Manuskripte

Eigentlich war es ganz hell und mild in diesen Märztagen 2009. Aber auf Winnenden lag trotzdem eine unheimliche Kälte und bleischwere Trauer. Auf der Stadt und den Menschen. Ein Schüler hatte 15 Menschen getötet und zuletzt sich selbst.

Viele Angehörige und Freunde, denen vor 10 Jahren ein Mensch umgebracht worden ist, spüren vermutlich diese Kälte immer noch. Die Schmerzen. Leere. Wut. Manche Wunden heilen nicht.

Ich war damals bei einem Trauergottesdienst in Winnenden. Für Eltern, Geschwister, Schüler- und Lehrer*innen, Hilfskräfte. Und ich frage mich seit damals: Darf man auch um den Täter trauern? Und an seine Angehörigen denken? Er hat die Kälte des Todes in so viele Menschen gelegt. Verrät man damit das Andenken an die Opfer und ihre Lieben?
Und ich habe mich gefragt: Können Angehörige ihn eines Tages als Menschen sehen? Vielleicht sogar vergeben? Und sich auch ein wenig von dieser Todeskälte befreien.

Eine Frau, die damals einen Menschen verloren hat, hat Jahre später zu mir gesagt:
Vielleicht ist der erste Schritt, begreifen, dass er ein Mensch ist wie wir Menschen sind. Kein monströses Wesen, auch kein kranker Mensch. Es ist ein Mensch, der zum Täter wurde.
Ich glaube, dass gegen die Kälte des Todes am stärksten die Wärme des Lebens wirkt.

Vielleicht gehören dazu auch solche Gedanken, wenn man Opfer geworden ist: Kein Mensch geht in seinen Taten auf. Auch nicht in seinen Untaten. Wir Menschen sind mehr. Ich hoffe für jeden und jede, die mit Todeskälte leben müssen, dass Sie auch Milde und Helligkeit erleben.

Ich habe damals die Kälte des Todes in Winnenden auch noch in anderen Taten erlebt. Und das hat mich beschämt und wütend gemacht. Damals waren viele Medien aus der ganzen Welt vor Ort. Manche haben sich furchtbar aufgeführt. Ohne Pietät, ohne Haltung die Trauer medial ausgebeutet und die Kälte des Todes damit noch viel schlimmer gemacht. Es gab da viele mediale Untäter.

Ich hoffe, dass professionelle Medien heute nicht mehr so handeln würden. Und auch die nicht, die privat filmen - jedermann und jederfrau. Heute kann jeder „senden.“ Wie viele und was für Handyvideos würden heute ins Netz gestellt? Die Untaten, schlimm- stes Leid filmisch auszubeuten, diese Untaten müssen wir „unmöglich“ machen. Auch mit den Mitteln des Rechts. Aber wichtiger noch:  es muss einfach schon als menschlich „unmöglich“ gelten, dass jemand das Leid von anderen ausbeutet. Die Erinnerung an Winnenden mahnt dazu: Christlich und menschlich ist es, Kälte des Todes miteinander zu tragen und einander das Leben heller und wärmer zu machen.

 

 

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„Ich bin nicht perfekt.“ Das Lied, das ich Ihnen heute vorstelle, beginnt so. In Englisch, wie moderne Gospelmusik zumeist: „I know that I’m not perfect“. Perfekt zu sein, ich glaube, das gelingt niemandem. Darum ist die eigentliche Frage im Lied: Folgt etwas aus diesem Eingeständnis? Oder versucht man damit nur, seine Fehler zu verharmlosen, sich aus der Verantwortung zu ziehen oder sich selbst frei zu sprechen: „ich bin auch nur ein Mensch.“

Religiös verstanden, hätte dann aber das „ich bin nicht perfekt“ das Zeug zur Lebenslüge. Weil ich der Erfahrung ausweiche: ich kann mich als Mensch verfehlen. Ich bin Sünder. Die Autoren des Songs „Just the way I am“ wollen wahrhaftig bleiben: Ihr „ich“ stellt sich: „ich bin nicht perfekt und gewöhne mich sogar daran.“ Aber es leidet unter dieser Schwäche.

Musik 1  Str. 1

I know that I’m not perfect 
And I have to say 
That I already got used
To feel this way

I’m sad about my weakness 
Each and every day
But I already got used 
To feel this way

Ich weiß, ich bin nicht perfekt,
und ich muss bekennen,
dass ich mich schon daran gewöhnt habe,
dass ich so empfinde.

Ich bin traurig über meine Schwäche
Jeden einzelnen Tag
Aber ich habe mich schon dran gewöhnt,
so zu fühlen.

Wenn man erkennt: Ich bin keineswegs rundum gut, ich wäre gern anders. Oder: ich bin eingebunden in ungerechte Verhältnisse, die das Leben von anderen beschädigen. Wenn man begreift, ich werde schuldig an anderen. Wo ist der Ausweg? Tine Wiechmann und Christoph Georgii, sie haben dieses Lied geschrieben, sehen den Weg der Selbstoptimierung. Viele versuchen das, in vielen Lebensbereichen. Arbeiten hart an sich, orientiert an ihrem Idealbild.

