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SWR2 Lied zum Sonntag

Wie ein Schlafwandler bewegt man sich, wenn man traurig ist oder in Trauer. Langsamer. In einer eigenen Welt. Bei dem, was einen traurig macht. Das „andere“ Leben, andere Menschen, man sieht sie wie durch einen Vorhang. Man lebt mit diesem Vorhang, mal mehr diesseits, mal jenseits, von diesem Vorhang, der meines und das „helle“ Leben trennt. Zurück in helles Leben, das dauert. Vom Weg dieser Auferweckung erzählt das Lied, (fade in): „Gelobt sei Gott im höchsten Thron“.
In den ersten Strophen dichtet Michael Weiße die biblische Osterbotschaft nach. Strophe für Strophe sucht er sie den Singenden nahe zu bringen.
Weiße redet von der Auferweckung Jesu:

3. Der Engel sprach: Nun fürcht’ euch nicht;
denn ich weiß wohl, was euch gebricht.
Ihr sucht Jesus, den find’t ihr nicht.
Halleluja, Halleluja, Halleluja.

In der biblischen Ostergeschichte gehen die Freundinnen und Freunde Jesu an sein Grab. Suchen wie viele Trauernde die Nähe zu ihrem Verstorbenen. (fade out) Wie kann man da hören, dass er nicht mehr da ist, weil er lebt?
Wie kann das Leben sich Gehör verschaffen, wenn der Tod so groß ist?
Leise aber beharrlich - so empfinde ich das - bringt mir das Lied mit der Melodie von Melchior Vulpius die unerhörte Nachricht nahe, die Gottes Bote erzählt:
Das Leben geht nicht im Tod verloren. Vielmehr verliert sich der Tod in Gott.
„Er, Jesus, ist erstanden vom Tod.“ So tastet sich das Lied zu mir heran.

4. Er ist erstanden von dem Tod,
hat überwunden alle Not;
kommt, seht, wo er gelegen hat.
Halleluja, Halleluja, Halleluja.

In den beiden letzten Strophen verlässt Michael Weiße die biblische Ostergeschichte. Wer das Lied mitsingt, ist nicht mehr nur Zuhörender, anscheinend ist der Engel zu ihm durchgekommen. Und das verändert einen: Vom Schlafwandler hinter dem Vorhang zurück in den Wachzustand eines helleren Lebens.
Wer schon getrauert hat, weiß wie überraschend das ist, wenn man nach einer Zeit das Leben der anderen wieder wahrnehmen kann. Wenn man sich zum ersten Mal wieder lachen hört. Aber dann muss ich auch selbst eigene Schritte ins Leben tun. Tun wollen. Diese Bewegung vollzieht das Lied, wenn es heißt „Wir bitten Dich“.
Ich verstehe das so: Habe ich zuvor ‚nur‘ aus dem Geschehen um Jesus gehört, dass das Leben stärker sei als Tod, möchte ich das nun selbst erfahren. Selbst neu leben. Ich möchte selber belebt werden von der Osterbotschaft. Darum, die Bitte.
Trauernde können erleben, dass sie werden wie neu geboren. Für Christen das Zeichen, dass Gott Auferstehung möglich macht.

5. Nun bitten wir Dich, Jesu Christ,
weil Du vom Tod erstanden bist,
verleihe, was uns selig ist.
Halleluja, Halleluja, Halleluja.

6. O mache unser Herz bereit,
damit von Sünden wir befreit
dir mögen singen allezeit:
Halleluja, Halleluja, Halleluja.

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