Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Der Ostermorgen klingt für mich anders als jeder andere Morgen. Ich höre den frühen Klang der Glocken, der über den Dächern schwebt. Und stelle mir vor, wie vielerorts fröhliche Osterchoräle die steinernen Kirchengewölbe zum Leben erwecken.
Ostern, das ist der Sieg des Lebens über den Tod. Unvergleichlich schön hat ihn Georg Friedrich Händel in seinem Oratorium „Messias“ bejubelt. In der Sopranarie „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt und dass er mich einst erweckt am letzten Tag.“

Musik: Ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und dass er mich einst erweckt am letzten Tag...

Es gibt Sätze, die sind so groß und so stark, dass sie ein Mensch nicht aus sich selber schöpfen kann. „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“, das ist so ein Satz.
Hiob hat diesen Satz zuerst gesagt. Er, der große Schmerzensmann im Alten Testament. Alles Unglück der Welt war über ihn hereingebrochen. Am Schluss stand er nackt und hilflos da. Aber er hatte noch diesen Satz, in den er sein ganzes Vertrauen und seine Widerstandskraft legte.

Und ich sehe die Frauen am Ostermorgen, wie sie das Grab Jesu leer vorfinden. Wie sie zunächst völlig durcheinander sind. Überhaupt nicht einordnen können, was da passiert ist. Dann aber doch – langsam und mit neuem Atem beschenkt – zurückkehren zu den anderen Jüngerinnen und Jünger. Und die Worte des Hiob auch zu ihren Worten werden: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“

Musik: Ich weiß, dass mein Erlöser lebt...

Als mein Vater starb, hatte er sich diese Arie für seine Beerdigung gewünscht. Mir ist das unvergesslich geblieben. Und ein starker Trost. Gerade auch darum, weil seine letzten Lebensjahre von schwerer Krankheit gezeichnet waren. Wenn man dann trotzdem sagen kann „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“, dann ist das eine österliche Kampfansage gegen den Tod.

Für Christen liegt in diesem Satz die Hoffnung begründet, dass der Sieg des Einen über den Tod zum Weg Aller werde. So wie es am Ende die Frauenstimme singt: „Denn Christ ist erstanden von dem Tod, ein Erstling derer, die schlafen.“ Mit dieser guten Nachricht wünsche ich Ihnen gesegnete Ostertage!

Musik: Denn Christ ist erstanden von dem Tod, ein Erstling derer, die schlafen.

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Musik:
Georg Friedrich Händel „Der Messias“, Gächinger Kantorei Stuttgart

 

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