Musik 2  
Pre-Chorus 

Someday I(‘ll) leave it all behind 
Perfection I can’t ?nd 
The fear that makes me blind
Someday I’m gonna unwind
The things that trap my mind 
My view that is de?ned

Eines Tages lass ich alles hinter mir,
Perfektion kann ich (eh) nicht finden,
Die Angst, die mich blind macht,
Eines Tages werde ich sie lösen,
die Dinge, die meinen Geist gefangen halten,
Und meine festgefahrene Sichtweise

Chorus 

I try to get closer 
As hard as I can 
But I’m sure that you love me
Just the way I am

Ich strenge mich an dem näher zu kommen,
so  s-e-h-r ich nur irgendwie kann.
Aber ich bin auch sicher, dass Du mich liebst
wie ich bin.

Kann man, muss man sich selbst optimieren, damit man zum Idealbild wird? Religiös gefragt: kann man sich selbst heiligen? Eigene Fähigkeiten und Talente üben, das kann man. Wie ein Musiker, der sein Instrument besser beherrschen lernt.
Aber sich beherrschen als Person? Und sich auf ein Bild hin ummodeln? Wer gibt dieses Bild vor, das „ideal“ ist? Womöglich folge ich falschen Erwartungen. Das Lied sieht diese Gefahr und sucht Hilfe, sich selbst zu finden. Das Lied wird zum Gebet: Gott möge helfen, dass man nicht im falschen Leben verharrt. Musik 3 Just the way I am  Str 2

´Musik 3 Just the way I am

I get mad about my habits 
And it’s not okay 
That I already get used
To feel this way  

I’m lost and I’m confused 
Lord, hear my prayer 
Don’t let me get used  
To feel this way

Ich bin wütend über meine Gewohnheiten
Und es ist nicht oK,
dass ich mich daran gewöhnt habe
So zu fühlen.

Ich bin verloren und durcheinander,
Gott, hör mein Gebet:
lass nicht zu, dass ich mich
daran gewöhne so zu empfinden.

Sich selbst ideal zu optimieren. Das muss wohl scheitern. Auch wenn es oft heißt, man könne sich neu erfinden. Meine Erfahrung: die eigenen Schatten sind immer schon da. Erst ganz am Schluss des Liedes, als es schon zu Ende scheint. Da leuchtet in der Coda Neues auf:

„I am sure that you loved me each an’ every day.

Ich bin sicher, Du, (Gott), hast mich immer schon geliebt. Jeden Tag.“

Also nicht erst dann, wenn ich optimiert bin, bin ich liebenswert. Immer schon, von Geburt an. Und vielleicht ist das das Fundament, dass ich mich auch verändern kann. Nicht weil ich muss, sondern weil es möglich wird.

Musik 4 Just the way I am 


I am sure that you loved me each an every day

Ich bin gewiss, Du hast mich (immer schon) geliebt, jeden Tag

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Musik 1-4
“Just the way I am” track 7 aus CD ENAIM   
With your Love

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Susanne Zeltwanger-CanzWolf-Dieter Steinmann trifft Susanne Zeltwanger-Canz, Medienpädagogin Stuttgart

…. im Interesse von Kindern

Sie ist ein „Medienmensch“, sagt sie. Vor allem das Smartphone ist immer da - wie bei mir. Und sie hat Medien zum Beruf gemacht: als Medienpädagogin im evangelischen Medienhaus in Stuttgart. Manchmal testet sie sich - zb. als wir uns treffen: wer bestimmt - die Medien oder ich?

Ich habe mein Handy jetzt heute extra weggelassen. Aber sonst habe ich mein Handy immer in der Tasche. Wenns vergessen wurde, dann werde ich nervös.

Ich weiß, dass ich Medien manchmal zu viel Lebenszeit gönne. Sie kennt das auch. Abends wenn die Tochter im Bett ist, noch mal daddeln: ‚es könnte ja was sein.‘

Dann ist ratzefatze ne halbe Stunde rum. Das ärgert mich manchmal, weil ich im Nachhinein überleg: war da wirklich was? Entspannen wäre anders vielleicht sinnvoller gewesen. Aber ich kann Anrufe ignorieren, Nachrichten ignorieren. Das geht schon dann auch, dass ich bewusst sag, jetzt nicht. Weil das ist ja auch das, was ich anderen „predige“.

Susanne Zeltwanger- Canz macht klar: Medienbildung fängt bei mir an. Und es gibt einen Gegner, der sie erschwert. Ich selbst bin der Gegner: wir sind bequem geben zB. Daten leicht her.

Da denk ich: ‚warum mache ich mir eigentlich diese ganzen Mühen. Und dann denk, ne resignieren dürfen wir trotzdem nicht, wir müssen uns trotzdem irgendwie wehren und das bewusst machen.

