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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Wenn wir schon keine Zeit haben, dann sollen wir sie uns nehmen. Die wunderbare Zeitvermehrung will ich Ihnen heute erzählen:
Jesus hatte sich zurückgezogen. Endlich Wochenende! Freier Samstag!
Mit einem Boot fuhr er über den See, setzte sich ab, suchte Abstand. Aber die Meute der Leute hatte es mitbekommen und erwartete ihn schon am Ufer. Als Jesus das sah, diese vielen Menschen, da hatte er Mitleid und ging zu ihnen und heilte sie an Leib und Seele.
Und als es langsam Abend wurde, da kamen seine Jünger zu ihm und sagten mit Blick auf die Uhr:
„Herr, es ist schon spät, mach Schluss und schick die Leute heim!“ Da schaute Jesus ganz verwundert drein und fragte:
„Warum um Gottes Willen, sollen denn diese Leute fortgehen? Gebt ihr ihnen doch Zeit!“
Da wehrten sie sich heftig und sagten:
„Wir haben doch selber keine -das bisschen, was wir noch haben, das reicht doch nicht um sich um allen Kummer zu kümmern!“ Auf einmal war aber doch einer, der hatte tatsächlich noch 5 Termine frei, zur Not, mehr nicht, aber immerhin, und dazu sogar noch 2 Viertelstunden. Da lächelte Jesus und sagte:
„Ihr lernt es doch noch mit der Zeit!“ Und er ließ die Leute Platz nehmen, nahm die 5 Termine, dazu auch die beiden Viertelstunden, blickte zum Himmel und sprach darüber ein Segensgebet.
„Soviel Zeit muss sein!“
sagte er zu Petrus mit einem Augenzwinkern. Dann fing er an auszuteilen von der kostbaren Zeit und die Jünger halfen fleißig mit, vergaßen dabei ganz die Zeit und wie durch ein Wunder reichte es für alle. Niemand ging verloren in der Masse, alle kamen dran und kamen vor und waren wichtig und ernst genommen und angesehen.
Ja, am Ende, als die Leute gegangen waren, füllten sie noch 12 Tage mit dem, was sie füreinander übrig hatten, an Liebe und Offenheit an Wertschätzung und Geduld.
Ich wünsche Ihnen viel Zeit an diesem Samstag.

frei nach: Lothar Zenetti, Die wunderbare Zeitvermehrung,
Variationen zum Evangelium, Pfeiffer München, 1994, Seite 121f >/i>


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Freunde sucht man sich Geschwister hat man. Und damit immer Konkurrenz.
Denn:
Geschwister wollen es wissen, wen die Eltern am liebsten haben. Und dann gibt es manchmal Eifersuchtsgeschichten, die dauern ein Leben lang. Wie bei Jakob und Esau, den Zwillingen aus der Bibel. Könnte Jakob die Geschichte von dem Segen erzählen,
den er sich ergaunert hat, dann würde das wahrscheinlich so klingen:
„Ich Jakob“, würde er zuerst einmal sagen, „komme viel zu schlecht weg, in der Geschichte.
Ihr meint vielleicht, an dem Segen, den ich mir zugegebenermaßen von meinem Bruder, dem Tollpatsch, erschlichen habe, an diesem Segen wäre alles gelegen.
Von Wegen Segen…Ich habe teuer bezahlen müssen für meinen cleveren Trick, bei dem ich übrigens von meiner lieben Mama wundervoll unterstützt worden bin, wie immer.
Genau genommen hat sie mich quasi überredet. Zunächst möchte ich aber darauf verweisen, dass ich bereits vor der Sache mit dem Segen einfach der Bessere war.
Hirte sein mit Haus und Hof, das ist doch allemal solide. Anders als der herumstreunende unrasierte Jägersmann, der täglich am Verhungern ist, weil er nichts erbeutet hat. Meine Mama hat das genau so gesehen. Und die muss es wissen! Nur Isaak, unser Vater, der war versessen aufs Essen, ganz wild auf Wild.
Das er von Esau bekam und nicht von mir. Das hat mich eifersüchtig gemacht und da habe ich es wissen wollen und ging aufs Ganze.
Ich wollte den Segen bekommen vom Vater, der Größte, der Erste sein. Das hat meine Mama übrigens genau so gesehen. Also mussten wir da ein bisschen nachhelfen.
Esau hab ich abgespeist mit Linsen. Dafür hat er mir den Vortritt gelassen.
Dann hab ich mich dem blinden Vater als Esau vorgestellt, der hat den Wildbraten gerochen und die Sache war gegessen.
Sich regen bringt Segen! Aber dann musste ich leider fliehen vor Esau, dem zornigen Zornnickel, und kam zum bösen Onkel Laban. Sieben Jahre ließ er mich schuften, der Schuft genau, für die falsche Frau.
Dann noch mal sieben Jahre für die Richtige. Schließlich bin ich auch da weggelaufen. Nach zwanzig Jahre Sklaverei!
Das ist aus dem so reich gesegneten Jakob, dem Lügner, geworden. Und dann auf der Flucht kommt mir mein guter Bruder Esau entgegen. Ich musste mit allem rechnen und ihn deshalb mit Geschenken überhäufen. Mit Speck fängt man Mäuse! Wir haben uns dann brüderlich umarmt und geküsst, dass uns nur so die Tränen flossen. Vielleicht war das der eigentliche Segen. Wenn das Mama wüsste…
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Das kommt in den besten Familien vor! Sagt man, wenn was passiert, was eigentlich keiner will. Streit zum Beispiel. Streit will man am liebsten vermeiden. Aber er kommt in den besten Familien vor. Das steht schon so in der Bibel. Ganz vorne, damit's keiner übersieht.
Zum Beispiel in der Geschichte von Esau und Jakob. Das sind Zwillinge
und die streiten sich schon im Bauch ihrer Mutter. Fast ein ganzes Leben hat es gedauert, bis sich die beiden versöhnen konnten. Esau, der zuerst Geborene würde die Geschichte vielleicht so erzählen:

Also zwischen mir und Jakob, dem milchgesichtigen Mamakind lagen von Anfang an Welten. Mein Bruder, der Meister Jakob, hatte von Anfang an das Talent zum Heimwerker und zum hartnäckigen Weichei.
Ein Stubenhocker, mit ausgeprägter Arbeitsallergie. Das alles wäre aber noch einigermaßen erträglich gewesen, wenn da nicht noch seine wahrscheinlich genetisch bedingte Veranlagung zum hinterhältigen Feigling gewesen wäre.

Keine Ahnung von Feld, Wald und Wiese, kein Jäger aus Kurpfalz, aber dafür gerissen genug, um mir das Einzige abzujagen, was mir definitiv nicht zu nehmen war:
nämlich der ERSTE gewesen zu sein. In erpresserischer Absicht schwätze er mir meine Thronfolge, mein Erstgeburtsrecht bei unserem Vater ab, für ein lächerliches Essen. Fast food ist eigentlich seine Erfindung. und das „Jüngste Gericht“ hat da seinen Ursprung. Übrigens mag ich Linsen seitdem gar nicht mehr! Jedenfalls hat er mich an meiner schwächsten Stelle erwischt und rumgekriegt, dass ich ihm meine Thronfolge abtrete.

Ich will nicht verschweigen, dass es nach dem Betrug und dem Streit und dem verwegenen Segen, den mein holder Bruder dem blinden Vater abgeluxt hatte, später auch noch so etwas wie eine Versöhnung gegeben hat. Denn Jakob hatte mächtig Angst, mir nach so langer Zeit zu begegnen.

Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie entgegenkommend der war wegen seinem schlechten Gewissen.
Ich wurde von ihm genötigt entgegen zu nehmen:
200 Ziegen, 20 Böcke – mehr als ich je geschossen habe, 200 Schafe, 20 Widder,30 Kamele mit ihm sind 31, 40 Kühe, 10 Stiere, 30 Esel, einer war ich selbst, macht dann 31.
Ich dagegen kam ihm mit gerade mal einem hübschen Grüppchen von 400 bis an die Zähne bewaffneten Männern zaghaft entgegen, was meinen kleinen Bruder offenbar mächtig beeindruckt haben muss.

Kurzum: Ich hab ihm vergeben und verziehen.
Denn mit der Verwandtschaft ist es wie auf der Autobahn: Sie fahren mit Abstand am Besten. Vor allem in den besten Familien, so wie meine eine war. https://www.kirche-im-swr.de/?m=781
Noch einmal Verkleiden heute? Wie wärs mit einem Aschermittwochskleid? Nach dem Modell Johannes, Johannes den Täufer. Sein Geschmack scheint mir schon ein bisschen In Richtung Aschermittwoch zu gehen. Die Bibel spricht ganz unromantisch von seinem kargen Leben. Er trug ein Kleid aus Kamelhaaren und um die Hüften and er sich einen Ledergurt.
Seine Leibspeise: Heuschrecken und wilder Honig. Also: Schluss mit lustig. Sack und Asche. Büßergewand! Allerhand. Oder?
Johannes der Täufer war auf jeden Fall ein Unbequemer, eine Zumutung und ein Spielverderber womöglich, auf jeden Fall ein mutiger Mahner. „Kehrt um!“
hat er jedem gesagt, der´s nicht hören wollte. Kehrt um!
Und die Leute fragten: Schön und gut, aber wie?“ „Wer zwei Hemden hat, soll dem eins geben, der gar keins hat! Und wer genug zu essen hat, soll mit dem teilen, den der Hunger plagt! Bleibt im Rahmen, nehmt euch nicht alles heraus, nehmt euch nicht das Leben gegenseitig!“
So steht er da, der verkleidete Bußprediger und schnallt den Ledergürtel noch enger als einsamer Rufer in der Wüste. Es muss ihm gut gestanden haben, sein Kleid, sein Äußeres und sein Inneres waren stimmig, und seine Stimme hat nichts anderes gesagt, wie die Sprache seines Lebens und Handelns.
Wer so anziehend wirkt und nicht würgt, wer glaubwürdig verkörpert, was er vertritt, der kann so wie Johannes sein.
„Wer zwei Hemden hat, soll dem eins geben,
der gar keins hat.“ Jetzt wird’s ernst, weil ich hab ja zwei Hemden
mindestens…

