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SWR2 Lied zum Sonntag

16MAI2021
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Orgelvorspiel zu Domchor München

Jauchzet dem Herr, alle Welt!
Dienet dem Herrn mit Freuden, kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken.

Es sind Worte aus Psalm 100, die – in Reimform gefasst – zum Text eines bekannten Kirchenliedes wurden. Nun jauchzt dem Herren, alle Welt.

Domchor München Strophe 1

Feierlich und gleichzeitig beschwingt klingt das Lied für mich. Es ist in der Kirche oft bei festlichen Anlässen zu hören. Ein Vers des Psalms ist mir dabei besonders wichtig. Da heißt es: Erkennet,dass der Herr Gott ist!Er hat uns gemacht und nicht wir selbst zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide.

Domchor München Strophe 2

Er hat uns gemacht – und nicht wir selbst. Der Liedtext entfaltet diesen Psalmvers in zwei Strophen. In der ersten der beiden Strophen, die wir gerade gehört haben, geht es um die grundsätzliche Erkenntnis: Mein Leben verdanke ich nicht mir selbst.

Ich finde, man muss kein religiöser Mensch sein, um darüber zu staunen, dass man existiert. Warum gibt es ausgerechnet mich? Aus Gottes Gnad – so lautet die Antwort des Liedes und des christlichen Glaubens. Für Martin Luther in seinem Kleinen Katechismus war das eine frohe Botschaft: Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat, schreibt er in der Auslegung zum Glaubensbekenntnis. Und das ... aus lauter väterlicher, göttlicher Güte und Barmherzigkeit, ohn all mein Verdienst und Würdigkeit.

Das Leben ist ein unverdientes Geschenk. Ich glaube: Wenn ich es so sehe, lebe ich anders. Ich werde toleranter gegenüber manchen Zumutungen im Leben. Und dankbarer für die schönen Seiten.
Im Psalmvers steckt aber noch ein zweiter Aspekt. Nicht nur das Leben verdanken wir Gott – sondern auch den Glauben. Das entfaltet das Lied in der nächsten Strophe:

Projektchor Karlsruhe Strophe 3

Auch der Glaube ist ein Geschenk. Auch das hat Luther im Kleinen Katechismus deutlich formuliert: Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus ... glauben ... kann.

Domchor München Zwischenspiel

Ich finde, das ist eine sehr bedeutsame Erkenntnis. Denn es heißt doch: Jeder äußere und innere Zwang sind in der Religion ausgeschlossen. Zu etwas, über das ich nicht einmal selbst verfüge, kann mich erst recht kein anderer zwingen. Und: Religion kann auch niemals ein Grund sein, sich anderen überlegen zu fühlen. Denn Glauben ist kein Verdienst. Wer den eigenen Glauben aber als Geschenk empfindet, der darf sich daran freuen. Und Gott dafür danken, wie es das Lied uns nahelegt.

Domchor München Strophe 5

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