Wenn man Kinder gehört Medienerziehung dazu: Ihre Tochter wird fotografiert, will selber knipsen, Filme sehen. Nur, ab wann?

Jetzt ist sie drei, jetzt darf sie -so gehirnmäßig- und dann habe ich halt recherchiert, welche Filmchen halt ich jetzt für geeignet, welche sind mir auch nicht zu schnell, zu wirr. 10-15 Minuten, und dann sag ich: ‚so du schaltest jetzt ab, da ist der Ausschaltknopf.‘

Beruflich bildet Susanne Zeltwanger-Canz viele Erzieher*innen weiter. Medienbildung kann da heißen: Kindern spielerisch zu zeigen. Medien sind Werkzeuge, mit denen man Welt entdeckt.

Ich kann eine Schnecke ganz groß fotografieren, ich kann einen Ausschnitt wählen und so erfahren die Kinder eben wie Bilder gemacht werden und dass ich entscheide als Fotograf, was fotografier ich und wie fotografiere ich es.

Oder sie drehen Trickfilme und Kinder erleben: ‚ich bin kreativ.‘ Klar ist: Kinder wachsen mit Medien auf und brauchen uns Große. Zum Verarbeiten dessen was sie ängstigt oder wer ihre Helden sind.

Da würde ich von Erzieher*innen erwarten, dass sie auch mal nachfragen. Was findest Du daran so toll? Bei nem Tierfilm: es werden vielleicht Mama und Kind getrennt. Dann ist das ne schlimme Situation. Und dass man das dann verstehen kann und ein bisschen verarbeiten. Das sollte dann nicht weggewischt werden: ‚Deine Medienerfahrung wollen wir hier nicht.‘

Manchmal scheitert Medienerziehung in der Kita, weil Geld und Technik fehlen. Da sieht sie die Träger gefordert.

Da habe ich grad Lust drauf und versuch so ganz langsam. Dinge in die Wege zu leiten. Um vielleicht da auch als Kirche, als Träger ein bisschen mehr eingreifen zu können.

Man spürt: Medienpädagogin bei der evangelischen Kirche, das passt ihr. Susanne Zeltwanger- Canz ist „angekommen“. Angefangen hat sie mal in Druckbranche.  Diese Umwege. War es Zufall?

…im eigenen Interesse und der Gesellschaft

Susanne Zeltwanger- Canz ist Medienmensch und Medienpädagogin. Medien fordern sie privat und beruflich. Und sie übt, wie lebt man gut mit Medien, bewusst und verantwortlich? Wenn man eine 3-jährige Tochter hat, Erzieherinnen in Kitas weiterbildet und sich als Christin versteht.

Das ist jetzt ja die Anforderung als Christ, dass nicht die Medien was mit mir machen, sondern ich eben entscheide, was ist für mich wichtig und wir nutze ich das. Gesellschaftliche Teilhabe gehört genauso dazu, dass ich mitmachen kann, nicht abgeschottet bin.

Medien machen heutzutage vor allem auch Bilder. Prägen unser Menschenbild. Wenn man Kinder hat, kann einem das Sorgen machen. Dass sie einen Knacks kriegen vor lauter Erwartungen. An die Schönheit, bis hinein in die Sexualität.

Wie bin ich? Darf ich mich so zeigen? Oder muss ich heutzutage alles retuschieren, damit ich mich zeigen kann? Oder was Pornographie angeht: Da werden Erwartungen hergestellt, dann wird gedacht, das muss so sein, ich muss das so machen. Man spürt innerlich: So will ich es nicht. Aber so ist es eben. Und da gibt’s jetzt schon genug, die damit Probleme haben.

Ich bin auch als Erwachsener nie ganz fertig damit: mich grundsätzlich zu mögen und zugleich frei zu sein, mich zu verändern?

Ich wäre gern mehr belastbar oder auch entspannter. Für mich ist dann das erste, einen Schritt zurückzugehen und zu sagen: ‚OK, was sind jetzt die wesentlichen Dinge, die mich glücklich machen, die mir auch Energie geben, um das dann wieder so zu akzeptieren, dass man eben so ist, wie man ist.

Für mich als Christ ist ein Schlüssel dafür, dass ich mich selbst lieben kann. Das geht, wenn man von Menschen geliebt wird. Und vertraut, von Gott bin ich auch geliebt. Ihr Weg zur Medienpädagogin ging Umwege. Aber heute kann sie sagen:

Es hat alles so sein müssen bei mir. Und hier ist jetzt „angekommen“, ja. Es kann ja nicht alles Zufall sein, dass das jetzt alles so gekommen ist.

Das ist ein Segen und ein dickes Vertrauenspolster. Susanne Zeltwanger-Canz gibt das auch Lust auf ihre Arbeit. Und wenn dann noch Erfolge kommen.

