Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR2 Lied zum Sonntag

An Ostern kommt Bewegung ins Leben. Die Botschaft von der Auferstehung sprengt Grenzen: zwischen Leben und Tod, zwischen Siegern und Verlierern. Man sucht Worte und spürt zugleich: Worte können kaum beschreiben, was da geschieht.
Für mich persönlich ist es ein Osterlied aus Tansania, das besonders gut ausdrücken kann, was mir Ostern bedeutet. Das diese freudige Aufbruchsstimmung ausstrahlt:

Er ist erstanden, Halleluja! Freut euch und singet, Halleluja! Vermutlich ist es kein Zufall, dass es gerade ein Lied aus Afrika ist, das mir hilft, der Osterbotschaft nachzuspüren. Wenn ich es höre und singe, muss ich dieses Jahr auch an Alice denken. Alice war Mesnerin an unserer Kirche. Im Winter ist sie an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben. Alice ist vor einigen Jahren aus Kamerun nach Deutschland gekommen. Zuerst hat sie in der Flüchtlingsunterkunft in der Nähe gewohnt und kam sonntags in die Kirche. Als wir eine neue Mesnerin gesucht haben, waren wir froh, dass Alice bereit war, die Stelle zu übernehmen. Ihre wahre Leidenschaft aber war das Singen.

Schnell hat sie sich dem Kirchenchor angeschlossen, auch wenn dort ganz anders gesungen wird als sie es kannte. Ihr war das egal: Singen ist universell. Für sie war das Singen eine Möglichkeit, ihren Glauben zu leben – und der Chor wurde ihr ein Stück Heimat.

Denn die Gewalt des Tods ist zerstört – selig ist, wer zu Jesus gehört! Was das bedeutet, ist mir ganz deutlich geworden, als Alice gestorben ist. Zum Gottesdienst, in dem wir an Alice gedacht haben, sind viele ihrer Freundinnen gekommen – die meisten von ihnen Afrikanerinnen, viele sind als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Nachdem wir unsere Kerzen angezündet hatten, ist eine nach der anderen von Ihnen aufgestanden, um für Alice zu beten und zu singen.

Für mich war das zuerst ungewohnt – aber dann hat es mich sehr berührt. Die tröstlichen Lieder, mit viel Gefühl als Solo gesungen, und die Gebete, auf englisch und deutsch, haben mir gezeigt: Für diese Frauen, die selbst viel Schweres erlebt haben, ist die Auferstehung kein schwieriger, theoretischer Lehrsatz des christlichen Glaubens, an dem sich der Verstand abmüht. Für sie ist die Auferstehung eine Hoffnung, die sie erfüllt. Und die sie trotz aller Traurigkeit stark und zuversichtlich macht.
„Alice, ich bin sicher, im Himmel singst du weiter“ – so hat es eine ihre Freundinnen gesagt. Und ich habe das Bild ganz lebhaft vor Augen gesehen.

Jesus bringt Leben, Halleluja! Die Afrikanerinnen in unserer Kirche haben mich spüren lassen, was das bedeutet. Sie haben mir ein Gefühl dafür gegeben, was es heißt, wenn der Tod nicht das letzte Wort hat, wenn die Grenze zwischen Tod und Leben gesprengt wird. Sie haben meinen Glauben mit ihrem Glauben bereichert. Ich werde an Sie denken, wenn ich in diesen Tagen das afrikanische Osterlied singe. Und ich werde an Alice denken.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=21715