Manuskripte

SWR3 Worte

Gott, ich sehe nicht den Weg;
Aber mit anderen, die ihn mit mir gehen, bahne ich einen Pfad.

Ich kann nicht alle Belastungen übernehmen;
Aber mit anderen, die sie teilen, kann ich meine eigene Last tragen.

Ich bin nicht im Besitz der Wahrheit;
Aber mit anderen, die bezeugen, was sie wissen, kann ich wahrnehmen, was Recht ist.

Ich bin nicht immer konsequent;
Aber mit anderen, die mit mir darüber lachen, kann ich meine Gelassenheit wieder finden.

Nicola Slee, britische Theologin
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Matthias Peterek, Christiane Schmidt und Anita Fürst über ihre Arbeit im Hospiz:
Alle unsere Bewohner wissen, dass sie bald sterben werden, doch wer glaubt, das Leben sei bei uns voller Trauer und schwer, der irrt. […]
Durch unsere Bewohner fühlen wir uns immer wieder neu zum Leben eingeladen.
Haben Sie schon einmal im Januar gegrillt oder sechs Monate nach Ihrem eigentlichen Geburtstag einen „halben“ Geburtstag gefeiert?
Wir hatten eine Bewohnerin, die ließ sich im Juli ihr Zimmer weihnachtlich schmücken. Ein strahlender Weihnachtsbaum erhellte ihren Raum. Jedem überraschten Besucher sagte sie: „Weihnachten erlebe ich nicht mehr, deshalb ist für mich jetzt Weihnachten!"

Matthias Peterek, Christiane Schmidt und Anita Fürst
Leben
In: Der andere Advent. Meditationen und Anregungen vom 29. November 2008 bis 6. Januar 2009, Hamburg 2008, Text vom 10.12.08.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=6280
Es gibt nichts, was uns die Abwesenheit eines uns lieben Menschen ersetzen kann. [...] Je schöner und voller die Erinnerung, desto schwerer die Trennung.
Aber die Dankbarkeit für das Erlebte verwandelt die Qual der Erinnerung in eine stille Freude.
Dann trägt man das vergangene Schöne nicht wie einen Stachel, sondern wie ein kostbares Geschenk in sich. Dabei soll man sich davor hüten, in den Erinnerungen zu wühlen und sich ihnen ganz auszuliefern. Denn auch ein kostbares Geschenk betrachtet man nicht immerfort, sondern nur zu besonderen Stunden. So werden Erinnerungen zu einem verborgenen Schatz, dessen man sich gewiss ist und von dem dauernde Freude und Kraft ausgeht.

Dietrich Bonhoeffer
Ein kostbares Geschenk
In: So will ich diese Tage mit euch leben. Dietrich Bonhoeffer Jahreslesebuch, hrsg. von Manfred Weber, Gütersloh 2005, Text zum 19. November

https://www.kirche-im-swr.de/?m=6279
„Selig sind, die da hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.“ (Matthäus 5,6), so steht es im Neuen Testament.

Renate Schmidt, ehemalige Bundesfamilienministerin, meint dazu:“Nach der Bibel hat Gerechtigkeit immer etwas mit Gott zu tun. Für unseren Alltag können wir aus den Aussagen der Bibel ableiten, dass allen Menschen Gerechtigkeit widerfahren soll. Vor Gott sind alle Menschen gleich. Sie sind alle Schwestern und Brüder. Deshalb entspricht es Gottes Willen, dass wir uns in dieser Welt für Gerechtigkeit einsetzen. Ohne die Rückbindung an Gott, besteht die Gefahr, dass sich der Mensch bei der Suche nach Gerechtigkeit verirrt.“

Renate Schmidt
In: ACP-Interview mit Familienministerin Renate Schmidt 2004
http://www.acp-international.de/files/ACP-Interview%20mit%20Renate%20Schmidt.pdf


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Vor Freude an die Decke springen – das würde ich heute gerne.
Aber wie soll das gehen? Kommt Freude doch eher unvermittelt.
Deshalb beschließe ich: heute bereite ich einem anderen Menschen Freude durch ein Telefonat, ein Lob, eine Mail oder durch ein Kompliment.
Und zugleich werde ich Ausschau halten nach dem, was mich im Leben wirklich freut!

Gisela Ibele und Therese Nolte, Franziskanerinnen

Die Freude suchen.
In: Sylvia Müller, Ulrich Sander, Schenk deiner Seele ein Lächeln. Worte, die gut tun.

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Mönchengladbach vor 150 Jahren:
Ein Haus für Jugendliche mit Behinderung wird eingeweiht. Es erhält den Namen Hephata, auf Deutsch: „Tu Dich auf“. Der Name erinnert daran, dass Jesus mit diesen aramäischen Worten einen taubstummen Mann geheilt hat (Mk 7,34).
Im Juni 1859 leben 24 „Pfleglinge“ in Hephata. Das Haus wächst schnell. Und es wird nicht nur groß, sondern auch zum Modell. Der Leitgedanke ist, dass Menschen mit Behinderung bildungsfähig sind und sie individuell gefördert werden können, – ein zu jener Zeit revolutionärer Gedanke. […]
Regelmäßige Arbeit für Menschen mit geistiger Behinderung, unterstützte Elternschaft, dezentrale kleine Wohngruppen […], viele dieser heutigen Selbstverständlichkeiten gehen auf das zurück, was in Hephata begonnen hat.“

Monika Nadler, Redakteurin bei der Aktion Mensch
Titel: Das historische Bild. 150 Jahre Evangelische Stiftung Hephata
In: Menschen. Das Magazin, 2/2009

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Seit nunmehr vierzig Jahren ist der 28. Juni, der Tag der Lesben- und Schwulenbewegung.

In Schweden wurde in diesen Tagen die Pfarrerin Eva Brunne, die mit ihrer Frau in einer registrierten Partnerschaft lebt, zur neuen lutherischen Bischöfin von Stockholm gewählt.

Eva Brunne sagt zu ihrer Wahl:
„Ich bin froh und stolz, einer Kirche anzugehören, in der mündige Menschen Stellung beziehen. Vielfalt ist ein großer Reichtum.“

Zitiert nach: Hannes Gamillscheg, Offene Kirche.
In: Schwäbisches Tagblatt, Tübingen, Samstag, 6. Juni 2009, Magazin/christliche Welt

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