Wenn die Teilnehmer am Ende rausgehen und sagen: ‚Hey heute hab ich richtig viel erfahren, das gehen wir jetzt an.‘ Oder: wenn Kinder im Kindergarten fotografieren kommt meistens als erste Frage, ‚darf der mich fotografieren?‘ Der muss Dich vielleicht erst mal fragen, ob er Dich fotografieren darf. Damit bin ich schon im Recht am eigenen Bild.

Sie erhofft das auch von mir und Ihnen. Dass wir uns bilden in Sachen Medien. Dass wir uns interessieren für die Medienentwicklung. Kritisch werden. Auch mal das „weglegen“ trainieren. Ein Experiment zeigt, wie das wirken kann. Mit Schüler*innen bei einer Prüfung hat mal folgendes versucht.

3 Gruppen, die eine hatte ihr Handy auf dem Tisch, die andere, die andern im Rucksack und die dritte musste das Handy vor der Tür lassen. Wer hat am besten abgeschnitten? Da wo das Handy vor der Türe lag. Eine Bitte wäre schon, dass man bewusster mit den Medien umgeht. Für sich selbst und alle, die mit Kinder und Jugendlichen zu tun haben, ist es einfach: Der bewusste Umgang überträgt sich.

 

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Gut, dass es Worte gibt, die ich mir borgen kann. Um damit zu leben. Meine eigenen Worte reichen oft nicht aus. Sind karg. Verbraucht. Ich habe sie vielleicht schon zu oft benutzt. Oder die Worte, die mir einfallen, sind nicht so kräftig, dass sie weiterhelfen können über Abgründe im Leben oder auf Strecken, die einen auszehren. Gut, dass es Worte und Sprache gibt, die man sich borgen kann. Eigentlich machen wir das dauernd.

Ich borge mir zB. die Sprache der Musik zum Leben. Um mich auszudrücken. Ich kann selbst nicht komponieren. Keine Songperlen wie van Morrison oder Leonard Cohen, geschweige denn große Werke wie Mahler. Ich borge mir, hemmungslos, ihre Sprache. Und docke mit meinem Leben an an ihrer Musik, ihren poetischen Erfahrungen. Verstehe mich darin. Und indem ich in der Sprache und den Worten von anderen irgendwie heimisch werde, erweitert sich mein kleines Leben. Irgendwie kann ich dann auf einmal leichter über den eigenen Horizont hinausschauen. Werde aufgehoben und weiter geführt. Weiter als ich selbst je leben könnte.

Auch mit religiösen Worten ist das so. Bei Licht besehen ist es sogar wenig Eigenes, was ich sagen kann. Weit mehr ist geborgt, geschenkt. Gebete z.B.: „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück. Du bist bei mir, Dein Stecken und Stab trösten mich.“

Oder Geschichten, wie die vom verlorenen Sohn, der nach langen Wegen endlich wieder ankommt. Und der Arme erlebt, die ihn herzlich willkommen heißen. In diesen geborgten Worten kommt Gott mir näher. Ich habe nicht dasselbe erlebt. Aber ich finde mich in ihnen wieder und oft reicht dafür schon eine Ähnlichkeit.

Einer, bei dem ich mir immer wieder Worte zum Glauben borge, ist Hanns Dieter Hüsch. Der heitere, fromme und so unglaublich humane Kabarettist vom Niederrhein. Schade, dass er so früh verstorben ist. Besonders angetan hat es mir ein Psalm von ihm. Es würde mich freuen, wenn er Ihnen auch gut tut: Hüsch schreibt oder betet:

Ich bin vergnügt erlöst befreit
Gott nahm in seine Hände Meine Zeit
Mein Fühlen Denken Hören Sagen
Mein Triumphieren Und Verzagen
Das Elend Und die Zärtlichkeit.

Was macht daß ich so furchtlos bin
An vielen dunklen Tagen
Es kommt ein Geist in meinen Sinn
Will mich durchs Leben tragen

Was macht daß ich so unbeschwert
Und mich kein Trübsinn hält
Weil mich mein Gott das Lachen lehrt
Wohl über alle Welt.

Ist es nicht ein Glück, dass geborgte Worte und Sprachen einen leben lassen können? Ich wünsche mir und Ihnen heute diese Erfahrung.

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Warum beten Männer weniger als Frauen? Statistisch ist das so. Oder ich drücke es mal vorsichtiger aus: Warum sagen -bei Umfragen- weniger Männer als Frauen, dass sie beten? Denn es könnte ja immerhin sein, dass Männer zwar beten, es aber nicht sagen. Aber nehmen wir mal an: Männer beten wirklich weniger. Woran mag das liegen?

Ein Grund vielleicht, dass beten nicht so zu einem Mann passt, der im Leben steht? So etwa: ‚Männer beten nicht, Männer machen.‘

Dabei glaube ich, ist das keine Alternative. Ich finde, beten und machen gehören zusammen. Wie zwei Seiten einer Medaille, auch bei uns Männern. Dietrich Bonhoeffer, der Christ und Widerstandskämpfer hat das mal für mich treffend ausgedrückt:

Christsein, hat er gemeint, und ich meine auch, Mannsein besteht in zweierlei: Im Beten und im Tun des Gerechten unter den Menschen.

