Manuskripte

SWR3 Worte

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selbst.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch.
Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken, denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen,
denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen [...]

Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden.
Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit,
und Er spannt euch mit Seiner Macht, damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.
Laßt euren Bogen von der Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein;
Denn so wie Er den Pfeil liebt, der fliegt,
so liebt Er auch den Bogen, der fest ist.

Khalil Gibran
Von den Kindern. In: Khalil Gibran. Der Prophet. Solothurn und Düsseldorf (Walter-Verlag) 1973 (199429), S. 16 f.
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Der Journalist und Buchautor Jan Weiler schreibt nach seiner achtmonatigen Reise quer durch Deutschland:

„Viel mehr als die Städte haben mir die Menschen gefallen, also die Deutschen. Man traut es sich beinahe gar nicht zu formulieren, aber im Großen und Ganzen haben wir es nicht schlecht getroffen. Dass dieser Befund so schwer fällt hat mit meiner Generation zu tun. Wir sind kritisch aufgewachsen: konsumkritisch, religionskritisch, politkritisch, kulturkritisch. Unser Land zu mögen, finden wir nationalistisch, unsere Sprache peinlich, den Deutschen an sich unerträglich, besonders im Urlaub. [...]
Ob ich etwa nach dieser Reise durch mein Land so etwas wie ein Patriot geworden bin? Nein. Aber mir gefällt es hier. Ich bin ganz und gar nicht stolz darauf, Deutscher zu sein, aber ich bin es gerne, weil mein Land friedlich ist und schön und weil ich die Deutschen mag, nachdem ich ziemlich viele von ihnen getroffen habe.“

Jan Weiler
In meinem kleinen Land. (rororo) Reinbeck bei Hamburg 2006, S. 14.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=1029
Zieh deinen Weg, [...]
verrat Dich nicht. Beharrlichkeit ist eine Tugend.
Verstell Dich nicht, verfolge still Dein Ziel. [...]

Sei aus Unsicherheit nicht arrogant,
hab immer Mitgefühl als Unterpfand. [...]

Zier Dich nicht, versuch zu sein und nicht zu scheinen. [...]
Zier Dich nicht, bleib mit Dir im Reinen.

Herbert Grönemeyer, der heute seinen 51. Geburtstag feiert.

Herbert Grönemeyer: Zieh Deinen Weg
In: CD: ZWÖLF, Lied 10: Zieh Deinen Weg. 2007, EMI Music Germany GmbH&CO.KG

https://www.kirche-im-swr.de/?m=1028
Wer arbeitslos ist, wird immer mit dem Vorwurf zu kämpfen haben: ‚Du leistest nichts, du bist nichts wert.’
Es hilft, wenn man selber weiß, dass das nicht stimmt.
Es hilft, wenn ein lieber Mensch sagt, dass das nicht stimmt. [...]
Arbeitslosigkeit muss ein Thema in jeder christlichen Gemeinde sein. Wer als unnütz abgestempelt wird, muss hier erfahren können, dass er dabei ist, mitmachen kann, ja sogar bevorzugt ist, weil Gott ihn bevorzugt. Im Lukasevangelium steht über Gott: „Er stürzt die Mächtigen vom Thron und bringt die Armen zu Ehren.“ [Lukasevangelium, Kapitel 1, Vers 52]

Martin Löwenstein
Es geht nicht um Leistung. In: Andere Zeiten. Magazin zum Kirchenjahr. 8. Jg., Heft 1/2007, S. 9.
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Ich war vier Jahre arbeitslos. [...]
Die Gefahr, sich einzunisten, sich zu verkriechen, ist groß. [...]
Ich [...] habe viel Zeitung gelesen oder Stunden im Internet gesurft. Da habe ich Leute kennen gelernt, die andere Vorstellungen hatten, nicht nur ‚mein Haus, mein Auto, meine Familie’. Mich zu fragen, was ist jetzt wirklich wichtig, gab eine Zufriedenheit, einen Einklang mit mir selbst, auch ohne feste Tätigkeit. [...]

Gut getan hat mir, ehrenamtlich zu arbeiten. Meine Leidenschaft ist lesen, und so habe ich ausländischen Kindern vorgelesen. Ich merke, dass es hilfreich ist, so einen festen Termin in der Woche zu haben. Außerdem war ich dann derjenige, zu dem mal aufgeschaut wurde. Das hat mir Bestätigung gegeben.

Ich glaube, es ist wirklich wichtig, flexibel zu bleiben. Neugierig. [...] Und das man offen ist für das, was das Leben einem so bieten kann.

Christian Sendtko
Rituale sind wichtig. In: Andere Zeiten. Magazin zum Kirchenjahr. 8. Jg., Heft 1/2007, S. 8f.
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Der Theologe Dietrich Bonhoeffer, der heute vor 62 Jahren im KZ Flossenbürg erhängt wurde, hat zum Thema Ostern geschrieben:

„Wo erkannt wird, daß die Macht des Todes gebrochen ist,
wo das Wunder der Auferstehung und des neuen Lebens mitten in die Todeswelt hineinleuchtet,
dort verlangt man vom Leben keine Ewigkeiten,
dort nimmt man vom Leben, was es gibt,
nicht Alles oder Nichts, sondern Gutes und Böses,
Wichtiges und Unwichtiges, Freude und Schmerz, [...]
dort begnügt man sich mit der bemessenen Zeit und spricht nicht irdischen Dingen Ewigkeit zu,
dort lässt man dem Tod das begrenzte Recht, das er noch hat.
Den neuen Menschen und die neue Welt aber erwartet man allein von jenseits des Todes her, von der Macht, die den Tod überwunden hat.“

Dietrich Bonhoeffer
Ethik. Zusammengestellt und herausgegeben von Eberhard Bethge.
München 1956, S. 22f.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=1025
Pfarrer, die gackern wie Hennen, Grimassen schneiden oder Witze erzählen: Das war im Mittelalter keine Seltenheit.
Jedenfalls zu Ostern nicht, denn dann wurde die Kanzel zur Bühne. Alles war erlaubt, was die Gläubigen zum Jubeln brachte:
Christus ist auferstanden, der Teufel hat nichts mehr zu lachen, die Erlösten umso mehr.
Natürlich war dieses Ostergelächter ein Trotzdem-Lachen: Der eigene Tod wird trotzdem kommen, aber er ist nicht das Ende. Für den Himmel verspricht Jesus: ‚Ihr werdet lachen!’ [Lukasevangelium, Kapitel 6, Vers 21]

Susanne Niemeyer und Hinrich Westphal
In: Andere Zeiten. Magazin zum Kirchenjahr. 8. Jg., Heft 1/2007, S. 13https://www.kirche-im-swr.de/?m=1024