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Verkleiden wir uns heute wieder? Als Adam und Eva? Nein, nicht was Sie jetzt vielleicht denken nicht im Adamskostüm nicht wie Gott Sie geschaffen hat, sondern wie Gott Sie angezogen hat. Adam und Eva tatsächlich die Ersten, denen Gott Kostüme gemacht hat.
Und das kam so: Es lief ganz mies im Paradies.
Schon damals nämlich hat es sich gezeigt, dass, wenn es an gar nichts fehlt, gar nicht viel fehlt, und schon sind die Leute ungenießbar. Aus Genuss wird Verdruss! „Es muss doch mehr als alles geben!“ sagen sie dann und fangen an, ihre Grenzen zu überschreiten, sagen und fragen:
„Sollte nicht doch alles erlaubt sein, was Spaß macht?“ „Sollte es wirklich Tabus geben?“ „Gibt es Sachen, die wir nicht machen mit uns und unseren Mitmenschen?“
Wir sind doch da, um auszuleben, was geht. Also gehen sie zu weit, schlängeln sich ins Dilemma und essen von den falschen Früchten und Süchten. Und dann kommt es zum Sündenfall.
Nachdem sie sich daneben benehmen fangen sie gleich drauf an, sich zu schämen und sie fangen an, sich zu verkleiden und zu verstecken, knüpfen knappe Schürzen, um sich zu schützen.
Und können doch nicht vor Gott weglaufen. Aber dann zeigt es sich, dass Gott ein Modemacher ist und seine erste Kollektion entwirft, und mit seinen Kleidern aus den Leuten Menschen macht.
Es heißt tatsächlich am Ende der Geschichte, dass er sich höchstpersönlich um die Straßengarderobe kümmert
und für Adam und Eva richtige Röcke aus Fellen macht, so dass sie ordentlich eingepackt sind und warm haben.
Gott will niemanden bloßstellen, keinen nur beschämen, sondern vor allem beschützen.
Wenn schon aus dem Paradies verjagt, dann wenigstens gut gekleidet unterwegs.
Von Gott angezogen, ist mehr als ein Kostüm.
Es ist Komfort.
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Verkleiden wir uns heute mal- am Rosenmontag zum Spaß auf der Gass?
Vielleicht als Josef? Ich meine den mit dem schönen Kleid und dem schönen Bruderstreit.
An ihm können wir sehen, wie verkleiden und vergleichen zusammen hängen und wie leicht man sich verkleidet nämlich falsch gekleidet hat. Das ist eine alte Geschichte.
Josef und seine Brüder, sie sind zusammen 12, 11 Freunde die einen und Josef, der ganz andere, weil der nämlich Papas Liebling ist. Und Lieblinge sind selten beliebt. Erstrecht als im sein Vater Jakob einen bunten Rock schenkt. Da geht ein Ruck durch die Familie und Verkleiden und Vergleichen schaukeln sich hoch zum Streit. Weil Josef overdressed davon träumt, wie alle sich vor ihm verneigen, da treibt er es zu bunt und fängt ohne es zu ahnen damit an, um Schläge zu betteln.
Die letzte Stufe der Empörung stellt sich ein, als dem Träumer schwant, dass sich sogar Sonne Mond und Sterne um ihn drehen, da drehen seine Brüder durch und sagen: So ein Angeber! Dem geben wirs!
Bei nächst bester Gelegenheit ist es soweit: Die Brüder sind draußen bei den Tieren und bei der Arbeit, Josef nicht der darf sich sein buntes Kleidchen nicht schmutzig machen und sitzt brav zuhause im Schatten. Da schickt Jakob den Liebling hinterher, um zu spionieren. Ausgerechnet der die Arbeit links liegen lässt, soll jetzt nach dem Rechten sehn. Und wie sie ihn da so kommen sehn kriegen sie es mit der Wut und werfen ihn in einen Brunnen, in dem aber zum Glück kein Wasser ist. Dann holen sie ihn wieder raus und verkaufen ihn als Sklaven an eine Karawane, die gerade vorbei kommt.
Hochmut kommt vor dem Fall! Wenn beim Verkleiden die anderen vergleichsweise schlecht wegkommen, dann läuft alles verkehrt wenn einer so grell wirkt, dass die anderen dabei blass werden, ist das nicht gesund.
Was wieder einmal zeigen soll:
Nimm erstens nicht den Mund zu voll und zweitens zieh doch beim Verkleiden nicht gar so stolz und bunt von Weitem schon Neid und Zorn der Leute auf dich, schon gar nicht heute.
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