Beten und tun. Beide sollen zusammenfinden wie denken und reden. Beten, damit ich auch das Richtige mache. Was gut ist. Beim Beten gehe ich vor dem Machen noch mal in mich. Für wen, mache ich was. Für mich oder habe ich auch die anderen im Blick? Was ich mache möchte ich auch verantworten können. Dies zu klären, dazu kann beten helfen. Und das ist männlich.

Ein zweiter Grund, warum Männer weniger beten als Frauen, könnte sein. Dass Männer weniger Übung damit haben. Wie ich das mal im Krankenhaus gehört hab: „Ich würde jetzt schon gern beten“, sagte einer, der schwer krank geworden war. „Aber ich habe es schon so lange nicht mehr gemacht. Da kann ich doch Gott nicht kommen, bloß weil es mir jetzt schlecht geht.“

Ich bin sicher, Gott „hört“ auch, wenn ungeübt gebetet wird. Wenn es holpert und stottert. In der Bibel steht, schon ein verzweifeltes „Ach“ ist gebetet. Das kann jeder und das machen auch wir Männer wahrscheinlich öfter als uns bewusst ist. Und ich glaube, dass Gott auch nicht rumschmollt, wenn man sich auf einmal an ihn erinnert und daran, dass man dringend jemanden brauchen könnte.

Ein weiterer Grund, dass Männer nicht beten, ist sicher auch: Sie glauben nicht an Gott. Aber vielleicht kann man sogar dann beten. Jedenfalls, wenn man ihn vermisst. Das geht ja vielen so: Man kann nicht an Gott glauben, aber man vermisst ihn. Und zu jemandem, den man vermisst, kann man reden. Auch beten. Beten ist beides: Ich geh in mich, ich spüre meine Kraft, aber auch meine Wunden.

So ein Gebet vor Gott, der mir fehlt, kann schon sein, wenn man einfach still ist und zu sich kommt. Und dann so was ausdrückt wie: „Gott fehlt mir. Es wäre gut, mal wieder von ihm zu hören.“

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Wer bin ich? Was macht uns aus? Wer sind wir? Auf diese Fragen antworten wir oft mit Geschichten. Wenn ich erzähle, was mich familiär ausmacht, dann erzähle ich oft von gemeinsamer Arbeit auf dem elterlichen Bauernhof. Vor der Schule schon Spargel ernten. Wie anstrengend das war für uns Geschwister, aber auch, dass daraus ein großer Zusammenhalt erwachsen ist. Und ich hoffe, wenn ich das erzähle, dass so auch Familienidentität an die Nachfolgenden weiter fließt. Geschichten transportieren Identität und wollen Zukunft stiften.

Es ist darum nicht egal welche Geschichten wir erzählen. Wir streiten damit auch um Identität. Europa erlebt das gerade sehr brisant. Englische Brexiteers erzählen nicht vom Frieden, der durch die europäische Einigung erreicht worden ist. Im Gegenteil, seit den 1990er Jahren werden in England immer öfter Geschichten erzählt, die den Nationalismus stark machen.

Geschichten sind Identitätsgefäße und sie machen Zukunft. Sie erzählen wer wir sind, wohin wir wollen und wer wir werden möchten. Sie haben immer diesen Überschuss. Identität ist ja nie abgeschlossen, sie entscheidet sich in der Zukunft.

Welche Geschichten sind dann erzählenswert für Europa? Welche Zukunft wünschen wir uns? Ich glaube, nationale Geschichten nicht. Oder nur dann, wenn sie darüber hinausweisen. In eine europäische Zukunft. Ich finde erzählenswerte Geschichten für Europa auch in der Bibel. Neben vielen säkularen, die ich erzählen könnte.

Eine biblische Europa-Geschichte handelt von Lydia. In der Apostelgeschichte ist sie die erste Europäerin, die Christin geworden ist. Eine Frau. Alleinstehend vermutlich. Sie hat gearbeitet für ihren Lebensunterhalt. Und sie war Migrantin. Eingewandert aus der Türkei nach Griechenland, der Arbeit wegen.

Sie hatte mit Purpur zu tun. Dem kostbaren roten Farbstoff.Eine selbständige, arbeitende, nach Europa eingewanderte Frau wird die erste Christin Europas. Diese Frau finde ich wahrhaft erzählenswert für meine Identitätsbildung. Für die private und die politische als Europäer.

Lydia hat sich angesprochen gefühlt von der Botschaft von Jesus Christus und seinem Gott. Der für Liebe steht, für Frieden und Gerechtigkeit, dem alle Menschen gleich wert sind. Männer Frauen, egal woher. Diesem Gott und seinen Werten hat Lydia sich verschrieben. Eine Europäerin aus der Türkei.

