Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

 (GL 885 Mainz; EG 436)

Jeden Tag liefern die Nachrichten den Unfrieden aus aller Welt. Folter in syrischen Gefängnissen, Siedlungsbau im Westjordanland, Krieg in der Ostukraine. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Bürgerkrieg in Mali, Terror im Irak, bewaffnete Auseinandersetzung im Sudan und und und. Der Frieden scheint untergetaucht. Das Lied »Herr, gib uns deinen Frieden« ruft sehnsüchtig nach Frieden in dieser Zeit. 

Herr, gib uns deinen Frieden / gib uns deinen Frieden / Frieden / gib uns deinen Frieden / Herr, gib uns deinen Frieden  

Ein reduzierterer Liedtext ist kaum denkbar. Nur eine Zeile: Herr, gib uns deinen Frieden.

Der Kanon von Ludger Edelkötter und Wolfgang Poeplau hat schon vierzig Jahre auf dem Buckel. Er stammt aus den friedensbewegten Siebzigern des 20. Jahrhunderts. Aber sein Grundgedanke ist viel älter. Er greift das »Agnus Dei« auf. Ein altes Gebet aus dem christlichen Gottesdienst. Während die Gemeinde sich an das letzte Abendmahl Jesu erinnert, bittet sie: „Lamm Gottes, nimm hinweg die Schuld der Welt, gib uns deinen Frieden.“ Oder auf Latein: „Dona nobis pacem“. Ein Text, der unzählige Male vertont wurde. Ganz wunderbar und anrührend von Johann Sebastian Bach in der h-Moll-Messe. 

Dona nobis pacem 

Die Worte Dona nobis pacem haben viele Komponisten bewegt. Drei Worte, die die Sehnsucht nach Frieden auf den Punkt bringen. So prägnant, dass Ernst Pepping eine ganze Messvertonung Missa Dona Nobis Pacem nennt. Er komponiert die Messe kurz nach Ende des 2. Weltkriegs. Sie steht für den Ruf nach Frieden in einer durch Krieg zerstörten Welt. Sie steht aber auch für die Erkenntnis: Der Mensch kann offensichtlich den Frieden nicht einfach so herstellen. Gewalt, Tod und Vernichtung gehören auch zum Menschen.  Was bleibt, ist die Bitte um Hilfe bei der Suche nach Frieden: „Gib uns deinen Frieden.“ Ernst Pepping vertont das so: 

Dona Nobis Pacem 

Frieden lässt sich nicht herstellen wie Butter oder Brot. Die sperrige Vertonung von Ernst Pepping erinnert daran. Sie macht deutlich: Die Sehnsucht nach Frieden bringt mich an die Grenze. Die Grenze meines Handelns, die Grenzen meiner Möglichkeiten. Der Ruf „Herr, gib uns deinen Frieden“ fasst genau diesen Gedanken in einem knappen Satz zusammen. Aber der Satz kann noch mehr sein. Er kann mir zu einem Leitspruch werden. So wie in dem Kanon »Herr, gib uns deinen Frieden« viele Stimmen immer wieder diese eine Sehnsucht nach Frieden durchbeten. So kann ich auch durch den Tag gehen, immer wieder den Frieden im Kopf und auf den Lippen. Und wach sein, wo ich selbst für etwas Frieden sorgen kann. Da auch etwas zu tun. Friedlich sein. Frieden stiften. So gut es eben geht. Und dadurch einen Teil vom Frieden wahr zu machen. 

Herr, gib uns deinen Frieden / gib uns deinen Frieden / Frieden / gib uns deinen Frieden / Herr, gib uns deinen Frieden  

(1) Herr, gib uns deinen Frieden

Musik: Ludger Edelkötter / Text: Wolfgang Poeplau

Chor der Schülerinnen und Dozentinnen des Instituts für Kirchenmusik, Mainz

In: Eingeladen zum Fest des Glaubens. 63 neue und alte Lieder für den Gottesdienst

Institut für Kirchenmusik (Hg.), Mainz

BM 1299 / CD 2, Track 02 (1:09) 

(2) Agnus Dei – Dona nobis pacem

M0425136-027, 5'34

Bach, Johann Sebastian (7) Agnus Dei (Alt) aus: Messe in h-Moll für Soli, Chor und Orchester, BWV 232

Sampson, Carolyn; Vondung, Anke; Johannsen, Daniel; Berndt, Tobias;

Gächinger Kantorei Stuttgart; Freiburger Barockorchester; Rademann, Hans-Christoph 

(3) Agnus Dei – Dona nobis pacem

M0078621-005, 4'09

Pepping, Ernst Nr. 5: Agnus dei aus: Missa 'Dona nobis pacem' für gemischten Chor a cappella

Berliner Vokalensemble; Stegmann, Bernd

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23756