Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Freude hat viele Gesichter. lachen, singen oder auch tanzen. Es ist ein starkes Gefühl, das sich ausdrücken möchte. Besonders intensiv erlebe ich die Freude dann, wenn ich zuvor in einer schwierigen, bedrückenden Situation war:  einsam, krank oder überfordert, mit meinen eigenen Möglichkeiten am Ende. Und wenn es sich dann zum Bessern gewendet hat, ist das für mich ein Grund, Gott danke zu sagen. 

In den Psalmen ist oft von dieser Wende die Rede. Jemand war in großer Not, aber Gott hat ihn errettet. Und diese Erfahrung ist so groß, dass sie der Beter und die Beterin nicht für sich behalten können. So heißt es auch im 30. Psalm: 

Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt,

hast mich geheilt und mit Freude umgürtet.

Dir singt mein Herz und will nicht verstummen.

Dir will ich singen in Ewigkeit.

 

Die Psalmverse erinnern mich an Miriam, die Schwester des Mose. Nachdem Gott die Israeliten beim Durchzug durchs Rote Meergerettet hat, nimmt sie die Pauke in die Hand und alle Frauen tanzen hinter ihr her. Die Klage der Israeliten hat sich in einen Befreiungstanz verwandelt. Die Bibel ist voll von solchen Erfahrungen: Gott hört die Menschen in ihrer Not. Und er rettet sie. Daran können sie spüren, dass er bei ihnen ist und sie nicht verlässt. 

Aber die Rettung – die Wende zum Guten -  kommt nicht nur  von außen, sondern sie ist  zugleich ein innerer Prozess. Wenn wir  in einer  schwierigen und bedrückende Situation sind, ziehen wir uns oft zurück und lassen niemanden mehr an uns heran. 

Wie ein schwerer Mantel liegt dann die Trauer auf uns. 

So beschreibt es der 30. Psalm in einem eigenwilligen aber zugleich ausdrucksstarken Bild. Einerseits schützt dieser Trauer-Mantel unsere Verletzungen und Enttäuschungen, unsere wunde Seele. Aber er lastet auch auf uns und drückt uns nieder. Es bräuchte jemanden, der hilft, den schweren Mantel ein wenig zu öffnen. 

Das erlebe ich, wenn jemand bei mir ist und mir zuhört. Wenn ich mich akzeptiert und verstanden fühle. Wenn ich Resonanz bekomme. Dann kann ich sagen, was mich bedrückt und verletzt hat. Und indem ich es ausspreche, kann ich es ein wenig loslassen. Vielleicht werfe ich einen neuen Blick auf meine Situation und entdecke, wo ich Hilfe und Unterstützung bekommen kann. Es wird nicht mehr alles nur von meiner Klage beherrscht. In meinem Innern beginnt sich etwas zu lösen. Ich entdecke neue Wege und wage vielleicht erste Schritte. 

Manchmal sind es andere Menschen, die mir diese innere Wandlung  ermöglichen, und es ist für mich auch Gott, der wie ein inneres DU mich hört und bei mir ist. 

Der Kirchenmusiker Johannes Falk hat die alten Psalmverse eindrücklich vertont: wie einen Weg vom Dunkeln zum Licht. Für mich bringt Johannes Falk mit seiner Musik den inneren Wandlungsprozess wunderbar zum Ausdruck. Ich darf klagen, aber ich werde auch weitergeführt. Ich bin am Boden und werde aufgerichtet. Vielleicht sogar in solchen Situationen, wo es äußerlich keine  Rettung gibt. Wenn die Krankheit nicht geheilt wird, die Sehnsucht sich nicht erfüllt. Wenn man nicht mehr tanzen kann. Und doch kann das Herz noch singen. 

Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt,

hast mich geheilt und mit Freude umgürtet.

Dir singt mein Herz und will nicht verstummen.

Dir will ich singen in Ewigkeit.

 

Musikeinspielung.

Johannes Falk (Bearb.):

Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt

Rastatter Hofkapelle

Leitung: Jürgen Ochs

Carus 2.035/99

https://www.kirche-im-swr.de/?m=29597