Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Am Donnerstag habe ich das Fest Mariä Himmelfahrt gefeiert. In unserer Kirchengemeinde bringen da viele zum Gottesdienst selbstgebundene Kräutersträuße mit. Diese sogenannten „Kräuterbüschel“ sehen wunderschön aus und sie riechen auch gut. Goldähren, Kamille, Pfefferminz und Margariten und noch viel mehr. Schön zusammengebunden sind diese vielen Kräuter eine wahre Pracht.

Auch eine Pracht sind die vielen Beschreibungen für Maria, mit denen unser heutiges Lied zum Sonntag beginnt: „Wunderschön, prächtige, hohe und mächtige, liebreich holdselige himmlische Frau Maria ist im Lied diejenige –wie es heißt-, „der ich mich ewiglich weihe herzinniglich, Leib dir und Seele zu eigen vertrau. Gut, Blut und Leben, will ich dir geben, alles was immer ich hab, was ich bin, geb ich, mit Freuden, Maria, dir hin.“ 

Wunderschön, prächtige, hohe und mächtige,

liebreich holdselige himmlische Frau, der ich mich ewiglich

weihe herzinniglich, Leib dir und Seele zu eigen vertrau.

Gut, Blut und Leben, will ich dir geben, alles was immer ich hab, was ich bin,

geb ich mit Freuden, Maria, dir hin.

 

Dieser Liedtext ist über dreihundert Jahre alt und er entspricht wohl der Frömmigkeit im 17. Jahrhundert. Maria wird als Gottesmutter auf einen hohen Sockel gestellt. Sie ist in allen Belangen die Vorbildlichste: sie sieht schön aus, sie hat eine reine Seele und eine gute Position. Es lohnt sich sie als Vorbild zu haben. So hat man damals gedacht.

In unserer Kirchengemeinde singen viele das Lied heute noch gern. Ich auch. Aber nicht, weil ich Maria anbete, fast wie eine Göttin oder als perfekte Frau, an die ich niemals rankomme. Ich denke bei diesem Lied vielmehr an Maria als selbstbewusste und mutige Frau. Als sie noch ein junges Mädchen ist, sagt ihr ein Engel, dass sie schwanger ist. Maria hakt kritisch nach: „Entschuldigung, aber das kann nicht sein, da gibt es keinen Mann dazu.“ Und Jahre später, bei der Hochzeit zu Kanaa, sagt Maria ihrem Sohn ganz klar ihre Meinung. Damit bewegt sie Jesus zu seinem ersten Wunder. Auf ihre Initiative hin bewirkt ihr Sohn, dass dem Brautpaar der Wein nicht ausgeht.

Ich habe den Eindruck Maria war einfach mutig, von Konventionen hat sie sich nicht abschrecken lassen.

Sonnenumglänzete, Sternenbekränzete,

Leuchte und Trost auf der nächtlichen Fahrt.

(Chor und Orgel)

 

Ich habe in der Augustinerkirche in Würzburg eine Marienstatue gesehen. Sie stellt für mich schön dar, wie ich Maria sehe: diese Maria trägt eine Krone und sie ist barfuß. Maria ist zwar Königin, aber trotzdem steht sie barfuß auf dem Steinboden. Maria kennt den harten Boden der Realität: sie ist im Grunde eine einfache Frau, ihr Sohn wird umgebracht und sie muss dabei zusehen.

Maria ist nicht perfekt, ihr Herz wird gebrochen. Aber durch die ganzen schweren Zeiten, die sie mit Gott durchmacht, behält sie ihre Krone. Das ist für mich ein Zeichen von besonderer Würde. Und genau solche Würde kommt jedem zu, egal, wie kalt und hart sein Boden der Realität gerade ist.

Und: in jedem und jeder von uns stecken tausend Facetten, reichhaltig, wie die Kräuterbüschel vom letzten Donnerstag. Dieses Marienlied lehrt mich: jede und jeder ist wie Maria „wunderschön, prächtig, hoch und mächtig“ und auch „sonnenumglänzt und sternenbekränzt“ – und zwar genau dann, wenn er oder sie voller Stolz die eigene Krone trägt.

Orgelnachspiel

 

Musiken:      

1) Lukas Grimm (Orgel), Privat-Aufnahme vom Juli 2019 im Dom St. Eberhard Stuttgart

2) Lydia Schimmer (Gesang), Lukas Grimm (Orgel), Privat-Aufnahme vom Juli 2019 im Dom St. Eberhard Stuttgart

3) Petrus Eder (Orgel), SWR-Archivnummer M0275401.008, LC: 14649.

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