Manuskripte

SWR1 Sonntagmorgen 3vor8

Geschwister ihr seid von Gott geliebt. Darum vor allem bekleidet euch mit der Liebe. Lasst die Botschaft von Christus bei euch ihren ganzen Reichtum entfalten. Singt Psalmen, Lobgesänge und von Gottes Geist eingegebene Lieder; singt sie dankbar und aus tiefstem Herzen zur Ehre Gottes.
(Kol 3,12-16)

Wenn man sein Gehirn trainieren will, dann ist selber singen besser als Musik nur zu konsumieren. Vor allem, wenn man gern und mit Begeisterung singt. Dabei macht es nichts, wenn es bisschen schräg klingt. Begeistert singen, darauf kommt es an. Das trainiert das Gehirn. Sogar ein schon altes. Hirnforscher haben das herausgefunden.
Wenn man begeistert singt, das bereichert. Es aktiviert nicht nur das Gehirn. Es baut seelisch auf, es macht lebendig. Sogar glücklich. Schade drum, dass ich selber nicht mehr so viel singe wie früher. Wie ist das bei Ihnen? Ähnlich? Muss man sich da vielleicht fragen: Wollen wir gar nicht glücklich sein?
Singen kann sogar noch mehr. Es stärkt und bereichert Beziehungen. Wir hatten letzte Woche Konfirmation in der Familie. Drei Generationen haben da miteinander in der Kirche gesessen. Gebetet, gefeiert und miteinander gesungen. Ich habe gespürt, da sind stabile Verbindungen.
Gut, dass Christen von Anfang das Singen hoch gehalten und immer wieder neu für sich entdeckt haben. Schon ein Gemeindebrief aus der frühen Christenheit kennt die besondere Kraft des Singens. Singen führt Menschen äußerlich zusammen und verbindet auch innerlich nachhaltig. Heute wird in den evangelischen Kirchen an diesen alten Brief erinnert:
Da heißt es:
Lasst die Botschaft von Christus bei euch ihren ganzen Reichtum entfalten. Singt Psalmen, Lobgesänge und von Gottes Geist eingegebene Lieder; singt sie dankbar und aus tiefstem Herzen zur Ehre Gottes.
Das erinnert mich: Singen bereichert nicht nur mein Gehirn und die sozialen Beziehungen, es ist auch ein Weg zu Gott. Beim Singen trau ich mich manches auszudrücken, was beim Reden nicht so leicht über die Lippen geht. Und es ist dabei nicht oberflächlich. Im Gegenteil, was man beim gemeinsamen Singen ausdrückt, das geht ins Herz. Beispiel: Vielleicht kennen Sie den Gospelsong: ‚He's got the whole world in his hand; ER hält die ganze Welt in seiner Hand.' Ich glaube, wenn man das sprechen soll und die Worte ernst nimmt: Da hätte mancher so seine Schwierigkeiten, bliebe vielleicht sogar stumm.
Wenn man das mit anderen zusammen singen kann, da traut sich unsere Seele mehr zu glauben und auszudrücken. „He's got the world in his hand." Wenn man das singen kann, das hilft darauf zu vertrauen, dass Gott sich nicht von seiner Welt verabschiedet hat. Und was man mit Herz und Hirn gesungen hat, das wirkt sich auch alltäglich aus. Dann kann ich mit Zuversicht und mit Hirn das Meine dazu beitragen, was Gottes Welt gut tut.

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