Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

31MAI2020
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Wir leben in Zeiten, wo man nicht immer weiß, woher der Wind weht. Die einen sagen so, die anderen so. Und nicht selten reden alle heillos durcheinander. Wir erleben es gerade bei der Corona-Pandemie.
Aber etwas Neues ist das nicht! An zwei Stellen der Bibel wird ein solches Durcheinander- und oft auch Gegeneinanderreden exemplarisch geschildert. In der Geschichte vom Turmbau zu Babel rotten sich Menschen zusammen und wollen sich an die Stelle Gottes setzen. Sie stürzen dabei in eine heillose sprachliche Verwirrung. Das andere Mal ist Pfingsten. In der biblischen Geschichte vom Pfingstwunder geschieht genau das Umgekehrte. Einander fremde Menschen, die aus allen Himmelsrichtungen zusammengekommen waren, erleben, dass man einander verstehen kann.

Heilger Geist ins Himmels Throne,
Gleicher Gott von Ewigkeit
Mit dem Vater und dem Sohne,
Der Betrübten Trost und Freud!
Allen Glauben, den ich find,
Hast du in mir angezündt,
Über mir in Gnaden walte,
Ferner deine Gnad erhalte.

Wo Gottes Geist weht, verstehen Menschen einander. „Heilger Geist ins Himmels Throne, gleicher Gott von Ewigkeit, mit dem Vater und dem Sohne, der Betrübten Trost und Freud! Allen Glauben, den ich find, hast du in mir angezündt.“

So hat es der Chor gesungen. Es ist der Choral aus der Bach-Kantate „Höchsterwünschtes Freudenfest“. Aufgeführt in der Pfingstzeit des Jahres 1724 in Leipzig. Ja, Pfingsten ist ein „höchsterwünschtes Freudenfest“, weil da ein neuer Wind weht, ein neuer Geist. Das trostlose „Ja, hört mich denn keiner? Ja, versteht mich denn niemand?“ ist vorbei.
Ich bin überzeugt, Pfingsten ist ein notwendiges Fest! Gerade in Zeiten von Fake-News, wo aus allen Ecken alles Mögliche bläst, Wahres und Falsches und Vermischtes.

An Pfingsten macht Gott der Sprachverwirrung und dem Riss in unserer Kommunikation ein Ende. Und schenkt seinen heiligen Geist, so dass gegenseitiges Verstehen wächst. Und Gemeinschaft. Und ich spüren kann: da bewegt ein anderer, ein guter Geist die Menschen.
Um diesen Geist zu bitten, dazu lädt uns dieses Lied ein, dass er mich wissen und spüren lasse, woher der Wind weht! Dass er mir Orientierung schenke in diesen aufgeregten Zeiten! Dass er den Ewigkeitsfunken in mir aufglühen lasse! Und ich erfahre, zu welchem Ziel ich unterwegs bin.

Deine Hilfe zu mir sende,
O du edler Herzensgast!
Und das gute Werk vollende,
Das du angefangen hast.
Blas in mir das Fünklein auf,
Bis daß nach vollbrachtem Lauf
Ich den Auserwählten gleiche
Und des Glaubens Ziel erreiche
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„Heilger Geist ins Himmelsthrone“, aus der Kantate „Höchsterwünschtes Freudenfest“, Track 12 aus CD2 : „BWV 194, J.S.Bach, Die kompletten Werke, 2000 Hänssler Classic

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