral anmutende Architektur de Bank- und Versicherungsgebäude werten mag. Es ist nicht als solches eine Macht, niemand würde das behaupten; es ist nur Münze, Banknote, elektronische Zahlenkolonne. Der Kapitalismus ist womöglich eine Religion ohne Gott, in der gleichwohl das Geld die Stelle der alles bestimmenden Wirklichkeit besetzt.

Thomas Ruster, Der verwechselbare Gott. Theologie nach der Entflechtung von Christentum und Religion, Freiburg: Herder 2000, 144https://www.kirche-im-swr.de/?m=7094
Ist der Kapitalismus eine Religion, so wäre ihr Gott das Geld. ... Geld ist allgegenwärtig und allmächtig, und es lässt die, die ausreichend über es verfügen, an diesen göttlichen Attributen teilhaben. Es gibt nichts, was von der Macht des Geldes unabhängig wäre. Alles ist für Geld zu haben. ... Auf das Geld richten sich die Haltungen, die sonst Gott galten: Vertrauen, Treue, Sicherheit, Geborgenheit, Mut zur Zukunft, Liebe, Hoffnung, unersättliches Begehren. Wo es aber fehlt, herrschen Verzweifelung und Hoffnungslosigkeit. Geld ist, in den Begriffen der Theologie gesprochen, zum Sakrament der bürgerlichen Gesellschaft geworden: das sichtbare Zeichen der unsichtbaren Gnade. ... Geld ist die schlechthin alles bestimmende Wirklichkeit.

Thomas Ruster, Der verwechselbare Gott. Theologie nach der Entflechtung von Christentum und Religion, Freiburg: Herder 2000, 142fhttps://www.kirche-im-swr.de/?m=7093
Die Finanzkrise zeigt, dass Teile der „Eliten“ soziale Verantwortung durch einen Freiheitsbegriff ersetzt haben, der „nur noch sie selbst begünstigt“. Das kritisiert Bundes[innen]minister Wolfgang Schäuble. Es gehe heute vielen nur noch darum, „möglichst wenige Einschränkungen zu akzeptieren und möglichst viele Optionen für sich offen zu halten“. Zu einem verantwortlichen Gebrauch von Freiheit gehörten religiöse wie säkulare Werte und Traditionen, die dem Streben „ein rechtes Maß und eine gute Richtung geben.“

Aus: Christ in der Gegenwart Nr. 42/2009, 462https://www.kirche-im-swr.de/?m=7092
Der Markt ist nicht imstande, eine würdige und sinnvolle Gesellschaft zu organisieren. Marktmechanismen sind auf Ausgrenzung, auf Vernichtung des anderen ausgerichtet, und nicht auf Kooperation. Der ursprüngliche Gewerkschaftsgedanke war der einer solidarischen Kooperation, im Sinne einer Hilfe für diejenigen, die sich nicht helfen können. Dieser Gedanke ist verloren gegangen.

Oskar Negt, in: Die Tageszeitung vom 12.10.2009, 3https://www.kirche-im-swr.de/?m=7091