Manuskripte

SWR1 Sonntagmorgen 3vor8

Da sprach Jesus zu ihnen: Wenn ihr den Menschensohn erhöhen werdet, dann werdet ihr erkennen, dass ich es bin und nichts von mir selber tue, sondern, wie mich der Vater gelehrt hat, so rede ich. Und der mich gesandt hat, ist mit mir. Er lässt mich nicht allein; denn ich tue allezeit, was ihm gefällt. Als er das sagte, glaubten viele an ihn.

"Ich glaub an Dich." Es tut gut, wenn jemand so zu einem steht. Das stärkt den Rücken. "Ich glaube an dich." Solches Zutrauen kann helfen, dass man die Aufgabe, die einem gestellt ist, wirklich anpackt, alles versucht.
So ein Satz ist aber auch eine Probe: "Bin ich glaubwürdig?" Und wir Menschen können an dieser Glaubwürdigkeitsprobe scheitern. Es gehört zu uns, dass wir in uns gesetztes Vertrauen enttäuschen. Dass wir uns als nicht glaub-würdig erweisen. Weil wir unseren Mut oder unsere Kraft überschätzen, weil wir versagen, oder weil wir - und das ist das schlimmste - das entgegen gebrachte Vertrauen bewusst verraten. Wir Menschen können das. Wir können unglaubwürdig werden, aus Selbstüberschätzung, aus Angst oder aus Egoismus.
In der Geschichte, an die heute in den evangelischen Kirchen erinnert wird, heißt es: Jesus war anders. Er war ganz und gar glaubwürdig, ohne dunkle Flecken. Bei ihm waren reden, versprechen und handeln ganz im Einklang. Und das macht ihn anders. Wie konnte er das?
Im Johannesevangelium sagt er selbst: "Ich tue nichts aus mir selber, ich sage, was ich von Gott habe und ich tue was Gott gefällt." Deshalb sagt die Bibel auch, er ist der Sohn Gottes. Seine Glaubwürdigkeit beweist sich daran, dass Jesus auch seinem Tod nicht ausweicht. Er hat die Liebe zu Gott und zu uns Menschen nicht verraten. Dass er durchgehalten hat bis zum Ende, das macht Jesus unbedingt glaubwürdig. Auf den kann man sich verlassen, der läuft nicht weg wenn es ganz schwer wird. Ihm kann man vertrauen, wenn man ganz unten ist. Er bleibt da.
Sie und ich, wir schaffen das nicht immer. Zu oft nicht. Leider. Trotzdem: Wir können unsere Vertrauenswürdigkeit üben. ZB. indem ich dem anderen nicht mehr verspreche, als ich wohl halten kann. Den Mund nicht zu voll nehme.
Es ist gut, dass wir unsere Grenzen kennen, denn völlig glaubwürdig sein, das können Menschen nicht. Das wäre zuviel erwartet und verlangt.
Und obwohl das so ist, oder vielleicht gerade deshalb, ist es so wichtig, dass wir einander immer wieder diesen Satz gönnen: "Ich glaub an Dich." Wenn man uns vertraut, dann können wir vieles, was wir ohne Vertrauen nicht schaffen würden. https://www.kirche-im-swr.de/?m=830

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