Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

02AUG2020
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Das heutige Lied zum Sonntag ist ein richtiges Sommerlied. Es singt von herrlich grünen Bäumen und Sträuchern, die von der warmen Sommerluft ganz leicht bewegt werden.

 

Wie herrlich grünen Baum und Strauch und zieren Tal und Hänge.
Ein zarter, milder, warmer Hauch umspielt das Blattgemenge.
Im Sonnenschein wogt Flur und Hain und wiegt sich in den Winden.
Der Sommer will sich finden.

 

Das Lied kommt ursprünglich aus Schweden. Im Original ist es mit „Sommarpsalm“ überschrieben. Und wie ein Psalm stimmt es ein großes Loblied auf die Schöpfung an. Zwei Strophen lang wird in poetischer Sprache die Natur bewundert. Da ist die Rede vom Waldesrauschen, vom Vogelgesang und vom Blumenduft, der in der Luft liegt.

Doch der Text beschreibt die Natur nicht nur, sondern verbindet sie mit Gott. Die Sonne ist Gottes Ebenbild und der Wind steht für Gottes Geist, der die Welt in Bewegung hält.

Dass alles in der Natur auf Gott hinweist, hat vor gut 1600 Jahren schon Augustinus festgestellt. Er war einer der ganz großen Theologen und Kirchenväter und er hat gesagt: „Alles Geschaffene trägt die Spuren des Schöpfers“. Und genau das wird für mich in dem Lied deutlich. Denn wenn der Textdichter die sommerliche Natur in seiner ganzen Vielfalt beschreibt, dann will er damit zeigen, wie schön und wie groß Gott ist.

Das zeigt die letzte Strophe ganz besonders. Hier wird Gott zum ersten Mal direkt angesprochen: „O guter Gott, wie ist Dir gleich der lichte Sonnenreigen. Im Sommer willst Du gnadenreich uns deine Größe zeigen.“

 

O guter Gott, wie ist Dir gleich der lichte Sonnenreigen.
Im Sommer willst Du gnadenreich uns deine Größe zeigen.
All Fleisch ist Heu, all Leben Streu, vergänglich alles Treiben,
nur dein Wort wird verbleiben.

 

Ganz am Ende nimmt das Lied eine unerwartete Wendung.
Wie beim Propheten Jesaja (Jes 40,6-8) heißt es: „All Fleisch ist Heu, all Leben Streu, vergänglich alles Treiben“.

Von der Freude an der Schöpfung ist auf einmal nichts mehr zu spüren. Sie wird von der Realität überlagert, dass alles im irdischen Leben irgendwann vorbei ist.

Und doch gibt es im Lied, wie auch beim Propheten Jesaja einen Ausblick. Denn selbst wenn alles vergänglich ist – Gott bleibt. Und ich glaube fest daran: es geht weiter bei Gott. Darauf vertraue ich.

Genau wie auf die Sonne, die auch nach jeder noch so dunklen Nacht wieder aufgeht. Deshalb zum Abschluss der Sonnenaufgang aus Haydns Schöpfung, mit dem ich Ihnen einen richtig schönen Sonntag wünsche!

 

Musikangaben:

Musik 1 und 2:

„Wie herrlich grünen Baum und Strauch“
Text: Josef Newerkla nach dem schwedischen Text von Carl David af Wirsén
Musik: Waldemar Ahlen (1894-1982)

Begleit-CD zum Freiburger Chorbuch 2 (Carus Verlag)

Chormusik zur Liturgie

Rastatter Hofkapelle, Ltg. Jürgen Ochs

ISBN: 4009350020351

 

Musik 3:

instrumentales Vorspiel zum Rezitativ „In vollem Glanze“

aus: Joseph Haydn „Die Schöpfung“

Rundfunksinfonieorchester Saarbrücken

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