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SWR2 Lied zum Sonntag

 (GL 414)

Gottvertrauen. Das zu haben, das macht Menschen stark. Oftmals wird dieser Begriff wörtlich verstanden. Gottvertrauen, dass haben Menschen, die tatsächlich an Gott glauben und auf ihn vertrauen. Gottvertrauen steht aber auch für eine Haltung: Dass ich in allen Höhen und Tiefen meines Lebens darauf vertraue, dass mein Leben einen Sinn hat, dass ich nicht ins Nichts falle. Von beiden Arten des Gottvertrauens singt das Lied »Herr, unser Herr, wie bist du zugegen«.

1. Herr, unser Herr, wie bist du zugegen / und wie unsagbar nah bei uns. / Allzeit bist du um uns in Sorge, / in deiner Liebe birgst du uns.

»Herr, unser Herr« stammt von Huub Oosterhuis, dem berühmtesten niederländischen Texter religiöser Lieder. Seine Liedtexte sind andächtig im besten Sinne. Der Begriff Andacht hat mit dem Andenken zu tun, der Erinnerung. In seinen Texten erinnert Oosterhuis durchgehend an die Sprache der Bibel, vor allem der Psalmen. Seine Texte sind wie die biblischen Lieder tastende Versuche, die Frage nach Gott und dem Menschen zu beantworten.

2. Du bist nicht fern, denn die zu dir beten, / wissen, daß du uns nicht verläßt. / Du bist so menschlich in unsrer Mitte, / daß du wohl dieses Lied verstehst.

Gott, das ist für Huub Oosterhuis ein Gott, der sich in und durch Menschen zeigt. Gott zeigt sich menschlich, sonst könnte er Menschen nicht verstehen – und Menschen könnten Gott nicht erahnen. Aber zugleich ist Gott auch verborgen, kann nicht vollständig erfasst werden, ist unsichtbar. Eigenschaften, die auch für den Menschen gelten: Denn auch Menschen sind vielfältig, oft anders als gedacht, können nicht umfassend verstanden werden.

4. Du bist in allem ganz tief verborgen, / was lebt und sich entfalten kann. / Doch in den Menschen willst du wohnen, / mit ganzer Kraft uns zugetan.

Gottvertrauen, das ist ein anderes Wort für Menschenvertrauen. In doppelter Hinsicht. Zum einen schlägt das Lied vor, auf Gott zu vertrauen, weil Gott nahe ist – durch jeden Menschen. Zum anderen aber legt es auch nahe: Ich kann dem Menschen vertrauen, weil Gott im Menschen wohnt. Die Idee der Menschlichkeit Gottes findet auch einen ganz einfachen Ausdruck. Der Text des Liedes ist auf eine volkstümliche niederländische Melodie geschrieben. Eine Melodie, die sich je nach Anlass fröhlich beschwingt oder auch sehr ruhig singen lässt. So wie die Suche nach Gott und Mensch ganz unterschiedlich ausfallen kann.

5. Herr, unser Herr, wie bist du zugegen, / wo nur auf Erden Menschen sind. / Bleib gnädig so um uns in Sorge, / bis wir in dir vollkommen sind.

 

Herr unser Herr, wie bist du zugegen

Originaltitel: Lied van Gods aanwezigheid

Text: Huub Oosterhuis / Übertragung: Peter Pawlowsky & Nikolaus Greitemann

Musik: Niederländische Volksweise, Satz: Bernard Huijbers

(1)

M0472059 / 01-018   1‘32

Raiser, Christian-Markus: »Herr, unser Herr, wie bist Du zugegen« für Chor und Klavier. CoroPiccolo Karlsruhe; Leitung: Raiser, Christian-Markus

(2)

CD »Huub Oosterhuis, Gesammelte Gesänge – Schola Kleine Kirche Osnabrück 1991-2011«  /  MIRA 399474, keine LC

CD 2 / Track 01 / 2:35

Orgel: Günther Doetsch; Schola Kleine Kirche Osnabrück; Leitung: Ansgar Schönecker

© Ekklesia Music Publishing, Amsterdam, 2012

 

 

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