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Wie ist eigentlich Europa christlich geworden? Jesus Christus war ja aus Israel und ist nie dort weg. Erst die Männer und Frauen, die an ihn geglaubt haben. Dass er auferstanden ist. Die haben Christus nach Europa gebracht: Sie haben erzählt: dass es Gott gibt, der für Liebe, Frieden und Gerechtigkeit steht.

Heute ist in den Evangelischen Kirchen eine Geschichte aus der Bibel dran, die erzählt das. Und ihre Pointe: Der erste Mensch, der sich von diesem Gott angesprochen fühlt, ist eine Frau. So kommt das Christentum in Europa an.

Lydia hieß sie, hat in Philippi gelebt, heute Griechenland. Damals war es eine römische Garnisonstadt. Man weiß auch, Lydia musste arbeiten. Vermutlich war sie alleinstehend und sie hatte mit Purpur zu tun. Dem edlen roten Farbstoff, der bei der römischen Bevölkerung sehr beliebt war. Aber Purpur zu gewinnen und daraus edle Farben zu machen, das war Drecksarbeit. Römische Herrschaften haben die Kleidung geschätzt, aber auf Männer und Frauen, die dafür mit Purpur schaffen mussten, auf die haben sie eher runter geguckt.

Da ist Gott anders. Ein Glück. Ich stelle mir vor, wie Lydia das Herz aufgegangen ist, als sie von diesem Gott gehört hat. Wie sie das berührt hat: Gott sieht alle Menschen gleichermaßen gut an. ‚Du, Lydia, bist so viel wert wie jeder Mann. Gott schätzt die, die arbeiten müssen. Und er macht keine Unterschiede, welche Religion man früher gehabt hat oder wo man geboren ist.‘

Und das ist eindrücklich für mich: Lydia war keine Europäerin von Geburt, sie war zugewandert aus der heutigen Türkei nach Griechenland. Das weiß man, weil Lydia kein echter persönlicher Vorname ist. Die Leute haben sie so genannt. Lydia: ‚Die aus Lydien‘. So wie Rheinhessen heute Sachse heißen können oder Kurpfälzer Slavko. Europa ist vor 2000 schon ein Kontinent gewesen, in den Menschen der Arbeit wegen eingewandert sind. Das gehört zu Europa. Wie das Christentum, obwohl es gewissermaßen auch eingewandert ist. Es ist christlich, dass wir Menschen, die neue Heimat und neues Leben suchen, dass wir denen das zugestehen. Alles andere wäre Verrat an der frühen Christin Lydia.

Europa ist „christlich“. Das heißt nicht, alle Europäer müssen Christen sein. „Europa ist offen“ für Christen, Juden und Muslime, für andere Religionen und für Nichtgläubige. Aber Europa sollte seine christliche Prägung auch nicht verstecken. Ich glaube, da steckt Zukunft drin. Wenn viele glauben wie Lydia: An einen Gott, der einsteht für Liebe, Gerechtigkeit und Frieden für alle Menschen.

Bibeltext: Apostelgeschichte 16,9-15

9 In der Nacht hatte Paulus eine Erscheinung. Ein Mann aus Mazedonien stand vor ihm und bat: »Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns!«
10 Gleich nachdem Paulus die Erscheinung gehabt hatte, suchten wir nach einer Möglichkeit, um nach Mazedonien zu gelangen. Denn wir waren sicher: Gott hatte uns dazu berufen, den Menschen dort die Gute Nachricht zu verkünden.
11 Von Troas aus setzten wir auf dem kürzesten Weg nach Samothrake über.
Einen Tag später erreichten wir Neapolis.
12 Von dort gingen wir nach Philippi.
Das ist eine bedeutende Stadt in diesem Bezirk Mazedoniens und römischeKolonie. In dieser Stadt blieben wir einige Zeit.
13 Am Sabbat gingen wir durch das Stadttor hinaus an den Fluss. Wir nahmen an, dass dort eine jüdische Gebetsstätte war. Wir setzten uns und sprachen zu den Frauen, die an diesem Ort zusammengekommen waren.
14 Unter den Zuhörerinnen war auch eine Frau namens Lydia.
Sie handelte mit Purpurstoffen und kam aus der Stadt Thyatira.
Lydia glaubte an den Gott Israels.
Der Herr öffnete ihr das Herz, sodass sie die Worte des Paulus gerne aufnahm.
15 Sie ließ sich
taufen zusammen mit allen, die in ihrem Haus lebten.
Danach bat sie:
»Wenn ihr überzeugt seid, dass ich wirklich an den Herrn glaube, dann kommt in mein Haus. Ihr könnt bei mir wohnen!« Und sie drängte uns förmlich dazu.

