Manuskripte

SWR3 Worte

Das Gras wächst nicht schneller wenn man daran zieht.

Die Pflanzen wachsen dann am besten, wenn man sie in die Sonne stellt, wenn man sie düngt und wenn man sie einigermaßen von Unkraut frei hält. Das wäre die Aufgabe, die man hat.
Und wenn man die einigermaßen hinkriegt, wächst das Pflänzchen schon.
… das hat genug Lebensenergie und genug Kraft und bekommt genug Lebensenergie mit auf die Welt.
Und so ist das mit Kindern. Fast ist es so, dass wir sagen müssen,
dass wir die Potentiale, mit denen wir auf die Welt kommen, nicht kaputt machen.

Gerald Hüther, Hirnforscher aus Göttingen
Persönliches Interview
https://www.kirche-im-swr.de/?m=1329
Gerald Hüther, Hirnforscher aus Göttingen meint:

Im Augenblick sind sehr viele Eltern verunsichert.
Zum einen begreifen sie, wie bedeutsam die frühen Phasen ihrer Kinder sind und wollen nichts falsch machen.
Zum anderen werden derzeit viele Frauen Mütter, die wenig Erfahrung im Umgang mit Kindern haben, weil sie aus kleinen Familien kommen, wo es nicht so viele Geschwister gab.
Und wenn dann noch in den Medien alle naselang dargestellt wird, wie wichtig das ist, dass die Mutter auch ordentlich funktioniert … dann ist natürlich alles zu spät.
Was ich mir wünschen würde ist, dass Mütter ein bisschen mutiger sind.
Dass sie sich nicht von Fremden alles Mögliche einreden lassen, sondern stärker ihren Intuitionen nachgehen und sagen:
Das Wichtigste, worauf es ankommt ist, dass ich die Bedürfnisse meines Kindes rechtzeitig wahrnehme und sie dann möglichst auch gut stillen kann.

Persönliches Interview
https://www.kirche-im-swr.de/?m=1328
Warum sollte sich ein Mann mehr an der Erziehung seiner Kinder beteiligen?
Hubert Frank, Männerseelsorger in Mainz, meint:

Ein Vater, der emotionaler mit seinen Kindern verbunden ist, der weiß, was in der Zukunft läuft. Die Kinder werden ihm das deutlich sagen.
„Bist du altmodisch Papa“ oder „Das brauchen wir doch nicht“.
Er wird ein emotionales Interesse an der Zukunft haben, weil er sagt:
„Meine Kinder sollen auch noch in einer guten Welt leben, nicht nach mir die Sintflut. Jemand, der das nicht hat, der hat es vielleicht im Kopf, aber der hat’s nicht im Herzen. Und daran fehlt es uns doch oft. Also Manager mit Herz!“

Persönliches Interview
https://www.kirche-im-swr.de/?m=1327
Heute wird der bekannteste Kabarettist Deutschlands, Dieter Hildebrandt, 80 Jahre alt. Sein Kommentar dazu:
.. ja, das immer stärker nachlassende Gedächtnis.
Man hat einfach vergessen, was diese Regierung veranlasst hat zusammenzutreten.
War es die Krankheit oder die Gesundheit, die nach Reformen schrie?
Stimmt es, dass der Papst und Günter Grass und ich so alt werden?
Hat eine gewisse Eva Herman beim Zwiebelschälen einen Bestseller über ihre Jahre unter Baldur von Schirach… oder bring ich da was durcheinander?

Nein. Anders war es. Peter Handke hat gefordert, Günter Grass solle seine Blechtrommel zurückgeben, die habe ihn schon immer gestört.

Achtzig werden scheint nicht rundum Vergnügen zu bereiten. Man hat mir versichert: "Besser wird es erst, wenn man's ist." "Und dann?" "Dann wirst du es nie wieder."
Hoffentlich vergesse ich darüber nicht das Buch zu schreiben…

Dieter Hildebrandt
In: Dieter Hildebrandt, Nie wieder achtzig! Blessing Verlag

https://www.kirche-im-swr.de/?m=1326
Nikolaus Schneider ist Präses und Chef der Kirche, die in zwei Wochen den deutschen evangelischen Kirchentag in Köln zu Gast hat.
Von seiner Kindheit erzählt er:
Mein Vater war Schmelzmeister im Hochofen im Hüttenwerk von Duisburg. Ich hab Zeiten erlebt, wo er Nachtschicht hatte, das bedeutete, dass wir wirklich auf Zehenspitzen durch die Wohnung gegangen sind, damit er schlafen konnte, tagsüber.
Mitglied einer Kirche war er nicht. Und auch meine Mutter war nicht fromm. Auf der Grundschule nahm ich nicht am Religionsunterricht teil, aber ich kriegte die biblischen Geschichten mit und die fand ich hoch spannend. Auf dem Gymnasium vermittelte mein damaliger Klassenlehrer meinen Eltern, dass ein Wissen über Religion zu den Grundlagen des Wissens überhaupt gehört. Und so haben meine Eltern entschieden: Ok., dann soll er am evangelischen Religionsunterricht teilnehmen.

Persönliches Interview
https://www.kirche-im-swr.de/?m=1325
Herschel kommt nach einem sehr tugendhaften und frommen Leben in den Himmel. Nach einigen Tagen macht er die Engel ein bisschen nervös, denn er möchte unbedingt einmal neben seinem Herrgott sitzen.
Nach einigen Tagen kommt der zuständige Oberengel und sagt:
„Herschel, .. wir haben das jetzt arrangiert, heute Abend ist es so weit!“
Und tatsächlich, Herschel darf neben seinem Schöpfer sitzen.
Herschel fasst sich ein Herz und fragt:
„Lieber Gott, da ist eine Frage, die mich mein ganzes Irdisches Dasein sehr beschäftigt hat.“
Und Gott, der ein sehr freundlicher Gott ist beugt sich zu ihm und sagt: „Und?“
Und Herschel sagt: „Ich hab mich immer gefragt: Welche der Religionen ist dir am liebsten? Ist es das Judentum, das Christentum, der Islam oder der Buddhismus?“
Da lächelt Gott und sagt: „Weißt du Herschel, ich war eigentlich nie besonders religiös.“

Erzählt nach:
Matthias Matthussek, Spiegel.de Kulturtip Blog vom 24.4.07

https://www.kirche-im-swr.de/?m=1324
Ich träumte, ich hätte ein Interview mit Gott.
„Du möchtest also ein Gespräch mit mir?" fragte Gott.
„Wenn Du Zeit hast", sagte ich.
Gott lächelte. „Meine Zeit ist die Ewigkeit. Welche Fragen würdest Du mir gerne stellen? -
„Was erstaunt dich am meisten an den Menschen?"
Gott antwortete:
„Dass sie der Kindheit überdrüssig werden, sich beeilen, erwachsen zu werden, um sich dann danach zu sehnen, wieder Kind sein zu können.
Dass sie, um Geld zu verdienen, ihre Gesundheit auf das Spiel setzen,
und dann ihr Geld ausgeben, um wieder gesund zu werden.
Dass sie leben, als würden sie niemals sterben, um dann zu sterben, als hätten sie nie gelebt."
Gott nahm meine Hand… dann schwiegen wir gemeinsam eine Weile.

Mündliche Überlieferung
https://www.kirche-im-swr.de/?m=1323