Manuskripte

SWR3 Worte

Die Bischöfin Bärbel Wartenberg- Potter schreibt:

Manchmal nehme ich mir die Zeit und gehe zur Lübecker Tafel, einer Suppenküche und arbeite für ein paar Stunden mit.

Es ist eine große Freude zu sehen, wie viele Frauen und Männer sich in dieser Arbeit engagieren. ..

Aber ich spüre: die Suppenküche ist ein Ort, an dem der Hunger nach Gerechtigkeit wächst und nicht gestillt wird. Solange die Suppenküchen in unseren Städten wachsen…. Solange sind die Beziehungen zu Gott und den Mitmenschen nicht in Ordnung.
Das Beste an dieser Arbeit ist, dass in Wahrheit nichts weitergegeben wird, sondern dass nur ein Tausch stattfindet. Der Dienst am Mitmenschen heilt mich selbst, macht aus sinnlosen Bruchstücken etwas Sinnvolles.
Etwa so: Ich gebe dir Brot, und du gibst mir Lebenssinn. Ich gebe dir Kleider und entkomme meiner Einsamkeit. Ich schaue dir ins Gesicht und sehe Christus.

Bärbel Wartenberg- Potter, Wes Brot ich ess, des Lied ich sing, die Bergpredigt lesen. Herder 2007, S. 45.
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Ein Mädchen, gerade 18 Jahre alt, erlebt den Tod ihrer Mutter. Die war nach einem Koma wieder aufgewacht. Sie schreibt:

Mutter sagte, sie sei zurückgekehrt um sich zu verabschieden. Das tat sie, in vollem Bewusstsein, blickte uns alle an, und versprach mir und meinem Bruder immer bei uns zu sein. …

Ich hielt meine kleine, zarte Mutter im Arm, wiegte sie und heulte mir die Seele aus dem Leib. Ich wollte mit ihr sterben. Spät in der Nacht flüsterte ich dann in ihr Ohr, dass sie jetzt gehen dürfe, dass es O.K. wäre für mich.

Kurze Zeit später tat sie ihren letzten Atemzug. Ein letztes tiefes Ausatmen…
Ich sage heute, dass meine Mutter geheilt war, als sie starb….Sie ist ganz bewusst und mit sich geklärt in den Tod gegangen. Sie ist immer noch da. Das spüre ich.
Und das ist ein gutes, geborgenes Gefühl.

aus: NEON, vom 20.7.2007 von ABgestempelt)
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Selig sind die Trauernden, denn sie werden getröstet werden.
Hat Jesus gesagt. Die Bischöfin Bärbel Wartenberg- Potter meint:

Trost ist etwas sehr Kostbares.
Viele Menschen glauben, dass sie andere nicht trösten können. Man denkt an die Möglichkeit, den Schmerz wegzunehmen. Aber das geht in den seltensten Fällen.

Trost im biblischen Sinn bedeutet: Helfen, die Kraft zu erneuern, die beim Trauern verloren geht.
Da kann man sich viel einfallen lassen, um Trauernde zu trösten:

manchmal wird die Kraft schon durch einen gemeinsamen Spatziergang wieder stärker, eine Konzertkarte, ein schönes Essen.

Aber wichtiger noch ist, dass wir versuchen, dem Namen des biblischen Gottes gerecht zu werden, Gottes Name bedeutet: Da. Sein. … Dasein bei den Menschen, dabeibleiben, Dinge miteinander durchstehen. Sich der Ausweglosigkeit nicht entziehen.

Bärbel Wartenberg- Potter, Wes Brot ich ess, des Lied ich sing, die Bergpredigt lesen. Herder 2007, S. 34
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Die Dinge, die wirklich Genuss verschaffen, sind… nicht für Geld zu haben.

Ein echtes Luxusobjekt kann keine Versicherung der Welt ersetzen, wenn es verloren geht:

Ein handgeschriebener Brief.
Blumen, die nicht aus irgendeinem Landen stammen, sondern aus dem Garten einer alten Dame, die einem manchmal erlaubt, sich dort einen Strauß zu pflücken. …

Allein im Stadtpark spazieren zu gehen, wenn es schneit….
Luxus heißt, ..
“zu haben, was man haben will und auf alles zu verzichten, was man haben soll. …

Alexander von Schönburg

Alexander von Schönburg: Die Kunst des stilvollen Verarmens, rororo 2007(8.Aufl.), S.223
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“Das Christentum hat nichts erreicht. Obwohl es schon 2000 Jahre alt ist, ist die Welt nicht viel besser geworden. Es gibt noch zuviel Böses und böse Menschen!“ Sagte einer zum anderen. Der zeigte auf ein ungewöhnlich schmutziges Kind, das am Straßenrand im Dreck spielte:
„Seife hat auch nichts erreicht. Es gibt immer noch Schmutz und schmutzige Menschen in der Welt.“-
„Seife, nützt nur, wenn sie angewendet wird.“- „Eben, sagte der andere, Christentum auch“.

Aus: Ullrich Heidenreich, dem Alltag eine Pause gönnen, Agentur des Rauhen Hauses, Hamburg 2003, S.264
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Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Land erben.
Hat Jesus gesagt. Die Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter meint:

Das deutsche Wort Sanftmut weiß noch etwas von dem Mut, den es braucht, wenn man sanft leben will, … ohne anderen mit Gewalt seinen Willen aufzuzwingen.

„Gewaltlosigkeit hat nichts mit Feigheit zu tun. Ich kann mir einen bis an die Zähne bewaffneten Mann vorstellen, der im Herzen ein Feigling ist….

Wahre Gewaltlosigkeit hingegen setzt absolute Furchtlosigkeit voraus. Zu Gewaltlosigkeit braucht es mehr Mut als zu Gewaltanwendung.

Bärbel Wartenberg- Potter, Wes Brot ich ess, des Lied ich sing, die Bergpredigt lesen. Herder 2007, S. 39f.
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Gott
Mein Herz will nicht Geltung und Macht.
Meine Augen schauen nicht nach Ruhm und nach Reichtum aus,

Ich gehe nicht mit großen Plänen um und
mit Träumen über Dinge, die über mein Vermögen gehen.

Ich habe mein Herz still gemacht,
und Friede ist in meiner Seele.
Wie ein gestilltes Kind,
das bei seiner Mutter schläft,
wie ein gesättigtes Kind, so ist meine Seele still in mir.

Psalm 131 nach Jörg Zink
Jörg Zink, Am Ufer der Stille, Kreuz Verlag 2001, S.20
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