Manuskripte

SWR3 Worte

In Mannheim ist wieder Vesperkirche, jeden Tag kommen über vierhundert Menschen zum Essen in die Kirche aber auch um zu reden, zu helfen, zu teilen was sie haben:

Einer erzählt:
Ich weiß dass ich zuviel trinke
ich will das nicht
aber ich nehme keine Drogen
nur die Tabletten die mir der Arzt gibt.
Das ist Valium und ich kann trotzdem nicht schlafen.
Deswegen geht es mir so schlecht.
Aber seit ich hier esse ist es besser.
Essen macht auch müde.
Ich hab jetzt einen Termin bei der Suchtberatung.
Und dann wird es wieder besser,
die können mir bestimmt helfen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=3033
In Mannheim ist wieder Vesperkirche, jeden Tag kommen über vierhundert Menschen zum Essen in die Kirche aber auch um zu reden, zu helfen, zu teilen was sie haben:

Eine sagt:
Wir kommen ja schon seit Jahren her
wissen Sie, wir sind alt
und zuhause ist keiner.
Platz genug andere einzuladen
haben wir nicht.
Und so zu kochen für alle,
wer kann das schon.
Hier jedenfalls haben wir Gesellschaft.
Das ist so schön wir kommen jeden Tag.
In der Kirche zu sitzen und zu essen
das ist einfach etwas ganz besonderes.
Einmal war ich zufällig auf einem Foto in der Zeitung
da haben meine Verwandten gesagt
ich tät’ den Armen das Essen wegessen.
Die haben das nicht verstanden warum ich herkomme.
Aber jetzt haben sie es eingesehen.
Man ist auch arm wenn man so allein ist.
Und hier sind wir so reich beschenkt.
Nicht nur wegen dem Essen
sondern vor allem wegen der Gemeinschaft.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=3032
In der Mannheimer Vesperkirche kommen jeden Tag etwa vierhundert Bedürftige zum Essen.

Einer meint:
Ich habe auch darüber nachgedacht warum ich herkomme.
Ich war auch schon ganz unten aber jetzt ist es wieder besser.
Ich fühle mich oft oder meistens irgendwie nicht zugehörig.
Ich hätte schon genug Geld zuhause zu essen.
Aber da bin ich ganz allein,
und selbst wenn ich in ein Restaurant gehen würde,
da sitzen auch alle ganz allein.
Hier sind so viele Fremde zusammen
und trotzdem reden sie miteinander.
Mir fällt es vielleicht leichter mit Fremden zu reden.
Wenn einer mir nicht passt
kann ich mich am nächsten Tag
wieder an einen anderen Tisch setzen
oder wenn jemand nett ist dann kann man weiterreden
am nächsten Tag.
Und dann kennt man sich schon ein bisschen
und auf der Straße sagt einer ‚hallo’.
Das ist doch schon was...

https://www.kirche-im-swr.de/?m=3031
Der Mannheimer Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz predigt in der Vesperkirche zum Thema
Unselige Armut:

Wir haben Armut, wir haben Kinderarmut. Und wir haben sie in einem Ausmaß, dass karitative Hilfe allein keine Antwort geben kann. Wir müssen früh die Weichen stellen, dass Kinder nicht auf den Weg in die Ausgrenzung gezwungen werden. Dazu gehört Bildung von Anfang an. Wir können es nicht zulassen, dass zementiert bleibt, dass die Bildungschancen unserer Kinder fast ausschließlich abhängig von denen der Herkunftsfamilie sind.
Kinder und Jugendliche zu fördern und zu unterstützen, ist unsere zentrale Aufgabe. Die frühkindliche Betreuung bauen wir als Bildungsangebot aus. Immer mehr Kinder erhalten individuelle Sprachförderung durch neue Programme in Kindergarten und Schule. Wir bauen frühe Hilfen auf, die Eltern schon mit der Geburt ihrer Kinder unterstützen sollen.
Das ist ein Programm zur Bekämpfung der Kinderarmut, nicht der unmittelbar materiellen Armut, aber eines zur Bekämpfung der Ausgrenzung. Und es ist ein Programm, den Teufelskreis von „vererbter Armut“ zu durchbrechen. Alle Kinder sollen an der Gemeinschaft teilnehmen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=3030
Die Mannheimer Vesperkirche ist im Januar vier Wochen lang geöffnet.
Täglich kommen über vierhundert Bedürftige. Sie bekommen an Tischen in der Kirche ein warmes Essen aber auch Sozialberatung und Kuchen.

Einer erzählt:
Ich war Journalist
dann hat meine Firma zugemacht
wir waren in der Werbung tätig.
Dann bin ich als Selbstständiger sofort in Hartz IV gelandet.
Noch ein paar Monate hab ich von meinem Ersparten gelebt.
Im Männerwohnheim dachten sie
ich bin da um eine Reportage zu machen
aber ich hatte meine Wohnung verloren.
Ich habe alle Tiefen durchschritten
ich weiß jetzt wie das ist arm zu sein.
Aber vielleicht hab ich jetzt Glück
und es klappt mit der neuen Stelle.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=3029
Selig sind, die an Leib und Seele arm sind
denn ihnen gehört Gottes Welt.
Du sprichst die Armen selig,
ein besonderes Auge hast du auf sie
Bei dir essen sie nicht
die Brosamen unter dem Tisch
du tust deine Hand auf
sättigst sie und richtest sie auf
Die Welt wie du sie gedacht hast,
gehört denen die du besonders liebst,
weil sie der Liebe besonders bedürftig sind.
Die Welt wie wir sie draus gemacht haben
gehört den Reichen und Schönen und Klugen.
Sie sagen: Mein Wille geschehe
und können ihn durchsetzen
mit Geld und Macht und Gewalt.
Mein Gott, von dir leben alle Menschen
ob sie es wollen oder nicht.
Du willst das Leben für alle
und nicht den Reichtum für wenige,
ob wir es glauben oder nicht.
So bitte ich dich: Wende unsere Gedanken
und binde sie wieder fest an dich,
verdreh uns den Kopf und rück uns das Herz zurecht
damit dein Wille geschehe;
damit die Armen selig werden
und deine ganze Welt.
Amen

Anne Ressel, Diakoniepfarrerin aus Mannheim
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Jesus sagte:
‚Dreifaches Unheil liegt im Reichtum.
Das eine ist, dass man ihn aus ungerechter Quelle erwirbt.’
Die jünger wandten ein:
‚Aber wenn das nicht der Fall ist?’
Jesus antwortete:
’Dann gibt man ihn für Dinge aus
die nicht erlaubt sind.’
Wieder wandten die Jünger ein:
‚Aber wenn man das nicht tut?’
Jesus erwiderte:
’Dann macht man sich zu viele Sorgen um den Reichtum
und kann nicht an Gott denken.’

aus den Arabischen Agrapha
Das neue Testament und frühchristliche Schriften. Übersetzt und kommentiert von Klaus Berger und Christiane Nord, Insel Verlag Frankfurt a.M. und Leipzig 1999, S. 1150
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