 

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„Musik hat etwas Heilendes,“ hat Van Morrison gesagt. Es klingt wie die Essenz seines unglaublich reichen Musikerlebens. 73 Jahre ist er inzwischen. Geboren 1945 im nordirischen Belfast. Dort hat er von Kind an erlebt, wie gut es ist, etwas Heilendes zu haben. Seit über 50 Jahren vereint er in seiner Musik Folk, Soul, Jazz und Blues.
„Das ist es, was Musik tut, sagt er: Sie rettet mich und andere. Das gilt insbesondere für den Blues, den ich sehr liebe.“

Das Lied heute ist kein Blues. Eher Folkrock. Morrison im Duett mit Cliff Richard. Fast heiter, beschwingt. Das ist heilend: Wenn Musik in die Seele scheint und den Körper in Bewegung bringt. Und das wollten Morrison und Richard mit ihrem:
„Whenever God shines his light on me“:

Wann immer Gott sein Licht auf mich scheinen lässt.
öffnet er mir die Augen, dass ich sehen kann,

Musik 1
Whenever God shines his light

Wenn ich aufschaue in der dunkelsten Nacht,
und ich weiß, alles wird gut werden.
In tiefer Verwirrung, in großer Verzweiflung
Wenn ich mich nach ihm ausstrecke, ER ist da.
Wenn ich so einsam bin, wie ich es je sein kann,
ich weiß, Gott lässt sein Licht scheinen, auf mich.

Whenever God shines his light on me
Opens up my eyes so I can see
When I look up in the darkest night
And I know everything's going to be alright
In deep confusion, in great despair
When I reach out for him he is there
When I am lonely as I can be
And I know that God shines his light on me

Streck Dich nach ihm aus, er wird da sein.
Mit ihm kannst Du all Deinen Kummer teilen.
Wenn Du das Leben lebst, das du liebst
Erhältst Du den Segen von oben

Refrain) Reach out for him (reach out for him), he'll be there (he'll be there)
With him your troubles (with him your troubles) you can share (you can share)
If you live (if you live), the life you love (the life you love)
You get the blessing (yeah) from above (from above)

Das Heilende berührt den, der Musik macht oder von Gott hört, zuerst selbst. Beim Klavierspielen habe ich das gespürt, wenn ich zugleich spiele und höre. Musik hat etwas Heilendes. Wie der Glaube. Beide hellen mich auf, wenn es dunkel ist, in mir und außen. Sie geben Auftrieb, wenn ich kraftlos bin. Ich vermute, dass sich auch für Van Morrison in diesem Lied Musik und Glaube verbunden haben zu einer glücklichen Ahnung Gottes. „Reach out for him, he’ll be there. Streck Dich nach ihm aus, er wird da sein.“ Und Morrison hat sicher in Konzerten erlebt, wie er auch andere Menschen beseelt hat, geheilt?

Musik 2 

Heals the sick and he heals the lame
Says you can do it too in Jesus' name
He'll lift you up and turn you around
And put your feet back (feet back) on higher ground

Er heilt den Kranken und heilt den Lahmen
Und sagt, dass Du das auch kannst in Jesu Namen.
Er wird Dich aufrichten und Dich retten
Und Deine Füße zurückbringen auf höheren (festen) Grund.

„Wann immer Gott sein Licht auf Dich scheinen lässt. Er ist Weg Wahrheit und Licht.“ In diesem gelösten Lob auf Gott gipfelt Van Morrisons Song: Vielleicht kann man dann wirklich heil werden und heilsam sein, wenn man nichts will, sondern da ist wie Musik und wie Gott. Wenn man empfängt und gibt.

Musik 3
whenever God shines the light

Whenever God shines his light On you On you
He is the way He is the truth He is the light

Wann immer Gott sein Licht auf Dich scheinen lässt
Er ist der Weg, die Wahrheit und das Licht.

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Musik 1-3
“Whenever GOD shines his lihgt on me”  
track 1 aus CD Van Morrison  Avalon sunset 
 

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Mit das Beste, was man Kindern als Vater oder Mutter mitgeben kann, ist: Vertrauen fürs Leben. Und wie man es stärken kann auch als Erwachsener. Für mich ist beten eine Quelle des Vertrauens. Und ich hoffe, ich habe das meinen Kindern mitgeben können.

Man kann Kindern zB. ja nicht versprechen, dass man immer da sein wird. Aber vielleicht ihnen Vertrauen mitgeben, dass sie dann trotzdem nicht vaterlos sein werden.

Für mich war - als mein Vater gestorben ist - wichtig und gut, in Gott „einen Vater im Himmel“ zu haben. Zu dem ich reden konnte. Zu dem ich innerlich auch aufblicken konnte. Vaterlos zu sein, das kann auch das Gefühl von Verlassensein in einem auslösen. Wenn man sich das eingesteht, auch betend, kann man daran wachsen. Gewissermaßen neu erwachsen werden.

Ich weiß, viele Menschen tun sich schwer, zu Gott als „Vater“ zu beten. Weil ihnen das Wort vergällt ist oder weil „Vater“ für Gott nicht passend scheint.

