Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Die frühen Momente eines neuen Morgens mag ich besonders. Wenn das erste Licht den Himmel im Osten heller färbt. Wenn die Verkehrsampeln noch nicht eingeschaltet sind und kaum ein Mensch auf den Straßen zu sehen ist. Wenn der neue Tag wie ein unbeschriebenes Blatt vor mir liegt.

„Der Tag bricht an und zeiget sich“, so beginnt das Lied von Michael Weiße aus dem Jahr 1531. Der Kantor und Kirchenmusiker Melchior Vulpius hat dazu einige Jahrzehnte später die Noten gesetzt.

Zur damaligen Zeit waren die Nächte noch viel dunkler als heute. Darum auch bedrohlicher. Keine Straßenbeleuchtung, die die Nacht erhellt hätte. Kein Schalter, um das Licht anzuknipsen. Da ist es befreiend, die ersten Strahlen des jungen Tages mit einem Lied zu begrüßen:

Der Tag bricht an und zeiget sich.
O Herre Gott, wir loben dich,
wir danken dir, du höchstes Gut,
dass du uns die Nacht hast behüt';

bitten dich auch: Behüt uns heut,
d
enn wir allhier sind Pilgerleut;
steh uns bei, tu Hilf und bewahr,
dass uns kein Übel widerfahr.

Der Tag bricht an und zeiget sich. O Herre Gott, wir loben dich, wir danken dir, du höchstes Gut, dass du uns die Nacht hast behüt’.

Erleichterung und Dankbarkeit mischen sich in diesen Gesang, der wie eine frische Brise das Dunkel der Nacht vertreibt. 
Michael Weiße, der Dichter dieser Zeilen, lebte zur Zeit Martin Luthers. Er war zunächst Franziskanermönch, wandte sich dann aber der Reformation zu und machte sich einen Namen als Liederdichter und Herausgeber eines Gesangbuchs in der Tradition der böhmischen Brüdergemeinde.
Wir sind Pilger, heißt es in seinem Lied. Das hatte Weiße im eigenen Leben erfahren. Wie es einem ergehen kann - unterwegs durch Höhen und Tiefen, mit Abschieden und neuen Anfängen.

Als Pilger, das wusste er, ist man in besonderer Weise schutzbedürftig. Vor Menschen, die einem nicht immer wohlgesonnen sind. Vor Gefahren, die unterwegs drohen.
Darum die Bitte im folgenden Vers: Versorg uns auch, o Herre Gott, auf diesen Tag, wie's uns ist Not, teil uns dein' milden Segen aus, denn unser Sorg richtet nichts aus.

Versorg uns auch, o Herre Gott,
a
uf diesen Tag, wie's uns ist Not,
teil uns dein' milden Segen aus,
denn unser Sorg richtet nichts aus.

Nein, die Sorge richtet wenig aus. Die Sorge hält meinen Blick ängstlich gefangen. Gottes Segen aber richtet mich auf. Eröffnet Zukunft. Zeigt mir, dass die Möglichkeiten Gottes größer sind, als das, was ich mir ausrechne.  
Mir weitet dieses Morgenlied den Blick. Erinnert mich daran, dass es nach jedem Dunkel wieder tagt. Und versorgt mich an diesem noch jungen Morgen mit frischer Luft und neuem Atem.

Gib deinen Segen unserm Tun
und unsrer Arbeit deinen Lohn
durch Jesus Christus, deinen Sohn,
unsern Herren vor deinem Thron.

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CD: Der Tag bricht an, Stuttgarter Hymnus-Chorknaben, 2009 hännsler CLASSIC, LC 06047

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23772

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