Manuskripte

SWR3 Worte

Ich möchte, auch wenn viele dies aus meinem Munde überraschen mag, eine Lanze für das Zölibat brechen. Nicht als ein Muss für alle Menschen, nicht einmal für alle katholischen Priester, sondern als ein Weg, den wir zunächst einmal zu respektieren haben. Für eine Minderheit von Menschen, die ihn aus freien Stücken gewählt haben, mag die Keuschheit ein Weg hin zum Geistigen sein. Ich verteidige diesen Weg gegen unqualifizierten Spott – gerade auch in einer Zeit, in der uns der Sex von überall her anschreit...
Ich respektiere spirituelle Strömungen, die vermitteln, dass das Ausleben unserer Triebe, ja dass selbst die Liebe zu einem einzelnen Menschen nur eine Stufe sein kann und nicht das letzte Ziel. Vielleicht muss man leidenschaftlich leben, um am Ende besser loslassen zu können.

Konstantin Wecker: Ein Weg zum Geistigen

in: Vorwort zu Thomas a Kempis, Nachfolge Christi
zitiert aus: Rheinischer Merkur Nr. 17, 26.04.2007

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Es gibt eine lange Tradition der meditativen Praxis... Ich eignete sie mir an, als ich nach meiner Verhaftung wegen Drogenbesitzes … für einige Wochen auf mich selbst zurückgeworfen war. Thomas a Kempis beschreibt (diese) Mystik in seinem Buch sehr schön: „Alle scheinbaren Unterschiede in der Erscheinungswelt sind nur Strahlenbrechungen eines und desselben Lichtes…“ Diese mystische Botschaft ist indirekt zugleich eine soziale Botschaft. Sie zerstört die Illusion unserer Abgegrenztheit, die uns so oft zu dem Schluss verleitet, wir könnten andere Lebewesen schädigen, ohne dadurch zugleich uns selbst, unserer Seele und dem Ganzen Schaden zuzufügen. „Uns ist kein Einzelnes bestimmt“, habe ich in einem Gedicht… (vor Jahren) geschrieben. „Ein jeder ist die Menschheit/ geht mit ihr unter/ oder wendet sie zum Guten hin.“

Konstantin Wecker: Gegen die Illusion der Abgegrenztheit

in: Vorwort zu Thomas a Kempis, Nachfolge Christi
zitiert aus: Rheinischer Merkur Nr. 17, 26.04.2007
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… "Bleibt der Erde treu!" Das ist der Auftrag von Christi Himmelfahrt.
Man kann nicht Christ sein auf Kosten der Erde, sich von ihr absetzen wollen in ein besseres Jenseits. Solche Schleichwege sind Irrwege. Der Himmel liegt nicht über uns, sondern vor uns, … als Möglichkeit schon hier in dieser Welt. Das heißt nicht, daß wir das Paradies auf Erden erwarten. Der Himmel fällt nicht mit dieser Welt zusammen, heute nicht und in Zukunft nicht...
Aber gerade für diese Erde in ihrer Zerrissenheit und Dunkelheit, mit ihren … offenen Fragen, für sie gilt die Verheißung Gottes. Darum dürfen wir uns nicht einfach mit den Verhältnissen hier abfinden. Wir müssen alles tun, sie zum Besseren zu verändern. An Christi Reich und Herrschaft glauben kann nur, wer die Erde und den Herrn in einem liebt.

Franz Kamphaus zum heutigen Fest Christi Himmelfahrt

aus: Franz Kamphaus, Zwischen Tag und Nacht. Österliche Inspirationen. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 1998
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Meine letzte Frage?
Fachlich interessiert mich die offene Frage zur Chaostheorie. Aber die allerletzte Frage? Gibt es Gott wirklich? Ich stelle diese Frage niemals in der Hoffnung, dass ich es ergründen kann. Ich weiß, dass ich es nie wissen kann. Es ist unergründlich und wird es auch bleiben. Hat es den Urknall, wie wir ihn uns heute vorstellen, wirklich gegeben? Ist diese Extrapolation nicht vollkommen falsch? Vielleicht war es ganz anders? Aber was gab es davor? Gott?

Peter Grünberg: Die allerletzte Frage; Grünberg bekam letztes Jahr den Nobelpreis für Physik
in: Magazin Cicero, Dezember 2007, S. 124 ff
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Die Schöpfungsgeschichte ist für mich sehr wichtig, aber sie ist natürlich als Gleichnis zu verstehen! Ich lese oft in der Bibel und versuche dem Gleichnis immer wieder auf die Spur zu kommen. Ich habe es allerdings noch nicht lösen können.
… Fachbücher schreibe ich selber, wenn auch mein neuestes Werk nun etwas wegen des Nobelpreises warten muss. Auf die (einsame) Insel würde ich … in jedem Fall die Bibel mitnehmen. In der Bibel finde ich alles: die Schöpfungsgleichnisse, Erbauung und nicht zuletzt auch Spannung: Lesen Sie die Apostelgeschichte, da geht es wild zu!

Gerhart Ertl: Alles in der Bibel; Ertl bekam letztes Jahr den Chemie-Nobelpreis
in: Magazin Cicero, Dezember 2007, S. 124 ff

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Ich habe lange gebraucht, um das Wort „Gott“ wieder ohne Scheu und Vorbehalte in den Mund nehmen zu können. Meine Beziehung zu Gott war – wie bei vielen jungen Menschen – zunächst geprägt von Abgrenzung, Revolte und Provokation. Ich trennte nicht sauber zwischen Gott und jenen Göttern oder Götzen, von denen ich in einem Liedtext wünschte, sie mögen zugrunde gehen, wenn wir „endlich gottlos“ würden. Ich machte Gott für Kriege, Erdbeben und Hunger, die Sexualmoral des Vatikans und die Politik der CSU verantwortlich – und für das schlimmste „Verbrechen“: die Tatsache, dass es so etwas wie Regeln und Grenzen gibt.
Aber von Anfang an sah ich Gott auch als denjenigen, der in mir sang, der in mir Melodien komponierte, Gedichte schrieb, atmete, lebte und liebte...

Konstantin Wecker: Gott wieder finden

in: Vorwort zu Thomas a Kempis, Nachfolge Christi zitiert aus: Rheinischer Merkur Nr. 17, 26.04.2007
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In der Tat, Gott ist nicht nötig wie Geld und Bier. Wer Gott für sein Fortkommen gebrauchen will, geht leer aus. Meister Eckhart sagt: "Manche Menschen wollen Gott mit den Augen ansehen, mit denen sie eine Kuh ansehen. Sie wollen Gott lieben, wie sie eine Kuh lieben. Die liebst du wegen der Milch und des Käses und deines eigenen Nutzens. So halten's alle jene Leute, die Gott um des äußeren Reichtums oder des inneren Trostes willen lieben. Die aber lieben Gott nicht recht, sondern sie lieben ihren Eigennutz.“ Gott läßt sich von uns nicht gebrauchen wie Käse und Milch. Er möchte uns auf jener anderen Ebene begegnen, die uns sagen läßt: ,Ohne dich will ich nicht leben; nicht weil ich etwas von dir haben muß, sondern weil du du bist.'

Franz Kamphaus, Gott richtig lieben
in : Zwischen Tag
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