Ich würde es dennoch mal probieren, Gott "Vater" zu nennen. Denn, ich glaube, „vaterlos“ zu leben, ist schwierig. Ich kenne jedenfalls Situationen, da bin ich froh, dass ich Gott „Vater“ nennen kann. Genauso wie ich andermal „Mutter“ sage oder „Licht“ oder „Kraft“ oder „guter Gott“.

Auch in der Bibel taucht das Wort „Vater“ für Gott auf in der Erfahrung von Vaterlosigkeit. „Ja, Du bist unser Vater,“ heißt es im Alten Testament bei Jesaja, „denn unsere Vorväter kennen uns nicht mehr“. Als die Väter versagt haben oder nicht mehr da waren, da haben Juden es gewagt, Gott Vater zu nennen.

Bei Jesus ist es ähnlich. Er hat Gott in seiner Sprache „Abba“ genannt. Das klingt so vertraut wie „Papa“ heute. Jesu irdischer Vater hat in seinem erwachsenen Leben offenbar keine große Rolle gespielt. Aber er verzichtet nicht auf einen „Vater“. Jesus hat Gott „Papa“ genannt und uns geraten, „Vater unser“ zu beten. Wir sollen im Vertrauen leben, dass wir nicht vaterlos sind.

Wenn der eigene Vater stirbt, das verwandelt einen. Ich denke, das gilt, gleichgültig ob die Beziehung zu ihm positiv war oder ambivalent oder auch schwierig. Wenn Väter gehen, beginnt für einen selbst etwas Neues. Man verwandelt sich. Bis dahin war man auf mehr oder weniger spürbare Weise immer auch noch Sohn oder Tochter.

Diese Verwandlung braucht Zeit. Und ich denke, es ist gut, wenn man sich viel Zeit dafür lässt. Und es ist ein Segen, wenn man weiß: auch ohne meinen Vater muss ich nicht vaterlos durchs Leben gehen. Wenn die Beziehung zum Vater oder der Mutter endet. Das verändert. Man wird noch einmal neu erwachsen.

 

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Was hilft uns, uns zu verändern? Wissen und Vernunft sind anscheinend nicht genug. Um sich zu verändern, brauche ich noch andere Kräfte. Das legt Gus Speth nahe. Professor an der Yale Universität und Berater von früheren amerikanischen Präsidenten.

„Früher dachte ich, dass die größten Umweltprobleme der Verlust der Arten, der Kollaps der Ökosysteme und der Klimawandel wären," hat Gus Speth gesagt. "Ich dachte.. gute Wissenschaft könnte die Probleme angehen. Ich habe mich geirrt. Die größten Umweltprobleme sind Egoismus, Gier und Gleichgültigkeit und um mit ihnen fertig zu werden, brauchen wir einen kulturellen und spirituellen Wandel.“ So Professor Speth.

Wie gelingt spiritueller und kultureller Wandel? Dass unsere Erde Menschen braucht, die weniger gierig, egoistisch und gleichgültig sind, das wissen wir. Aber wie kann ich mich ändern. Nicht die anderen, ich bin die Probe aufs Exempel.

Ich glaube, es hilft, wenn wir erzählen wie es Menschen gelungen ist, sich zu verändern. Narrative des Wandels. Vor allem solche, in denen der Wandel nicht die einen als Gewinner zurücklässt und die anderen als Verlierer.

Eine der glücklichsten Wandlungen in der Bibel erzählt der Evangelist Lukas. Von einem Zollunternehmer, den Gier und Egoismus sehr reich gemacht haben. Aber auf Kosten seiner Umgebung. Zachäus war mehr als ein loyaler Beamter im Auftrag der Römischen Regierung. Zachäus hat in die eigene Tasche gewirtschaftet. Dafür war er seinen jüdischen Landsleuten verhasst.

Aber Zachäus hat auch noch Kräfte des Wandels in sich. Neu-gierde, Gewissen, Hoffnung. Alle 3 Bedingungen der Möglichkeit, sich zu wandeln. Neu-gierde, Gewissen, Hoffnung: Noch einmal etwas ändern im Leben. Sich wandeln, um mit sich und der Umwelt wieder in Einklang zu leben. Und so sagt er erfreut zu, als Jesus sich zum Essen einlädt. Und, so erzählt Lukas: Zachäus erfährt diese menschliche Nähe des Gottessohnes als einen solchen sozialen und spirituellen Gewinn, dass er nicht mehr so gierig an Dingen und Reichtum hängen muss. Neugierde auf neues Leben überwindet Gier. Er investiert sein halbes Vermögen in die Armenpflege, für sozialen Ausgleich. Und wen er betrogen hat, den bittet er um Entschuldigung und macht es wieder gut.

"Wir brauchen einen kulturellen und spirituellen Wandel," hat Professor Speth gesagt. Ich hoffe, ich kann mich verändern, wenn ich Gewinn im Wandel sehe.
Seien wir neu-gierig auf den Wandel. Weil er das Leben auf der Erde besser machen kann. Und Sie und mich glücklicher, weniger gierig und beziehungsreicher.

 

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